Einleitung
Die Sanierung der Bundesstraße 9 (B9), auch bekannt als Neusser Landstraße, im Kölner Stadtteil Worringen hat im Mai 2025 begonnen. Diese lang erwartete Maßnahme ist für viele Anwohner sowohl herbeigesehnt, da die schlechte Straßenqualität zu erheblichem Verkehrslärm führte, als auch gefürchtet, da sie mit langen und umfangreichen Einschränkungen verbunden sein wird. Die Sanierung wird den gesamten Straßenoberbau, einschließlich Geh- und Radweges, erneuern und den Straßenquerschnitt neu ordnen. Zudem wird das Trinkwassernetz ertüchtigt. Die Arbeiten werden in zwei großen Bauabschnitten durchgeführt, die jeweils etwa 7,5 Monate dauern sollen und mit Vollsperrungen verbunden sind. Diese Maßnahme führt jedoch zu erheblichen Verkehrsbeeinträchtigungen und Bedenken bei Anwohnern und Unternehmen in der Region.
Projektumfang und Ziele
Die Stadt Köln erneuert die B9, Neusser Landstraße, in der Ortsdurchfahrt Köln-Worringen im Abschnitt zwischen der Straße Kurzer Damm und Ortsausgang Worringen in Richtung Dormagen grundhaft und gestaltet sie um. Bei der Sanierung handelt es sich um eine umfassende Maßnahme, die mehrere Aspekte der Infrastruktur betrifft.
Die Hauptziele des Projekts sind:
- Vollständige Erneuerung des Straßenoberbaus
- Neugestaltung des Geh- und Radweges
- Neuordnung des Straßenquerschnitts
- Erneuerung des Trinkwassernetzes durch den Versorgungsbetreiber
Die Notwendigkeit der Sanierung wird allgemein anerkannt, da die bisherige Straßenqualität sowohl für Anwohner als auch für Verkehrsteilnehmer Probleme verursachte. Besonders der Verkehrslärm durch den schlechten Straßenbelag wurde von Anwohnern als belastend empfunden, da er den Schlaf störte. Gleichzeitig sind die Bauarbeiten mit erheblichen Einschränkungen verbunden, die für Anwohner, Verkehrsteilnehmer und Anlieger zu unübersichtlichen und teilweise chaotischen Situationen führen können.
Zeitplan und Bauabschnitte
Die Sanierung der B9 in Worringen ist in zwei große, aufeinander folgende Bauabschnitte unterteilt, die jeweils wiederum in Unterabschnitte gegliedert sind. Die betroffenen Bereiche der Neusser Landstraße werden jeweils voll gesperrt, was erhebliche Verkehrsbeeinträchtigungen in der gesamten Region zur Folge hat.
Bauabschnitt 1: Kurzer Damm bis Dornstraße
Der erste Bauabschnitt umfasst den Streckenabschnitt von Kurzer Damm bis zur Dornstraße und soll circa 7,5 Monate dauern. Der Zeitplan für diesen Abschnitt ist wie folgt:
- Einrichtung der Verkehrsführung: 7.–9. Mai 2025
- Einrichtung der Vollsperrung: 12. Mai 2025
- Beginn der Bautätigkeiten: 12. Mai 2025
Der erste Bauabschnitt selbst wird wiederum in zwei Unterabschnitte unterteilt:
- Bauabschnitt 1A: Kurzer Damm bis Tankstelle, Dauer circa 3,5 Monate
- Bauabschnitt 1B: Tankstelle bis Dornstraße, Dauer circa 4 Monate
Bauabschnitt 2: Dornstraße bis Ortsausgang Worringen
Der zweite Bauabschnitt erstreckt sich von der Dornstraße bis zum Ortsausgang Worringen in Richtung Dormagen und soll ebenfalls circa 7,5 Monate dauern. Dazu kommt noch die Umbauzeit zwischen den beiden Bauabschnitten.
- Geplanter Baubeginn: 1. Quartal 2026
- Voraussichtliche Fertigstellung: Ende 2026 (genaues Datum nicht angegeben)
Besonders bemerkenswert ist die unterschiedliche Vorgehensweise bei den beiden Bauabschnitten. Während der erste Bauabschnitt vollständig gesperrt wird, ist für den zweiten Bauabschnitt eine Teilsperrung vorgesehen. Diese Ungleichbehandlung ist Gegenstand von Kritik und einer Petition, die von betroffenen Unternehmen initiiert wurde.
Verkehrslenkung und Umleitungen
Die Vollsperrung der B9 in Worringen erfordert umfangreiche Maßnahmen zur Verkehrslenkung und Umleitung des Verkehrs. Der BVKRT (Bürgerverein Köln-Rodenkirchen-Troisdorf) hat es geschafft, verschiedene Maßnahmen durchzusetzen, um die Situation so angenehm wie möglich zu gestalten.
Umleitungsmaßnahmen
Zu den wichtigsten Maßnahmen gehören:
- Frühzeitige Umleitungsausschilderung auf der BAB1 und der Industriestraße, vor allem für LKW ab 3,5t
- Rückbau der Fahrbahnteiler auf der Bruchstraße, um einen besseren Verkehrsfluss zu gewährleisten
- Regelmäßige mobile Blitzer an unterschiedlichen Stellen, vor allem am Ortseingang
Signalanlagen
Zur Verbesserung der Verkehrssituation während der Bauphase werden mehrere Signalanlagen installiert:
- Eine Signalanlage mit Schaltung nach Verkehrsfluss an der Bruchstraße Ecke Walter-Dodde-Weg, um die Ausfahrt aus dem Dorf sowie den Verkehrsfluss der Buslinien zu gewährleisten
- Eine Signalanlage am Kreisverkehr Straberger Weg, um vor allem zu den Stoßzeiten (Berufsverkehr Chemiewerk) eine Ausfahrt aus Roggendorf/Thenhoven zu gewährleisten
- Eine Signalanlage an der Ecke St. Tönnisstraße (ob es auch eine geforderte Links- und Rechtsabbiegerspur gibt, ist aktuell nicht bekannt)
- Eine Signalanlage auf Anforderung und inklusive der Möglichkeit einer regelmäßigen Schaltung zur Verkehrsberuhigung am Senfweg, um den Übergang ins Worringer Bruch zu gewährleisten und den Verkehr auf eine passende Geschwindigkeit einzubremsen
Besondere Verkehrsknotenpunkte
Bei verschiedenen Verkehrsknotenpunkten gibt es besondere Herausforderungen und Lösungen:
- Mörterweg: Soll von der Berrichstraße aus zukünftig in beide Richtungen befahrbar sein bis zur Einfahrt Neubaugebiet. Eine Befahrung beider Seiten von der Bruchstraße aus ist nicht vorgesehen.
- Pizzakurve Straberger Weg/Baptiststraße/Sinnersdorfer Str.: Diese Kreuzung wird als hochproblematisch beschrieben, besonders zu Stoßzeiten und in Verbindung mit KiTa- und Schulkinderverkehr. Das Problem wurde erkannt, und es wird nach einer adäquaten Lösung gesucht.
- Sinnersdorfer Straße: Das Verkehrsschild "50" soll kurz vor dem Flüchtlingsheim weiter nach hinten (Richtung Kreisverkehr) gesetzt werden.
Kritik und Bedenken
Die Sanierung der B9 in Worringen ist nicht unumstritten. Es gibt erhebliche Bedenken und Kritik von verschiedenen Seiten, die sich vor allem auf die Dauer der Vollsperrung, die Kommunikation mit den Betroffenen und die ungleiche Behandlung der beiden Bauabschnitte beziehen.
Petition für alternative Lösungen
Am 29. April 2025 wurde auf Change.org eine Petition gestartet, die sich an die Stadt Köln sowie die zuständigen Stellen für die Sanierung der B9 richtet. Bislang haben 2.311 Personen die Petition unterzeichnet, mit dem Ziel, 2.500 Unterschriften zu erreichen.
Die Initiatorin und Unterstützer der Petition erkennen die Notwendigkeit der Sanierung der B9 an, kritisieren jedoch die geplante vollständige Sperrung des ersten Bauabschnitts über neun Monate (statt der ursprünglich angekündigten siebeneinhalb Monate). Diese Maßnahme gefährdet ihrer Meinung nach die Existenz vieler ansässiger Betriebe, da Kunden, Lieferanten und Mitarbeitende keinen Zugang mehr zu den Unternehmen hätten.
Die Hauptkritikpunkte der Petition sind:
- Unzureichende Kommunikation: Trotz eines Treffens am 28. März 2025 mit einem vermittelnden Vertreter gab es bis zum versprochenen Termin am 2. April keine Rückmeldung von der Stadt Köln. Stattdessen wurden die Betroffenen erst durch eine Pressemitteilung vom 1. April über die Planungen informiert.
- Ungleichbehandlung: Während Anwohner einen Informationsflyer erhielten, wurden die ansässigen Unternehmen nicht informiert. Zudem ist für den zweiten Bauabschnitt eine Teilsperrung vorgesehen, während der erste Abschnitt vollständig gesperrt werden soll.
- Existenzbedrohung: Die vollständige Sperrung der B9 könnte für viele Betriebe das wirtschaftliche Aus bedeuten, da der Zugang für Kunden, Lieferanten und Mitarbeitende nicht mehr gewährleistet ist.
Die Petition fordert die Stadt Köln und die beauftragte Baufirma auf, alternative Lösungen zu finden, die den Fortbestand der Betriebe ermöglichen. Konkret wird eine Teilsperrung der B9 – analog zum zweiten Bauabschnitt – statt einer vollständigen Sperrung gefordert. Zudem wird ein sofortiger Dialog mit den betroffenen Unternehmen und Anwohnern verlangt, um gemeinsam tragfähige und faire Lösungen zu erarbeiten.
Weitere Kritikpunkte
Neben der Petition gibt es weitere Kritikpunkte von Anwohnern und Politikern:
- Wolfg Kleinjans (Grüne) machte auf ein Problem mit den Fahrradwegen aufmerksam: "An der Bruchstraße wurden beim Anbringen der Umleitungsmarkierungen Seitenbegrenzungen entfernt", machte er geltend, "wer dort mit dem Fahrrad entlangfährt, kann schwer stürzen".
- Gerhard Wolff (SPD) berichtete, dass es im Lievergesberg abends zu Staus komme.
- Inan Gökpinar (SPD) hielt die Kompensation für wegfallende Parkplätze für nicht ausreichend. "Die Situation ist absolut dramatisch, die Leute kämpfen regelrecht um Parkplätze", sagte er.
- Norbert Schott (CDU) kritisierte die Informationspolitik: "Es sind im laufenden Verfahren Änderungen gemacht worden, die nicht an alle Haushalte kommuniziert wurden".
- Rainer Stuhlweißenburg (CDU) fragte, ob die Bauzeit von jeweils sieben Monaten garantiert sei.
Der Bauleiter der Sanierung, Mert Kuyumcu, konnte keine Garantie für die Einhaltung der Zeitpläne abgeben. "Es können immer unvorhergesehene Dinge geschehen, die zu Verzögerungen führen", sagte er.
Auswirkungen auf Anwohner und Unternehmen
Die Sanierung der B9 in Worringen hat erhebliche Auswirkungen auf das Leben der Anwohner und die Tätigkeit der Unternehmen in der Region. Die vollständige Sperrung des ersten Bauabschnitts über einen Zeitraum von etwa neun Monaten stellt eine erhebliche Belastung dar.
Auswirkungen auf Anwohner
Für die Anwohner bedeutet die Sanierung vor allem:
- Erhöhte Lärmbelastung durch Baustellenverkehr
- Eingeschränkte Erreichbarkeit ihrer Wohnungen
- Veränderte Verkehrsführung mit potenziellen Sicherheitsrisiken
- Parkplatznot im Umfeld der Baustelle
Besonders problematisch ist die Situation für Anwohner, die auf die B9 angrenzend wohnen. Für sie bedeutet die Vollsperrung nicht nur die Umfahrung der Baustelle, sondern auch die Umgestaltung ihrer direkten Umgebung, da die Zufahrtswege und die Verkehrsführung im Umfeld der Baustelle angepasst werden müssen.
Auswirkungen auf Unternehmen
Für die Unternehmen in der Region ist die Situation besonders kritisch. Die vollständige Sperrung der B9 über neun Monate gefährdet ihre Existenz, da der Zugang für Kunden, Lieferanten und Mitarbeitende nicht mehr gewährleistet ist. Besonders betroffen sind Unternehmen, die auf Kundenverkehr angewiesen sind oder regelmäßige Lieferungen erhalten müssen.
Die Kritik der Unternehmen richtet sich nicht nur gegen die lange Dauer der Vollsperrung, sondern auch gegen die ungleiche Behandlung im Vergleich zum zweiten Bauabschnitt, der nur teilweise gesperrt wird. Dies führt zu der Vermutung, dass die Unternehmen im ersten Bauabschnitt nicht ausreichend berücksichtigt wurden.
Reaktion der Politik und der Stadt Köln
Die mit der Sanierung verbundenen Probleme wurden in einer "Aktuellen Stunde" der Bezirksvertretung Chorweiler thematisiert. Die CDU-Fraktion der Bezirksvertretung Chorweiler hatte diese anberaumt, da die Baustellen und Verkehrsumleitungen "für Anwohner, Verkehrsteilnehmer und Anlieger regelmäßig zu unübersichtlichen und teilweise chaotischen Situationen" führen. "Wir wollen gemeinsam überlegen, was man besser machen kann", so Rainer Stuhlweißenburg, der stellvertretende Vorsitzende der CDU-Fraktion.
Seitens des Amts für Straßen und Radwegebau nahmen Mert Kuyumcu, Bauleiter der Sanierung, und Abteilungsleiter Kai Lachmann teil. Kai Lachmann erklärte, warum eine kleinere Gliederung der Bauarbeiten nicht sinnvoll sei: "Je kleinteiliger man baut, desto länger ist die Bauzeit", sagte er. "Wir müssen uns mit den Versorgungsträgern koordinieren, die die Haushaltsanschlüsse erneuern, und wir haben kein freies Baufeld. Es sind furchtbar viele Einschränkungen zu berücksichtigen".
Die BVKRT hat es geschafft, die Situation so angenehm wie möglich zu gestalten und konnte viel bewirken. Insbesondere konnte der Verein durchsetzen, dass die Fahrbahnschweller temporär für die Bauph