Schloss Bellevue Sanierung: 205-Millionen-Euro-Projekt für klimaneutralen Amtssitz

Einleitung

Im Herzen von Berlin, im Regierungsviertel, findet derzeit eines der bedeutendsten Bauprojekte statt: die umfassende Sanierung des Amtssitzes des Bundespräsidenten. Schloss Bellevue und das angrenzende Verwaltungsgebäude werden grundlegend erneuert, um sie zukunftstauglich, klimaneutral und den modernen Sicherheitsanforderungen entsprechend zu gestalten. Für die Dauer der Arbeiten entsteht in Alt-Moabit ein hochmoderner Interimsbau, der mit Kosten von über 200 Millionen Euro für die Steuerzahler zu Buche schlägt. Dieses Projekt wirft nicht nur architektonische, sondern auch finanzielle und organisatorische Fragen auf, die im Folgenden detailliert beleuchtet werden.

Historische Bedeutung und aktueller Zustand

Schloss Bellevue, zwischen 1785 im Stil des Klassizismus errichtet, dient seit 2017 als repräsentativer Hauptsitz des Bundespräsidenten. Das historische Ensemble steht zusammen mit seinen Umgestaltungen in den 1930er- und 1950er-Jahren unter Denkmalschutz, ebenso wie die gesamten Grün- und Gartenanlagen – der Schlosspark Bellevue und Teile des Großen Tiergartens. Diese historische Bedeutung macht jede Sanierungsmaßnahme besonders anspruchsvoll, da sie im Einklang mit den Denkmalschutzanforderungen durchgeführt werden muss.

Das direkt angrenzende Verwaltungsgebäude wurde zwischen 1996 und 1998 als erstes Gebäude des Bundes im Rahmen des Regierungsumzugs von Bonn nach Berlin am Nordrand des Großen Tiergartens fertiggestellt. Nach rund drei Jahrzehnten intensiver Nutzung haben sich zahlreiche bauliche und technische Mängel eingestellt, die eine grundlegende Erneuerung unumgänglich machen. Die Liegenschaft benötigt eine umfassende Modernisierung, um als repräsentativer Sitz des Staatsoberhauptes nach innen und außen zu dienen.

Gründe für die umfassende Sanierung

Die Sanierung von Schloss Bellevue und des angrenzenden Verwaltungsgebäudes ist aus mehreren zwingenden Gründen erforderlich. Zunächst einmal weisen zahlreiche bauliche und technische Mängel eine grundlegende Erneuerung notwendig. Hinzu kommen gestiegene Anforderungen an Brandschutz, Sicherheit, Energieeffizienz und Barrierefreiheit, die den aktuellen Zustand nicht mehr erfüllt.

Der sichere Weiterbetrieb des Präsidialamts erfordert eine komplette Erneuerung der Brandschutzanlagen. Im denkmalgeschützten Schloss Bellevue müssen unter anderem alle technischen Anlagen und das undichte Dach erneuert sowie die Fenster den aktuellen Energie- und Sicherheitsstandards angepasst werden. Besonders problematisch ist der Zustand der Wachgebäude der Bundespolizei, die den aktuellen Sicherheitsanforderungen nicht mehr genügen.

Ein weiterer wesentlicher Aspekt ist der Klimaschutz. Ziel der Sanierung ist es, die Liegenschaft "zukunftstauglich und klimaneutral" zu machen. Dafür müssen Gebäude und Freianlagen ganzheitlich modernisiert und energetisch optimiert werden. Nachhaltigkeit ist ein Leitprinzip der Sanierung, wobei das gesamte Spektrum des energiesparenden, ressourcenschonenden und umweltverträglichen Bauens zum Einsatz kommen soll, um den Energiebedarf deutlich zu senken.

Umfang der Sanierungsarbeiten

Die Sanierung von Schloss Bellevue und des Bundespräsidialamts umfasst ein breites Spektrum von Maßnahmen, die eng mit dem Landesdenkmalamt abgestimmt werden. Planung und Durchführung sämtlicher Maßnahmen erfolgen daher in enger Abstimmung mit den Denkmalschutzbehörden, wobei ein historischer Bauzeitenplan mit genauer Darstellung der Bau- und Umbauphasen in der Geschichte des Schlosses als Grundlage dient.

Zu den wichtigsten Arbeiten gehören:

  • Erneuerung der technischen Anlagen im Schloss
  • Sanierung des undichten Daches
  • Austausch der Fenster entsprechend aktuellen Energie- und Sicherheitsstandards
  • Neubau der Wachgebäude der Bundespolizei
  • Notwendige Baumaßnahmen zum Erhalt der denkmalgeschützten Parkanlage
  • Unterirdische Bauweise zusätzlicher Funktions- und Technikflächen, da der geltende Bebauungsplan keine weiteren oberirdischen Neubauten zulässt

Besonders anspruchsvoll ist der Neubau des Eingangs- und Wachgebäudes, der sich bewusst dem Bau- und Gartendenmal unterordnet. Hierfür hat das Bundesamt für Bauwesen und Raumordnung 2020 einen interdisziplinären Planungswettbewerb durchgeführt.

Nachhaltigkeitsmaßnahmen und Klimaneutralität

Ein zentrales Ziel der Sanierung ist die Erreichung der Klimaneutralität für den gesamten Amtssitz. Dafür wurden umfassende Maßnahmen geplant, die Gebäude und Freianlagen ganzheitlich modernisieren und energetisch optimieren sollen. Im Fokus steht die Reduzierung des Energiebedarfs durch den Einsatz energiesparender, ressourcenschonender und umweltverträglicher Baumethoden.

Konkret vorgesehen sind:

  • Eine Wärme- und Kälteversorgung über Geothermie
  • Photovoltaikanlagen überall dort, wo dies mit dem Denkmalschutz vereinbar ist
  • Holzbauweise im Interimsbau
  • Energetische Optimierung bestehender Bausubstanz

Diese Maßnahmen unterstreichen das Bekenntnis des Bundespräsidialamts zu Nachhaltigkeit und Klimaschutz im Rahmen der Gebäudebewirtschaftung. Die Umsetzung dieser Strategie ist jedoch mit erheblichen Herausforderungen verbunden, insbesondere im Hinblick auf die Einhaltung der Denkmalschutzauflagen.

Der Interimsbau in Alt-Moabit

Während der Sanierungsphase benötigt das Bundespräsidialamt einen Ausweichquartier. Dieses entsteht derzeit in der Elisabeth-Abegg-Straße in Alt-Moabit, unweit des Bundeskanzleramtes. Der Bau wird in Modulbauweise errichtet und ist bereits weit fortgeschritten – das neue Gebäude hat beinahe schon die künftige volle Gebäudehöhe erreicht. Die Fertigstellung ist für das Sommer 2025 geplant, im Frühjahr 2026 wird Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier mit seinem Team in den Neubau umziehen.

Der Interimsbau ist für eine Nutzungsdauer von fünf Jahren konzipiert und wird vom Bundespräsidialamt angemietet. Nach Abschluss der Sanierung von Schloss Bellevue soll das Ersatzgebäude nicht leer stehen, sondern der Bundesanstalt für Immobilienaufgaben (BImA) für andere Bundesbehörden wie Ministerien oder das Kanzleramt zur Verfügung gestellt werden.

Die repräsentativen Räume für Veranstaltungen sind im Interimsbau eingeplant, allerdings wird es keinen großen Festsaal wie im Schloss Bellevue geben. Der Wohnsitz des Bundespräsidenten bleibt weiterhin die Villa Wurmbach in Berlin-Dahlem.

Kostenentwicklung und Finanzierung

Die Kosten für den Ersatzbau sind im Laufe des Projekts erheblich gestiegen. Ursprünglich waren in den Haushaltsunterlagen 137 Millionen Euro vorgesehen. Wie das Bundesamt für Bauwesen und Raumordnung dem "Tagesspiegel" mitteilte, sei "das Bauvolumen um mehr als ein Viertel" angewachsen, was die Kosten auf nunmehr rund 205 Millionen Euro erhöht hat. Diese Kostensteigerung ist auf neue Auflagen für Klimaschutz und Brandschutz zurückzuführen.

Das Bundespräsidialamt verteidigt das Vorhaben, da eine andere Immobilie die "sicherheitsbedingten Notwendigkeiten sowie die verfassungsrechtlich gebotenen Repräsentationsanforderungen" nicht hätte erfüllen können. Die hohen Sicherheitsanforderungen in baulicher Hinsicht sowie die Sicherung von An- und Abfahrtswegen konnten in keinem der in Betracht gezogenen Bestandsgebäude erfüllt werden.

Der fertige Interimsbau wird das Bundespräsidialamt von der Bundesanstalt für Immobilienaufgaben für etwa 16 Millionen Euro pro Jahr mieten, zunächst für fünf Jahre. Hinzu kommen Umzugskosten von rund 300.000 Euro.

Planung und Durchführung des Projekts

Die Planung und Durchführung der Sanierungsmaßnahmen obliegt dem Bundesamt für Bauwesen und Raumordnung (BBR), das als fachkundiger Bauherrenvertreter für die wirtschaftliche, recht- und zweckmäßige Umsetzung des Bauprojektes auf Grundlage des anerkannten Bedarfs verantwortlich ist. Dazu gehören auch Kosten- und Terminplanung.

Für die Sanierung des Schlosses wurde in einem EU-weiten Vergabeverfahren ein spezialisiertes Büro ausgewählt, das über Erfahrung in der Sanierung repräsentativer Baudenkmale mit hohen Sicherheitsanforderungen verfügt. Den Auftrag erhielt gmp – von Gerkan, Marg und Partner. Die Ausschreibung fand im Jahr 2020 statt.

Besonders bemerkenswert ist, dass die ursprünglichen Architekten des Verwaltungsgebäudes, Martin Gruber und Helmut Kleine-Kraneburg, die auch als Sieger aus dem damaligen Architektenwettbewerb hervorgingen, aufgrund des Urheberrechts auch mit der Planung der Sanierung beauftragt wurden.

Die Abstimmung mit dem Landesdenkmalamt stellt eine besondere Herausforderung dar, da alle Maßnahmen im Einklang mit den Denkmalschutzauflagen durchgeführt werden müssen. Als Grundlage dient ein historischer Bauzeitenplan mit genauer Darstellung der Bau- und Umbauphasen in der Geschichte des Schlosses.

Alternative Standorte und deren Ablehnung

Bei der Suche nach einem Ausweichquartier wurden mehrere Optionen geprüft. Schloss Charlottenburg wurde 2004/2005 neben anderen Orten in Berlin für einige Veranstaltungen, aber nicht dauerhaft genutzt. Die Einschränkungen für Öffentlichkeit und Museumsbetrieb wären bei einer dauerhaften Nutzung dieser historischen Schlossanlage zu groß. An der Schlossumgebung laufen zudem bis 2029 Sanierungs- und Modernisierungsmaßnahmen, was eine zusätzliche Nutzung erschwert hätte.

Andere Bestandsgebäude konnten die hohen Sicherheitsanforderungen nicht erfüllen. In Abwägung aller relevanten Aspekte fiel die Wahl daher auf den Neubau in Alt-Moabit, der als erstes Gebäude der Bundesanstalt für Immobilienaufgaben nach der Sanierung des Bundespräsidialamts anderen Behörden zur Verfügung gestellt werden kann.

Fazit

Die Sanierung von Schloss Bellevue und des angrenzenden Bundespräsidialamts ist ein komplexes und aufwendiges Projekt, das aus baulichen, technischen und sicherheitsrelevanten Gründen dringend erforderlich ist. Die Kosten von über 200 Millionen Euro für den Interimsbau spiegeln die besonderen Anforderungen wider, die an den Amtssitz des Bundespräsidenten gestellt werden – sowohl in Bezug auf Sicherheit und Repräsentation als auch auf Nachhaltigkeit und Klimaneutralität.

Die Herausforderungen bei diesem Projekt sind vielfältig: Sie reichen von der Einhaltung strenger Denkmalschutzauflagen bis zur Umsetzung modernster Nachhaltigkeitsstandards. Die modulare Bauweise des Interimsbaus ermöglicht jedoch eine relativ schnelle Errichtung, sodass die Sanierung des historischen Ensembles zügig vorankommen kann.

Nach Abschluss der Arbeiten wird nicht nur ein saniertes und zukunftstaugliches Ensemble entstehen, sondern auch ein hochmoderner Gebäudekomplex, der für andere Bundesbehörden nutzbar sein wird. Dies macht das Projekt zu einem Beispiel für effiziente Ressourcennutzung im öffentlichen Bauwesen.

Quellen

  1. Entwicklungsstadt Moabit
  2. Morgenpost - Sanierung Schloss Bellevue
  3. Bundespräsidialamt - Baumassnahmen
  4. Tagesspiegel - Kosten des Neubaus
  5. NIUS - Ersatz-Palast
  6. Merkur - Umzugskosten

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