Abszess-Behandlung im Eigenheim: Erste Hilfe und professionelle Sanierung

Einleitung

Ein Abszess stellt eine schmerzhafte Komplikation dar, die im häuslichen Umfeld auftreten und eine angemessene Behandlung erfordert. Diese abgekapselte Eiteransammlung kann an verschiedenen Körperstellen entstehen und bei unsachgemäßer Behandlung schwerwiegende Folgen haben. Dieser Ratgeber informiert Hausbesitzer und Bewohner über die verschiedenen Aspekte der Abszessbehandlung – von den ersten Anzeichen über Hausmittel bis hin zu professionellen medizinischen Eingriffen. Das Verständnis dieser Erkrankung und ihrer korrekten Behandlung ist entscheidend, um Komplikationen zu vermeiden und eine vollständige Heilung zu gewährleisten.

Was ist ein Abszess?

Ein Abszess beschreibt eine Eiteransammlung in einer vorher nicht vorhandenen Gewebshöhle, die durch einen Entzündungsprozess entstanden ist. Diese Höhle ist durch eine Bindegewebskapsel nach außen abgegrenzt. Sichtbar wird ein Abszess auf der Haut meist durch eine gerötete und schmerzhafte Schwellung. Liegt er etwas tiefer, kann man ihn als Verhärtung unter der Haut oder als Beule spüren.

Um die Ausbreitung der Entzündung zu verhindern, bildet der Körper eine dickere Membranwand rund um den Abszess. Unter der Haut wird dadurch eine Verhärtung spürbar und der Abszess kann sich als Beule bemerkbar machen. Ein Abszess entsteht meist aufgrund von Bakterien, zum Beispiel Staphylokokken (Staphylococcus aureus), Escherichilus coli oder Streptokokken.

Abszesse finden sich häufig im Gesicht, im Nacken, unter den Achseln oder im Afterbereich (Analabszess oder Perianal-Abszess). Auch an der Scheide können sich Abszesse ausbilden, die man als Vulvaabszess oder Vaginalabszess bezeichnet. Häufig treten auch Abszesse am Steißbein (Pilonidalabszess) oder im Mund auf. Ein Abszess kann aber fast überall am Körper auftreten, auch im Bauchraum oder an inneren Organen, wenn auch seltener.

Symptome eines Abszesses

Abszesse äußern sich typischerweise durch mehrere charakteristische Symptome. An der betroffenen Stelle zeigt sich eine schmerzhafte, gerötete Schwellung, die oft warm anfühlt. Die Hautspannung ist erhöht, und bei Berührung empfindet der Betroffene einen deutlichen Druckschmerz. Im fortgeschrittenen Stadium kann sich die Schwellung verhärten und sich ein Eiterpunkt bilden, durch den sich der Abszess spontan entleeren könnte.

Allgemeine Symptome können auch Fieber, Müdigkeit und ein Krankheitsgefühl umfassen, insbesondere bei größeren Abszessen oder wenn sich die Entzündung bereits ausgebreitet hat. Bei Abszessen im Mundbereich können zusätzlich Kau- oder Schluckbeschwerden auftreten.

Es ist wichtig zu beachten, dass sich ein Abszess auch ohne sichtbare äußere Anzeichen im Körperinneren befinden kann. Solche inneren Abszesse werden oft zufällig bildgebende Verfahren wie Ultraschall oder CT entdeckt und können durch unspezifische Symptome wie allgemeines Unwohlsein, Fieber oder lokale Schmerzen auffallen.

Ursachen von Abszessen

Die Hauptursache für die Entstehung eines Abszesses ist eine bakterielle Infektion. Häufige Erreger sind Staphylokokken, insbesondere Staphylococcus aureus, Escherichia coli und Streptokokken. Diese Bakterien können durch kleine Verletzungen der Haut oder Schleimhäute in tiefere Gewebsschichten eindringen und dort eine Entzündung auslösen.

Der Körper reagiert auf die Infektion, indem er die Bakterien in einer abgekapselten Höhle einschließt, um die Ausbreitung zu verhindern. In dieser Höhle sammeln sich Abwehrzellen und abgestorbenes Gewebe an, die schließlich den Eiter bilden, der den Abszess füllt.

Bestimmte Faktoren erhöhen das Risiko für Abszessbildung. Dazu gehören geschwächtes Immunsystem, Diabetes, Adipositas, bestimmte Medikamente (wie Kortison), mangelnde Hygiene und wiederholte Verletzungen der Haut. Auch bereits bestehende Hauterkrankungen wie Neurodermitis oder Akne können die Entstehung von Abszessen begünstigen.

Bei Abszessen im Mundbereich ist oft eine bestehende Zahninfektion die Ursache. Hier kann eine bakterielle Infektion des Zahnes oder des Zahnfleisches zu einem Abszess führen, der sich am Wurzelende des Zahnes bildet.

Hausmittel zur Behandlung von Abszessen

Für die Behandlung von Abszessen im Anfangsstadium stehen verschiedene Hausmittel zur Verfügung, die die Reifung der Eiteransammlung fördern können und somit den Heilungsverlauf positiv beeinflussen können. Diese eignen sich besonders für unreife, noch verschlossene Abszesse.

Ein bewährtes Hausmittel ist die Anwendung von warmen Kompressen. Hierfür wird ein Tuch in warmem Wasser (nicht heiß) angefeuchtet und für etwa eine halbe Stunde auf die betroffene Stelle gelegt. Die Wärme fördert die Durchblutung und kann den Reifungsprozess des Abszesses beschleunigen.

Des Weiteren wird erwärmter Weißkohl-Saft, der auf die betroffene Stelle aufgetragen wird, als effektives Hausmittel zur Behandlung eines Abszesses beschrieben. Gänseblümchenblätter und -blüten, die zu einem Tee aufgegossen und anschließend auf dem Abszess verstrichen werden, sollen ebenfalls die Reifung der Eiteransammlung beschleunigen.

Eine weitere Möglichkeit ist die Verwendung von Zugsalben, die den Wirkstoff Ammoniumbituminosulfat enthalten, auch bekannt als Ichthyol. Diese Salben wirken entzündungshemmend und durchblutungsfördernd. Der Wirkstoff zieht die Infektion an die Oberfläche der Haut und beschleunigt den Eiterprozess. Die Salbe wird in einer dicken Schicht auf die betroffene Hautstelle aufgetragen und mit einem Pflaster oder Verband abgedeckt. Bei Anwendung einmal täglich kann es etwa drei bis fünf Tage dauern, bis sich die Eiterkapsel öffnen kann.

Je nach Empfindlichkeit der Haut und Lage des Abszesses kommen unterschiedliche Konzentrationen zum Einsatz. Bei Entzündung der Gesichtshaut wird 10%ige Ichtholansalbe verwendet, während 20%ige Salbe bei tiefer gelegenen Abszessen, Nagelbettentzündungen und Schweißdrüsenabszessen zum Einsatz kommt.

Zusätzlich kann auch Betaisodona Salbe mit dem Wirkstoff Povidon-Iod verwendet werden. Dabei handelt es sich um ein Antiseptikum, das zur entzündungshemmenden Wundbehandlung nach der Öffnung eines Abszesses geeignet ist.

Wann ärztliche Hilfe notwendig ist

Obwohl Hausmittel zur Behandlung von Abszessen im Anfangsstadium eingesetzt werden können, gibt es klare Indikationen, bei denen umgehend ein Arzt konsultiert werden muss. Sollte sich der Abszess trotz Anwendung verschiedener Hausmittel nicht innerhalb einer Woche spontan öffnen, ist dringend ärztliche Hilfe erforderlich und eine chirurgische Eröffnung der Abszesshöhle in Erwägung zu ziehen.

Generell gilt auch bei der Abszess-Behandlung mit Hausmitteln, dass der Betroffene in keinem Fall am Abszess herumdrücken sollte. Bei einem unreifen Abszess besteht sonst die Gefahr der nach innen gerichteten Eröffnung. Infolge dessen besteht die Möglichkeit, dass die für die Entstehung des Abszesses ursächlichen Bakterien in die Blutbahn gelangen und schwere Infektionen oder eine sogenannte Blutvergiftung (Sepsis) verursachen.

Weitere Warnzeichen, die einen Arztbesuch erfordern, sind: anhaltend hohes Fieber, schnelle Ausbreitung der Rötung, starke Schmerzen, Schüttelfrost, eine plötzliche Verschlechterung des Allgemeinzustands oder das Auftreten von weiteren Abszessen. Auch bei Abszessen im Gesichtsbereich, in der Nähe der Augen oder im Genitalbereich sollte immer ein Arzt konsultiert werden, da hier besonders hohe Risiken bei Komplikationen bestehen.

Besonders gefährlich ist die unsachgemäße Eröffnung eines Abszesses ohne medizinische Betreuung. Dies kann zum Einbruch der Abszessmembran führen, sodass sich die darin befindlichen Bakterien in den Körper und damit in Organe, freie Körperhöhlen oder in die Blutbahn ausbreiten können. Die Ausbreitung der Erreger kann zu schweren Organerkrankungen bis hin zur Blutvergiftung führen und damit lebensbedrohlich sein.

Professionelle Behandlungsmethoden

Eine einzig wirksame Methode zur Behandlung eines ausgeprägten Abszesses ist der chirurgische Eingriff. Nur nach der Entleerung der Abszesshöhle können die ursächlichen Erreger bekämpft und das Problem behoben werden. Darüber hinaus können auch die durch den Abszess verursachten Beschwerden nur durch eine chirurgische Eröffnung der Eiteransammlung gelindert werden.

Bei der Operation wird der Abszess in der Regel unter örtlicher Betäubung eröffnet. Anschließend wird die Wunde mit einer desinfizierenden Lösung gespült und eine Drainage gelegt. Die Drainage gewährleistet, dass sich kein neuer Eiter nach der Behandlung bilden kann, der erneut abgelassen werden müsste. Abszesse dieser Art sollten möglichst in Allgemeinanästhesie behandelt werden, da regionale Anästhesieverfahren zu Keimverschleppungen in umliegendes Gewebe führen können.

Bei der Behandlung eines Abszesses am Zahn ist es zunächst wichtig die meist bestehende Zahn-Infektion zu lindern, wobei bei bakterieller Ursache ein Antibiotikum sinnvoll ist. Wichtig ist dieses auch, damit sich die Entzündung nicht auf andere Gebiete im Mundraum übersiedelt. In der Regel reicht eine Antibiotikabehandlung allerdings nicht aus, um den Abszess zum Abheilen zu bringen. Meist muss der Abszess operativ eröffnet werden und so der Eiter entleert werden. Der Zugang zum Abszess schafft sich der Zahnarzt unter örtlicher Betäubung über die Mundschleimhaut und über den Kieferknochen.

Oft werden nach der Operation eines Abszesses Tamponaden in eröffnete Abszesshöhlen eingelegt. Bei Tamponaden handelt es sich meist um Kompressen oder Verbandsmaterial, die in die Abszesshöhle eingelegt werden und diese ausfüllen. Sie sind oft getränkt mit desinfizierenden und antibiotischen Zusätzen. Dies ist beispielsweise oft bei Abszessen in der Mundhöhle, aber auch bei anderen oberflächlichen Abszessen der Fall. Tamponaden werden in der Regel täglich oder alle zwei Tage gewechselt. Bei oberflächlichen Hautabszessen, die ambulant versorgt werden, kann der Patient die Tamponade selbst wechseln. Stationär versorgte Abszesse werden von den zuständigen Stationsärzten weiter versorgt.

In manchen Fällen wird die Drainage mittels einer Punktion eingebracht. Die Punktion erfolgt unter Sichtkontrolle mit einem Ultraschall- oder CT-Gerät. Während der Arzt den Abszess punktiert und die Drainage einlegt, kann er also mithilfe des Gerätes die richtige Lokalisation des Drainageschlauches kontrollieren.

Nachbehandlung und Wundpflege

Die Nachbehandlung eines Abszesses unterscheidet sich je nach Lage und Art des Abszesses. Oberflächliche Abszesse bedürfen einer speziellen Wundpflege, wohingegen innerlich gelegene Abszesse stationär weiterbehandelt werden. Die weitaus häufigeren oberflächlichen Abszesse können ambulant nachbehandelt werden, wobei der behandelnde Arzt dem Patienten genau erklärt, worauf bei der Wundpflege zu achten ist.

In den meisten Fällen bleibt die Wunde nach der Öffnung eines Abszesses offen, damit von innen heraus die Heilung eintreten kann. Allerdings besteht dabei das Risiko, dass erneut Bakterien in die Wunde gelangen. Aus diesem Grund muss die Wunde besonders gepflegt werden. Regelmäßig ist der offene Abszess mit lauwarmem Wasser vorsichtig auszuwaschen, auf Seife sollte dabei aber verzichtet werden. Zum Schutz wird die Wunde nach dem Waschen mit Kompressen und Tüchern zugedeckt, die es regelmäßig zu wechseln gilt.

In der Regel wird die operierte Wundhöhle jeden Tag mehrmals mit einer Kochsalzlösung gespült. Wenn Kompressen auf der Wunde liegen, werden auch diese mehrmals gewechselt. Sie sind meist ebenfalls mit Kochsalzlösung oder einem desinfizierenden Zusatz getränkt. Die Hygiene ist besonders wichtig, da sonst Infektionen in der offenen Wunde entstehen können.

Sollte eine Drainage in der Wunde liegen, wird diese herausgezogen, sobald kein oder nur noch sehr wenig Wundsekret in ihr abfließt. Die Wunde heilt von innen nach außen von alleine ab und wird nicht vernäht. Bei tiefergelegenen Abszessen, beispielsweise bei Darmabszessen, erfolgt die Nachbehandlung stationär, da es sich um ausgedehnte operative Eingriffe handelt. Der Patient selbst muss in diesem Fall nicht viel tun, außer auf eine körperliche Schonung zu achten.

Nach jeder Operation sollte kein Tabak und kein Alkohol konsumiert werden, da es sonst zu Wundheilungsstörungen kommen kann. Körperliche Belastungen und Sport sind anfangs ebenfalls zu unterlassen, bis die Wunden verheilt sind. Auch kann es vorkommen, dass Abszesse wiederholt auftreten, daher wird empfohlen auch im Alltag Abszessen vorzubeugen.

Vorbeugung von Abszessen

Um das Risiko der Abszessbildung zu minimieren, sind bestimmte vorbeugende Maßnahmen zu beachten. Versorgung Sie Ihre Haut mit Feuchtigkeit, halten Sie sie in gesundem Maße sauber und gehen Sie sowohl bei der Reinigung als auch bei der Pflege so sanft wie möglich vor.

Make-Up kann die Poren verstopfen und somit den Abfluss von Talg verhindern. Damit steigt das Risiko für eine Abszessbildung. Verzichten Sie daher so oft wie möglich auf abdeckende Kosmetika. Wenn Sie nicht auf Make-Up verzichten wollen, schminken Sie sich täglich gründlich ab.

Zur Stärkung des Immunsystems und damit zur Beschleunigung der Abszess-Heilung empfiehlt es sich über einen Zeitraum von mehreren Wochen dreimal täglich eine Tasse Brennnesseltee zu trinken. Auch sollte der direkte Kontakt mit dem Abszess vermieden werden. Nach direktem Kontakt sollten die Hände gründlich gewaschen und anschließend desinfiziert werden.

Bei bestehenden Hauterkrankungen wie Akne oder Neurodermitis ist eine konsequente Behandlung besonders wichtig, um das Risiko von Abszessbildungen zu reduzieren. Personen mit Diabetes sollten besonders auf eine gute Blutzuckereinstellung achten, da ein unkontrollierter Diabetes das Infektionsrisiko erhöht.

Fazit

Abszesse sind schmerzhafte Eiteransammlungen, die durch bakterielle Infektionen verursacht werden und an fast jeder Körperstelle auftreten können. Während im Anfangsstadium Hausmittel wie warme Kompressen, Zugsalben mit Ichthyol oder bestimmte Tees die Reifung fördern können, ist bei ausgeprägten Abszessen oder bei fehlender Besserung innerhalb einer Woche ein chirurgischer Eingriff notwendig.

Die Operation erfolgt in der Regel unter örtlicher Betäubung, wobei der Abszess eröffnet, gespült und mit einer Drainage versehen wird. Die Nachbehandlung erfordert sorgfältige Wundpflege, regelmäßiges Spülen mit Kochsalzlösung und den Verzicht auf Genussmittel wie Tabak und Alkohol.

Wichtig ist, dass Abszesse niemals selbstständig ausgedrückt werden sollten, da dies zu schweren Komplikationen wie Blutvergiftungen führen kann. Stattdessen sollte bei Anzeichen eines Abszesses frühzeitig ärztliche Hilfe in Anspruch genommen werden.

Durch konsequente Hautpflege, Vermeidung von Verletzungen und Stärkung des Immunsystems kann das Risiko für Abszessbildung reduziert werden. Bei wiederkehrenden Abszessen ist eine Abklärung der Ursachen durch einen Arzt empfehlenswert.

Quellen

  1. Hilfe bei Abszessen - So werden die schmerzhaften Eiterbeulen behandelt
  2. Abszess Behandlung
  3. OP eines Abszesses
  4. Abszess

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