Einleitung
Das AGGUA in Troisdorf, eines der beliebtesten Freizeitbäder der Region, durchlebte in den vergangenen Jahren eine der größten Herauslagen seiner Geschichte. Nach einem verheerenden Brand im Januar 2020 stand die gesamte Anlage vor dem Aus. Doch statt eines Neubaus entschied man sich für eine umfassende Sanierung, die weit über die reine Beseitigung der Brandschäden hinausging. Dieser Artikel beleuchtet die detaillierte Planung, die Herausforderungen bei der Umsetzung und die technischen Innovationen, die das traditionsreiche Bad in eine moderne Sport- und Erlebnisanlage verwandelten. Die Sanierung des AGGUA Troisdorf ist ein eindrucksvolles Beispiel für die erfolgreiche Bewältigung komplexer Bauschäden bei gleichzeitiger Modernisierung einer öffentlichen Einrichtung.
Brandschäden und ihre Folgen
Am Anfang standen Schutt und Asche, ein Bild der Verwüstung nach dem verheerenden Brand im Januar 2020, der das Technikkeller des Aggua Troisdorf erfasste. Die Auswirkungen waren weitreichender, als zunächst angenommen. Wie sich im Laufe der Sanierungsarbeiten herausstellte, waren einige Schäden derart komplex, dass umfangreiche zusätzliche Maßnahmen erforderlich wurden.
Die Sachverständigen, die den durch den Brand verursachten Schaden untersuchten, stellten fest, dass es sich nicht um eine einfache Brandschadenssanierung handelte. Es waren zentrale Schaltschränke im Technikbereich zerstört worden, die quasi das Herz der gesamten Anlage bildeten. Diese Steuerungseinrichtungen kontrollierten nahezu alle Betriebsabläufe – von der Lüftung über die Wasseraufbereitung bis hin zu IT- und Telefonservern.
"Das gesamte Schadensausmaß war erst dann ersichtlich, als alle technischen Anlagen wieder in Betrieb genommen werden konnten", erklärt Aggua-Geschäftsführer Martin Roth. Dies erforderte eine schrittweise Inbetriebnahme nach Abschluss der zeitaufwändigen Spezialreinigung. Allein in den ersten zwei Wochen nach dem Brand waren täglich bis zu 100 Spezialreinigungskräfte damit beschäftigt, jeden Winkel von Rußpartikeln zu säubern. Dabei handelte es sich nicht um eine einfache Reinigung, sondern um mehrere aufwändige Reinigungsstufen, die nacheinander durchgeführt werden mussten.
Die Komplexität der Schäden verdeutlicht, warum die vollständige Sanierung voraussichtlich noch bis in den hinein dauern würde. Die ursprüngliche Annahme einer schnellen Wiedereröffnung musste revidiert werden, als das volle Ausmaß der Zerstörung technischer Infrastruktur sichtbar wurde.
Planungsphase und Bürgerbeteiligung
Die Sanierungsphase des AGGUA Troisdorf war nicht nur technisch, sondern auch politisch und gesellschaftlich geprägt. Nachdem die Dringlichkeit der Sanierung nach dem Brand unbestritten war, begann eine intensive Planungsphase, die die Zukunft des Bades neu definierte.
Die Troikomm, als hundertprozentige Tochter der Stadtwerkeholding und Betreiberin des Bades, startete umfangreiche Bürgerbefragungen, um die Wünsche und Bedürfnisse der zukünftigen Nutzer zu ermitteln. "Um die 500 Personen, darunter auch viele Großeltern, haben sich im Aggua zu langen und intensiven Gesprächen eingefunden", berichtet Martin Roth. Viele dieser Besucher besäßen einen regelrechten "Aggua-Lebenslauf", da schon die heutigen Großeltern das Bad als Kinder genutzt hatten.
Die Befragungen zeigten klar, dass bei der Sanierung besonderer Wert auf die Freizeitgestaltung insbesondere von Familien und Kindern gelegt werden sollte. Dieses Motto "baden, schwimmen, spielen" sollte die Grundlage für die neuen Planungen bilden.
Parallel dazu entwickelte sich eine politische Debatte über die Zukunft des Freibads. Ein Bürgerbegehren zum Erhalt von Schwimmerbecken und Sprungturm hatte rund 50 Unterstützer im Stadtrat, darunter viele Mitglieder der DLRG (Deutsche Lebens-Rettungs-Gesellschaft), die um ihre Trainingsmöglichkeiten fürgehrt hatten. Die Sorge bestand, dass bei einer Sanierung eventuell wichtige Sportbereiche gestrichen würden.
Letztendlich entschied sich der Stadtrat mit überwältigender Mehrheit für eine Sanierung, die den Erhalt des 50-Meter-Schwimmerbeckens, des Sprungturms und des Tauchbeckens vorsah. Gleichzeitig sollte auch die Bedürfnisse von Nichtschwimmern mit einem eigenen Becken berücksichtigt werden. Die FDP-Fraktion zeigte sich über diesen Verlauf verärgert und kritisierte den Prozess der Entscheidungsfindung.
Technische Sanierung des Freibads
Die eigentliche technische Sanierung des Freibads stellte eine enorme Herausforderung dar, nicht nur wegen der Brandschäden, sondern auch wegen der besonderen Standortbedingungen. Das AGGUA befindet sich in einem Landschaftsschutzgebiet, was besondere technische Anforderungen an die Pumpentechnik stellt – diese muss unterirdisch gekapselt installiert werden.
Das Architekturbüro geising + böker GmbH übernahm die Planung des groß angelegten Freibad-Umbaus und legte dabei besonderes Augenmerk auf energetische Gesichtspunkte. Luces Ingenieure wurden mit der technischen Planung und Bauüberwachung beauftragt und sorgten für eine moderne und effiziente Ausstattung der Anlage.
Ein wesentlicher Bestandteil der Sanierung war die Installation von Hocheffizienz-Pumpen zur Umwälzung des Beckenwassers. Diese Maßnahme führt zu einer jährlichen Energieeinsparung von rund 20 % im Vergleich zu herkömmlichen Pumpen. Über eine Laufzeit von 20 Jahren entspricht dies einer CO2-Einsparung von 1332 Tonnen – eine beeindruckende Bilanz für eine öffentliche Einrichtung.
Vor der endgültigen Eröffnung musste das Luces-Team einen wichtigen Test bestehen: den Färbetest. Mit diesem Verfahren wird die Wirksamkeit der Beckendurchströmung überprüft. Am Ende erstrahlte das Wasser des Freibads innerhalb der vorgesehenen Zeit in fröhlichem Grün, was die korrekte Funktionsweise der neuen Wasseraufbereitung bestätigte.
Die Sanierung umfasste auch die Modernisierung des Sportbeckens mit seinen 25- und 50-Meter-Bahnen sowie des Springerturms, der nun Sprünge von 3, 5 und 7,5 Metern Höhe ins kühle Nass erlaubt. Diese Anpassungen machten das Bad wieder zu einem attraktiven Standort für Schwimmvereine und -wettkämpfe.
Modernisierung der Saunalandschaft
Parallel zur Sanierung des Freibads wurde auch die Saunaanlage komplett modernisiert – mehr als 20 Jahre nach ihrer Eröffnung. Diese Entscheidung fiel während der Sanierungsarbeiten, als das volle Ausmaß der Brandschäden erkennbar wurde. Die Saunalandschaft wurde nicht nur repariert, sondern vollständig neu konzipiert.
Die Kosten für die Sanunaremodernisierung lagen bei rund 3,5 Millionen Euro, wobei der ursprünglich geplante Kostenrahmen eingehalten werden konnte. Das bisherige Angebot mit sieben Saunen wurde beibehalten, jedoch durch eine völlig neue Gestaltung und Atmosphäre ergänzt.
Besonderes Augenmerk wurde auf die Gestaltung gelegt, die "einen unmittelbaren Bezug zur umgebenden Natur" aufweist, wie Roelofs betont. Wald und Bäume finden sich als Anklänge in der Lounge, während "Impressionen der Wahner Heide" die Ruheräume vermitteln sollen. Diese Verbindung zur Natur schafft eine besondere Atmosphäre, die die Saunalandschaft zu einem "Mehrwert und Gewinn für die Stadt Troisdorf" macht, wie Harald Gabriel, Geschäftsführer der Betreibergesellschaft GMF, feststellt.
Die Saunalandschaft wurde am 13. Juni 2021 wieder eröffnet. Andrea Vogt, Geschäftsführerin der Troikomm, äußerte sich stolz auf die gelungene Sanierung: "Wir haben damals nicht gewusst, was auf uns zukommt", räumte sie ein. "Jetzt aber sind wir sehr stolz", so Vogt.
Herausforderungen durch die COVID-19-Pandemie
Die Sanierungsarbeiten des AGGUA Troisdorf wurden durch die COVID-19-Pandemie zusätzlich erschwert. "Dann kam auch noch Corona dazu!", wird in einem Bericht über die Sanierungsarbeiten festgehalten. Die Pandemie führte zu mehreren Problemen:
Erstens mussten zusätzliche Maßnahmen zur Hygiene und Sicherheit der Arbeiter während der Bauzeit beachtet werden. Dies führte zu organisatorischen Herausforderungen und verlängerte die Bauzeiten.
Zweitens kam es aufgrund der bundesweiten Sanierungswelle in Schwimmbädern zu einem Mangel an Fachkräften. Viele spezialisierte Betriebe waren mit ähnlichen Projekten in anderen Städten beschäftigt, was die Personalplanung für die AGGUA-Sanierung erschwerte.
Diese doppelte Belastung – die komplexen Brandschäden und die pandemiebedingten Einschränkungen – machte die Sanierung zu einem außergewöhnlich anspruchsvollen Projekt, wie die Betreiber einräumen. Dennoch gelang es, die Arbeiten planmäßig abzuschließen und das Bad rechtzeitig wieder zu eröffnen.
Pool-Deck-Konzept für Familien
Ein zentraler Bestandteil der neuen Planung für das Freibad ist das sogenannte Pool-Deck-Konzept. Dieses Konzept wurde entwickelt, um besonders Familien mit Kindern besser zu bedienen. Wie berichtet, hatten die Planungen des Aggua ein "Pooldeck" vorgesehen, mit einem 1,35 Meter tiefen Becken und einer zweiten Ebene, von der aus Eltern ihre Kinder im Blick behalten können.
"Es kann nicht das Ziel sein, nur ein Angebot für die Schwimmer zu haben", betonte Alexander Biber, Fraktionschef der CDU, bei der Ratssitzung, die über die Zukunft des Freibads entschied. Das Pool-Deck-Konzept ermöglicht es, Nichtschwimmern, insbesondere Kindern, ein altersgerechtes Badeangebot zu machen, während gleichzeitig die Eltern ihre Kinder überwachen können.
Dieses Konzept steht im Einklang mit den Ergebnissen der Bürgerbefragungen, bei denen der Fokus auf die Freizeitgestaltung für Familien gelegt wurde. Das Pool-Deck wird somit ein zentrales Element der neuen AGGUA-Erlebniswelt sein, die sowohl Sportler als auch Erholungssuchende ansprechen soll.
Energieeffizienz und Nachhaltigkeit
Ein wesentlicher Aspekt der AGGUA-Sanierung war die Berücksichtigung von Energieeffizienz und Nachhaltigkeit. Durch den Einsatz modernster Technik konnte die Anlage nichtional modernisiert werden, sondern auch deutlich umweltfreundlicher gestaltet werden.
Neben den bereits erwähnten Hocheffizienz-Pumpen, die zu einer jährlichen Energieeinsparung von 20 % führen, wurden weitere Maßnahmen zur Reduzierung des Energieverbraums umgesetzt. Die Architekten des Büros geising + böker GmbH legten bei dem groß angelegten Freibad-Umbau besonderes Augenmerk auf energetische Gesichtspunkte.
Die CO2-Einsparung von 1332 Tonnen über 20 Jahre Laufzeit ist eine beeindruckende Bilanz, die zeigt, dass auch bei Sanierungsprojekten großer öffentlicher Einrichtungen nachhaltige Aspekte berücksichtigt werden können. Diese Maßnahmen tragen nicht nur zum Umweltschutz bei, sondern führen langfristig auch zu signifikanten Kosteneinsparungen für die Betreiber.
Betriebskonzept und Wartung
Nach Abschluss der Sanierungen wurde das Betriebskonzept des AGGUA angepasst, um die modernisierte Anlage optimal zu nutzen. Ein wichtiger Bestandteil dieses Konzepts ist die jährliche Revision, die für alle öffentlichen Bäder in regelmäßigen Abständen gesetzlich vorgeschrieben ist.
Die jährliche Revision im Innenbereich des AGGUA TROISDORF findet vom 01.09. bis einschließlich 07.09.2025 statt. In dieser Zeit bleibt die AGGUA Sauna & Lounge geschlossen. Das Erlebnisbad ist vom 01.09. bis einschließlich 14.09.2025 nicht zugänglich. Während dieser Schließungszeit steht den Gästen ausschließlich das Freibad zur Verfügung.
Während der Revision werden wichtige technische Inspektionen und notwendige Reparaturen sowie gründliche Reinigungs- und Desinfektionsarbeiten aller Innenbereiche, einschließlich der Becken, Umkleiden, Duschen und Sanitäranlagen, durchgeführt. Dies gewährleistet die Hygiene und den reibungslosen Betrieb des Hallenbades und der AGGUA Sauna & Lounge und damit die Sicherheit aller Gäste.
Das Freibad bleibt während dieser Schließungszeit geöffnet. Die Öffnungszeiten des Freibads sind täglich von 12:00 Uhr bis 19:30 Uhr und am Wochenende von 10:00 Uhr bis 19:30 Uhr. Eine Ausnahme bildet Samstag, der 13. September 2025, an dem der Badebetrieb bereits um 16:30 Uhr endet.
Fazit
Die Sanierung des AGGUA Troisdorf ist ein beeindruckendes Beispiel für die erfolgreiche Bewältigung komplexer Bauschäden bei gleichzeitiger Modernisierung einer öffentlichen Einrichtung. Nach dem verheerenden Brand im Januar 2020, der das Herz der Anlage – die zentralen Schaltschränke im Technikbereich – zerstörte, wurde nicht nur eine reine Reparatur, sondern eine umfassende Modernisierung durchgeführt.
Die Sanierung umfasste sowohl das Freibad mit seinem Sportbecken, dem Sprungturm und der energieeffizienten Pumpentechnik als auch die komplette Neugestaltung der Saunalandschaft mit ihrem Bezug zur umgebenden Natur. Besonders hervorzuheben ist die intensive Bürgerbeteiligung, die sicherstellte, dass die Wünsche der Nutzer, insbesondere von Familien, berücksichtigt wurden.
Die technischen Herausforderungen, durch die COVID-19-Pandemie erschwert, wurden durch professionelles Management und innovative Lösungen gemeistert. Das Ergebnis ist eine moderne, nachhaltige und familienfreundliche Badeanlage, die für die kommenden Jahrzehnte den Anforderungen gerecht wird.
Die AGGUA-Sanierung zeigt, dass auch bei großen öffentlichen Projekten Nachhaltigkeit, Energieeffizienz und Nutzerorientierung erfolgreich umgesetzt werden können. Mit einer CO2-Einsparung von 1332 Tonnen über 20 Jahren und einem durchdachten Betriebskonzept, das regelmäßige Wartungen und Hygienekontrollen vorsieht, dient das AGGUA Troisdorf als Vorbild für ähnliche Projekte in ganz Deutschland.