Allacher Tunnel Sanierung: Achtjährige Baustelle auf Münchens A99 geplant

Einleitung

Der Allacher Tunnel auf der Bundesautobahn A99 in München steht vor einer umfassenden Sanierung, die erhebliche verkehrliche Auswirkungen auf die gesamte Region haben wird. Nach fast dreißig Jahren ununterbrochenem Betrieb ist die Sanierung bautechnisch dringend notwendig, um die Sicherheit und Funktionsfähigkeit dieser wichtigen Verkehrsader zu gewährleisten. Die Regierung von Oberbayern hat am 6. Mai 2024 den Planfeststellungsbeschluss für die Sanierungsmaßnahmen erlassen, womit das Projekt nun offiziell rechtssicher ist. Die Bauarbeiten sollen voraussichtlich 2028 beginnen und sich über einen Zeitraum von etwa acht Jahren erstrecken. Für die täglichen rund 133.000 Pendler, die den Tunnel nutzen, bedeutet dies eine massive Herausforderung und potenzielle Verkehrschaos-Szenarien. Dieser Artikel beleuchtet die geplanten Maßnahmen, die technischen Details und die Auswirkungen auf die Anwohner und Pendler.

Planfeststellungsbeschluss und aktueller Stand

Die Grundlage für die Sanierung des Allacher Tunnels wurde am 6. Mai 2024 mit dem Planfeststellungsbeschluss der Regierung von Oberbayern geschaffen. Die Genehmigung umfasst nicht nur die eigentlichen Sanierungsarbeiten, sondern auch die Möglichkeit zur temporären Freigabe des Seitenstreifens auf dem 6,8 Kilometer langen Teilstück zwischen den Autobahndreiecken München-Allach und München-Feldmoching. Diese Maßnahme ist Teil eines umfassenden Verkehrskonzepts, um die Belastungen während der Bauzeit zu minimieren.

Der Planfeststellungsbeschluss lag nach vorheriger öffentlicher Bekanntmachung in der Landeshauptstadt München und der Gemeinde Krailling zwei Wochen lang zur Einsicht aus. Seit dem 13. Mai 2024 ist der Beschluss zudem auf der Internetseite der Regierung von Oberbayern abrufbar. Sofern keine Klagen erhoben werden, wird der Planfeststellungsbeschluss nach Ablauf der Rechtsbehelfsfrist bestandskräftig. Die Umsetzung der gesamten Ausbaumaßnahmen obliegt der Autobahn GmbH des Bundes, Niederlassung Südbayern.

Als Ausgleich für die Beeinträchtigung von Natur und Landschaft werden auf einer Fläche von insgesamt rund 7,2 Hektar Kompensationsmaßnahmen durchgeführt. Diese ökologischen Begleitmaßnahmen sind Teil der behördlichen Genehmigung und stellen sicher, dass der Eingriff in die Umwelt ausgeglichen wird.

Die Gemeinde Karlsfeld, die unmittelbar von den verkehrlichen Auswirkungen betroffen sein wird, arbeitet bereits konstruktiv an einem belastbaren Verkehrskonzept mit. Wie Verkehrsreferent Bernd Wanka betont, sollen die chaotischen Verhältnisse nach der Sperrung der Rahmedetalbrücke der A45 in Lüdenscheid in den letzten zwei Jahren in Karlsfeld in jedem Fall vermieden werden.

Technische Details der Sanierung

Der Allacher Tunnel, der in den 1990er Jahren erbaut wurde, weist nach fast dreißig Jahren Betrieb erheblichen Sanierungsbedarf auf. Die geplanten Maßnahmen umfassen umfassende Instandhaltungs- und Modernisierungsarbeiten, die den technischen Stand der Technik berücksichtigen.

Kernsanierungsmaßnahmen

Die eigentliche Sanierung des Tunnels konzentriert sich auf mehrere Kernbereiche:

  1. Instandsetzung der Tunnelwände: Die rund 1,1 Kilometer langen Tunnelwände müssen instand gesetzt werden, um die strukturelle Integrität und Sicherheit des Bauwerks zu gewährleisten.

  2. Erneuerung der Betriebsausstattung: Die gesamte Betriebstechnik des Tunnels wird modernisiert. Dazu gehören:

    • Beleuchtungssysteme
    • Lüftungsanlagen
    • Verkehrsführungssysteme
    • Brandschutzeinrichtungen
  3. Vollständige Erneuerung der Tunnelentwässerung: Die Entwässerungsanlagen werden vollständig ausgetauscht, um zukünftige Funktionssicherheit und Regenwassermanagement zu gewährleisten.

Technische Infrastruktur auf der Tunneloberfläche

Ein wesentlicher Teil der Sanierung ist die Verlegung von Kabeln und Leitungen der Tunnelbetriebstechnik auf die Tunneloberfläche. Diese Maßnahme ist notwendig, um Platz im Tunnelinneren zu schaffen und gleichzeitig die Voraussetzungen für eine temporäre Seitenstreifenfreigabe (TSF) zu schaffen. Die Planungen sehen vor:

  • Eine Kabelschutzrohranlage auf der Tunneloberfläche
  • Zwei Löschwasserleitungen
  • Sechs Kabelhäuser
  • Dreizehn Kabelschächte

Diese Infrastruktur ermöglicht es, die Betriebsausstattung sicher und zugänglich außerhalb des eigentlichen Tunnels zu unterbringen, ohne die Verkehrsfähigkeit zu beeinträchtigen.

Temporäre Seitenstreifenfreigabe (TSF)

Ein zentraler Bestandteil des Projekts ist die Einführung einer temporären Seitenstreifenfreigabe (TSF) zwischen den Autobahndreiecken München-Allach und München-Feldmoching. Diese Maßnahme wird eine signifikante Entlastung für den stark belasteten Autobahnring bringen:

  • In Spitzenzeiten kann der Seitenstreifen als zusätzliche Fahrspur freigegeben werden
  • Moderne Überwachungs- und Signaltechnik wird auf der Strecke und im Tunnel installiert
  • Die TSF ermöglicht eine vierte Fahrspur in jeder Fahrtrichtung während der Hauptverkehrszeiten

Die Umsetzung der TSF erfordert umfangreiche bauliche Vorarbeiten, insbesondere im Bereich des Tunnels. Durch die Verlegung der Kabeltrasse auf das Tunneldach wird der Platz im Tunnelinneren für den Verkehr freigemacht, was während der Sanierungsphase entscheidend ist.

Verkehrliche Auswirkungen und Management

Die Sanierung des Allacher Tunnells stellt eine der größten verkehrlichen Herausforderungen der jüngeren Zeit für die Region München dar. Die A99 zählt zu den wichtigsten und am stärksten beanspruchten Straßen im südbayerischen Autobahnnetz, und der Allacher Tunnel bildet dabei ein zentrales Nadelöhr.

Aktuelle Verkehrssituation

Bereits in der Gegenwart zeigt der Tunnel seine Belastungsgrenzen:

  • Durchschnittlich 132.000 Fahrzeuge pro Tag
  • Bis zu 10.000 Fahrzeuge pro Stunde in Spitzenzeiten
  • Regelmäßige Staubildung, besonders während des Berufsverkehrs

Die Leistungsfähigkeit des Allacher Tunnels ist damit schon heute überschritten, was zu täglichen Staus führt. Diese Situation wird sich durch die Sanierung weiter verschärfen.

Erwartete Verkehrseinschränkungen während der Bauzeit

Die Bauzeit wird sich insgesamt auf etwa acht Jahre belaufen, davon vier bis fünf Jahre für die eigentliche Sanierung innerhalb des Tunnels. Während dieser Zeit wird der Verkehr wie folgt eingeschränkt:

  1. Nacheinzelne Sanierung der Tunnelröhren: Die beiden Tunnelröhren werden nacheinander saniert, sodass jeweils nur eine Röhre befahrbar bleibt. Das reduziert die Kapazität von drei auf zwei Fahrstreifen pro Richtung.

  2. Tägliche Verkehrseinschränkungen: Täglich müssen sich 133.000 Autofahrer mit nur noch zwei statt drei Spuren arrangieren.

  3. Nachtarbeiten mit Vollsperrungen: In der Nacht sind Vollsperrungen geplant, um intensive Bauarbeiten durchführen zu können.

  4. Stauwarnungen: Verkehrsexperte Bernd Wanka warnt vor bis zu zehn Kilometer langen Staus bereits ohne besondere Ereignisse wie Unfälle oder winterliche Straßenverhältnisse.

Auswirkungen auf das Umland und alternative Routen

Die massive Reduzierung der Kapazität im Tunnel wird zu erheblichen Verkehrsverlagerungen in das Umland führen. Insbesondere die Gemeinde Karlsfeld und umliegende Regionen werden betroffen sein:

  • Bis zu 27.500 Fahrzeuge täglich werden voraussichtlich auf Ausweichrouten ausweichen
  • Besonders betroffen sind die Münchner Straße, die Bajuwaren- und die Bayernwerkstraße in Karlsfeld
  • Die Anwohner müssen mit erhöhtem Verkehrsaufkommen, Abgasen und Lärm rechnen

Verkehrskonzepte und Schutzmaßnahmen für Anwohner

Um die Auswirkungen zu minimieren, wird ein "bauzeitliches Verkehrs- und Anwohnerschutzkonzept" erarbeitet. Die Stadt München hat die Autobahn GmbH im Rahmen des Planfeststellungsverfahrens aufgefordert, solche Konzepte zu entwickeln. Dazu gehören:

  • Verkehrslenkungsmaßnahmen
  • Mögliche Durchfahrtsverbote in extremen Belastungssituationen
  • Überwachung der Luftqualität und Lärmemissionen
  • Eskalationsstufenmodell für besonders belastungsfälle

Die Gemeinde Karlsfeld arbeitet bereits aktiv in einer interdisziplinären Projektgruppe mit, um Lösungen für die drohenden Verkehrsprobleme zu entwickeln. Verkehrsreferent Bernd Wanka betont, dass besondere verkehrslenkende Maßnahmen mit Durchfahrtsverboten wie in Österreich oder im Inntal zum Schutz der Bevölkerung als Nothilfe in extremen Belastungssituationen kein Tabu sein dürfen.

Zeitplan und Bauphasen

Die Sanierung des Allacher Tunnels ist ein langfristiges Projekt, das in mehrere Phasen unterteilt ist. Ein strukturierter Zeitplan soll sowohl die technische Qualität der Arbeiten sicherstellen als auch die verkehrlichen Belastungen so gering wie möglich halten.

Gesamtzeitrahmen

Das gesamte Projekt wird sich über etwa acht Jahre erstrecken:

  • Phase 1 (2027-2030): Vorbereitende Maßnahmen mit Verlegung der Tunneltechnik auf das Tunneldach
  • Phase 2 (ab 2030): Eigentliche Sanierung der Tunnelröhren (4-5 Jahre)

Diese Aufteilung ermöglicht es, während der Hauptbauphase die A99 ohne Unterbrechung auf mindestens zwei Fahrspuren in jeder Fahrtrichtung offen zu halten.

Detaillierter Zeitplan

Phase 1: Vorbereitende Maßnahmen (2027-2030)

In dieser Phase wird die Tunnelbetriebstechnik weitgehend auf das Tunneldach verlegt. Diese Arbeiten finden weitgehend ohne größere Beeinträchtigungen des Fahrzeugverkehrs statt. Die Verlegung der Technik ist ein wesentlicher Schritt, um Platz im Tunnelinneren für die eigentlichen Sanierungsarbeiten zu schaffen und gleichzeitig die Voraussetzungen für die temporäre Seitenstreifenfreigabe zu schaffen.

Phase 2: Tunnel-Sanierung (ab 2030, 4-5 Jahre)

In dieser intensiven Bauphase wird der Tunnel selbst saniert. Die Planungen sehen vor, während dieser fünf Jahre beide Röhren nacheinander zu sanieren und auszubauen. Jede Röhre wird für einen Zeitraum komplett gesperrt, während die andere Röhre den Verkehr aufnimmt. Diese Methode wurde gewählt, da eine parallel zur Sanierung betriebene "Wanderbaustelle" im Tunnel erhebliche Sicherheitsrisiken mit sich bringen und länger dauern würde.

Die Entscheidung für diese Vorgehensweise basiert auf folgenden Überlegungen:

  • Gewährleistung der Sicherheit der Bauarbeiten und aller Verkehrsteilnehmer
  • Vermeidung von komplexen und häufigen Umgestaltungen der Verkehrsführung
  • Sicherstellung der Fluchtwegesysteme während der gesamten Bauphase
  • Minimierung der Gesamtbauzeit durch klare Phaseneinteilung

Technische Herausforderungen während der Bauzeit

Die Sanierung des Allacher Tunnels stellt erhebliche technische Herausforderungen dar, insbesondere aufgrund der Notwendigkeit, den Verkehr während der Arbeiten aufrechtzuerhalten:

  1. Begrenzter Platzverhältnisse im Tunnel: Durch die Verlegung der Betriebstechnik auf die Tunneloberfläche wird Platz im Tunnelinneren geschaffen, der jedoch dennoch begrenzt ist.

  2. Sicherheitsanforderungen: Während der Sanierungsphase müssen alle Sicherheitsanforderungen für Tunnelbetrieb erfüllt werden, einschließlich Brandschutz, Fluchtwegen und Notfallmanagement.

  3. Integration der neuen Technik: Die neue Betriebstechnik muss nahtlos in die bestehende Infrastruktur integriert werden, ohne die Funktionstüchtigkeit zu beeinträchtigen.

  4. Bauablaufplanung: Die komplexe Logistik der Materialanlieferung, der Abtransport von Abfällen und die Koordination der verschiedenen Gewerke erfordern eine präzise Planung.

Fazit

Die Sanierung des Allacher Tunnels auf der A99 ist ein notwendiges Projekt, um die Sicherheit und Funktionsfähigkeit dieser wichtigen Verkehrsader für die Zukunft zu gewährleisten. Nach fast dreißig Jahren ununterbrochenem Betrieb ist eine umfassende Erneuerung der Tunnelinfrastruktur bautechnisch dringend erforderlich.

Die Planung, die im Mai 2024 mit dem Planfeststellungsbeschluss der Regierung von Oberbayern rechtssicher wurde, sieht eine Gesamtbauzeit von etwa acht Jahren vor. Die Maßnahmen umfassen die Instandsetzung der Tunnelwände, die Erneuerung der Betriebsausstattung und der Entwässerungsanlagen sowie die Schaffung von Voraussetzungen für eine temporäre Seitenstreifenfreigabe.

Die größte Herausforderung des Projekts stellt der Verkehr während der Bauzeit dar. Mit täglich rund 133.000 Fahrzeugen ist der Allacher Tunnel bereits heute stark überlastet. Die Reduzierung der Kapazität auf nur zwei Fahrstreifen während der Sanierung wird zu erheblichen Staus und Verkehrschaos führen, vor allem im Berufsverkehr. Betroffen davon sind nicht nur die direkt auf der A99 Reisenden, sondern auch die Anwohner in den umliegenden Gemeinden wie Karlsfeld, die mit erhöhtem Verkehrsaufkommen, Lärm und Abgasen rechnen müssen.

Die Autobahn GmbH arbeitet bereits an Konzepten zur Verkehrslenkung und zum Schutz der Anwohner. Die temporäre Seitenstreifenfreigabe soll in Spitzenzeiten eine zusätzliche Entlastung bringen. Die Gemeinde Karlsfeld beteiligt sich aktiv an der Entwicklung von Lösungen, um die Auswirkungen für die Anwohner so gering wie möglich zu halten.

Die Sanierung des Allacher Tunnels ist ein Beispiel für die Balance zwischen notwendiger Infrastrukturerneuerung und den Belastungen für Verkehr und Anwohner während der Bauzeit. Der langfristige Nutzen durch eine moderne, sichere und leistungsfähige Tunnelanlage steht dabei im Mittelpunkt der Planungen.

Quellen

  1. Regierung von Oberbayern - Grünes Licht für die Sanierung des Allacher Tunnels
  2. TZ München - A99-Sanierung: Experte prophezeit Chaos für über 100.000 Pendler täglich
  3. Gemeinde Karlsfeld - Sanierung des Allacher Tunnels
  4. Augsburger Allgemeine - A99-Sanierung: Allacher Tunnel München - Angst vor Verkehrschaos, Politiker fordern schnelle Maßnahmen
  5. Autobahn.de - Planen und Bauen: Projekt A99 Tunnel Allach
  6. TZ München - Allacher Tunnel: Ausblick auf 8 Jahre Autobahn-A99-Baustelle

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