AQUAtherm Straubing: Umfassende Generalsanierung zum Allwetter-Badeparadies

Einleitung

Die Generalsanierung des Hallenbades AQUAtherm in Straubing stellt ein eindrucksvolles Beispiel für die Transformation einer älteren Badeanlage in ein modernes Allwetter-Badeparadies dar. Nach umfangreichen Umbauten und Erweiterungen, die von 2018 bis 2021 stattfanden, hat das Bad im Oktober 2021 seine Türen für die Öffentlichkeit wieder geöffnet. Das Projekt umfasste nicht nur eine umfassende energetische Sanierung der technischen Anlagen, sondern auch den Umbau von Bestandsgebäuden und die Erweiterung durch Neubauten. Besonders hervorzuheben ist die einzigartige Architektur mit ihrer organischen Stahlflechtwerkkonstruktion und die komplexen Dachsanierungsarbeiten, die besondere technische Herausforderungen boten. Dieser Artikel beleuchtet die verschiedenen Aspekte des Sanierungsprojekts, von den Planungsphasen über die baulichen Besonderheiten bis hin zu den wirtschaftlichen Rahmenbedingungen.

Projektübersicht und Geschichte

Das AQUAtherm in Straubing, das bereits 1971 eröffnet wurde, durchlief in seiner Geschichte mehrfache Umbauten und Erweiterungen. Die jüngste und umfassendste Maßnahme war die Generalsanierung, die die Stadtwerke Straubing GmbH als Bauherr in Auftrag gaben. Ziel war es, die Badeanlage entsprechend den neuesten Technologien und anerkannten Regeln der Technik zu erneuern und gleichzeitig die Attraktivität für Besucher durch neue Attraktionen zu steigern.

Das Projekt umfasste sowohl die Sanierung des Hallenbads als auch des angrenzenden Freibereichs. Dabei blieb das angegliederte Freibad, die Sauna sowie die integrierte Physiotherapie während der gesamten Bauzeit in Betrieb, was besondere Anforderungen an die Bauplanung und -abwicklung stellte. Die Stadtwerke Straubing GmbH beauftragten hierfür namhafte Planungsbüros und Fachunternehmen mit der Umsetzung, um eine hohe Qualität und Funktionalität des Gesamtergebnisses zu gewährleisten.

Die Sanierung wurde genutzt, um mit einem neu gebauten Wintergarten das vorhandene Hallenbad zu erweitern und den Innenbereich mit den Außenanlagen zu verbinden. Der 50 m lange, 10 m breite und 14 m hohe Neubau wird von einer gewundenen, filigranen Stahlkonstruktion getragen, die bereits von Weitem ins Auge sticht und dem Bad ein futuristisches Erscheinungsbild verleiht.

Planungs- und Bauablauf

Die Planungsphase für die Generalsanierung des AQUAtherm erstreckte sich über einen Zeitraum von drei Jahren, von April 2016 bis März 2019. In dieser Zeit wurden die Weichen für das gesamte Projekt gestellt, von der Konzeption bis zur detaillierten Planung der verschiedenen Gewerke. Als Architekten zeichneten Studio Gollwitzer Architekten GmbH aus München verantwortlich, während die Projektleitung und -steuerung nach AHO-Honorarordnung durch das Unternehmen pm-5 erfolgte.

Der eigentliche Bauzeitraum dauerte von März 2018 bis September 2021, also etwas über drei Jahre. Die Fertigstellung erfolgte rechtzeitig zum geplanten Termin, sodass das Hallenbad am 1. Oktober 2021 wieder eröffnet werden konnte. Während der gesamten Bauzeit wurde darauf geachtet, die Beeinträchtigungen für die Badegäste so gering wie möglich zu halten. Da das angegliederte Freibad, die Sauna sowie die integrierte Physiotherapie weiterhin in Betrieb blieben, mussten die Arbeiten teilweise unter besonderen Bedingungen durchgeführt werden.

Die Durchführung der verschiedenen Gewerke wurde an spezialisierte Unternehmen vergeben. So war das Bedachungsunternehmen Leutner + Gruber GmbH aus Straubing für die komplexen Dachsanierungsarbeiten zuständig, während das Ingenieurbüro Möller + Meyer Gotha für die Planung der Bädertechnik, Gebäudetechnik und Gebäudeautomation verantwortlich zeichnete. Für die statische Berechnung der Stahl- und Stahlbetonkonstruktion zeichnete das Ingenieurbüro BAUMRUCK + OSWALD verantwortlich, das hierfür Software von Dlubal einsetzte.

Bautechnische Besonderheiten

Besondere Aufmerksamkeit erregte bei der Sanierung die neu errichtete Tragwerkskonstruktion mit ihrem organischen Flechtwerk aus Stahl. Diese Konstruktion, die sich über zahlreiche Badebereiche erstreckt, verleiht dem Bad eine besondere Ästhetik und Atmosphäre. Das Flechtwerk besteht aus Rundrohren mit den Durchmessern Ro 139,7x8,0 und Ro 139,7x12,5, die hauptsächlich als Splines (3-D) gebogen wurden, um die gelungene organische Optik zu erreichen. Durch diese Konstruktion wird nicht nur das Hallenbadbereich auf der Längsseite erweitert, sondern auch eine einzigartige Lichtwirkung erzielt, die für verschiedene Lichtstimmungen in den verschiedenen Bereichen sorgt – sei es im Rutschenturm, Schwimmerbecken, Bistro, der neuen Wasserspiellandschaft oder der kostenlosen Dampfsauna.

Eine besondere Herausforderung stellte die Dachsanierung dar. Die Dachkonstruktion weist eine komplexe Geometrie mit sich häufig verändernden Neigungen und Biegungen auf. Besonders anspruchsvol war die Verlegung der Kunststoffabdichtungsbahnen am Rutschenturm sowie die passgenaue Durchführung der Anschlüsse an den Dachfenstern und die Installation von Blitzschutz und Schneefanggittern. Die Entwässerungsrinne wurde auf Wunsch des Bauherrn in besonderer Weise hergestellt.

Für die Dachabdichtung kamen Kunststoffabdichtungsbahnen Sarnafil TS 77-20 E RAL 7040 (Fenstergrau) im Sarnafast System zum Einsatz, die sich besonders für mechanisch befestigte Dächer mit Dachneigungen über 20 Grad eignen und über einen erhöhten Brandschutz verfügen. Die Dachneigung von 11 % in die Dachfläche stellte besondere Anforderungen an die Verlegearbeiten. Das gesamte Dach musste in kleinteiliger Handarbeit erstellt werden, da alle Bauteile gekrümmt mit Innen- oder Außenschwung, bombiert (also wölbend verformt) waren und trotzdem als Ergebnis wie eine einzige Dachfläche anmuten sollten.

Sanierungs- und Umbaumaßnahmen

Die Generalsanierung des AQUAtherm umfasste eine Vielzahl von Maßnahmen, die sich auf verschiedene Bereiche der Badeanlage erstreckten. Im Einzelnen wurden folgende Arbeiten durchgeführt:

Umbau der Umkleiden und Sanitärbereiche

Die Sanierung der Umkleiden, Duschen und WCs umfasste den Abriss des Bestands und den Neubau mit Fußböden, Wänden und einer neuen Lüftungsanlage. Zudem wurde der Brandschutzertüchtigt und neue Garderobenkästchen installiert: 450 Stück für den Schwimmbadbereich und 120 Stück für den Saunabereich.

Erweiterung des westlichen Badehallenanbaus

Ein wesentlicher Teil der Maßnahmen war die Erneuerung und Sanierung des westlichen Badehallenanbaus. Hier wurden ebenfalls Bestandsabbrüche durchgeführt, gefolgt von einem Neubau, der ein 30 m² großes Kinderplanschbecken, einen Bademeisterstand, einen Kinderbereich, einen Liegebereich und einen Erste-Hilfe-Raum umfasste.

Neubau eines Rutschenturms

Eine der Attraktionen des sanierten Bades ist die neue Rutsche, die wärmegedämmt mit einem Rutschenturm ausgestattet ist und sowohl im Sommer- als auch im Winterbetrieb genutzt werden kann. Die Rutsche hat eine Länge von etwa 100 Metern.

Neues Außenbecken

Ein weiteres wichtiges Element der Sanierung war der Bau eines neuen Außenbeckens. Es handelt sich um ein Thermalbecken mit 200 m² Wasserfläche, das mit einer Attraktion und Unterkellerung ausgestattet wurde. Zudem wurde eine Beckenabdeckung, Windschutz und Liegeflächen installiert.

Arbeiten an der Badehalle Bestand

In der bestehenden Badehalle wurden unter anderem 80 m² Leichtmetallfensterkonstruktionen erneuert, die Dampfkammer, die technische Infrastruktur und der Fußbodenaufbau überarbeitet.

Technische Anlagen

Ein zentraler Aspekt der Sanierung war die Erneuerung der technischen Anlagen entsprechend den neuesten Technologien und den anerkannten Regeln der Technik. Die Kosten für die Technik betrugen netto etwa 3,100,000 € und umfassten verschiedene Anlagengruppen.

Technische Innovationen

Bei der Sanierung des AQUAtherm kamen verschiedene technische Innovationen zum Einsatz, die nicht nur die Funktionalität, sondern auch die Energieeffizienz der Badeanlage verbessern. Besonders hervorzuheben ist die innovative Stahlflechtwerkkonstruktion, die nicht nur ästhetische Ansprüche erfüllt, sondern auch als tragendes Element dient. Durch die Kombination aus Stahl und Stahlbeton werden optimale statische Eigenschaften erreicht, die im Zusammenspiel mit dem einfallenden Licht sowie der Innenbeleuchtung für eine besondere Atmosphäre sorgen.

Bei der Dachsanierung kamen moderne Kunststoffabdichtungsbahnen zum Einsatz, die besondere Eigenschaften aufweisen. Die verwendete Sarnafil TS 77-20 E Abdichtungsbahn mit innenliegender Verstärkung eignet sich besonders für mechanisch befestigte Dächer mit Dachneigungen über 20 Grad und verfügt über einen erhöhten Brandschutz. Die Flexibilität des Materials ermöglichte die Umsetzung der komplexen Dachgeometrie mit ihren häufig wechselnden Neigungen und Biegungen.

Auch in den Bereichen der Technik und Gebäudetechnik wurden modernste Lösungen implementiert. Das Ingenieurbüro Möller + Meyer Gotha, das für die Planung der Bädertechnik, Gebäudetechnik und Gebäudeautomation zuständig war, setzte auf aktuelle Technologien, um den Energieverbrauch zu optimieren und die Betriebssicherheit zu erhöhen.

Herausforderungen bei der Umsetzung

Die Generalsanierung des AQUAtherm stellte alle Beteiligten vor zahlreiche Herausforderungen, die durch die Komplexität des Projekts und die besonderen Gegebenheiten vor Ort entstanden.

Dokumentationslücken

Eine besondere Herausforderung bei der Sanierung, gerade was die Dachkonstruktion betraf, waren die oftmals nur wenig vorhandenen Unterlagen zu früheren Umbauten sowie Sanierungen. Besonders problematisch war, dass für die Zusatzlasten aus der Dachsanierung im Jahr 2008 keine statischen Unterlagen existierten. Daher musste das bestehende Schwimmhallendach im Vorhinein auf seine Tragfähigkeit überprüft werden.

Bau im laufenden Betrieb

Da das angegliederte Freibad, die Sauna sowie die integrierte Physiotherapy während der gesamten Bauzeit weiterbetrieben wurden, mussten die Arbeiten besonders sorgfältig geplant und durchgeführt werden. Dies erforderte eine enge Abstimmung zwischen den Bauarbeiten und dem laufenden Betrieb, um die Beeinträchtigungen für die Badegäste so gering wie möglich zu halten.

Komplexe Dachsanierung

Die Dachsanierung stellte aufgrund ihrer komplexen Geometrie besondere Anforderungen an die ausführenden Unternehmen. Die sich häufig verändernden Neigungen und Biegungen, die komplizierten Anschlussdetails und die zahlreichen Durchdringungen forderten das Können der Dachdeckermeister und die Formbarkeit der verwendeten Materialien heraus. Laut Dachdeckermeister Günter Scheuerer-Gruber vom ausführenden Bedachungsunternehmen Leutner + Gruber GmbH war die ungewöhnliche Formgebung der Dachfläche mit allen Anschlussdetails und Durchdringungen so anspruchsvoll, dass sie beinahe als Meisterarbeit hätte gelten können.

Zeitliche und finanzielle Herausforderungen

Laut Medienberichten hatte die Generalsanierung des Aquatherm-Hallenbades die Stadtwerke vor Herausforderungen gestellt, die zu einer längeren Bauzeit, unliebsamen Überraschungen und höheren Kosten führten. Dies verdeutlicht die Komplexität und die damit verbundenen Risiken bei so umfassenden Sanierungsprojekten.

Wirtschaftliche Aspekte

Die Generalsanierung des AQUAtherm war mit erheblichen Investitionen verbunden, die die Stadtwerke Straubing GmbH als Bauherr tätigen mussten. Die Gesamtkosten des Projekts betrugen netto etwa 17.300.000 €. Davon entfielen allein auf die technischen Anlagen netto etwa 3.100.000 €. Diese Summen verdeutlichen die Dimension des Projekts und die Bedeutung der Maßnahme für die Stadt Straubing.

Die Finanzierung solcher Sanierungsprojekte ist immer eine große Herausforderung für öffentliche Träger. Die Stadtwerke Straubing GmbH mussten hierfür wahrscheinlich verschiedene Finanzierungsquellen erschließen und langfristige Planungs- und Finanzierungsstrategien entwickeln. Die Tatsache, dass das Projekt trotz der Herausforderungen termingerecht fertiggestellt werden konnte, spricht für eine gute Projektsteuerung und die professionelle Abwicklung durch alle Beteiligten.

Die Wirtschaftlichkeit des Projekts wird sich in den kommenden Jahren zeigen. Durch die energetische Sanierung und die Modernisierung der technischen Anlagen werden die Betriebskosten gesenkt, während die gesteigerte Attraktivität der Badeanlage zu höheren Besucherzahlen und damit zu höheren Einnahmen führen kann. Langfristig wird das Projekt somit zur Stärkung der Standortqualität von Straubing beitragen.

Fazit

Die Generalsanierung des AQUAtherm in Straubing stellt ein eindrucksvolles Beispiel für die gelungene Transformation einer älteren Badeanlage in ein modernes Allwetter-Badeparadies dar. Das Projekt, das von 2018 bis 2021 durchgeführt wurde, umfasste nicht nur eine umfassende energetische Sanierung der technischen Anlagen, sondern auch den Umbau von Bestandsgebäuden und die Erweiterung durch Neubauten. Besonders hervorzuheben ist die einzigartige Architektur mit ihrer organischen Stahlflechtwerkkonstruktion und die komplexen Dachsanierungsarbeiten, die besondere technische Herausforderungen boten.

Trotz zahlreicher Herausforderungen, wie Dokumentationslücken, Bau im laufenden Betrieb und komplexe Dachgeometrie, gelang es allen Beteiligten, das Projekt termingerecht fertigzustellen. Das Ergebnis ist ein Badehaus, das nicht ästhetisch überzeugt, sondern auch den modernen Anforderungen an Energieeffizienz, Barrierefreiheit und Besucherfreundlichkeit gerecht wird.

Die Generalsanierung des AQUAtherm zeigt, dass auch anspruchsvolle Sanierungsprojekte mit komplexer Architektur und technischer Ausstattung erfolgreich umgesetzt werden können, wenn alle Beteiligten eng zusammenarbeiten und professionell steuern. Das Bad wird nicht nur für die Bürger von Straubing, sondern auch für die gesamte Region eine wichtige Einrichtung bleiben und zur Attraktivität des Standorts beitragen.

Quellen

  1. Mercell - Generalsanierung AQUAtherm Straubing
  2. PM-5 - Generalsanierung und Modernisierung des Hallenbads AQUAtherm Straubing
  3. Dlubal - Kundenprojekt AQUAtherm Straubing
  4. Sika - Referenz AQUAtherm Straubing
  5. BBA-Online - Flachdachabdichtung AQUAtherm Straubing
  6. Möller + Meyer - Referenz AQUAtherm Straubing
  7. IDOWA - Artikel zu AQUAtherm Straubing

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