Bauleistungsversicherung bei Sanierung: Risiken minimieren und Schutz optimieren

Die Sanierung eines Gebäudes ist ein komplexer Prozess, der sowohl finanzielle als auch technische Herausforderungen mit sich bringt. Besonders in Altbauten ist die Gefahr von Schäden durch Wetterereignisse, Vandalismus, Konstruktionsfehlern oder andere Unwägbarkeiten hoch. Um solche Risiken abzusichern, ist eine Bauleistungsversicherung bei Sanierungsarbeiten unerlässlich. Sie deckt Schäden an Bauteilen und Materialien ab, die während der Bauarbeiten entstehen können. In diesem Artikel wird detailliert aufgezeigt, warum eine Bauleistungsversicherung bei Sanierungsmaßnahmen sinnvoll ist, welche Risiken sie abdeckt, welche Klauseln bei der Sanierung von Altbauten besonders wichtig sind, und wie Bauherren den richtigen Versicherungsschutz wählen können.

Was ist eine Bauleistungsversicherung?

Eine Bauleistungsversicherung, auch bekannt als Bauwesenversicherung oder Bauversicherung, ist eine Versicherungsform, die den Bauherrn vor finanziellen Mehrbelastungen durch unvorhergesehene Schäden an den versicherten Bauleistungen schützt. Im Gegensatz zur späteren Wohngebäudeversicherung, die das fertige Gebäude absichert, ist die Bauleistungsversicherung auf die Bauphase ausgerichtet. Sie ist somit quasi die Wohngebäudeversicherung für den Rohbau.

Die Versicherung deckt eine Vielzahl von Schäden ab, darunter:

  • Schäden durch ungewöhnliche Witterungsverhältnisse (z. B. Sturm, Hagel, Frost)
  • Schäden durch Vandalismus oder Diebstahl fest verbauter Elemente
  • Schäden durch Herstellungs- und Konstruktionsfehler
  • Glasbruch
  • Schäden durch Erdrutsche, Erdbeben oder Einstürze

Zusätzlich können Brand-, Blitzschlag- oder Explosionsschäden mitversichert werden, sofern dies bei Vertragsabschluss gesondert vereinbart wird. Auch Zusatzkosten, wie Aufräumarbeiten oder notwendige Rückbauarbeiten, sind in der Regel versichert. Nicht versichert sind Schäden durch normale Witterungseinflüsse, die im Rahmen der Jahreszeit und der regionalen Gegebenheiten zu erwarten sind, wie beispielsweise Frostschäden an ungeschütztem Beton.

Die Bauleistungsversicherung ist insbesondere bei Neubauten oder umfangreichen Sanierungsarbeiten sinnvoll, da sie den Bauherrn finanziell absichert und vor unvorhergesehenen Kosten schützt. Viele Kreditgeber verlangen diese Versicherung zudem als Voraussetzung für eine Baufinanzierung.

Besonderheiten bei Sanierungsmaßnahmen

Sanierungsarbeiten sind in der Regel komplexer als Neubauten, da sie oft an bestehenden Bausubstanzen durchgeführt werden. Dies birgt zusätzliche Risiken, die durch die Standarddeckung einer Bauleistungsversicherung oft nicht abgedeckt werden. Eine Standardpolice sichert in der Regel nur neue Bauleistungen und Bauteile ab. Schäden an bestehenden Gebäudeteilen, die während der Sanierung entstehen, sind in der Regel ausgeschlossen. Dies kann zu Deckungslücken führen, die besonders bei der Sanierung von Altbauten gefährlich und kostspielig sein können.

Ein typisches Szenario ist beispielsweise, dass während der Abbrucharbeiten Risse im verbleibenden Mauerwerk entstehen. Ein weiteres Beispiel: ein neu verlegtes Wasserrohr platzt und beschädigt eine historische Holzbalkendecke. Solche Schäden sind in der Standarddeckung oft nicht enthalten.

Um diese Risiken abzusichern, ist es erforderlich, ergänzende Klauseln in die Versicherung einzubeziehen. Eine solche Klausel, die bei Sanierungsmaßnahmen unerlässlich ist, ist die Klausel für Sachschäden an der mitzuversichernden Altbausubstanz. Diese erweitert den Versicherungsschutz auf den bestehenden Gebäudeteil, der nicht Teil der Baumaßnahme ist. Die Deckungssumme sollte hierbei ausreichend hoch sein, um auch größere Schäden abdecken zu können.

Fallstudie: Die Altbau-Falle

Ein Beispiel aus der Praxis: Bei der Sanierung eines alten Bauernhauses wurde ein neuer Dachstuhl errichtet. Während der Arbeiten kam es zu einem Wassereinbruch durch eine unzureichend abgedeckte Plane. Dies zerstörte nicht nur die neue Dämmung (die versichert war), sondern auch die historische Stuckdecke im darunterliegenden Stockwerk (die nicht versichert war). Der Schaden an der Decke belief sich auf 12.000 €, wofür der Bauherr aufkommen musste, da er die Zusatzklausel für Schäden am Altbau nicht abgeschlossen hatte.

Dieses Beispiel zeigt, wie wichtig es ist, bei Sanierungsmaßnahmen die richtigen Ergänzungen in die Bauleistungsversicherung einzubeziehen. Ohne die entsprechende Klausel bleiben Bauherren finanziell auf der Strecke, wenn Schäden an bestehender Bausubstanz entstehen.

Voraussetzungen für den Versicherungsschutz

Um den vollen Versicherungsschutz zu erhalten, müssen bestimmte Voraussetzungen erfüllt sein. Diese gelten insbesondere bei Sanierungsarbeiten und Altbauten:

  1. Planung, Bauleitung und Bauausführung müssen an Dritte vergeben sein: Das bedeutet, dass der Bauherr die Bauplanung, Bauleitung und Ausführung nicht selbst übernehmen darf. Die Arbeiten müssen durch externe Planer, Bauleiter und Handwerker durchgeführt werden.

  2. Bodenuntersuchungen und Grabungsarbeiten müssen dem Statiker vorgelegt werden: Damit die Empfehlungen der Bodengutachter berücksichtigt werden können, ist es erforderlich, die Ergebnisse der Bodenuntersuchungen und Grabungsarbeiten an den Statiker zu übergeben.

  3. Unterfangungs- und Gründungsmaßnahmen müssen berücksichtigt werden: Insbesondere bei Sanierungsarbeiten an Altbauten ist es wichtig, dass erforderliche Unterfangungs- und Gründungsmaßnahmen (z. B. für die Stabilisierung des bestehenden Mauerwerks) in die Planung einbezogen werden.

Diese Voraussetzungen sind entscheidend für die Gültigkeit des Versicherungsschutzes. Wer sie nicht erfüllt, kann bei Schadenfall auf die Schadensregulierung verzichten.

Tarifwahl: Was ist bei der Bauleistungsversicherung bei Sanierung zu beachten?

Die Wahl des richtigen Tarifs ist entscheidend, um alle relevanten Risiken abzusichern. Insbesondere bei Sanierungsarbeiten ist es wichtig, folgende Aspekte zu berücksichtigen:

  • Deckungsumfang: Der Deckungsumfang sollte möglichst umfassend sein, um auch Schäden an bestehender Bausubstanz abzudecken. Dazu gehört insbesondere die bereits erwähnte Klausel für Schäden an der Altbausubstanz.

  • Deckungssumme: Die Deckungssumme sollte hoch genug sein, um auch größere Schäden abzudecken. Die Summe hängt von der Bausumme ab, die vor Vertragsabschluss geschätzt werden muss. Eine Unterversicherung kann im Schadenfall zu finanziellen Engpässen führen.

  • Vergleich von Tarifen: Ein Bauleistungsversicherung Vergleich kann dabei helfen, den passenden Tarif zu finden. Es ist wichtig, nicht nur die Prämie, sondern auch die Deckungsleistungen zu vergleichen.

  • Zusatzklauseln: Neben der Klausel für Schäden an der Altbausubstanz können auch andere Klauseln sinnvoll sein, wie z. B. Klauseln für Schäden durch Erdbeben oder Schäden durch Vandalismus.

Kosten der Bauleistungsversicherung

Die Kosten der Bauleistungsversicherung sind in der Regel als Einmalbeitrag anfallend. Die Prämie richtet sich nach der Bausumme, dem Deckungsumfang und den individuellen Risiken des Bauvorhabens. Im Vergleich zum potenziellen Schaden ist die Prämie meist gering. Dennoch ist es wichtig, sie korrekt kalkulieren zu lassen, um keine finanziellen Überraschungen zu erleben.

Wenn sich die Bauarbeiten verzögern, ist es erforderlich, eine Verlängerung der Versicherung zu beantragen. Meist endet die Versicherung 2 bis 3 Jahre nach Vertragsabschluss. Ist das Gebäude bis dahin nicht fertig, muss der Versicherer über die Verzögerung informiert werden, und ggf. wird eine zusätzliche Prämie fällig.

Die drei Säulen des Schutzschilds: Bauleistungsversicherung, Bauherrenhaftpflicht und Bauwesenversicherung

Für einen lückenlosen Schutz auf der Baustelle ist es wichtig, nicht nur eine Bauleistungsversicherung abzuschließen, sondern auch ergänzende Policen. Im Zusammenspiel von drei verschiedenen Versicherungen entsteht ein umfassendes Schutzsystem:

  1. Bauleistungsversicherung: Schützt das Bauwerk und das Material vor unvorhergesehenen Schäden wie Sturm, Vandalismus, Diebstahl oder Herstellungsfehlern. Sie ist die Vollkaskoversicherung für das entstehende Bauwerk.

  2. Bauherrenhaftpflicht: Schützt den Bauherrn vor Haftungsansprüchen Dritter, z. B. wenn ein Passant durch ungesicherte Baustellenteile verletzt wird. Sie ist die Haftpflichtversicherung für den Bauherrn.

  3. Bauwesenversicherung: Schützt den Bauherrn vor finanziellen Risiken durch Bauunterbrechungen oder Bauverzögerungen. Sie ist besonders wichtig bei Projekten mit hohem finanziellen Einsatz.

Diese drei Versicherungen ergänzen sich gegenseitig und bilden zusammen ein umfassendes Schutzsystem. Nur im Zusammenspiel dieser drei Komponenten kann der Bauherr sicher und beruhigt bauen.

Aktuelle Trends und Entwicklungen in der Bauleistungsversicherung

Die Welt der Bauleistungsversicherung ist ständigen Veränderungen unterworfen. Insbesondere die Digitalisierung hat die Art und Weise, wie Versicherungsabschlüsse realisiert werden, revolutioniert. Der Online-Abschluss von Bauleistungsversicherungen spart Zeit und bietet zudem eine erhöhte Transparenz der Vertragsbedingungen.

Ein weiterer Trend ist die Anpassung an neue Bauvorschriften und technologische Fortschritte. Die Bauleistungsversicherung muss sich stetig weiterentwickeln, um auch zukünftige Risiken abzudecken, z. B. durch den Einsatz von Photovoltaikanlagen oder anderen modernen Technologien in Sanierungsprojekten.

Auch die Klimaveränderungen spielen eine Rolle. Durch die zunehmende Häufigkeit von extremen Wetterereignissen wie Stürmen, Überschwemmungen oder Hitzewellen, steigen die Risiken auf Baustellen. Versicherungsunternehmen passen ihre Policen entsprechend an, um auch diese neuen Gefahren abzudecken.

Fazit

Eine Bauleistungsversicherung ist bei Sanierungsarbeiten unerlässlich, um unvorhergesehene Schäden abzusichern. Sie bietet finanziellen Schutz für den Bauherrn und kann in der Regel auch Schäden an bestehender Bausubstanz abdecken, sofern entsprechende Ergänzungen in die Police eingebunden werden. Es ist wichtig, die richtigen Klauseln abzuschließen und die Deckungssumme sorgfältig zu wählen, um keine Deckungslücken zu schaffen.

Neben der Bauleistungsversicherung sind auch die Bauherrenhaftpflicht und die Bauwesenversicherung sinnvoll, um alle relevanten Risiken abzusichern. Nur im Zusammenspiel dieser drei Policen kann ein Bauherr sich sicher und beruhigt bauen.

Bei der Wahl des Versicherers ist es sinnvoll, einen Bauleistungsversicherung Vergleich durchzuführen, um den günstigsten und umfassendsten Tarif zu finden. Insbesondere bei der Sanierung von Altbauten ist es wichtig, auf erweiterte Deckungsoptionen zu achten, die Schäden an bestehender Bausubstanz abdecken.

Die Kosten der Bauleistungsversicherung sind meist als Einmalbeitrag fällig und relativ gering im Vergleich zum potenziellen Schaden. Dennoch ist es wichtig, die Bausumme korrekt zu schätzen, um keine Unterversicherung zu riskieren.

Mit der richtigen Versicherung ist man bestens gerüstet, um die Sanierungsarbeiten erfolgreich und ohne finanzielle Risiken durchzuführen.

Quellen

  1. DEVK Bauleistungsversicherung
  2. Bauleistungsversicherung: Der Altbau-Klausel-Tipp
  3. Sanierung: Bauleistungsversicherung im Überblick
  4. Bauleistungsversicherung: Sinnvoll oder nicht?

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