Bolongaropalast in Frankfurt: Denkmalsanierung, Bauherausforderungen und kulturelle Zukunft

Einleitung

Der Bolongaropalast in Frankfurt am Main, ein prägnantes architektonisches Ensemble aus dem späten 18. Jahrhundert, durchläuft seit 2017 eine der umfassendsten Denkmalsanierungen der Region. Das Projekt umfasst nicht nur die Sanierung des historischen Gebäudes, sondern auch die Erneuerung der zugehörigen barocken Gartenanlage. Ziel ist es, den Palast als multifunktionalen Kultur- und Veranstaltungsraum zu etablieren, der gleichzeitig die historische Substanz bewahrt und für die heutigen Anforderungen nutzbar macht.

Die Sanierung des Bolongaropalasts ist nicht nur ein Mammutprojekt, sondern auch ein Lehrbeispiel für komplexe Bauherausforderungen, steigende Kosten und die Balance zwischen Denkmalschutz und moderner Nutzung. Mit Investitionen von über 50 Millionen Euro und einer geplanten Fertigstellung im Jahr 2027 ist das Projekt ein zentraler Meilenstein im kulturellen und städtebaulichen Geschehen Frankfurts, insbesondere für den Stadtteil Höchst.

Historische Grundlagen und Projektziele

Der Bolongaropalast wurde Ende des 18. Jahrhunderts von der italienischen Familie Bolongaro errichtet und war ursprünglich als Wohn- und Wirtschaftsgebäude konzipiert. Er zählt zu den größten bürgerlichen Spätbarockpalästen nördlich der Alpen. Die historische Gartenanlage, die sich symmetrisch zwischen den beiden Palastflügeln erstreckt, ist ein weiteres Wahrzeichen des Ensembles. Nach Süden ausgerichtet, bietet der Garten eine beeindruckende Sicht auf die Nidda und den Main.

Die Sanierung wurde nach einer umfassenden Planungswerkstatt in den frühen 2010er Jahren beschlossen. Das Ziel: einen zukunftsfähigen Kultur- und Veranstaltungsort zu schaffen, der den historischen Charakter bewahrt, aber gleichzeitig auf moderne Anforderungen wie Barrierefreiheit, Brandschutz und Energieeffizienz eingestellt ist. Darüber hinaus wird der Palast einen Gastronomiebereich beherbergen und als Standort für kulturelle Einrichtungen wie das Porzellanmuseum dienen. Die Sanierungsarbeiten sind in mehrere Bauabschnitte unterteilt und beinhalten sowohl die Erneuerung der Gebäudehülle als auch die Revitalisierung des Gartens und der historischen Brunnen.

Technische und organisatorische Herausforderungen

Die Sanierungsarbeiten am Bolongaropalast haben sich als äußerst komplex erwiesen. Eine der ersten Herausforderungen bestand in der Entfernung von Bleifarben, die in vielen Räumen verwendet wurden. Da Bleiweiß-Farbe giftig ist, musste der Rückbau unter strengen Sicherheitsvorkehrungen durchgeführt werden, was zusätzliche Kosten verursachte und den Zeitplan verlängerte. Insgesamt wurden hunderte Quadratmeter Türen, Portale und Vertäfelungen behandelt, wobei die Entfernung ohne die Entstehung von gefährlichem Staub erfolgte.

Ein weiteres Problem lag in der Statik des Palastes. Die 250 Jahre alten Mauern und Dächer erwiesen sich als nicht in dem von der ursprünglichen Planung angenommenen Zustand. Insbesondere das marode Dach erforderte eine umfassende Sanierung, wodurch die Bauarbeiten erheblich verzögert wurden. Auch die Bodenverhältnisse erwiesen sich als unzureichend für den Betrieb schwerer Kräne, was den Bau von Kranfundamenten erforderlich machte.

Ein weiteres unerwartetes Problem war die Entdeckung archäologischer Funde aus der Zeit des Kaisers Augustus. In den Grabungen für neue Brunnenkammern wurden Spuren einer römischen Siedlung entdeckt, was die Arbeiten zusätzlich kompliziert hat. Die Funde sind in dieser Konzentration in der Region einzigartig und verlangen nach besonderer Aufmerksamkeit in Bezug auf den Schutz der archäologischen Substanz.

Die Kommunikation über die Verzögerungen und Herausforderungen blieb in Teilen der Öffentlichkeit und des Ortsbeirats ungenügend, was zu Kritik führte. In einigen Fällen wurden die Verzögerungen erst durch Recherchen des Höchster Kreisblatts bekannt, was die Transparenz des Projekts in Frage stellte.

Bauabschnitte und Sanierungsmaßnahmen

Die Sanierungsarbeiten sind in mehrere Bauabschnitte unterteilt, die sich auf verschiedene Bereiche des Ensembles konzentrieren.

Erster Bauabschnitt: Sanierung der Musikantenbalustrade

Der erste Bauabschnitt beinhaltete die Restaurierung der „Musikantenbalustrade“, die den südlichen Abschluss des oberen Plateaus des Bolongarogartens markiert. Die Balustrade stammt ursprünglich aus dem Jahr 1780, die Figuren sind jedoch Kopien aus dem Jahr 1909. Witterungseinflüsse hatten die Objekte stark beschädigt. Basierend auf einem Fachgutachten wurden die Balustrade, die Figuren und die verbliebenen historischen Sockel restauriert. Neue Musikinstrumente für die steinerne Kapelle wurden angefertigt und sind nach Fertigstellung der gesamten Anlage geplant.

Zweiter Bauabschnitt: Erneuerung der Barockbrunnen

Der zweite Bauabschnitt konzentriert sich auf die Restaurierung der historischen Barockbrunnen, insbesondere des Tritonbrunnens und des Drachenbrunnens. In Abstimmung mit der Denkmalpflege werden die Brunnen gründlich erneuert. Dazu gehören Reinigungsarbeiten, Rohrleitungsarbeiten und Sicherheitsmaßnahmen. Ziel ist es, die Brunnen wieder in den ursprünglichen Zustand zu versetzen und gleichzeitig ihre Funktion als architektonische Elemente und kulturelle Wahrzeichen zu bewahren.

Dritter Bauabschnitt: Sanierung des Gebäudesinneren und Einführung moderner Anforderungen

In den Innenräumen des Palastes wurden umfangreiche Sanierungsarbeiten durchgeführt. Dazu gehören der Rückbau von Wänden, Decken und Gewölben, die Sanierung von Dach und Fassade, die Erweiterung der Sanitärbereiche und die Ertüchtigung der Statik. Ein zentraler Aspekt war die Einführung von Barrierefreiheit, die durch den Einbau von drei Personen- und einem Güteraufzug realisiert wurde. Diese Maßnahmen erforderten Eingriffe in die historische Bausubstanz, wodurch Kompromisse zwischen Denkmalschutz und heutigen Anforderungen gefunden werden mussten.

Vierter Bauabschnitt: Modernisierung der Infrastruktur und Einführung von Kulturangeboten

Der vierte Bauabschnitt beinhaltet die Modernisierung der Infrastruktur, darunter die Schaffung eines Brandschutzkonzepts und der Energieeffizienzmaßnahmen. Gleichzeitig wird der Palast als Kultur- und Veranstaltungszentrum neu konzipiert. Dazu gehören die Einrichtung eines Musiksaals, eines Veranstaltungssaals mit rund 120 Plätzen, einer Probebühne, Garderoben, Räume für Kindertagesstätten, Jugendarbeit und die Musikschule. Darüber hinaus ist der Einzug eines Restaurants geplant, das den Palast für ein breiteres Publikum zugänglich macht.

Finanzierung, Kostensteigerungen und Investitionen

Die Sanierung des Bolongaropalasts ist finanziell ein riesiges Projekt. Nach den ursprünglichen Planungen war mit einem Budget von deutlich unter 50 Millionen Euro zu rechnen. Aufgrund von schlechterer Bausubstanz als angenommen und allgemeinen Kostensteigerungen im Baubereich stiegen die Investitionen jedoch auf insgesamt etwa 50 Millionen Euro, wobei zusätzliche 11,8 Millionen Euro für die Sanierungsarbeiten in den zweiten Bauabschnitt einfließen.

Oberbürgermeister Feldmann hat betont, dass der Bolongaropalast eines der komplexesten Bauvorhaben der Stadt Frankfurt sei. Die Kostenentwicklung ist vor allem auf unerwartete Herausforderungen zurückzuführen, darunter die Entfernung von Bleifarben, die Sanierung der Statik und die Entdeckung archäologischer Funde. Feldmann lobte die Arbeit des Amtes für Bau und Immobilien sowie der Architekten und Handwerker, die sich dieser Aufgabe stellen.

Kulturelle Zukunft des Bolongaropalasts

Der Bolongaropalast wird nicht nur für den Stadtteil, sondern für ganz Frankfurt ein großer Gewinn sein. Der Palast wird als Bürger- und Kulturzentrum erstrahlen und in die städtische Kulturlandschaft integriert. Mit dem Einzug des Porzellanmuseums und dessen Erweiterung um ein Mitmachmuseum und weitere kulturelle Angebote entsteht ein neuer Anziehungspunkt für Familien und Einzelpersonen gleichermaßen.

Kultur- und Wissenschaftsdezernentin Ina Hartwig betonte, dass die Sanierung eine Kraftanstrengung sei, die aber unbedingt notwendig sei, damit der Bolongaropalast für den Frankfurter Westen wieder für die Menschen strahlen könne. Die Stadt hat sich außerdem verpflichtet, die zuständigen Stadtverordneten auf die Baustelle einzuladen, um ihnen einen Überblick über die anstehenden Arbeiten zu geben.

Fazit

Die Sanierung des Bolongaropalasts in Frankfurt ist ein Mammutprojekt mit herausfordernden technischen, finanziellen und organisatorischen Aspekten. Mit Investitionen von über 50 Millionen Euro und einer geplanten Fertigstellung im Jahr 2027 ist der Palast auf dem Weg, zu einem zentralen Kultur- und Veranstaltungsort zu werden. Die Arbeiten, die in mehreren Bauabschnitten stattfinden, beinhalten sowohl die Erneuerung der Gebäudehülle als auch die Revitalisierung des Gartens und der historischen Brunnen.

Trotz Verzögerungen und Kostensteigerungen bleibt das Projekt ein Meilenstein in der kulturellen und städtebaulichen Entwicklung Frankfurts. Die Balance zwischen Denkmalschutz und moderner Nutzung wird dabei immer wieder auf die Probe gestellt – und dennoch gelungen. Der Bolongaropalast wird nicht nur ein kultureller Anziehungspunkt sein, sondern auch ein Symbol für die stolze und erfolgreiche Internationalität Frankfurts.

Quellen

  1. Bolongaropalast Frankfurt: Sanierung und Revitalisierung – komplexe Bauherausforderungen und Finanzierungsrealitäten
  2. Bolongaropalast in Frankfurt: Das verflixte siebte Jahr
  3. Sanierung des Bolongarogartens: Zweiter Bauabschnitt mit Restaurierung der Barockbrunnen gestartet
  4. Endlich grünes Licht für die Sanierung des Bolongaropalasts
  5. Bolongaropalast: Sanierung, Umbau und überraschende archäologische Entdeckungen
  6. Im Bolongaropalast sind die ersten Räume fertig

Ähnliche Beiträge