Die Charité – Universitätsmedizin Berlin ist nicht nur eine der größten und renommiertesten medizinischen Einrichtungen Deutschlands, sondern auch ein zentrales Projektobjekt in der Entwicklung moderner Gesundheitsarchitektur. Gleichzeitig steht sie vor den typischen Herausforderungen großer Sanierungs- und Modernisierungsprojekte: die Erhaltung historischer Strukturen, die Erneuerung veralteter Bausubstanz, die Einhaltung aktueller technischer und energetischer Standards sowie die Durchführung dieser Maßnahmen bei laufendem Klinikbetrieb.
Die Sanierung der Charité umfasst mehrere Standorte – Campus Benjamin Franklin, Campus Virchow-Klinikum und Campus Charité Mitte – und reicht von der grundhaften Instandsetzung historischer Backsteingebäude über die Modernisierung von Bettenhochhäusern bis hin zur Errichtung neuer, energieeffizienter Gebäude. In diesem Artikel werden die wesentlichen Aspekte der Sanierungsprojekte vorgestellt, darunter die organisatorischen, finanzpolitischen und architektonischen Konzepte, die Rolle des neuen Leiters Bau und Infrastruktur sowie der Beitrag zur Nachhaltigkeit und Energieeffizienz.
Die strategische Ausrichtung: Charité 2030
Die Sanierungs- und Neubauplanungen der Charité sind eingebettet in das umfassende strategische Konzept Charité 2030, das die bauliche Entwicklung aller drei Standorte über einen langfristigen Zeitraum koordiniert. Ziel dieses Konzepts ist es, eine infrastrukturelle Basis zu schaffen, die die Exzellenz in Forschung, Lehre und Patientenversorgung sichert. Dabei spielen sowohl die Sanierung historischer Bauten als auch die Errichtung moderner, funktionaler und energieeffizienter Gebäude eine zentrale Rolle.
Ein Schwerpunkt des Konzepts liegt auf der Transformation des Campus Benjamin Franklin in einen sogenannten Healing Campus. Dieser Begriff beschreibt nicht nur eine bauliche Modernisierung, sondern auch eine ganzheitliche Konzeption des Klinikumsumfelds, die sich auf die Gesundheit der Patient:innen, der Mitarbeitenden und der Umwelt auswirkt. Im Zuge dessen finden umfangreiche Sanierungsmaßnahmen statt, darunter die Modernisierung der Pflegestationen, die energetische Dachsanierung sowie die Installation einer Photovoltaikanlage mit einer Gesamtleistung von 1.112 kWp.
Die Sanierung des Bettenhochhauses am Campus Benjamin Franklin
Eines der größten und bekanntesten Projekte im Rahmen der Charité 2030-Strategie ist die Sanierung des Bettenhochhauses am Campus Benjamin Franklin. Mit einer Fläche von 7.500 m² und Kosten von rund 43,3 Millionen Euro ist dieses Vorhaben ein zentrales Element der baulichen Entwicklung. Die Sanierung erfolgte in mehreren Bauabschnitten, da das Gebäude im Rahmen des laufenden Klinikbetriebs weiterhin genutzt werden musste. Dazu wurde ein interimistisches Modulgebäude errichtet, das temporär bis zu vier Stationen beherbergte.
Im Jahr 2026 soll die Sanierung abgeschlossen sein. Die Maßnahmen umfassen die grundhafte Instandsetzung von Räumen und technischen Anlagen, die Optimierung der Prozesse im Krankenhausalltag sowie die Schaffung von besseren Arbeits- und Aufenthaltsbedingungen für Patient:innen und Mitarbeitende. Ein besonderes Augenmerk lag auf der Integration moderner Technologien und der Anpassung an aktuelle medizinische Standards.
Energetische Sanierungen und Nachhaltigkeit
Die Sanierungsprojekte der Charité sind nicht nur rein funktionale Maßnahmen, sondern auch Teil der Bemühungen um eine klimafreundliche und nachhaltige Gebäudestruktur. Ein zentrales Projekt in diesem Zusammenhang ist die energetische Dachsanierung am Campus Benjamin Franklin. Mit einer Fläche von rund 20.000 m² und Kosten in Höhe von 25,3 Millionen Euro ist dies eine der umfassendsten Sanierungen des Hauptgebäudes. Die Maßnahme umfasst die Beseitigung von Schäden an den Flachdächern, die Entfernung von Schadstoffen und die Umsetzung aktueller energetischer Vorschriften.
Ein besonderes Highlight ist die Installation einer Photovoltaikanlage, die im Jahr 2026 in Betrieb genommen wird. Diese Anlage mit einer Leistung von 1.112 kWp ist in der Lage, den Strombedarf von etwa 350 dreiköpfigen Haushalten zu decken. Damit leistet die Charité einen konkreten Beitrag zur Energiewende und zeigt, wie auch im Gesundheitssektor umweltfreundliche Energieerzeugung integriert werden kann.
Der Neubau des Deutschen Herzzentrums
Ein weiteres zentrales Projekt ist der Neubau des Deutschen Herzzentrums der Charité (DHZC) am Campus Virchow-Klinikum. Mit Gesamtkosten von über 520 Millionen Euro und einer Beteiligung des Bundes in Höhe von 100 Millionen Euro ist dieses Vorhaben eines der größten Gesundheitsbauvorhaben in Deutschland. Der Neubau wird europaweit Maßstäbe setzen, da er modernste Operations- und Laborräumen sowie Hybrid-Eingriffsräume beherbergen wird.
Das DHZC ist nicht nur ein technisches Meilensteinprojekt, sondern auch ein symbolisches. Es steht für die enge Verzahnung von Forschung, Lehre und klinischer Praxis und soll Patient:innen mit Herz-Kreislauf-Erkrankungen eine Behandlung auf höchstem Niveau ermöglichen. Die Architektur des Neubaus ist so gestaltet, dass sie die Funktionalität mit dem Wohlbefinden der Patient:innen und Mitarbeitenden in den Mittelpunkt stellt.
Der neue Geschäftsbereich Bau, Infrastruktur und Nachhaltigkeit
Mit dem Ziel, die baulichen und infrastrukturellen Herausforderungen systematisch und nachhaltig zu bewältigen, hat die Charité im Jahr 2026 einen neuen Geschäftsbereich gegründet: Bau, Infrastruktur und Nachhaltigkeit (BIN). Leitender Geschäftsführer des neuen Bereichs ist Simon Batt-Nauerz, der bereits seit 2022 für Infrastruktur und Nachhaltigkeitsmanagement verantwortlich war. Er übernimmt zudem weiterhin seine Funktion als Geschäftsführer der Charité Facility Management (CFM), was zeigt, dass die baulichen und infrastrukturellen Aktivitäten eng mit der operativen Betriebsführung verbunden sind.
Der Geschäftsbereich BIN hat das Mandat, alle Sanierungs- und Neubauprojekte der Charité zu koordinieren. Dazu gehören neben der Sanierung bestehender Gebäude auch die Errichtung neuer Bauten sowie die Entwicklung energieeffizienter Gebäudekonzepte. Zudem ist ein zentrales Flächenmanagement geplant, das bestehende Ressourcen effizienter nutzen und zukünftige Bedarfe besser abdecken soll.
Die Herausforderungen der Sanierung bei laufendem Betrieb
Eine besondere Herausforderung bei allen Sanierungsprojekten ist die Tatsache, dass die Maßnahmen bei laufendem Klinikbetrieb durchgeführt werden müssen. Dies erfordert eine engmaschige Planung, die koordinierte Zusammenarbeit mit den medizinischen Teams sowie die Bereitstellung von interimistischen Lösungen, wie beispielsweise das bereits erwähnte Modulgebäude am Campus Benjamin Franklin.
Ein weiteres Beispiel für die Komplexität der Planung ist die Sanierung der Operations-Ebene am Campus Benjamin Franklin. Diese Maßnahme wurde in drei Bauabschnitten durchgeführt, wobei jedes Mal fünf Operationsräume und die dazugehörigen Funktionsbereiche saniert wurden. Gleichzeitig wurde die Technikzentrale überarbeitet und die Dachflächen schadstoffsaniert. Die Sanierung ermöglichte eine Flexibilisierung der Arbeitsabläufe und führte zu Einspareffekten durch Prozessoptimierung.
Kooperationen und Finanzierung
Die Finanzierung der Sanierungs- und Neubauprojekte ist ein zentraler Aspekt, der sich in der heutigen Finanzpolitik Berlins besonders herausfordern lässt. So hat der Aufsichtsrat der Charité beschlossen, die Mittel für die Sanierung des Bettenhochhauses am Campus Charité Mitte freizugeben. Dieser Schritt war als „außerordentlich wichtiger Durchbruch“ bewertet worden, da die Planung mit insgesamt 185 Millionen Euro für die Sanierung und Erweiterung des Hochhauses verbunden ist.
Zudem ist für die Forschungseinrichtungen für experimentelle Medizin (FEM) die Freigabe von Planungsmitteln erfolgt. Allerdings werden die Bauausführungsmittel erst nach einer sorgfältigen Prüfung der Bauplanungsunterlagen freigegeben, um sicherzustellen, dass alle Projekte in den verfügbaren Budgetrahmen passen.
Die Rolle von Simon Batt-Nauerz
Die Ernennung von Simon Batt-Nauerz zur Leitung des Bereichs Bau und Infrastruktur markiert einen wichtigen Meilenstein in der Sanierungsstrategie der Charité. Er tritt die Nachfolge von Jochen Brinkmann an, der bis zu seinem Tod im Herbst 2023 die baulichen Entwicklungspläne maßgeblich geprägt hatte. Batt-Nauerz bringt als ehemaliger Geschäftsführer der Charité Facility Management umfassende Erfahrung mit, insbesondere in der Organisation von Betriebsdiensten wie Catering, Reinigung und Logistik.
Sein Ansatz ist dabei nicht nur auf die reine Instandsetzung, sondern auch auf die langfristige strategische Entwicklung der baulichen Infrastruktur ausgerichtet. Er betont, dass die Charité nicht nur als medizinische Institution, sondern auch als städtebauliche Marke in Berlin verankert sein muss. Dies spiegelt sich in der Planung und Ausführung der Sanierungsprojekte, die nicht nur auf Funktionalität, sondern auch auf ästhetische Qualität und Nachhaltigkeit abzielen.
Die kulturelle und historische Bedeutung der Sanierungen
Die Sanierungsprojekte der Charité sind nicht nur reine technische oder organisatorische Herausforderungen, sondern auch von kultureller und historischer Bedeutung. Die Charité ist eine Institution, die sich über mehrere Jahrzehnten entwickelt hat und dabei immer wieder bauliche Veränderungen durchlaufen hat. So stammen die Backsteingebäude von der großflächigen Erneuerung zu Beginn des 20. Jahrhunderts, während das Bettenhochhaus auf die Modernisierung der 70er und 80er Jahre zurückgeht.
Die Sanierung der Charité ist daher auch ein Symbol für die Transformation der Gesundheitsversorgung, aber auch für die Entwicklung Berlins als modernes Wissenschafts- und Forschungszentrum. Die künstlerische Dokumentation des Wandels durch Christopher Lehmpfuhl unterstreicht diese kulturhistorische Bedeutung und schafft eine visuelle Chronik, die für zukünftige Generationen wertvoll sein dürfte.
Fazit
Die Sanierungs- und Modernisierungsprojekte der Charité – Universitätsmedizin Berlin sind mehr als reine Baumaßnahmen. Sie sind Teil einer umfassenden Strategie, die die Zukunft der medizinischen Forschung, Lehre und Versorgung in Berlin und darüber hinaus sichert. Die Charité setzt dabei Maßstäbe, indem sie funktionale, technische und ökologische Anforderungen in Einklang bringt.
Mit der Ernennung von Simon Batt-Nauerz als Leiter des Bereichs Bau und Infrastruktur und der Gründung des Geschäftsbereichs BIN ist ein Schritt in Richtung einer systematischen, nachhaltigen und strategisch geplanten baulichen Entwicklung getan. Die Projekte wie die Sanierung des Bettenhochhauses, die energetische Dachsanierung und die Errichtung des Deutschen Herzzentrums zeigen, wie moderner Gesundheitsbau auch in der Praxis umgesetzt werden kann.
Die Charité beweist damit, dass erfolgreiche Medizin nicht nur von der Qualität der Behandlungen, sondern auch von der Qualität der räumlichen Umgebung abhängt. Ihr Beispiel kann und sollte als Vorbild für andere Gesundheitseinrichtungen dienen.
Quellen
- Charité modernisiert Standorte: Neuer Bauchef übernimmt Milliardenprojekte
- Charité-Bettenhaus ist bezugsfertig
- Zukunftsbausteine: Nachhaltigkeit und Innovation bei der Charité
- Umbau und Modernisierung der Charité: Vom historischen Klinikum zum Healing Campus
- Aufsichtsrat gibt Mittel für Sanierungsprojekte frei
- Simon Batt-Nauerz leitet Bau, Infrastruktur und Nachhaltigkeit bei der Charité
- Sanierung des Großkrankenhauses Charité: Neuer Bauchef ernannt