Die Sanierung von Wohnimmobilien hat in den letzten Jahren immer größere Bedeutung gewonnen, insbesondere vor dem Hintergrund der Klimaziele und der steigenden Energiekosten. Die Deutsche Bank, einer der größten Kreditgeber im privaten Immobilienmarkt, hat sich in diesem Bereich aktiv engagiert und stellt sowohl Chancen als auch Risiken im Zusammenhang mit der energetischen Modernisierung von Bestandsimmobilien heraus. Gleichzeitig stehen auch die Sanierungsmaßnahmen innerhalb der Bank selbst – etwa in Bezug auf Effizienz, Digitalisierung und Personalstruktur – im Fokus. In diesem Artikel wird ein Überblick über die aktuelle Situation gegeben, unter besonderer Berücksichtigung der Auswirkungen auf Immobilienbesitzer, Finanzierungsmöglichkeiten und den gesamten Immobilienmarkt.
Energieeffizienz im Fokus: Die Rolle der Deutschen Bank
Die Deutsche Bank hat in einem detaillierten Bericht ihre Nachhaltigkeitsstrategie im Bereich der Wohnimmobilien vorgestellt. Der Bericht trägt den Titel „Residential Real Estate – Leading to Net Zero“ und legt den Schwerpunkt auf die Reduktion von CO₂-Emissionen durch energetische Sanierungen. Laut der Bank verursachen Gebäude in der Europäischen Union 40 Prozent des Energieverbrauchs und 36 Prozent der CO₂-Emissionen, was die Dringlichkeit von Maßnahmen unterstreicht.
Im Jahr 2022 belief sich das CO₂-Ausstoßvolumen im europäischen Kreditportfolio für Wohnimmobilien der Deutschen Bank auf 3,9 Millionen Tonnen CO₂-Äquivalenten (MtCO2e/a). Dieses Portfolio umfasste zum Jahresende 175 Milliarden Euro und machte 40 Prozent des gesamten Kreditbuchs aus. Die Bank ist sich bewusst, dass zur Erreichung der Klimaziele eine umfassende Sanierung der bestehenden Immobilien erforderlich ist.
Sanierungskosten: Herausforderungen für Eigentümer
Laut den Berechnungen der Deutschen Bank müssen die Eigentümer von Wohnimmobilien im Durchschnitt Investitionen im Bereich von bis zu 100.000 Euro tätigen, um die Energieeffizienzklasse A im Energieausweis zu erreichen. Im gesamten Kreditportfolio der Bank wären für eine vollständige Sanierung aller Immobilien Investitionen im Umfang von 80 Milliarden Euro notwendig – was etwa 50 Prozent des bestehenden Kreditportfolios entspricht.
Ein drittel der Kunden der Deutschen Bank müsste laut Analyse auf staatliche Hilfen angewiesen sein, um die Sanierungskosten zu stemmen. Selbst bei Berücksichtigung der derzeitigen Förderungen bleiben noch ein Viertel der Eigentümer in der Situation, dass sie die Kosten nicht aus dem eigenen Einkommen oder durch Kredite abdecken können. Tobias Horn, Head of Portfolio Management & Strategy im Privatkundengeschäft der Bank, betont, dass Finanzsektor und Politik eng zusammenarbeiten müssen, um diese Lücke zu schließen.
Finanzierungsmöglichkeiten und staatliche Unterstützung
Für Immobilienbesitzer, die sich für eine energetische Sanierung entscheiden, ist die Finanzierung ein entscheidender Faktor. Die Deutsche Bank bietet in diesem Zusammenhang Finanzierungslösungen an, die sich individuell an die Bedürfnisse der Kunden anpassen. Dabei ist zu beachten, dass Kredite für Sanierungen nur vergeben werden dürfen, wenn die Rückzahlung durch die Einkommenssituation des Kreditnehmers gesichert ist.
Zusätzlich fallen bei der Finanzierung von Sanierungsmaßnahmen auch Nebenkosten an, wie beispielsweise Notarkosten für die Grundbucheintragung und Kosten für die Gebäudeversicherung. Diese können je nach Projekt variieren und beeinflussen das erforderliche Finanzierungsvolumen. Die Deutsche Bank betont, dass eine sorgfältige Planung und Beratung bei der Finanzierung unerlässlich sind, um den individuellen Bedürfnissen der Kunden gerecht zu werden.
Ein weiterer Aspekt, der im Beratungsgespräch besprochen werden sollte, ist die potenzielle Nutzung von Förderungen. Die Bank verweist auf Broschüren und Checklisten, die bei der Suche nach förderfähigen Maßnahmen helfen können. Ziel ist es, die Wohnumgebungen nachhaltig zu verbessern, Energie zu sparen und den Wert der Immobilien zu steigern.
Die Rolle der Politik und branchenweite Lösungen
Die Deutsche Bank betont in mehreren Verlautbarungen, dass die Herausforderungen im Bereich der energetischen Sanierung nur durch eine enge Zusammenarbeit zwischen Politik und Finanzsektor gemeistert werden können. Jörg Eigendorf, Chief Sustainability Officer der Deutsche Bank, spricht in diesem Zusammenhang von branchenweiten Lösungen, gezielten staatlichen Unterstützungsmaßnahmen und flexibleren Energiestandards.
Ein möglicher Ansatz, den die Bank erwägt, ist die Übertragbarkeit von Sanierungs-Krediten auf die nächste Generation. Dies könnte eine langfristige Finanzierungsstruktur schaffen, die den Investitionsbedarf über die Lebensspanne der Immobilie verteilt. Allerdings ist dies noch Gegenstand weiterer Diskussionen und Planungen.
Sanierung als Wachstumsfeld für die Bank
Die Deutsche Bank strebt bis Ende 2023 ein Neugeschäftsvolumen in nachhaltigen Finanzierungen von zwölf Milliarden Euro an. Dieses Volumen bezieht sich auf den Zeitraum seit dem 1. Januar 2020. Der Schwerpunkt liegt dabei auf dem energieeffizienten Neubau von Eigenheimen sowie der Verbesserung der Energieeffizienz in Bestandsobjekten. Diese Strategie spiegelt nicht nur die Klimaziele wider, sondern auch das Wachstumspotenzial in der Nachhaltigkeitsbranche.
Die Bank hat bereits erste Erfolge erzielt: Im ersten Halbjahr 2025 stieg der Vorsteuergewinn auf 5,3 Milliarden Euro – mehr als das Doppelte des Vorjahreswertes. Die Ertragsziele für das Jahr 2025 liegen bei 32 Milliarden Euro, was als realistisch, aber ambitioniert eingeschätzt wird. Die Rendite auf das materielle Eigenkapital, ein entscheidender KPI für die Profitabilität, soll bis 2025 auf mindestens 10 Prozent steigen – nach 7,4 Prozent Ende 2023.
Herausforderungen in der Transformation
Trotz der positiven Entwicklungen im Finanzbereich steht die Deutsche Bank weiterhin vor Herausforderungen, insbesondere innerhalb der Transformationsprozesse. Die Bank plant beispielsweise den Abbau von 3.500 Stellen, um die Kosten weiter zu senken. Dieser Schritt birgt jedoch Risiken, insbesondere im Hinblick auf die Unternehmenskultur und die Servicequalität.
Zudem liegt die Cost-Income-Ratio der Deutschen Bank bei 78 Prozent, was deutlich über dem Durchschnitt der Wettbewerber liegt. Die Commerzbank kommt beispielsweise auf 59 Prozent. Dies zeigt, dass im Bereich der Effizienz noch Handlungsbedarf besteht.
Ein weiterer Fokus liegt auf der Digitalisierung. Die Deutsche Bank investiert in die Modernisierung ihrer digitalen Infrastruktur, um grenzüberschreitende Transaktionen effizienter abwickeln zu können. Allerdings birgt diese Strategie auch Risiken, insbesondere in Bezug auf regulatorische Herausforderungen und die Komplexität des Geschäftsmodells.
Fazit
Die Sanierung von Wohnimmobilien ist ein zentraler Bestandteil der Nachhaltigkeitsstrategie der Deutschen Bank. Mit Investitionen im Umfang von 80 Milliarden Euro und einer Zielsetzung, bis 2023 ein Neugeschäftsvolumen von zwölf Milliarden Euro in nachhaltigen Finanzierungen zu erreichen, zeigt die Bank ihre Ambitionen in diesem Bereich. Gleichzeitig stehen die Eigentümer von Bestandsimmobilien vor erheblichen Herausforderungen, insbesondere in Bezug auf die Sanierungskosten, die in manchen Fällen die finanziellen Möglichkeiten der Haushalte übertreffen können.
Die Deutsche Bank betont, dass es hier eine enge Zusammenarbeit zwischen Politik und Finanzsektor braucht, um Lösungen zu finden. Staatliche Förderungen, branchenweite Initiativen und flexible Finanzierungsmodelle könnten dabei eine wichtige Rolle spielen. Für die Bank selbst ist der Weg zu nachhaltiger Profitabilität und internationaler Wettbewerbsfähigkeit noch weit, wobei die Balance zwischen Kostendisziplin, Innovationskraft und Kundenorientierung entscheidend sein wird.