Einleitung
Die Generalsanierung des Deutschen Museums in München ist ein herausragendes Beispiel für den Umgang mit historischen Gebäuden im 21. Jahrhundert. Das Museum, das im Jahr 1903 gegründet wurde und 1925 seinen heutigen Standort auf der Münchner Museumsinsel bezog, ist das größte naturwissenschaftlich-technische Museum der Welt. Mit rund 28.000 Exponaten und einer jährlichen Besucherzahl von 1,5 Millionen Menschen ist es nicht nur ein kulturelles, sondern auch ein architektonisches Wahrzeichen.
Seit 2015 läuft die umfassende Sanierung des Sammlungshauses, bei der Brandschutzmaßnahmen, technische Gebäudeausrüstung und Infrastruktur auf den neuesten Stand gebracht werden. Die Sanierung erfolgt in zwei Bauabschnitten und ist Teil der sogenannten „Zukunftsinitiative“, deren Ziel es ist, das Museum bis zu seinem 100-jährigen Jubiläum im Jahr 2025 in neuem Glanz zu präsentieren.
Diese Sanierung ist nicht nur in ihrer technischen und architektonischen Ausführung beeindruckend, sondern auch in ihrer finanziellen und logistischen Komplexität. Sie ist ein Musterbeispiel für die Herausforderungen, die bei der Sanierung historischer Bauten entstehen, und zeigt, wie solche Projekte unter Einhaltung von Denkmalschutzvorschriften und modernen Anforderungen erfolgreich realisiert werden können.
Historischer Hintergrund und Bedarf an Sanierung
Das Deutsche Museum ist ein Baudenkmal mit besonderer kultureller und historischer Bedeutung. Es wurde in den 1920er Jahren erbaut und ist somit ein repräsentatives Bauwerk des Wiederaufbaus nach dem Ersten Weltkrieg. Der Sammlungsbau, der einen Teil des Museums ausmacht, zählt zu den ersten Stahlbetonbauten mit Fassaden aus Stampfbeton in Deutschland.
Bereits in den späten 1960er Jahren fanden umfangreiche Sanierungsarbeiten statt, um die Kriegsschäden zu beheben. Seitdem wurde keine umfassende Generalsanierung mehr durchgeführt. Die Veraltung der Gebäudeinfrastruktur, die Notwendigkeit des Brandschutzes und die Erhaltung der Exponate in einem sicheren Umfeld machten eine Sanierung unumgänglich.
Zu Beginn der Sanierungsarbeiten stellte sich heraus, dass der Zustand des Gebäudes schlechter war als ursprünglich eingeschätzt. Zudem geriet das ursprünglich beauftragte Architekturbüro in finanzielle Schwierigkeiten und musste Insolvenz anmelden. Die LeitWerk AG übernahm daraufhin das Projekt und führte die Sanierung fort, wobei sie sich auf die Herausforderungen eines laufenden Museumsbetriebs einstellen musste.
Zielsetzung und Umfang der Sanierung
Die Sanierung des Deutschen Museums ist in zwei Abschnitte unterteilt, wobei jeder Abschnitt für sich genommen eine beträchtliche Herausforderung darstellt. Der erste Bauabschnitt wurde im Juli 2022 abgeschlossen und ist seitdem für das Publikum zugänglich. Der zweite Abschnitt ist aktuell in Bearbeitung und wird voraussichtlich weitere Jahre in Anspruch nehmen.
Erster Bauabschnitt: Modernisierung der Ausstellungen
Der erste Bauabschnitt umfasste die Sanierung von 19 Dauerausstellungen, darunter die spektakuläre Luft- und Raumfahrthalle. Die Gesamtfläche betrug rund 35.000 Quadratmeter, und die Ausstellungsräume wurden umfassend erneuert. Dabei standen sowohl technische Modernisierungen als auch die Erweiterung des interaktiven und digitalen Angebots im Vordergrund.
Die Besucher konnten in diesem Abschnitt unter anderem in Laboren experimentieren, in einem Flugsimulator Platz nehmen, sich mit Robotern unterhalten und hunderte interaktive Demonstrationen nutzen. Erstmals in der Geschichte des Museums ist die Anlage vollständig barrierefrei.
Zugleich erfolgte eine umfassende Digitalisierung der Museumsbestände. Etwa 11.000 Exponate wurden während der Sanierungsarbeiten umgelagert, wobei einige aufgrund ihrer Größe besondere logistische Herausforderungen darstellten.
Brandschutz, Infrastruktur und Technische Gebäudeausrüstung
Ein zentrales Element der Sanierung war die Erneuerung des Brandschutzes. Der Sammlungsbau wurde in den 1920er Jahren errichtet und erfüllte nicht mehr die heutigen Brandschutzanforderungen. Im Rahmen der Sanierung wurden neue Brandschutzmaßnahmen eingebaut, darunter eine umfassende Brandmeldeanlage, Feuerlöschsysteme und Brandschutzschächte.
Außerdem wurden die technischen Gebäudeausrüstungen erneuert. Dazu zählen unter anderem die Lüftungs- und Klimaanlagen, die Beleuchtungssysteme, die Sicherheitsinstallationen und die Energieversorgung. Diese Modernisierungen sind notwendig, um den Museumsbetrieb sicherzustellen und den Anforderungen moderner Museumsinfrastruktur gerecht zu werden.
Ingenieurstechnische Herausforderungen
Neben den reinen Sanierungsarbeiten stellten sich auch ingenieurstechnische Herausforderungen. Die Isarufermauer wurde instandgesetzt, um den Hochwasserschutz zu sichern. Dazu wurden Spundwände errichtet, die das Museum vor Überflutungen schützen.
Ein weiteres Projekt war der Neubau eines Interimseingangs, der während der Schließung des Haupteingangs im zweiten Sanierungsabschnitt genutzt werden kann. Dieser Eingang wurde so konzipiert, dass er später in das Gesamtprojekt integriert werden kann.
Finanzierung und Projektorganisation
Die Generalsanierung des Deutschen Museums ist ein Projekt mit hohem finanziellen Aufwand. Der Freistaat Bayern und der Bund tragen jeweils etwa 330 Millionen Euro zur Finanzierung bei. Zudem sind Förderer aus der Wirtschaft und Gesellschaft beteiligt.
Die LeitWerk AG ist für die Leistungsphase 8 nach HOAI verantwortlich, was bedeutet, dass sie für die Abrechnung und die Projektsteuerung zuständig ist. Die Projektleitung liegt bei Peter Kafka, der als Assoziierter Partner und Leiter des Münchener Standorts fungiert.
Die Organisation des Projekts war aufgrund der laufenden Museumsbetriebe besonders anspruchsvoll. Während der Sanierungsarbeiten blieb das Museum geöffnet, was bedeutete, dass die Arbeiten in zwei Phasen erfolgten. Der erste Bauabschnitt war die Sanierung der Ausstellungen, während der zweite Abschnitt sich auf die Gebäudehülle und Infrastruktur konzentriert.
Kritik und Kontroversen
Trotz der weitreichenden Vorteile der Sanierung gab es auch Kritik, insbesondere im Zusammenhang mit der Renovierung des Ehrensaals. Der Ehrensaal ist ein repräsentativer Veranstaltungsraum, der reich verziert ist und historische Bedeutung trägt.
Im Rahmen der Sanierungsplanung wurde entschieden, dass Holz und Glas die ursprüngliche Stoffbespannung ersetzen sollen. Zudem sollen die Büsten von Wissenschaftlern, die im Ehrensaal hängen, niedriger montiert werden. Der Landesdenkmalrat beklagte diese Maßnahmen als „einen unverzeihlichen Akt des Vandalismus“ und sprach von der „kompletten Zerstörung des Ehrensaals“.
Diese Kritik führte zu einer Debatte im Landtagsausschuss für Wissenschaft und Kunst, in der die Balance zwischen Denkmalschutz und Modernisierung diskutiert wurde. Kunsthistorikerin Claudia Büttner wies darauf hin, dass der Landesdenkmalrat möglicherweise die Schutzwürdigkeit des Baus falsch eingeschätzt hat, da der Bau ein „bedeutendes Zeugnis für den Wiederaufbau“ darstelle.
Auswirkungen der Pandemie
Die Sanierung des Deutschen Museums wurde durch die Corona-Pandemie beeinträchtigt. In den frühen Phasen der Pandemie war das Museum für einen Zeitraum von acht Wochen komplett geschlossen. Zudem mussten Beschränkungen hinsichtlich der Besucherzahl eingeführt werden. Am schwächsten Tag nach der Wiedereröffnung kamen lediglich 91 Besucher ins Museum.
Trotz dieser Herausforderungen gelang es, den Museumsbetrieb weitgehend aufrechtzuerhalten. Mit der Zeit normalisierte sich die Besucherzahl wieder. So kamen beispielsweise am vergangenen Samstag 2200 Besucher ins Museum, was zeigt, dass das Interesse an dem renovierten Angebot nach wie vor groß ist.
Fazit
Die Generalsanierung des Deutschen Museums in München ist ein Mammutprojekt, das sowohl technisch als auch finanziell beeindruckend ist. Sie zeigt, wie historische Gebäude sinnvoll und nachhaltig modernisiert werden können, ohne ihre kulturelle und architektonische Bedeutung zu verlieren.
Die Sanierung umfasst nicht nur die Erneuerung der Ausstellungen, sondern auch die Modernisierung der Infrastruktur, Brandschutzmaßnahmen und die Erweiterung des interaktiven und digitalen Angebots.
Trotz der Herausforderungen, darunter die Insolvenz des ursprünglichen Architekturbüros und die Auswirkungen der Pandemie, ist das Projekt auf Kurs. Mit der Fertigstellung des ersten Bauabschnitts und dem Beginn des zweiten Abschnitts steht das Museum für die nächsten Jahrzehnte sicher.
Es bleibt abzuwarten, ob die Sanierung im zweiten Bauabschnitt genauso erfolgreich verlaufen wird wie im ersten. Doch alle Beteiligten – vom Freistaat Bayern über die Förderer bis hin zu den Museumsleitern – betonen, dass es sich lohnt, an diesem Projekt festzuhalten.
Quellen
- Deutsches Museum, München
- Sanierung Sammlungsbau Deutsches Museum
- Innovativ, interaktiv, inspirierend: Sanierter Teil des Deutschen Museums in München feierlich eröffnet
- Debatte um Renovierung des Ehrensaals
- Teilsanierung Deutsches Museum
- Generalsanierung Deutsches Museum
- Modernisierung Deutsches Museum
- Umbau Deutsches Museum