Sanierung und Erweiterung der Diesterwegschule in Frankfurt: Ein Modellprojekt für die Zukunft der Bildungsinfrastruktur

Die Diesterwegschule in Frankfurt-Ginnheim ist seit mehreren Jahren im Fokus der öffentlichen Aufmerksamkeit, da sie nicht nur aufgrund ihres hohen Alters, sondern auch aufgrund zahlreicher baulicher Mängel eine umfassende Sanierung und Erweiterung erforderlich machte. Nach zehn Jahren des Wartens und einer unerwarteten, aber notwendigen Flucht in Containerbauten am Ausweichstandort Schloßhecke ist das Projekt nun in die entscheidende Phase getreten. Mit einem geplanten Fertigstellungstermin im Sommer 2026 und einem Investitionsvolumen von knapp 47 Millionen Euro wird die Schule nicht nur wiederhergestellt, sondern auch umfassend modernisiert und erweitert. Dieser Artikel beleuchtet die Herausforderungen, die Baumaßnahmen und die Planungsdetails, die diesen Schulsanierungsprojekt auszeichnen – mit Fokus auf technische Aspekte, Kostenentwicklung und Auswirkungen auf die Nachbarschaft.

Hintergrund: Warum musste die Diesterwegschule saniert werden?

Die Diesterwegschule wurde 1926 erbaut und nach dem Zweiten Weltkrieg teilweise wiederaufgebaut. Allerdings blieben zahlreiche Mängel ungelöst. So war das Dach bereits seit 1955 lediglich ein „Notdach“, was nicht nur bautechnisch unzureichend war, sondern auch wasserbauliche Mängel aufwies. Zudem waren die Holzkonstruktionen des Dachgeschosses stark geschädigt und mehrfach undicht. Diese baulichen Defizite wurden in den vergangenen Jahren durch die Erkennung zusätzlicher, sicherheitsrelevanter Mängel verschärft.

Im Zuge der Bestandserfassung wurden gravierende Schadstoffbelastungen wie Asbest kontaminierte Wände und Dächer sowie mangelhafte Bodenaufbauten festgestellt. Auch die Statik des Gebäudes erwies sich als unzureichend, da mehrere Deckenbereiche nicht den heutigen Sicherheitsanforderungen entsprachen. Diese Mängel führten dazu, dass Teile des Gebäudes nur eingeschränkt genutzt werden konnten. Da die Schulsanierung nicht mehr aufgeschoben werden konnte, zog die Diesterwegschule bereits im vergangenen Sommer auf den Ausweichstandort Schloßhecke, um die Sanierungsarbeiten ohne Verzögerung beginnen zu können.

Die Kostenentwicklung: Von 29 auf 47 Millionen Euro

Der ursprüngliche Sanierungskostenrahmen lag bei knapp 29 Millionen Euro. Allerdings wurde deutlich, dass dieser Betrag bei weitem nicht ausreichte, um die notwendigen Maßnahmen abzudecken. Die Erkennung zusätzlicher Schadstoffe, die Erneuerung des Dachs, die Schadstoffsanierung und die Erweiterung des Gebäudes führten zu einem Kostenanstieg auf 46,9 Millionen Euro – ein Wert, der in mehreren Quellen bestätigt wird.

Die Kostenentwicklung zeigt deutlich, wie schwierig es ist, die Realität eines Sanierungsprojektes von den ursprünglichen Planungen abzuschätzen. Zudem entstanden zusätzliche monatliche Kosten durch den Ausweichstandort: Rund 30.000 Euro monatlich, um die Schule an der Schloßhecke zu betreiben, bevor die eigentliche Sanierung beginnen konnte. Diese Faktoren verdeutlichen die Komplexität und die Notwendigkeit, solche Projekte frühzeitig und ausreichend zu planen.

Der geplante Neubau: Architektur, Massivbauweise und barrierefreier Zugang

Die Diesterwegschule wird nicht nur saniert, sondern auch erweitert. Ein wesentlicher Bestandteil des Projekts ist ein viertgeschossiger Erweiterungsbau in Massivbauweise, der mit dem Altgebäude verbunden ist. Der Neubau wird in südlicher Richtung errichtet, auf dem Areal der alten Turnhalle, und verläuft parallel zur Straße „Am Mühlgarten“.

Zu den wichtigsten Bestandteilen des Neubaus gehören:

  • Eine neue Aula, die im Dachgeschoss untergebracht wird
  • Die Schulbibliothek und das Lehrerzimmer
  • Zwei Sporthallen, die aufeinander gestapelt werden – eine im Erdgeschoss, eine im dritten Obergeschoss
  • Betreuungs- und Ganztagseinrichtungen im Erdgeschoss
  • Musik- und Experimentierräume in den anderen Geschossen

Der Neubau wird durch die Einbindung eines Aufzugs im Bestandsgebäude barrierefrei. So können alle Bereiche der Schule von Menschen mit eingeschränkter Mobilität genutzt werden. Auch der Schulhof wird umgestaltet, mit neuen Pausenflächen und barrierefreien Zugängen.

Abbrucharbeiten und Verkehrsführung

Um Platz für den Neubau zu schaffen, wurden mehrere Bestandsteile abgebrochen:

  • Die alte Turnhalle
  • Das Wohngebäude
  • Das Eingangsportal
  • Die Containerbauten und Unterstände auf dem Schulhof

Diese Maßnahmen führten zu einer grundlegenden Veränderung des Geländes. Zudem mussten die Verkehrsführung und Zugangsmöglichkeiten während der Bauphase neu geplant werden. Insbesondere die Straße „Am Weimarfloß“ wird während der Bauphase beeinträchtigt, was für Anwohner und lokale Vereine wie den TSV Ginnheim zusätzliche logistische Herausforderungen mit sich bringt.

Die Abbrucharbeiten begannen im Jahr 2023, gefolgt von Erd- und Verbauarbeiten, die bis November andauerten. Die Rohbauarbeiten begannen im Dezember und sollen bis Ende 2024 fertiggestellt sein. Anschließend folgen Fassadenarbeiten und der Innenausbau, der bis zum Frühjahr 2026 andauern wird.

Auswirkungen auf die Nachbarschaft und die lokale Gemeinschaft

Die Sanierungsarbeiten haben nicht nur einen beträchtlichen finanziellen Aufwand, sondern auch erhebliche soziale und infrastrukturelle Auswirkungen. Während des gesamten Bauzeitraums bis 2026 ist mit Einschränkungen im Verkehrsfluss, Lärmbelastungen und temporären Umleitungen zu rechnen. Lokale Vereine, wie der TSV Ginnheim, müssen zudem mit eingeschränkter Nutzung von Räumlichkeiten rechnen, da beispielsweise der Flohmarkt oder Anlieferungen durch die Bauarbeiten beeinträchtigt werden könnten.

Auch der Wahlkampf für die Landtagswahlen 2024 ist von den Bauarbeiten betroffen. Zwei Wahllokale des TSV Ginnheim müssen behindertengerecht zugänglich sein, was aufgrund der temporären Verkehrsveränderungen eine Herausforderung darstellt.

Trotz dieser Einschränkungen wird das Projekt von der Stadt und den zuständigen Stellen als notwendig und langfristig profitabel angesehen. Die Diesterwegschule soll nach Abschluss der Maßnahmen fünfzügig sein und rund 500 Schülerinnen und Schüler in einem Ganztagssystem betreuen. Das bedeutet nicht nur eine bauliche Modernisierung, sondern auch eine Erweiterung der pädagogischen Möglichkeiten und eine Stärkung der Inklusionsangebote.

Die Rolle des Magistrats und der Architekturplanung

Die Sanierung und Erweiterung der Diesterwegschule ist ein Projekt des Frankfurter Magistrats und wird durch das Amt für Bau und Immobilien verwaltet. Die Planung erfolgte in Leistungsphasen 1 bis 5 durch die Architektengemeinschaft HGP Architekten, die für das gesamte Projekt verantwortlich zeichnet.

Ein zentrales Ziel war es, die Schule nicht nur wiederherzustellen, sondern auch funktionell zu erweitern und zukunftsorientiert auszurichten. Dazu gehörte auch die Einbindung moderner Unterrichts- und Betreuungsflächen, die Erweiterung der Sporthallenkapazitäten und die Schaffung von barrierefreien Zugängen. Die Architekturplanung betonte zudem die integrierte Nutzung von Alt- und Neubau, um eine flüssige Übergabe der Räume und Funktionen zu ermöglichen.

Die Bedeutung des Projekts im Kontext der Frankfurter Schulsanierungsstrategie

Die Diesterwegschule ist nicht allein: Sie ist Teil einer umfassenden Schulsanierungsstrategie der Stadt Frankfurt, die aufgrund des Sanierungsstaus an vielen Grund- und Gymnasien notwendig geworden ist. In der Vergangenheit standen Frankfurter Schulen oft unter dem Eindruck von undichten Dächern, Schimmelproblemen, maroden Turnhallenböden und eingeschränkten Zugängen.

Um diese Herausforderungen anzugehen, hat die Stadt in Zusammenarbeit mit der städtischen Wohnungsbaugesellschaft ABG Holding einen Rahmenvertrag geschlossen, der mittelgroße Sanierungsprojekte in Schulen übernimmt. Diese Maßnahme ist Teil der Schulbauoffensive, die in den nächsten fünf Jahren mit einer Million Euro ausgestattet ist. Ziel ist es, den schlechten Zustand der Schulen zu verbessern und zusätzliche Ressourcen für die Bildung zu schaffen.

Die Diesterwegschule wird als Modellprojekt betrachtet, das nicht nur baulich, sondern auch pädagogisch und infrastrukturell Vorbildcharakter hat. Die Kombination aus Sanierung, Erweiterung und Inklusion macht das Projekt zu einem Vorbild für zukünftige Schulsanierungen in Frankfurt und darüber hinaus.

Fazit

Die Sanierung und Erweiterung der Diesterwegschule in Frankfurt-Ginnheim ist ein komplexes Projekt mit weitreichenden technischen, finanziellen und sozialen Aspekten. Mit einer Investition von rund 47 Millionen Euro wird ein baulich und funktionell defizitärer Bestand nicht nur wiederhergestellt, sondern auch umfassend modernisiert. Der geplante Neubau in Massivbauweise, die Erweiterung der Unterrichts- und Betreuungsflächen sowie die Einrichtung von zwei Sporthallen und barrierefreien Zugängen tragen dazu bei, die Schule für die kommenden Jahrzehnte fit zu machen.

Die Herausforderungen während der Sanierungsphase – von Schadstoffbelastungen über Abbrucharbeiten bis hin zu Verkehrsbeeinträchtigungen – verdeutlichen die Notwendigkeit, solche Projekte frühzeitig und umfassend zu planen. Gleichzeitig zeigt das Projekt, wie wichtig es ist, Bildungseinrichtungen nicht nur baulich zu sichern, sondern auch pädagogisch und infrastrukturell zu stärken.

Die Diesterwegschule ist somit nicht nur ein lokales Vorzeigeprojekt, sondern auch ein Beispiel dafür, wie Schulsanierungen in Einklang mit den Anforderungen der Zukunft geplant werden können.

Quellen

  1. Neue Diesterwegschule wird gestapelt
  2. Diesterwegschule feiert Richtfest für Erweiterungsbau
  3. Pläne für die Diesterwegschule
  4. Frankfurt – Diesterwegschule
  5. Bauarbeiten an Diesterwegschule starten
  6. Stadt will Schulsanierungen beschleunigen

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