Die Sanierung eines Bestandsgebäudes zum Effizienzhaus 55 ist eine lohnenswerte Investition, die sowohl ökologische als auch ökonomische Vorteile bietet. In Deutschland ist die Bundesförderung für effiziente Gebäude (BEG) ein zentraler Anker, der Eigentümer unterstützt, ihre Immobilien energetisch zu optimieren. Der KfW-Standard 55 beschreibt dabei eine Stufe der Energieeffizienz, die deutlich über dem aktuell geltenden Neubaustandard liegt.
Dieser Artikel erklärt, was ein Effizienzhaus 55 ist, welche Anforderungen an die Sanierung gestellt werden, welche Förderung dabei möglich ist und welche Rolle Energieberater bei der Planung spielen. Ziel ist es, einen umfassenden Überblick zu geben, der auch praktische Hinweise enthält, wie sich die Sanierung effizient und vorteilhaft umsetzen lässt.
Was ist ein Effizienzhaus 55?
Ein Effizienzhaus 55 ist ein Gebäude, das im Vergleich zu einem Referenzgebäude nach gesetzlichen Mindestanforderungen um 45 Prozent weniger Primärenergie verbraucht. Die Bezeichnung „55“ bezieht sich direkt auf diesen Prozentsatz des Primärenergiebedarfs.
Zusätzlich darf der Transmissionswärmeverlust – also die Wärme, die durch die Hüllflächen des Gebäudes verloren geht – nicht mehr als 70 Prozent des Neubau-Grenzwerts betragen. Das bedeutet, dass die thermische Qualität der Gebäudehülle entscheidend ist, um die Stufe 55 zu erreichen.
Die Effizienzhaus-Stufen sind Teil der Bundesförderung für effiziente Gebäude (BEG) und ersetzen seit 2023 die bisherigen KfW-Förderprogramme. Bei einer Sanierung sind die Stufen Denkmal, 100, 85, 70, 55 und 40 erreichbar. Bei Neubauten sind die Stufen 55, 40 und 40 Plus möglich.
Ein weiteres Kriterium ist die Erneuerbare-Energien-Klasse (EE-Klasse), die ermöglicht, bei Nutzung erneuerbarer Energien die Förderung auf 45 Prozent zu erhöhen. Dies setzt voraus, dass mindestens 55 Prozent des Energiebedarfs durch erneuerbare Energien gedeckt werden oder 55 Prozent durch unvermeidbare Abwärme abgedeckt sind.
Voraussetzungen für die Sanierung zum Effizienzhaus 55
Um die Effizienzhaus-Stufe 55 zu erreichen, muss ein Gebäude in seiner Energieeffizienz deutlich verbessert werden. Die konkreten Maßnahmen sind dabei nicht vorgeschrieben, sodass Sanierer individuell planen können, welche Maßnahmen in ihrer Immobilie am sinnvollsten sind. Entscheidend ist lediglich, dass am Ende der Sanierung die geforderten Primärenergie- und Transmissionswärmeverlustgrenzwerte eingehalten werden.
Einige typische Maßnahmen sind:
- Dämmung der Gebäudehülle (Wände, Dach, Kellerdecke)
- Erneuerung oder Optimierung von Fenstern (Wärmeschutzverglasung, U-Werte)
- Sanierung der Heizungsanlage (z. B. auf erneuerbare Energien umstellen)
- Durchführung einer lüftungsgünstigen Sanierung (z. B. mit Wärmetauscher)
- Optimierung des Warmwasserbereitens
Wichtig ist, dass die Sanierungsmaßnahmen auf das individuelle Gebäude abgestimmt sind. Eine pauschale Vorgabe für alle Immobilien ist nicht möglich, da die energetische Ausgangslage stark variieren kann. Hier setzt die Rolle des Energieberaters ein, der eine individuelle Beratung und ein Sanierungskonzept erstellen kann.
Wie hoch ist die Förderung bei der Sanierung zum Effizienzhaus 55?
Die Sanierung zum Effizienzhaus 55 ist durch die Bundesförderung für effiziente Gebäude (BEG) mit hohen Zuschüssen und günstigen Krediten verbunden. Die Förderung kann in Form von Zuschüssen oder Darlehen mit Tilgungszuschüssen erfolgen.
Die konkreten Fördersätze sind wie folgt:
| Sanierungsziel | Fördersatz | Maximale Förderung pro Wohneinheit |
|---|---|---|
| Effizienzhaus 55 | 40 % | 48.000 € |
| Effizienzhaus 55 mit EE-Klasse | 45 % | 67.500 € |
Außerdem gibt es den iSFP-Bonus, der bei schrittweiser Sanierung eine zusätzliche Förderung von 5 Prozentpunkten ermöglicht. Dieser Bonus setzt voraus, dass der erste Sanierungsschritt bereits eine Effizienzhaus-Stufe (z. B. 100, 85 oder 70) erreicht.
Ein weiteres Modell ist der SerSan-Bonus, der bei serieller Sanierung mit vorgefertigten Bauelementen greift. Dieser Bonus ist kombinierbar mit der EE-Klasse und der NH-Klasse. In Kombination mit anderen Boni kann die Gesamt-Förderung auf bis zu 20 Prozent erhöht werden.
Ein weiterer Aspekt ist die Förderung für Energieberatung, die bis zu 80 Prozent umfasst. Bei Ein- und Zweifamilienhäusern ist eine Förderung von bis zu 10.000 Euro möglich, bei Mehrfamilienhäusern mit mindestens drei Wohneinheiten bis zu 40.000 Euro.
Kosten der Sanierung zum Effizienzhaus 55
Die Kosten der Sanierung zum Effizienzhaus 55 sind stark von der Ausgangssituation der Immobilie und den notwendigen Maßnahmen abhängig. Ein Energieberater kann im Rahmen einer Vor-Ort-Beratung die aktuelle Energieeffizienz bewerten und ein individuelles Sanierungskonzept erstellen.
In einer Beispielrechnung der KfW aus 2016 ist für ein Einfamilienhaus mit 235 m² Nutzfläche und einem Gas-Brennwertkessel eine Investitionsmehrkosten von 12.700 Euro und eine Gesamtförderung von 9.850 Euro ermittelt worden. Die jährliche Energieersparnis beträgt dabei 300 Euro.
Die statische Amortisationszeit ist mit 10 Jahren (mit Förderung) deutlich kürzer als 42 Jahren (ohne Förderung). Dies zeigt, dass die Sanierung zum Effizienzhaus 55 nur in Kombination mit Förderung wirtschaftlich sinnvoll ist.
Ein Sanierungsrechner, der von einigen Anbietern zur Verfügung gestellt wird, kann dabei helfen, verschiedene Sanierungsvarianten zu vergleichen und die optimalen Kombinationen zu finden.
Vorteile der Sanierung zum Effizienzhaus 55
Die Sanierung zum Effizienzhaus 55 bietet zahlreiche Vorteile:
Energiekostenersparnis: Ein Effizienzhaus 55 benötigt deutlich weniger Energie, was zu niedrigeren Heizkosten führt. In der Beispielrechnung der KfW beträgt die jährliche Energieersparnis 300 Euro.
CO2-Einsparungen: Da weniger Energie verbraucht wird und – möglichst – auf erneuerbare Energien zurückgegriffen wird, entfallen CO2-Emissionen. Dies trägt zur Klimaschutzpolitik bei und macht die Immobilie klimafreundlicher.
Immobilienwert steigern: Eine energetische Sanierung zum Effizienzhaus 55 erhöht den Wert der Immobilie. Energieeffiziente Gebäude sind im Immobilienmarkt gefragt und können bessere Miet- oder Verkaufspreise ermöglichen.
Unabhängigkeit von Energiepreisen: Bei der Nutzung erneuerbarer Energien ist die Immobilie weniger von schwankenden Energiepreisen abhängig. Dies bietet mehr Planungssicherheit für die zukünftigen Betriebskosten.
Förderung nutzen: Die hohe Förderung der Bundesförderung für effiziente Gebäude ermöglicht es, Investitionskosten weitgehend zu refinanzieren. Dies macht die Sanierung finanziell attraktiv.
Wie läuft die Planung und Umsetzung der Sanierung ab?
Die Sanierung zum Effizienzhaus 55 ist ein komplexer Prozess, der mehrere Schritte umfasst:
Energieberatung: Eine individuelle Energieberatung ist der erste Schritt. Ein zertifizierter Energieberater analysiert die aktuelle Energieeffizienz und erstellt ein Sanierungskonzept.
Sanierungsfahrplan (iSFP): Ein Sanierungsfahrplan ist ein detailliertes Planungsdokument, das alle Maßnahmen, Termine und Kosten enthält. Bei einer schrittweisen Sanierung kann der iSFP-Bonus in Anspruch genommen werden.
Fördermittel beantragen: Die Fördermittel der Bundesförderung für effiziente Gebäude müssen vor Beginn der Sanierung beantragt werden. Dazu ist ein Förderantrag mit allen relevanten Unterlagen erforderlich.
Sanierungsmaßnahmen durchführen: Die Sanierungsarbeiten müssen nach Planung und Antrag durchgeführt werden. Dabei ist darauf zu achten, dass die Anforderungen der BEG erfüllt werden.
Nachbelegung: Nach Abschluss der Sanierung muss eine Nachbelegung erfolgen, in der nachgewiesen wird, dass die Anforderungen des Effizienzhauses 55 erfüllt wurden. Dazu gehören Energieausweise und Prüfberichte.
Tipps für eine erfolgreiche Sanierung zum Effizienzhaus 55
Um die Sanierung zum Effizienzhaus 55 erfolgreich zu planen und durchzuführen, sind einige Hinweise und Tipps hilfreich:
Individuelle Planung: Die Sanierungsmaßnahmen sollten auf das Gebäude abgestimmt sein. Eine pauschale Lösung gibt es nicht.
Energieberater einbeziehen: Ein Energieberater kann nicht nur die Ausgangssituation analysieren, sondern auch Kosten und Förderung transparent machen.
Mehrere Sanierungsschritte planen: Bei einer schrittweisen Sanierung kann der iSFP-Bonus genutzt werden, was die Förderung erhöht.
Erneuerbare Energien nutzen: Die Erreichen der EE-Klasse ermöglicht eine höhere Förderung und einen größeren CO2-Einsparungseffekt.
Sanierungsrechner nutzen: Ein Sanierungsrechner kann dabei helfen, unterschiedliche Szenarien durchzuspielen und die optimalen Maßnahmen zu finden.
Langfristig planen: Die Sanierung sollte langfristig geplant werden, um die Amortisation der Investition zu ermöglichen.
Fazit
Die Sanierung zum Effizienzhaus 55 ist eine sinnvolle Investition, die sowohl ökonomische als auch ökologische Vorteile bietet. Sie ermöglicht es, Energiekosten zu senken, den Immobilienwert zu steigern und vom hohen staatlichen Förderungsniveau zu profitieren.
Die Anforderungen an das Gebäude sind dabei klar definiert, jedoch flexibel in der Umsetzung, sodass Sanierer individuelle Lösungen wählen können. Wichtig ist, dass die Sanierungsmaßnahmen auf das Gebäude abgestimmt sind und der Energieberater frühzeitig einbezogen wird.
Die Förderung durch die Bundesförderung für effiziente Gebäude ist entscheidend für die Wirtschaftlichkeit, da die Amortisationsdauer ohne Förderung deutlich länger ausfällt. Mit der richtigen Planung, der Unterstützung durch Energieberater und der Nutzung der Förderprogramme kann die Sanierung zum Effizienzhaus 55 eine gute Investition in die Zukunft werden.