Die energieeffiziente Sanierung bestehender Immobilien ist ein entscheidender Schritt im Kampf gegen den Klimawandel und zur Reduktion der Energiekosten im privaten Wohnbereich. In diesem Zusammenhang spielt das sogenannte Effizienzhaus 40 (EH 40) eine zentrale Rolle. Es handelt sich um einen Standard, der nicht nur die Anforderungen des aktuellen Neubaustandards übertreffen, sondern auch eine umfassende energetische Sanierung voraussetzt. Diese Maßnahmen sind unter anderem durch die KfW-Förderung unterstützt, die Hausbesitzern zinsgünstige Kredite und Tilgungszuschüsse anbietet.
Dieser Artikel erklärt, welche Anforderungen an ein Effizienzhaus 40 gestellt werden, welche Sanierungsmaßnahmen erforderlich sind, welche Vorteile sich für den Eigentümer ergeben und welche Fördermittel zur Verfügung stehen. Zudem werden die Schritte zur Erreichung des EH 40-Standards detailliert vorgestellt.
Was ist ein Effizienzhaus 40?
Ein Effizienzhaus 40 ist ein Gebäude, das einen Energieverbrauch von maximal 40 kWh/(m²a) (Kilowattstunden pro Quadratmeter und Jahr) aufweist. Dieser Wert bezieht sich auf den Primärenergiebedarf, also die Summe aus Heizenergie, Warmwasser, Lüftung und anderen Energieformen. Der Standard 40 liegt damit deutlich unter dem aktuell geltenden Neubaustandard (Effizienzhaus 55), was bedeutet, dass ein saniertes Effizienzhaus 40 um 15 % energieeffizienter ist als ein neues Gebäude.
Die Einhaltung dieses Standards ist nicht nur für Neubauten, sondern auch für die Sanierung bestehender Gebäude möglich. Das bedeutet, dass auch ältere Immobilien, sofern sie umfassend saniert werden, den KfW 40-Standard erreichen können – vorausgesetzt, sie erfüllen die technischen und bautechnischen Anforderungen.
Anforderungen an ein Effizienzhaus 40
Um den Standard eines Effizienzhauses 40 zu erreichen, müssen sowohl die Baukonstruktion als auch die Haustechnik überdacht und gegebenenfalls modernisiert werden. Die KfW legt hierfür klare Kriterien fest, die in der Praxis oft umfassende Sanierungsmaßnahmen erforderlich machen.
1. Energieeffiziente Gebäudehülle
Die Gebäudehülle umfasst Dach, Außenwände, Kellerdecken und Fenster. Sie ist entscheidend für den Wärmeverlust und damit für den Energieverbrauch. Um die Vorgaben des Effizienzhauses 40 zu erfüllen, müssen folgende Punkte berücksichtigt werden:
- Dämmung: Die Dämmung muss so dimensioniert sein, dass die Wärmedämmung der Gebäudehülle den Neubaustandard übertreffen. Dazu gehören Dämmung von Dach, Wänden, Bodenplatte und Fenstern.
- Fenster und Türen: Energieeffiziente Fenster mit Triple-Isolierverglasung und thermisch getrennten Fensterrahmen sind erforderlich. Ebenso müssen Türen mit entsprechenden Dämmwerten ausgestattet sein.
- Luftdichtheit: Eine hohe Luftdichtheit der Gebäudehülle ist zwingend, um ungewollte Wärmeverluste durch Lüftung zu vermeiden.
2. Haustechnik und Heizsysteme
Die Haustechnik ist genauso wichtig wie die Gebäudehülle. Folgende Maßnahmen sind typischerweise erforderlich:
- Heizsysteme: Einbau von effizienten Heizsystemen, wie z. B. Wärmepumpen, Biomassenheizungen oder Solarthermieanlagen.
- Zentrale Lüftung mit Wärmerückgewinnung: Diese ist meist erforderlich, da sie den Wärmeverlust durch Lüftung minimiert und gleichzeitig für eine gute Atemluft sorgt.
- Erneuerbare Energien: Der Einbau von Photovoltaikanlagen (PV) oder Solarthermie zur Strom- oder Warmwasserbereitung ist oft notwendig, um den Primärenergiebedarf so weit wie möglich zu senken.
3. Serielle Sanierung und Worst Performing Building (WPB)
Ein weiteres Kriterium ist die sogenannte serielle Sanierung, bei der modular vorgefertigte Elemente eingesetzt werden. Dies ermöglicht eine schnellere und effizientere Umsetzung der Sanierungsmaßnahmen. Zudem gibt es den Worst Performing Building (WPB)-Bonus, der für Gebäude gilt, die besonders energieintensiv sind – meist ältere Immobilien (vor 1975) mit über 75 % unsanierten Außenwänden.
Vorteile der Sanierung zum Effizienzhaus 40
Die Sanierung auf den KfW 40-Standard ist mit hohen Investitionskosten verbunden, bietet aber zahlreiche Vorteile, die sich über die Jahre amortisieren:
1. Finanzielle Unterstützung durch KfW
Die KfW bietet zinsgünstige Kredite und Tilgungszuschüsse für energetische Sanierungen. Die Förderung ist abhängig vom erreichten Energiestandard und der Art der Maßnahmen. Beispielsweise kann die Bundesförderung für effiziente Gebäude (BEG) bis zu 45 % der förderfähigen Kosten abdecken, wenn zusätzliche Boni wie WPB oder serielles Sanieren berücksichtigt werden.
2. Langfristige Energiekosteneinsparung
Durch die Sanierung wird der Energieverbrauch um bis zu 15 % reduziert im Vergleich zum aktuellen Neubaustandard. Dies führt zu einer dauerhaften Reduktion der Heiz- und Energiekosten, was sich in den ersten Jahren amortisiert und langfristig die Wohnkosten senkt.
3. Wertsteigerung des Eigenheims
Ein energieeffizientes Haus ist nicht nur ökologisch, sondern auch ökonomisch wertvoller. In der Immobilienwirtschaft steigt der Marktwert eines Hauses mit einem KfW 40-Standard deutlich. Zudem wird das Haus attraktiver für potenzielle Käufer oder Mieter, da es geringere Energiekosten verspricht.
4. Steigerung des Wohnkomforts
Eine verbesserte Dämmung, ein effizientes Heizsystem und eine zentrale Lüftung mit Wärmerückgewinnung sorgen für bessere Raumklimaverhältnisse, weniger Temperaturschwankungen und eine angenehmere Wohnatmosphäre.
Schritte zur Sanierung zum Effizienzhaus 40
Die Umsetzung der Sanierung zum Effizienzhaus 40 erfordert eine sorgfältige Planung und Koordination. Hier sind die zentralen Schritte:
1. Energieberater einbeziehen
Die Planung muss von einem energetisch und bautechnisch erfahrenen Energieberater begleitet werden. Dieser berechnet den Energieverbrauch des Hauses, analysiert die Sanierungsmöglichkeiten und erstellt das Sanierungsprogramm. Zudem ist ein Energieberater erforderlich, um den Förderantrag bei der KfW stellen zu können.
2. Bestandsaufnahme durchführen
Der Energieberater untersucht den bau- und energetischen Zustand des Hauses. Dies umfasst Dämmung, Fenster, Heizung, Lüftung und Energieverbrauch. Er erstellt ein Referenzgebäude, an dem sich die Sanierungsmaßnahmen orientieren.
3. Sanierungsplan erstellen
Auf Basis der Bestandsaufnahme wird ein individueller Sanierungsplan erstellt, der alle erforderlichen Maßnahmen abdeckt. Dieser Plan muss so ausgestaltet sein, dass am Ende der Primärenergiebedarf von 40 kWh/(m²a) erreicht wird.
4. Förderantrag stellen
Sobald der Sanierungsplan festgelegt ist, kann der Förderantrag bei der KfW gestellt werden. Es ist wichtig, dass die Maßnahmen noch nicht begonnen haben, da die Förderung erst nach Abschluss der Arbeiten und Vorlage des Verwendungsnachweises ausgezahlt wird.
5. Sanierung durchführen
Die Sanierungsmaßnahmen werden nach Plan umgesetzt. Dazu gehören Dämmungsarbeiten, Austausch von Fenstern und Türen, Einbau effizienter Heizsysteme, Installation einer zentralen Lüftung mit Wärmerückgewinnung und ggf. Einbau einer Photovoltaikanlage oder Solarthermie.
6. Fördermittel abrufen
Nach Abschluss aller Arbeiten wird der Verwendungsnachweis erstellt und an die KfW übermittelt. Anschließend erfolgt die Auszahlung der Fördermittel.
Förderung der KfW EH40-Förderung
Die KfW bietet verschiedene Finanzierungsoptionen, um die Sanierung zum Effizienzhaus 40 zu unterstützen. Dazu zählen:
- KfW-Programm 261: Förderung für die Sanierung von Bestandsgebäuden.
- KfW-Programm 297 / 298: Förderung für den Neubau oder die Sanierung zu Effizienzhäusern.
Die Höhe der Förderung hängt von verschiedenen Faktoren ab, wie z. B.:
- Energiestandard (z. B. EH 40 vs. EH 55)
- Einbeziehung von erneuerbaren Energien (z. B. Photovoltaik oder Solarthermie)
- Serielles Sanieren (Modulbauweise)
- Worst Performing Building (WPB)
Beispielsweise beträgt die maximale Förderung für ein EH 40:
- 30 % bei Kombination mit WPB
- 40 % bei Kombination mit WPB und seriellem Sanieren
- 35 % bei Kombination mit WPB und Erneuerbare-Energien-Klasse
- 45 % bei Kombination mit WPB, seriellem Sanieren und Erneuerbare-Energien-Klasse
Die förderfähigen Kosten sind begrenzt. Für ein EH 40 betragen sie maximal 120.000 € pro Wohneinheit, bei einem EH 40 EE (Erneuerbare-Energien-Klasse) sogar bis zu 150.000 €.
Herausforderungen bei der Sanierung zum Effizienzhaus 40
Trotz der vielen Vorteile gibt es auch einige Herausforderungen, die bei der Sanierung zum Effizienzhaus 40 berücksichtigt werden müssen:
1. Hohe Investitionskosten
Die Sanierung auf KfW 40-Niveau ist mit hohen Kosten verbunden. Dies gilt insbesondere für ältere Gebäude, die oft einen umfassenden Umbau erfordern. Die Kosten können je nach Ausmaß und Art der Maßnahmen stark variieren.
2. Komplexität des Sanierungskonzepts
Die Sanierung zum Effizienzhaus 40 erfordert eine gesamtheitliche Betrachtung der Gebäudehülle und Haustechnik. Dies bedeutet, dass nicht nur Einzelmaßnahmen, sondern ein integriertes Konzept erforderlich ist, um den Standard zu erreichen.
3. Koordination und Planung
Die Planung und Umsetzung der Maßnahmen erfordert eine genaue Koordination zwischen Energieberater, Handwerkern und Eigentümer. Jede Maßnahme muss sorgfältig geplant und umgesetzt werden, um den Energieverbrauch zu reduzieren und die Fördervoraussetzungen zu erfüllen.
Fazit
Die Sanierung zum Effizienzhaus 40 ist eine umfassende Maßnahme, die nicht nur den Energieverbrauch eines Hauses stark reduziert, sondern auch den Wohnkomfort, den Wert des Hauses und die ökologische Bilanz verbessert. Obwohl die Investitionskosten hoch sind, bietet die KfW-Förderung eine finanzielle Unterstützung, die die Sanierung für viele Hausbesitzer erschwinglich macht.
Für eine erfolgreiche Sanierung ist die Zusammenarbeit mit einem Energieberater zwingend. Nur mit seiner Unterstützung ist es möglich, das Sanierungsprogramm so zu planen, dass der Primärenergiebedarf von 40 kWh/(m²a) erreicht wird und die Fördervoraussetzungen erfüllt sind.
Wer sein Haus langfristig wertsteigern und gleichzeitig den Energieverbrauch senken möchte, sollte die Sanierung zum Effizienzhaus 40 in Betracht ziehen. Mit der richtigen Planung und Unterstützung ist es möglich, ein bestehendes Gebäude zu einem modernen, energieeffizienten Zuhause zu machen.