Amerikanische Faulbrut: Sanierungsmöglichkeiten und Erfahrungen mit dem offenen Kunstschwarmverfahren

Die Amerikanische Faulbrut (AFB) zählt zu den schwerwiegendsten Bienenseuchen und kann ein Bienenvolk innerhalb kurzer Zeit zerstören. Ursache ist ein Bakterium, das sich über Dauersporen verbreitet und sich in Honig, Waben, Brut und Beute anreichern kann. Früher bedeutete eine AFB-Infektion in der Regel den Tod des Bienenvolkes, doch mittlerweile hat sich das offene Kunstschwarmverfahren als effektive Sanierungsmaßnahme etabliert. Dieser Artikel erklärt detailliert, wie dieses Verfahren funktioniert, welche Vor- und Nachteile es hat, und was Bienenhalter dabei berücksichtigen müssen. Alle Angaben basieren auf Erfahrungsberichten und Anleitungen aus Imkerforen und Vereinen, die sich auf die Praxis ausrichten.

Was ist die Amerikanische Faulbrut?

Die Amerikanische Faulbrut (AFB) ist eine ansteckende Krankheit von Honigbienen, verursacht durch das Bakterium Paenibacillus larvae. Die Erkrankung betrifft vor allem die Brut und kann schließlich zum Zusammenbruch des Bienenvolkes führen. AFB wird primär durch Dauersporen übertragen, die extrem widerstandsfähig und langlebig sind. Diese Sporen können Honig, Waben, Beuten und Rähmchen kontaminieren. Kontaminierter Honig ist für den menschlichen Verzehr zwar unbedenklich, darf aber nicht mehr an Bienen gefüttert werden, da er zur weiteren Ausbreitung der Krankheit führen kann.

Sanierungsmaßnahmen bei der Amerikanischen Faulbrut

Bei der Entdeckung von AFB müssen Bienenhalter dringend handeln. Je früher die Maßnahmen eingeleitet werden, desto besser sind die Chancen auf eine erfolgreiche Sanierung. Die Sanierung umfasst mehrere Schritte, von der Diagnose über die Desinfektion bis zur Reintegration des Bienenvolkes.

1. Diagnose und Bestätigung der AFB

Die Sanierung beginnt mit der Diagnose. Sobald AFB verdächtig ist, muss die Probe in ein Labor zur Bestätigung geschickt werden. Nur nach einer bestätigten Diagnose können die weiteren Schritte eingeleitet werden.

2. Vorbereitung der Sanierung

Eine erfolgreiche Sanierung erfordert sorgfältige Vorbereitung. Dazu gehören:

  • Abkratzen von Wachs und Propolis: Propolis und Wachs enthalten oft Sporen. Sie müssen daher gründlich entfernt werden.
  • Kochen in Natronlauge: Holzbeuten und Styroporbeuten können in kochender Ätznatronlauge (3 %) behandelt werden.
  • Abflammen von Metallteilen: Metallteile wie Brutraumdeckel oder Rähmchenträger werden mit einem Brenner abgeflammt.
  • Säuberung anderer Geräte: Alle weiteren Geräte, wie Honigsleuscher oder Futterbehälter, müssen gründlich gereinigt werden.

3. Das offene Kunstschwarmverfahren

Das offene Kunstschwarmverfahren ist heute die gängigste Methode zur Sanierung eines AFB-betroffenen Bienenvolkes. Im Gegensatz zu früheren Methoden, bei denen das gesamte Volk vernichtet wurde, bleibt das Bienenvolk durch dieses Verfahren erhalten.

Wie funktioniert das offene Kunstschwarmverfahren?

Das Ziel des Verfahrens ist die vollständige Entfernung aller Dauersporen aus dem Bienenvolk. Dazu wird das Bienenvolk in einen Kunstschwarm überführt. Dieser Kunstschwarm besteht aus den Bienen, die aus der befallenen Beute entnommen wurden, und einer gekäfigten Königin. Die Beute, in der der Kunstschwarm entstanden ist, wird dann gründlich desinfiziert oder entsorgt.

Schritte im Detail:

  1. Entnahme des Bienenvolkes: Die Bienen werden aus der befallenen Beute entweder gefegt oder mit einem Trichter in eine neue, saubere Beute überführt. Das Flugloch bleibt dabei offen, um Räuberei durch andere Völker zu vermeiden.
  2. Entsorgung kontaminierter Materialien: Alle Waben, Rähmchen und Honigwaben, die mit Dauersporen infiziert sind, müssen entsorgt werden. Sie können entweder verbrennt oder eingeschmolzen werden.
  3. Desinfektion der Beute: Die Beute, in der das Bienenvolk vor der Sanierung stand, muss entweder vernichtet oder intensiv desinfiziert werden. Holzbeuten können mit einem Brenner abgeflammt werden, Styroporbeuten in kochender Natronlauge.
  4. Unterstützung des Völkerwachstums: Nachdem der Kunstschwarm gebildet wurde, muss das Volk unterstützt werden. Dazu werden Futterportionen verabreicht und bei Bedarf Weiselzellen zugesetzt.

Vorteile des offenen Kunstschwarmverfahrens

Im Vergleich zu anderen Methoden hat das offene Kunstschwarmverfahren mehrere Vorteile:

  • Geringerer Arbeitsaufwand: Im Vergleich zum geschlossenen Kunstschwarmverfahren ist der Arbeitsaufwand geringer.
  • Geringer Stress für die Bienen: Das offene Flugloch ermöglicht den Bienen den normalen Flugverkehr, was Stress reduziert.
  • Erhalt des Bienenvolkes: Das Bienenvolk bleibt erhalten, was die wirtschaftliche Belastung für den Imker verringert.

4. Nach der Sanierung: Wiederherstellung der Bienenvölker

Nach der Sanierung ist die Wiederherstellung der Bienenvölker entscheidend. In einigen Fällen kann es zu einem Rückgang der Volksstärke kommen, insbesondere wenn die Königinprobleme bestehen.

Erfahrungen aus der Praxis

Ein Imker, der bereits mehrfach AFB-Sanierungen durchgeführt hat, berichtet:

„Nach der Sanierung schrumpften starke dreizargige Wirtschaftsvölker auf eine Zarge. Wenn das Problem mit den Königinnen nicht so groß gewesen wäre, hätten die Völker die Sanierung gut gemeistert.“

Dies zeigt, dass die Qualität der Königin einen erheblichen Einfluss auf die Regeneration des Volkes hat. Betroffene Völker können durch Zusetzen neuer Weiselzellen unterstützt werden. Zudem ist es manchmal notwendig, schwache Völker mit stärkeren Völkern zusammenzuführen, um den Bienenvölkern die nötige Unterstützung zu geben.

5. Wichtige Voraussetzungen für die Sanierung

Damit das offene Kunstschwarmverfahren erfolgreich ist, müssen mehrere Voraussetzungen erfüllt sein:

  • Adequate Größe des Bienenvolkes: Das Bienenvolk muss eine ausreichend große Bienenmasse haben. Ein Kunstschwarm sollte etwa 2,5 bis 3,5 Kilogramm wiegen. Ist die Bienenmasse zu gering, kann der Schwarm mit einem anderen zusammengelegt werden.
  • Zeitliche Planung: Die Sanierung erfordert ausreichend Zeit. Der Imker muss sich genug Zeit dafür nehmen, da die Prozedur aufwendig und zeitintensiv ist.
  • Fachliche Kompetenz: Der Imker muss über die notwendigen Kenntnisse verfügen, um die Sanierung durchzuführen. Nur bei entsprechender Erfahrung kann das Verfahren sicher und effektiv angewendet werden.
  • Materialien: Alle benötigten Materialien, wie Trichter, Futter, Weiselzellen und Desinfektionsmittel, müssen vorbereitet sein.

Einige Landesverbände bieten daher sogenannte Bienengesundheitsmobilen an, die Imkern bei der Sanierung helfen können. Diese mobilen Einrichtungen entlasten den Einzelimker und sorgen für eine fachgerechte Durchführung der Maßnahmen.

Fazit

Die Sanierung eines Bienenvolkes mit Amerikanischer Faulbrut ist eine Herausforderung, die sowohl fachliche Kompetenz als auch sorgfältige Planung erfordert. Das offene Kunstschwarmverfahren hat sich als effektive Methode etabliert, die das Bienenvolk und die Beute oft retten kann. Trotzdem ist der Erfolg stark von der Qualität der Königin, der Bienenmasse und der Durchführung abhängig. Bienenhalter sollten sich daher frühzeitig über die Anzeichen der AFB informieren und bei Verdacht sofort handeln. Mit der richtigen Vorgehensweise und fachlichem Wissen kann eine AFB-Infektion oft erfolgreich abgewehrt werden.

Quellen

  1. Erfahrungsbericht über AFB-Sanierung und das Danach
  2. AFB – Die Amerikanische Faulbrut und ihre Behandlung
  3. Offenes Kunstschwarmverfahren – So geht’s

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