Die Fehmarnsundbrücke, ein Wahrzeichen Schleswig-Holsteins, verbindet seit 1964 das Festland mit der Insel Fehmarn. Mit einer Länge von fast einem Kilometer und 80 Stahlseilen ist sie ein technisches Meisterwerk ihrer Zeit. Doch der Wandel der Verkehrsbedingungen, Klimafaktoren und neue gesetzliche Vorgaben erfordern eine umfassende Sanierung, die bereits seit 2019 in die Wege geleitet wurde. Die Sanierungsarbeiten sind nicht nur in ihrer Ausführung komplex, sondern auch in ihrer Planung, Finanzierung und Umsetzung herausfordernd. In diesem Artikel werden die aktuelle Lage, die Herausforderungen und die geplanten Maßnahmen an der Fehmarnsundbrücke detailliert beschrieben.
Historische Bedeutung und aktueller Zustand
Die Fehmarnsundbrücke wurde 1964 in Betrieb genommen und war damals ein Meilenstein der Verkehrsinfrastruktur. Sie dient sowohl als Schienenbrücke als auch als Teil der Bundesstraße 113, wodurch sie für den regionalen und überregionalen Verkehr von großer Bedeutung ist. Nach mehr als sechs Jahrzehnten zeigen sich jedoch deutliche Verschleißerscheinungen. Teile des Betons sind abgeplatzt, die Entwässerung ist nicht mehr ausreichend, und die ursprünglichen Bauvorgaben müssen heute angesichts moderner Sicherheits- und Umweltstandards überarbeitet werden.
Die Brücke, die liebevoll als „Kleiderbügel“ bezeichnet wird, gilt nicht nur als ein technisches Wunder, sondern auch als kulturell bedeutendes Bauwerk. Sie ist ein Wahrzeichen der Region und wird zukünftig weiterhin einen symbolischen Stellenwert haben – auch wenn sie nach Fertigstellung des Fehmarnbelttunnels 2029 keine Funktion für den regulären Verkehr mehr übernehmen wird.
Sanierungsziele und geplante Maßnahmen
Die Sanierung der Fehmarnsundbrücke umfasst mehrere zentrale Maßnahmen, die darauf abzielen, die Tragfähigkeit, die Sicherheit und die Langlebigkeit des Bauwerks zu gewährleisten. Die Arbeiten sind in mehrere Phasen unterteilt und umfassen sowohl den Austausch der Stahlseile als auch die Sanierung der Betonpfeiler.
Austausch der Stahlseile
Eines der zentralen Elemente der Sanierung ist der Austausch aller 80 Stahlseile. Diese Seile bilden das tragende Gerüst der Brücke und sind entscheidend für ihre Stabilität. Der Austausch wurde ursprünglich für einen begrenzten Umfang geplant, doch aufgrund von Erkenntnissen aus den Untersuchungen wurde entschieden, dass alle 80 Seile ersetzt werden müssen. Nach aktuellen Informationen hat die Bahn bereits 64 der 80 Seile ausgetauscht. Laut Grit Scholz, Projektleiterin der Deutschen Bahn, sollen die Arbeiten im Frühjahr abgeschlossen sein.
Die Herausforderungen bei diesem Prozess sind beträchtlich. Aufgrund der windigen Lage und der engen Verhältnisse auf der Brücke ist der Austausch zeitintensiv und erfordert präzise Planung. Zudem müssen alle Arbeiten so durchgeführt werden, dass sie den Verkehr nicht weiter stören. Der Seilwechsel erfolgt ohne Schließung der Brücke und unter Einhaltung der Sicherheitsvorschriften.
Betonsanierung an den Pfeilern
Ein weiteres zentrales Projekt ist die Sanierung der Betonpfeiler, auf denen die Brücke steht. Sieben Pfeiler – einer auf Fehmarn, zwei über dem Sund und vier auf der Festlandseite – werden untersucht und notwendigenfalls restauriert. Der Zustand des Betons ist aufgrund von mehr als 60 Jahren Wind, Wetter und mangelnder Entwässerung an mehreren Stellen kritisch. Etwa 10 Prozent des Betons müssen ausgebessert werden.
Die Arbeiten an den Pfeilern sind besonders aufwendig, da sie unter engen räumlichen Bedingungen durchgeführt werden müssen. In jedem Pfeiler gibt es bis zu 24 Kammern, die durch Gänge von nur 60 × 60 Zentimetern miteinander verbunden sind. Die Arbeiter müssen in diese enge Umgebung hinabsteigen, um Schäden zu beheben. Dabei wird mit Hochdruckwasser gearbeitet, um abgetragenen Putz zu entfernen, und anschließend wird Spritzbeton eingesetzt, um die Stabilität wiederherzustellen. Diese Maßnahmen sind notwendig, um die Statik des Bauwerks nach der Sanierung zu gewährleisten.
Die Arbeiten an den Pfeilern sollen bis 2028 abgeschlossen sein, sofern keine unerwarteten Schäden auftauchen und das Wetter mitspielt. Im Juni/Juli 2025 sollen die Arbeiten an den weiteren Pfeilern beginnen.
Kostenentwicklung und Finanzierung
Die Sanierungsarbeiten an der Fehmarnsundbrücke sind nicht nur in ihrer Ausführung herausfordernd, sondern auch in ihrer Finanzierung. Laut einem Bericht der Deutschen Bahn hat sich der ursprüngliche Kostenvoranschlag erheblich erhöht. Während die Bahn ursprünglich mit Kosten im Rahmen von 51 Millionen Euro kalkulierte, hat sich der Betrag auf 91 Millionen Euro erhöht. Dieser Anstieg ist auf mehrere Faktoren zurückzuführen: Lieferengpässe, Kapazitätsengpässe bei Lieferanten und Ingenieurbüros sowie unerwartete Schäden an der Brücke.
Die Finanzierung der Sanierung erfolgt im Verhältnis von zwei Dritteln durch das Land Schleswig-Holstein und einem Drittel durch die Deutsche Bahn. Nach der Fertigstellung des Fehmarnbelttunnels im Jahr 2029, der den regulären Verkehr übernehmen wird, soll die Fehmarnsundbrücke zur Kreisstraße herabgestuft und für Fußgänger, Radfahrer und landwirtschaftliche Fahrzeuge freigegeben werden. Die Betriebskosten für die Brücke danach fallen jedoch nicht mehr auf die Bahn und den Bund, sondern auf den Kreis Ostholstein. Dies hat politisch kontroverse Diskussionen ausgelöst, da der Kreis Ostholstein keine direkte Mitsprache in der Planung hatte und sich nun mit erheblichen jährlichen Kosten konfrontiert sieht.
Auswirkungen auf den Verkehr
Die Sanierungsarbeiten haben auch Auswirkungen auf den Verkehr. Aufgrund der Bauarbeiten an den Pfeilern und dem Seilwechsel bleibt die Brücke auf zwei verengten Fahrspuren beschränkt. Das hat in der Vergangenheit, insbesondere in Kombination mit Wochenenden oder Ferienverkehr, zu langen Staus und Stockungen geführt. Die Deutsche Bahn hat sich in den letzten Jahren bemüht, die Information über die Einschränkungen zu verbessern. Seit dem 7. Juli 2023 existiert ein gemeinsamer Newsletter, der Informationen über die Sanierungsarbeiten und Verkehrsbeeinträchtigungen bereitstellt.
Zudem wird Tempo 30 auf der Brücke bis zur Fertigstellung der Sanierung bestehen bleiben. Dies ist notwendig, um die Sicherheit der Arbeiter und die Stabilität des Bauwerks zu gewährleisten. Die Projektleiterin Grit Scholz betont, dass es keine Verschwenkung der Fahrbahn geben wird und dass je nach Fortschritt der Sanierungsarbeiten mehr Breite freigegeben werden kann.
Umwelt- und Naturschutzaspekte
Ein weiteres zentrales Thema bei der Sanierung der Fehmarnsundbrücke ist der Schutz der Umwelt. Der Fehmarnsund ist als FFH-Gebiet (Fauna-Flora-Habitat) geschützt, was bedeutet, dass keine Materialien in das Wasser fallen dürfen. Die Bauarbeiten müssen daher so geplant und durchgeführt werden, dass sie die Umwelt möglichst wenig beeinträchtigen.
Um dies zu gewährleisten, werden alle Baustoffe und Materialien oberhalb der Pfeiler angeliefert und dort gelagert. Die Arbeiter erreichen ihre Arbeitsplätze von dort aus. Zudem wird alles, was während der Sanierung abgetragen oder wegstrahlt wird, aufgefangen, um sicherzustellen, dass nichts ins Wasser gelangt. Dies ist ein zusätzlicher Aufwand, der die Planung und Durchführung der Arbeiten kompliziert, aber notwendig, um den Naturschutz zu gewährleisten.
Zukunft der Fehmarnsundbrücke
Langfristig ist geplant, die Fehmarnsundbrücke durch einen Tunnel zu ersetzen. Der Fehmarnbelttunnel, der zurzeit gebaut wird, soll im Jahr 2029 eröffnet werden und den Hauptverkehr übernehmen. Dieser Tunnel wird nicht nur die Verbindung zwischen Dänemark und Deutschland herstellen, sondern auch die Fehmarnsundbrücke ersetzen. Nach der Eröffnung des Tunnels wird die Brücke nur noch für Fußgänger, Radfahrer und landwirtschaftliche Fahrzeuge genutzt. Sie wird jedoch weiterhin als Wahrzeichen und symbolische Verbindung zwischen Fehmarn und dem Festland bestehen bleiben.
Eine besondere Herausforderung entsteht, wenn der Fehmarnbelttunnel nicht pünktlich fertiggestellt wird. In diesem Fall müsste die Fehmarnsundbrücke bis zur Fertigstellung des Tunnels als Ausweichstrecke genutzt werden. Dies würde zusätzliche Kosten in Höhe von etwa 61 Millionen Euro verursachen.
Kritik und politische Debatten
Die Sanierungsarbeiten an der Fehmarnsundbrücke haben nicht nur technische, sondern auch politische Diskussionen ausgelöst. Der Kreis Ostholstein, der künftig die Unterhaltskosten tragen müsste, hat sich in der Vergangenheit öffentlich über die fehlende Beteiligung an der Planung beschwert. Landrat Timo Gaarz (CDU) kritisierte, dass der Kreis weder am Verhandlungstisch noch bei der Entscheidungsfindung vertreten war. Er betonte, dass dies sowohl politische als auch moralische Verantwortung der Bundesregierung sei.
Zudem wurden Kritikpunkte an der Kostenentwicklung geäußert. Die Erhöhung der geplanten Sanierungskosten von 51 auf 91 Millionen Euro hat in der Region zu Unmut geführt. Die Bahn erklärte dies mit den unerwarteten Schäden an der Brücke und den Lieferengpässen, die den Verlauf der Arbeiten beeinflussten.
Fazit
Die Sanierung der Fehmarnsundbrücke ist ein komplexes Projekt, das sowohl technische als auch politische Aspekte umfasst. Die Erneuerung der Stahlseile und die Betonsanierung an den Pfeilern sind notwendig, um die Stabilität und Sicherheit des Bauwerks zu gewährleisten. Gleichzeitig ist die Finanzierung des Projekts ein zentraler Diskussionspunkt, da die Kosten erheblich über den ursprünglichen Planungen liegen und der Kreis Ostholstein künftig die Unterhaltskosten tragen wird.
Die Arbeiten an der Brücke sind in vollem Gange und sollen bis 2028 abgeschlossen sein. Danach wird die Fehmarnsundbrücke bis zur Fertigstellung des Fehmarnbelttunnels 2029 weiterhin genutzt. Langfristig wird sie durch einen Tunnel ersetzt, doch ihre symbolische Bedeutung für die Region wird auch in Zukunft bestehen bleiben.