Einführung
Der Allgäuer Lebensmittelhändler Feneberg, einer der größten selbstständigen Edeka-Händler Deutschlands, stand vor drei Jahren vor der existenziellen Frage: Insolvenz oder Verkauf. Doch dank eines umfassenden Sanierungskonzepts, unterstützt durch Mitarbeiter, Familie, Banken und externe Partner, ist das Unternehmen auf dem Weg der Besserung. In den vergangenen Jahren wurden Maßnahmen ergriffen, um die hohen Pensionsrückstellungen und Investitionskosten abzubauen, Personalstruktur zu optimieren und den Umsatz zu stabilisieren. Dieser Artikel beleuchtet die Hintergründe der Krise, die Schritte im Sanierungsprozess sowie die aktuelle Situation im Jahr 2025. Dabei wird insbesondere auf die finanzielle, personelle und strategische Umgestaltung eingegangen, mit Fokus auf die Bedeutung von Lohnverzicht, Strukturfonds, Investitionen und Kooperationen.
Die Ursachen der Krise
Die Rolle der Pensionsrückstellungen
Die finanzielle Krise bei Feneberg begann in erster Linie mit der zunehmenden Belastung durch Pensionsrückstellungen. Diese Rückstellungen, notwendig zur Sicherstellung der Betriebsrenten für ehemalige Mitarbeiter, stiegen aufgrund der Niedrigzinspolitik der Europäischen Zentralbank stetig an. Die Bilanz des Unternehmens wurde dadurch mit etwa 70 Millionen Euro belastet, was das Eigenkapital stark beanspruchte und den Gewinn auf Jahre hinweg auffraß.
Fehlschläge im Onlinehandel
Ein weiterer Faktor war der Mangel an Erfolg im Onlinehandel. Die Digitalisierung des Lebensmittelmarktes blieb für Feneberg nicht ohne Folgen. Während andere Händler im E-Commerce-Bereich wuchsen, konnte Feneberg diesen Wandel nicht ausreichend nutzen. Die Investitionen in digitale Plattformen erwiesen sich als kostspielig und nicht profitabel genug, um die wachsenden Lasten auszugleichen.
Die Fleischproduktion als Problem
Ein weiteres Problemfeld war die eigene Fleischproduktion. Obwohl Feneberg traditionell als Lebensmittelhändler mit hoher Qualität bekannt war, erwies sich die Metzgerei- und Fleischsparte als wirtschaftlich unrentabel. Die Tochtergesellschaft Allgäu Fresh Foods schrieb erhebliche Verluste, unter anderem durch eine Sonderabschreibung von 7 Millionen Euro. Dies führte letztendlich zur Abspaltung und Insolvenz dieser Abteilung.
Das Sanierungskonzept
Struktur und Finanzierung
2019 begann Feneberg mit einem vierjährigen Sanierungskonzept. Ziel war es, die Kostenstruktur zu optimieren, die Bilanz zu stabilisieren und langfristig wettbewerbsfähig zu bleiben. Die finanzielle Grundlage dieses Plans wurde durch mehrere Partner sichergestellt:
- Die Familie Feneberg investierte mit einem zweistelligen Millionenbetrag in die Sanierung.
- Die Sparkasse Allgäu als Hausbank bewilligte neue Kredite, um das Unternehmen in den Modus „moderates Wachstum“ zu bringen.
- Der Pensionssicherungsverein übernahm die Zahlung der Betriebsrenten für ehemalige Mitarbeiter für vier Jahre, was die langfristige finanzielle Planung erheblich erleichterte.
- Die Wirtschaftsprüfungsgesellschaft BDO unterstützte die Erarbeitung des Sanierungsplans, der eine umfassende Analyse der Kosten, Umsätze und Personalstruktur beinhaltete.
Personalmaßnahmen
Ein zentraler Punkt des Sanierungsplans war der Lohnverzicht, der von den Mitarbeitern mitgetragen wurde. Etwa 97 Prozent der rund 3.000 Mitarbeiter stimmten einer Vereinbarung zu, bei der sie auf bis zu 4,3 Prozent ihres Bruttolohns verzichteten. Auszubildende und Mitarbeiter mit niedrigen Einkommen waren von dieser Regelung ausgenommen. Diese Maßnahme, die über einen Zeitraum von bis zu vier Jahren andauerte, trug entscheidend zur Sanierung bei und ermöglichte es, den Betriebskostenkreis zu schmälern.
Geschäftsführer Hannes Feneberg betonte in Interviews, wie sehr er die Unterstützung seiner Mitarbeiter schätzte. „Es hat mich zutiefst beeindruckt, wie die Mitarbeiter zum Unternehmen stehen“, sagte er. Auch auf der Führungsebene blieb das Management stabil – es gab keine Abwanderung, was die innere Stabilität des Unternehmens unterstützte.
Standortoptimierung und Logistik
Um die Kostenstruktur weiter zu optimieren, wurden unwirtschaftliche Standorte geschlossen oder an andere Betreiber abgegeben. Ein Beispiel hierfür ist die Abgabe der fünf Münchner Filialen an die Großhandlung Südbayern. Diese Maßnahme sollte nicht nur die Personal- und Logistikkosten senken, sondern auch den Marktauftritt in München stärken, wo Feneberg bislang nicht erfolgreich genug war.
Zudem standen die Modernisierung bestehender Filialen und der Bau neuer Märkte im Vordergrund. Insgesamt waren 15 neue Märkte in Planung, von denen fünf von bestehenden Standorten verlagert wurden. Diese Maßnahme diente nicht nur der Expansion, sondern auch der Optimierung der regionalen Präsenz.
Die Rolle der Strategie im Sanierungserfolg
Umsatzentwicklung und Wachstum
Im abgelaufenen Geschäftsjahr (Ende 2025) standen die Verluste noch immer auf dem Plan. Die hohen Kosten der Sanierung, insbesondere durch die defizitäre Fleischproduktion und die Sonderabschreibung, sorgten dafür, dass positive Bilanzen ausblieben. Dennoch gab es erste Anzeichen für einen positiven Trend.
Der Umsatz wuchs leicht um etwa ein Prozent, was im Vergleich zur Krise der Jahre 2020–2022 als Erfolg angesehen werden kann. Zudem profitierte Feneberg von der Pandemie, die den Lebensmitteleinzelhandel insgesamt stärkte. Kunden legten während des Lockdowns mehr Wert auf Lebensmittelqualität und Sicherheit, was den Umsatz der mittel- und hochpreisigen Markenprodukte sowie der Eigenmarken förderte.
Marktanteilsentwicklung
Die Ausweitung des Sortiments auf niedrigpreisige Produkte war ein strategischer Schritt, um die wachsende Konkurrenz durch Discountermärkte zu kompensieren. Während die Pandemie den Marktanteil der Discountmarken zurückdrängte, setzte sich die Entwicklung in den letzten Jahren wieder in Richtung der Discountermärkte fort. Feneberg reagierte mit der Einführung von Preisgesteuerten Produkten, die über alle Sortimentsbereiche angeboten wurden. Viele dieser Produkte bezieht Feneberg von Edeka, obwohl dieser in anderen Bereichen der Konkurrenz ist.
Personalpolitik und Zukunftsvisionen
Nach Abschluss des Lohnverzichts im April 2025 sieht Feneberg einen „gewissen Entspannungseffekt“ in der Personalpolitik. Geschäftsführer Hannes Feneberg kündigte an, dass die Rücknahme des Lohnverzichts auch mit der Wiederaufnahme der Zahlung des Urlaubsgeldes und möglichen Lohnerhöhungen einhergehen könnte. Diese Maßnahmen sind Teil der Vision, im Wettbewerb mit anderen Arbeitgebern wettbewerbsfähig zu bleiben.
Zudem hat Feneberg geplant, Tochter Amelie Feneberg in die Geschäftsführung aufzunehmen, um das Unternehmen in die dritte Generation zu übergeben. Diese Planung ist ein Signal für Stabilität und Kontinuität, die im Sanierungsprozess unverzichtbar waren.
Die aktuelle Situation 2025
Sanierung in Sicht
Obwohl die Sanierung bis 2025 noch nicht abgeschlossen ist, gibt es erste positive Anzeichen. Die Kostenstruktur wurde verbessert, die Bilanz entlastet, und die Personalpolitik stabilisiert sich. Zudem hat Feneberg im Jahr 2025 eine neue Filiale an der B32 in Rotheidlen eröffnet, was das Engagement im regionalen Markt belegt.
Trotz der Verluste im abgelaufenen Geschäftsjahr sieht Feneberg das Ende der Sanierung in Sicht. Die Abgabe der Münchner Filialen, die Standortoptimierung und die Modernisierung bestehender Märkte tragen dazu bei, dass das Unternehmen wieder in den Vorwärtsgang kommt. Die Erwartung ist, dass Feneberg in den kommenden Geschäftsjahren wieder positive Bilanzen vorlegen kann.
Zukunftsaussichten
Die Zukunftsaussichten für Feneberg hängen stark von der Entwicklung im Lebensmittelmarkt ab. Hannes Feneberg sprach in Interviews von der „völligen Glaskugelleserei“, wenn es darum geht, die Umsätze im Jahr 2025 abzuschätzen. Die Preisturbulenzen im Lebensmittelmarkt, insbesondere durch steigende Rohstoff- und Energiekosten, machen Planung und Prognosen schwierig.
Doch Feneberg hat sich in den letzten Jahren als flexibel und resilient erwiesen. Durch die Kombination aus Personalengagement, finanzieller Unterstützung durch Partner, strategischen Entscheidungen und einer klaren Vision für die Zukunft hat sich das Unternehmen erfolgreich durch die Krise gearbeitet.
Fazit
Die Sanierung des Allgäuer Lebensmittelhändlers Feneberg ist ein Beispiel dafür, wie ein Familienunternehmen trotz großer finanzieller und wirtschaftlicher Herausforderungen überleben kann. Die Hauptschwierigkeiten lagen in den hohen Pensionsrückstellungen, fehlenden Erfolgen im Onlinehandel und einer unrentablen Fleischproduktion. Durch ein vielfältiges Sanierungskonzept – mit Lohnverzicht, Strukturveränderungen, Standortoptimierung und Investitionen – gelang es dem Unternehmen, sich wieder aufzuraffen.
Heute steht Feneberg trotz Verlusten in der Krise auf einem stabilen Fundament. Die Personalpolitik hat sich als entscheidender Faktor erwiesen, genauso wie die Unterstützung durch die Familie, Banken und Partner. Zudem hat die strategische Anpassung des Sortiments und der Marktpräsenz dazu beigetragen, wettbewerbsfähig zu bleiben.
Die Zukunft hält weitere Herausforderungen, insbesondere im Hinblick auf die volatilen Lebensmittelmarktpreise. Dennoch hat Feneberg gezeigt, dass es in der Lage ist, sich an Veränderungen anzupassen und langfristig zu überleben. Mit der bevorstehenden Übernahme der Geschäftsführung durch Amelie Feneberg und der Ausrichtung auf Wachstum und Effizienz ist das Unternehmen gut aufgestellt für die nächsten Jahre.
Quellen
- Edeka-Händler Feneberg in der Krise – Millionenverluste, Filialschließungen und Stellenabbau drohen
- Trotz Verluste ist ein Ende der Sanierung bei Feneberg in Sicht
- Viel Zustimmung – Feneberg-Sanierung auf den Weg gebracht
- Regionale Wirtschaft – So stellt sich Feneberg für die Zukunft auf
- Gerettet – Feneberg schreibt wieder Verluste
- Edeka-Feneberg rutscht wieder in die roten Zahlen