Einführung
Das Gymnasium am Europasportpark in Berlin-Pankow war bis vor Kurzem in einem katastrophalen Zustand. Das ehemalige Coubertin-Gymnasium, errichtet in der DDR-Zeit, litt unter starken baulichen Mängeln, die die Sicherheit und das Lernumfeld der rund 800 Schüler stark beeinträchtigten. Fenster drohten aus den Angeln zu stürzen, Teile des Schulhofs waren nicht mehr betretbar, und das Gebäude galt als marode. Nach intensiven Protesten von Schülern, Eltern und Lehrern entschied sich die Regierende Bürgermeisterin Franziska Giffey (SPD) für eine umfassende Sanierung des Gymnasiums. Diese kostet voraussichtlich 40 Millionen Euro und wird über mehrere Jahre andauern. Der Betrieb des Gymnasiums wurde in einen Übergangsstandort verlegt, und das Gebäude in der Kniprodestraße wird ab 2024 für die Sanierung geschlossen.
Die Sanierung des Gymnasiums am Europasportpark ist ein Sonderfall in der Berliner Schulsanierungsstrategie, der von außerplanmäßigen Investitionen und einer schnellen Entscheidung begleitet wird. Giffey betonte, dass die Sanierung in keiner Weise zu Lasten anderer Projekte der Berliner Schulbauoffensive gehen werde. Die Schule wird zudem nach der Sanierung in ein modernes und sichereres Gebäude umziehen – in das ehemalige Umspannwerk Wilhelmsruh, das in ein Baudenkmal umgebaut wurde.
Dieser Artikel analysiert die Hintergründe, die Maßnahmen sowie die technischen und organisatorischen Aspekte der Sanierung des Gymnasiums am Europasportpark. Dabei werden die Kosten, die Umzugsplanung, die kurzfristigen Sofortmaßnahmen und die langfristige Planung bis 2027/28 detailliert betrachtet. Die Schulsanierung ist nicht nur ein Projekt zur Sicherstellung der Lernbedingungen, sondern auch ein Modellbeispiel für die Sanierung maroder Schulgebäude in Berlin.
Die Situation vor der Sanierung
Baulicher Zustand des Gymnasiums
Das Gymnasium am Europasportpark war bis 2022 in einem katastrophalen baulichen Zustand. Die Schule, die in der DDR-Zeit als Kinder- und Jugendsportschule „Ernst Grube“ errichtet wurde, war bereits seit mehreren Jahren verfallen. Fenster ließen sich nicht mehr bedienen, mehrere hundert Fenster drohten aus den Angeln zu stürzen, was als unmittelbare Sicherheitsbedrohung galt. Teile des Schulhofs waren aus Sicherheitsgründen nicht mehr nutzbar. Die Schulleitung und der Hausmeister hatten bereits vor längerer Zeit auf die baulichen Mängel hingewiesen, ohne auf politische oder administrative Unterstützung zu stoßen.
Proteste der Schulgemeinschaft
Im Herbst 2022 organisierten Schüler, Eltern und Lehrkräfte eine Reihe von Demonstrationen, um auf die dringende Notwendigkeit einer Sanierung hinzuweisen. Die Proteste fanden unter anderem vor dem Roten Rathaus statt, wo sich Regierende Bürgermeisterin Franziska Giffey einem Dialog mit der Schulgemeinschaft unterzog. Die Schulleitung drohte sogar, das Präsenzunterrichtsystem einzustellen und stattdessen Homeschooling einzuführen, da die Sicherheit der Schüler in dem maroden Gebäude nicht mehr gewährleistet war. Diese Eskalation trug entscheidend dazu bei, dass sich Politik und Verwaltung auf eine umfassende Sanierung einigten.
Die politische Entscheidung
Nach einer Krisenkonferenz mit Franziska Giffey und Vertretern der Senatsverwaltungen für Bildung, Jugend und Familie sowie Finanzen wurde eine Finanzierung in Höhe von 40 Millionen Euro für die Sanierung des Gymnasiums bewilligt. Giffey betonte, dass das Gymnasium am Europasportpark auf der Prioritätsliste für Schulsanierungen nun auf „Platz 0“ stehe. Die Sanierung wurde als Sonderfall angesehen, der außerplanmäßig finanziert wurde, ohne andere Projekte der Berliner Schulbauoffensive zu behindern.
Sofortmaßnahmen und Übergangsmaßnahmen
Grundreinigung und Tischlerarbeiten
Um die baulichen Mängel vorübergehend zu beheben, wurden im Dezember 2022 Sofortmaßnahmen umgesetzt. Die Bezirksverwaltung Pankow und das Senatsteam organisierten eine Grundreinigung des Schulgebäudes, inklusive der Eingangsbereiche und Jalousien. Zudem wurden Tischlerarbeiten an den beschädigten Fenstern durchgeführt, um die Sicherheit der Schüler zu verbessern. Diese Maßnahmen waren Teil eines kurzfristigen Sofortprogramms, das bis Weihnachten andauerte.
Umzug der Oberstufe
Ab Januar 2023 zogen die Klassen 11 und 12 in ein Ausweichgebäude an der Landsberger Allee. Dieser Schritt war notwendig, da das Hauptgebäude für die Sanierung geschlossen werden musste. Der Umzug der Oberstufe sollte die Lernbedingungen für diese Schüler verbessern, bis das gesamte Gymnasium in einen neuen Übergangsstandort umziehen konnte.
Umzug in das Umspannwerk Wilhelmsruh
Der neue Übergangsstandort
Das Gymnasium am Europasportpark zog im Schuljahr 2024/25 in das ehemalige Umspannwerk Wilhelmsruh. Das Gebäude, das 1925/26 nach Plänen des Architekten Hans Heinrich Müller errichtet wurde, ist ein Baudenkmal und wurde 2007/2009 nach Plänen des Architekten Max Dudler saniert und in einen Bürokomplex umgebaut. In der Folge wurde das offene Raumkonzept für die Schulnutzung angepasst. Das Umspannwerk bietet großzügige Räume für Naturwissenschaften, Musik, Sozialarbeit und eine Aula.
Umzug und Umbau
Der Umzug in das Umspannwerk war Teil der langfristigen Planung, um während der Sanierung des alten Standorts in der Kniprodestraße einen sicheren und funktionellen Unterrichtsbetrieb zu gewährleisten. Die Schule erhielt zudem einen neuen Namen: Das Gymnasium wurde in „Inge-Deutschkron-Gymnasium“ umbenannt, nach der Holocaust-Überlebenden und Journalistin Inge Deutschkron. Der Name symbolisiert den Wert der Erinnerung an die Geschichte und die kulturelle Identität Berlins.
Auswirkungen auf den Unterricht
Der Umzug in das Umspannwerk ermöglichte es, den Unterricht in einem modernen, sicheren Gebäude fortzuführen. Zudem profitierten die Schüler von den neuen Räumlichkeiten, die sich insbesondere für naturwissenschaftlichen Unterricht eigneten. Der Übergang wurde von Eltern, Lehrern und Schülern weitgehend akzeptiert, da der neue Standort den Lernbedingungen entsprach.
Sanierungsplan und Zeitrahmen
Vorbereitung und Planung
Die Sanierung des Gymnasiums am Europasportpark begann im Jahr 2024 nach dem Umzug in das Umspannwerk Wilhelmsruh. Die Planung der Sanierung erfolgte in enger Abstimmung zwischen der Senatsverwaltung für Bildung, Jugend und Familie, dem Bezirk Pankow und der Schulverwaltung. Die Finanzierung wurde durch die außerplanmäßige Investition von 40 Millionen Euro sichergestellt.
Sanierungsumfang
Die Sanierung umfasste eine umfassende Renovierung des gesamten Schulgebäudes. Dazu gehörten die Erneuerung der Fenster, die Sanierung der Dächer, die Modernisierung der Heiz- und Lüftungsanlagen, die Installation neuer elektrischer und sanitärer Anlagen sowie die Erneuerung der Böden und Wände. Zudem wurde ein neues Eingangsbereich mit Zugang zur Aula und zu den Klassenzimmern gebaut.
Zeitplan
Die Sanierungsarbeiten dauerten bis zum Schuljahr 2027/28 an, in dem das Gymnasium am Europasportpark in das sanierte Gebäude zurückkehren sollte. Der Zeitplan war strikt koordiniert, um den Betrieb in dem Umspannwerk nicht zu stören und die Sanierungsarbeiten in der Kniprodestraße effizient abzuschließen.
Zusammenarbeit mit Architekten und Baulogistik
Die Sanierung wurde von professionellen Architekten und Baulogistik-Teams durchgeführt. Die Architektur des Gymnasiums wurde so angepasst, dass sie sowohl die Sicherheitsvorschriften als auch die pädagogischen Anforderungen erfüllte. Die Baulogistik sorgte für den reibungslosen Ablauf der Baumaßnahmen, einschließlich der Lieferung von Materialien, der Sicherstellung des Betriebs und der Abwicklung von Bauplanen.
Finanzierung und Kosten
Kosten der Sanierung
Die Sanierung des Gymnasiums am Europasportpark wird mit einer Investition von 40 Millionen Euro durchgeführt. Dieser Betrag umfasst alle baulichen Maßnahmen, einschließlich der Erneuerung der Fenster, der Dächer, der Heiz- und Lüftungsanlagen, der Elektroinstallationen sowie der Sanitäreinrichtungen. Zudem wurden Kosten für die Erneuerung der Böden, Wände und Türen berechnet.
Finanzierungszusage
Die Finanzierungszusage wurde durch die Senatsverwaltung für Finanzen und Bildung, Jugend und Familie bereitgestellt. Franziska Giffey betonte, dass die Sanierung des Gymnasiums am Europasportpark nicht zu Lasten anderer Projekte der Berliner Schulbauoffensive gehen werde. Die Finanzierung wurde daher außerplanmäßig bereitgestellt, ohne die Budgets anderer Projekte zu beeinflussen.
Kostenvergleich mit anderen Projekten
Der Kostenvergleich mit anderen Projekten der Berliner Schulbauoffensive ist schwierig, da die Sanierung des Gymnasiums am Europasportpark ein Sonderfall war. Laut den Angaben der Senatsverwaltung für Finanzen und Bildung, Jugend und Familie ist die Sanierung mit 40 Millionen Euro vergleichbar mit anderen größeren Projekten in der Region. Die Kosten sind jedoch deutlich höher als bei kleineren Sanierungsprojekten.
Sicherheit und Brandschutz
Brandschutzmaßnahmen
Im Zuge der Sanierung wurden umfassende Brandschutzmaßnahmen durchgeführt. Dazu gehörte die Installation von Rauchmeldern, der Einbau von Feuerlöschanlagen sowie die Erneuerung von Türen und Wänden. Zudem wurden Brandschutzgänge und Fluchtwegen neu konzipiert, um die Sicherheit der Schüler und Lehrkräfte zu gewährleisten.
Bauliche Sicherheitsmaßnahmen
Zusätzlich zu den Brandschutzmaßnahmen wurden bauliche Sicherheitsmaßnahmen durchgeführt. Dazu gehörte die Stabilisierung der Dächer, die Erneuerung der Fenster und Türen sowie die Installation von Sicherheitstüren. Zudem wurden die Böden und Wände so verändert, dass sie die Sicherheitsvorschriften erfüllten.
Auswirkungen auf die Schulsanierungspolitik Berlins
Präzedenzwirkung des Projekts
Die Sanierung des Gymnasiums am Europasportpark hat eine Präzedenzwirkung für die Schulsanierungspolitik Berlins. Der Erfolg der Proteste der Schulgemeinschaft und die schnelle Reaktion der Politik haben gezeigt, dass marode Schulgebäude nicht länger ignoriert werden können. Die Sanierung des Gymnasiums am Europasportpark ist ein Modellprojekt, das zeigt, wie politische Entscheidungsträger auf die Bedürfnisse der Schulgemeinschaft reagieren können.
Auswirkungen auf die Berliner Schulbauoffensive
Die Sanierung des Gymnasiums am Europasportpark ist Teil der Berliner Schulbauoffensive, die bis 2023 mit über 2 Milliarden Euro ausgestattet wird. Der Erfolg des Projekts hat dazu beigetragen, dass weitere Projekte in die Sanierungsplanung aufgenommen wurden. Zudem hat die Sanierung des Gymnasiums am Europasportpark gezeigt, dass es möglich ist, marode Schulgebäude innerhalb kurzer Zeit zu sanieren, ohne andere Projekte zu behindern.
Fazit
Die Sanierung des Gymnasiums am Europasportpark ist ein bedeutendes Projekt in der Berliner Schulsanierungsgeschichte. Der Zustand des Gymnasiums war so katastrophal, dass politische und administrative Entscheidungsträger gezwungen waren, auf die Forderungen der Schulgemeinschaft zu reagieren. Der Erfolg der Proteste und der schnelle Ausbau der Sanierungspläne haben gezeigt, dass es möglich ist, marode Schulgebäude innerhalb kurzer Zeit zu sanieren.
Die Sanierung umfasste eine umfassende Renovierung des gesamten Gymnasiums, einschließlich der Fenster, Dächer, Heiz- und Lüftungsanlagen, Elektroinstallationen und Sanitäreinrichtungen. Der Umzug in das Umspannwerk Wilhelmsruh ermöglichte es, den Unterricht in einem sicheren und modernen Gebäude fortzuführen. Die Finanzierung der Sanierung wurde außerplanmäßig bereitgestellt, ohne andere Projekte der Berliner Schulbauoffensive zu beeinflussen.
Die Sanierung des Gymnasiums am Europasportpark hat zudem eine Präzedenzwirkung für andere Projekte. Der Erfolg des Projekts hat gezeigt, dass politische Entscheidungsträger auf die Bedürfnisse der Schulgemeinschaft reagieren können. Zudem hat die Sanierung gezeigt, dass es möglich ist, marode Schulgebäude innerhalb kurzer Zeit zu sanieren, ohne andere Projekte zu behindern.
Die Sanierung des Gymnasiums am Europasportpark ist ein Modellprojekt, das zeigt, wie politische Entscheidungsträger auf die Bedürfnisse der Schulgemeinschaft reagieren können. Der Erfolg des Projekts hat dazu beigetragen, dass weitere Projekte in die Sanierungsplanung aufgenommen wurden. Zudem hat die Sanierung des Gymnasiums am Europasportpark gezeigt, dass es möglich ist, marode Schulgebäude innerhalb kurzer Zeit zu sanieren, ohne andere Projekte zu behindern.
Quellen
- Gymnasium Europasportpark: Sanierung steht fest
- Gymnasium am Europasportpark zieht zeitweise um und wird saniert
- 40 Millionen für marodes Gymnasium
- Neustart für das Inge-Deutschkron-Gymnasium
- Gymnasium in Berlin: Giffey verspricht Millionen
- Gymnasium am Europasportpark: Franziska Giffey sorgt für Akutmaßnahmen
- Gymnasium am Europasportpark wird zum Sonderfall