Sanierung der Hochwaldbaude in Oybin: Eine Rettung mit SED-Vermögen

Die Hochwaldbaude in Oybin, das höchste Gebäude im Zittauer Gebirge, stand aufgrund baufälliger Zustände und Standsicherheitsproblemen über Jahrzehnte im Fokus von Renovierungs- und Sanierungsmaßnahmen. Nach mehreren größeren Sanierungsprojekten, darunter eine umfassende Sanierung in den 1980er Jahren und eine zweite, die in den Jahren 2021 bis 2024 durchgeführt wurde, ist das Gebäude wieder sicher und bleibt ein Wahrzeichen für Wanderer, Urlauber und Architekturfreunde. Diese Artikel gibt einen detaillierten Überblick über die historischen Hintergründe, die Bauprobleme, die Finanzierung sowie die technischen Aspekte der Sanierung der Hochwaldbaude.

Historische Entwicklung und Baugeschichte

Die Geschichte der Hochwaldbaude reicht weit in das 19. Jahrhundert zurück. Schon im Jahr 1890 wurde das zweite Gebäude, das sogenannte Bettenhaus, auf sächsischer Seite fertiggestellt. Der baufällige Carola-Turm wurde 1891 abgerissen und durch einen neuen 25 Meter hohen Turm ersetzt. In den folgenden Jahrzehnten gab es mehrfache Brände und Schäden, die letztendlich zur Notwendigkeit einer umfassenden Renovierung führten.

Bereits 1937 brannte die sächsische Baude ab, und 1938 wurde sie wieder aufgebaut. Ein kleinerer Brand in der böhmischen Baude im Jahr 1946, den die Familie Kalauch selbst lösen konnte, verhinderte zwar größeren Schaden, führte aber letztendlich in den Jahren 1949 bis 1951 zum Abriss der böhmischen Baude. In den 1950er Jahren wurde der Turm mit einem Fernsehumsetzer ausgestattet, was die Funktion des Gebäudes nochmals erweiterte.

Ein bedeutender Meilenstein in der Geschichte der Hochwaldbaude war der Verkauf an die Handelsorganisation (HO) Zittau im Jahr 1970. In den 1980er Jahren wurde die Baude erneut baufällig, und 1987 musste sie aufgrund von Rutschungsgefahr gesperrt werden. Große Sanierungsarbeiten wurden 1988 durch den Schachtbau Nordhausen durchgeführt, wodurch das Gebäude wieder in Betrieb genommen werden konnte.

1991 erhielt die Hochwaldbaude einen neuen privaten Pächter, Herrn Ullrich Grundmann, der sie nach der Sperrung wiedereröffnete. In den Folgejahren war das Gebäude jedoch erneut in einer kritischen Situation, sodass ab 2021 eine neue Sanierung durchgeführt wurde.

Standsicherheitsprobleme und Sanierungsbedarf

Ein zentrales Problem bei der Sanierung der Hochwaldbaude war die Standsicherheit. Aufgrund der bergmäßigen Lage auf einem Felsen und der fehlenden Entwässerung unter den Grundmauern hatte sich Sickerwasser angesammelt, das in den Hang gedrungen war. Dies führte zu Hohlräumen, die gefährlich wurden und eine Rutschung des aufgeschütteten Grundes begünstigten. Laut Bürgermeister Thomas Zenker aus Zittau war zwar keine unmittelbare Gefahr für den Betrieb vorhanden, aber die Rutschung war durch Wetterbedingungen begünstigt und musste durch Sanierungsmaßnahmen bekämpft werden.

Die Grundmauern der 80 Jahre alten Baude konnten nicht ausreichend entwässert werden, was dazu führte, dass sich Hohlräume unter dem Gebäude bildeten. Um diese Störungen zu beheben, wurde ein Maßnahmeplan erstellt, der im Wesentlichen auf einen neuen Gebäude-Sockel und eine Stützmauer abzielte. Diese Maßnahmen sollten die Standsicherheit langfristig gewährleisten.

Finanzierung der Sanierung

Die Sanierungsarbeiten an der Hochwaldbaude kosteten insgesamt über eine Million Euro. Diese Summe wurde hauptsächlich aus dem Vermögen der ehemaligen SED (Sozialistische Einheitspartei Deutschlands) finanziert, was in den sächsischen Medien mehrfach erwähnt wurde. 80 Prozent der Kosten stammten aus dem alten SED-Vermögen, das der Freistaat Sachsen übernommen hat. Der Rest der Kosten wurde von der Stadt Zittau als Eigentümer und dem Erbpächter Torsten Grundmann getragen.

Der Erbpächter, Torsten Grundmann, war nicht nur beteiligt an der Finanzierung, sondern auch aktiv an der Sanierung beteiligt. Er leitete die Renovierung der Schlafräume und nahm an den Arbeiten teil, bis in die Nacht. Während der Sanierungsarbeiten blieb die Gaststätte der Hochwaldbaude geöffnet, sodass die Gäste weiterhin bedient wurden. Diese Herausforderung, die Sanierung bei laufendem Betrieb durchzuführen, war eine besondere Belastung für den Wirt, der den Betrieb tagsüber weiterführen musste, während er nachts an den Arbeiten beteiligt war.

Sanierungsarbeiten und Bauliche Maßnahmen

Die Sanierungsarbeiten umfassten mehrere zentrale Aspekte:

  • Außenputz und Fassade: Der Außenputz wurde erneuert, was insbesondere in den 1980er Jahren bereits erfolgt war. In der aktuellen Sanierung wurde jedoch auch die Fassade instandgesetzt, wobei Lärchenholz verwendet wurde, das Torsten Grundmann selbst anbrachte.
  • Dach: Das Dach der Hochwaldbaude wurde ebenfalls saniert, was in den Berichten mehrfach erwähnt wurde. Der Wirt erwähnte, dass er Schindeln aus Lärchenholz an die neue Fassade nagelte, was den Charakter des Gebäudes bewahrte.
  • Innenausbau: Im Innenbereich wurden die Schlafräume neu hergerichtet. Gleichzeitig blieb die rustikale Atmosphäre der Gaststube erhalten, was für die treuen Gäste wichtig war. Der Wirt betonte, dass diese Atmosphäre erhalten geblieben sei, um den Charakter der Hochwaldbaude zu bewahren.
  • Statische Sicherung: Die Statische Sicherung der Hochwaldbaude war ein zentrales Projekt der Sanierung. Die Arbeiten wurden von der Firma dehmel.bau aus Hirschfelde durchgeführt. Die Firma war für das Los 2 der Sanierung verantwortlich, das sich primär auf die Abbrucharbeiten konzentrierte. Obwohl die konkrete Ausführungszeit nicht angegeben wurde, ist bekannt, dass die Sanierung über drei Jahre andauerte.
  • Entwässerung und Grundmauern: Ein zentrales Problem der Hochwaldbaude war die fehlende Entwässerung unter den Grundmauern. In der Sanierung wurde ein Plan für eine neue Entwässerung erstellt, der im nächsten Jahr umgesetzt werden sollte. Ziel war es, Hohlräume unter dem Gebäude zu verfüllen und die Grundmauern zu stabilisieren.

Herausforderungen bei der Sanierung

Die Sanierung der Hochwaldbaude war aufgrund der bergmäßigen Lage, des Alters des Gebäudes und der Notwendigkeit, die Standsicherheit zu gewährleisten, eine besondere Herausforderung. Die Arbeiten mussten unter den Bedingungen eines Höhenbaus erfolgen, was technisch anspruchsvoll war. Torsten Scholz von der Gerüstbaufirma Berger aus Markersdorf, der an der Sanierung beteiligt war, bestätigte, dass er noch nie einen so hohen Arbeitsplatz gehabt hatte.

Ein weiteres Problem war die Finanzierung. Die Stadt Zittau konnte die Kosten für den neuen Gebäude-Sockel und die Stützmauer nicht allein tragen. Deshalb wurde das SED-Vermögen genutzt, das dem Freistaat Sachsen zur Verfügung stand. Insgesamt standen 62 Millionen Euro für den Freistaat zur Verfügung, wovon eine Million Euro für die Sanierung der Hochwaldbaude verwendet wurden.

Öffentliche Reaktion und Nutzen

Die Sanierung der Hochwaldbaude fand in den sächsischen Medien große Aufmerksamkeit. Wanderfreunde und Touristen begrüßten die Rettung des Wahrzeichens, das nicht nur eine Aussichtsplattform, sondern auch ein kulturelles Erbe darstellt. Im Blogbeitrag eines Wanderfreundes wird erwähnt, dass die Sanierung abgeschlossen ist und das Überleben der Hochwaldbaude für weitere Generationen gesichert scheint.

Gleichzeitig wird kritisch erwähnt, dass die Preise in der Baude die Besucher möglicherweise abschrecken könnten. Dennoch bleibt das Gebäude ein beliebter Treffpunkt für Wanderer, die ein Bauernfrühstück genießen oder einfach die Aussicht in die nordböhmische Region, vom Isergebirge bis ins Böhmische Mittelgebirge, bewundern.

Ein weiteres positives Signal kam aus der Filmindustrie. Der Regisseur Florian Henckel von Donnersmarck, der in der Hochwaldbaude eine Hochzeitsszene für den Oscar-nominierten Film „Werk ohne Autor“ drehte, nutzte das Gebäude als Kulisse. Dies zeigt, dass die Hochwaldbaude nicht nur ein Touristenmagnet ist, sondern auch kulturell wertvoll ist.

Fazit

Die Sanierung der Hochwaldbaude in Oybin war ein Mammutprojekt, das nach mehreren Jahrzehnten erneut nötig wurde. Die Standsicherheitsprobleme, die fehlende Entwässerung und der baufällige Zustand des Gebäudes erforderten umfangreiche bauliche Maßnahmen. Die Finanzierung aus dem SED-Vermögen ermöglichte es, die Sanierung durchzuführen, ohne dass die Stadt Zittau die gesamten Kosten tragen musste.

Die Arbeiten an der Fassade, dem Dach, der Entwässerung und den Grundmauern sicherten die Standsicherheit und ermöglichten den weiteren Betrieb der Gaststätte. Der Erbpächter Torsten Grundmann spielte eine zentrale Rolle bei der Sanierung, indem er nicht nur die Finanzierung unterstützte, sondern auch aktiv an den Arbeiten beteiligt war.

Die Hochwaldbaude ist nicht nur ein Wahrzeichen im Zittauer Gebirge, sondern auch ein Symbol für die Kombination von Tourismus, Architektur und kultureller Identität. Die Rettung des Gebäudes sorgt nicht nur für die Sicherheit der Besucher, sondern auch für die Erhaltung eines historischen Erbes, das Wanderer und Urlauber gleichermaßen begeistert.

Quellen

  1. MDR: Hochwaldbaude in Oybin fertig saniert
  2. Pressedienst Öffentliches Beschaffungswesen: Statische Sicherung und Sanierung der Hochwaldbaude in Oybin, Los 2: Abbrucharbeiten
  3. Hochwaldbaude Oybin: Geschichte und Nutzung
  4. Tag24: Zittau-Oybin: Höchstgelegenes Haus der Oberlausitz
  5. Blog: Wanderung über den Hochwald zur Hochwaldbaude
  6. Sächsische.de: Hochwaldbaude: Großbaustelle bei laufendem Betrieb
  7. Sächsische.de: Zittauer Gebirge: So schön ist jetzt die Oybiner Hochwaldbaude

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