Berliner ICC: Sanierung, Investoren und Zukunft als Kulturzentrum

Einführung

Das Internationale Congress Centrum (ICC) in Berlin-Charlottenburg, seit seiner Eröffnung 1979 ein prägnantes Wahrzeichen der Stadt, steht derzeit an einem entscheidenden Wendepunkt. Aufgrund des starken Sanierungsbedarfs und der hohen Kosten für eine umfassende Renovierung hat der Berliner Senat beschlossen, das Projekt nicht allein aus Landesmitteln umzusetzen, sondern auf private Investoren zurückzugreifen. Ziel ist es, das ICC in ein zukunftsorientiertes Kultur- und Veranstaltungszentrum zu verwandeln – mit einer klaren Ausrichtung auf Kunst, Kultur, Kreativwirtschaft, Innovation und Technologie.

Die Sanierung wird in Form eines 99-jährigen Erbbaurechts vergeben, was den Investoren langfristige Planungssicherheit bietet. Gleichzeitig ist geplant, auf den angrenzenden Grundstücken neue Gebäude zu errichten, um das Projekt wirtschaftlich zu sichern. In diesem Artikel werden die historische Entwicklung des ICC, die aktuelle Sanierungsstrategie, die Beteiligung privater Investoren sowie die zukünftige Nutzung näher beleuchtet.

Historie des Berliner ICC

Das ICC wurde am 2. April 1979 eröffnet und galt damals als eines der größten und modernsten Kongresszentren der Welt. Mit einer Gesamtfläche von etwa 28.000 Quadratmetern, 80 Räumen und einer Kapazität von bis zu 20.000 Teilnehmern war es von Anfang an ein bedeutender Veranstaltungsort. Seine Blütezeit erlebte das ICC über 35 Jahre lang, als es international bedeutende Kongresse, Kulturveranstaltungen und den Berliner Presseball beherbergte. In den 1980er- und 1990er-Jahren wurde es mehrfach als bestes Kongresszentrum der Welt ausgezeichnet.

Mit der Jahrtausendwende begannen jedoch die Zeichen der Ernüchterung. Die Anforderungen an moderne Kongressinfrastruktur veränderten sich stark, und das ICC erwies sich zunehmend als veraltet. 2010 wurde ein Gutachten der Gesellschaft für ökologische Bautechnik veröffentlicht, das etwa 6.000 Asbest-Fundstellen im Gebäude feststellte, wovon 300 als dringend zu beheben galten. Die hohen Sanierungskosten und die technischen Herausforderungen führten schließlich 2013 dazu, dass die Messe Berlin die Schließung des ICC für das Jahr 2014 kündigte.

Sanierungsbedarf und Kosten

Die ICC-Schließung war nicht nur ein Verlust für die Veranstaltungsbranche, sondern auch eine Herausforderung für die Stadt Berlin. In den folgenden Jahren standen verschiedene Diskussionen über die Zukunft des ICC an. Im Jahr 2008 entschied sich der Berliner Senat, trotz der hohen Sanierungskosten (geschätzt zwischen 182 und 368 Millionen Euro) gegen einen Neubau an der Deutschlandhalle, die später durch den CityCube ersetzt wurde.

Die Schließung des ICC im Jahr 2014 markierte den Beginn einer langen Phase der Unsicherheit. Obwohl das Gebäude unter Denkmalschutz steht und architektonisch sowie historisch von Bedeutung ist, war es in einem schlechten Zustand. Die Sanierungskosten sind hoch, und der Berliner Senat hat klargestellt, dass die Renovierung nicht allein aus Landesmitteln finanziert werden soll. Stattdessen wird nach privaten Partnern gesucht, die das ICC sanieren, umfunktionieren und langfristig betreiben können.

Sanierungsstrategie und Erbbaurecht

Im Jahr 2023 startete Berlin ein internationales Konzeptverfahren, um Investoren für die Sanierung des ICC zu gewinnen. Ziel ist es, das ICC in ein multifunktionalen Kulturzentrum zu verwandeln, das sowohl kulturelle, kreative, technologische als auch kongresshafte Funktionen abdeckt. Wirtschaftssenatorin Franziska Giffey hat dieses Vorhaben mehrfach betont, insbesondere auf der EXPO Real Estate 2025 in München, wo sie das Sanierungskonzept öffentlich vorstellte.

Die Sanierung wird in Form eines 99-jährigen Erbbaurechts vergeben, was den Investoren eine langfristige Planungssicherheit bietet. Dieses Modell ist in Berlin nicht ungewöhnlich und hat sich in anderen Großprojekten bereits bewährt. In diesem Rahmen sind die Investoren verpflichtet, das ICC zu sanieren, gegebenenfalls umzubauen und anschließend mit einem tragfähigen Konzept dauerhaft zu betreiben. Gleichzeitig sollen sie auf den angrenzenden Grundstücken – darunter das Parkhaus und der Parkplatz südlich des ICC – neue Gebäude errichten, um das Projekt wirtschaftlich zu sichern.

Die Bebauung dieser Flächen muss den Vorgaben des Denkmalschutzes entsprechen. Das Parkhaus des ICC selbst steht nicht unter Denkmalschutz und könnte demnach abgerissen und durch einen Neubau ersetzt werden. Gleichzeitig soll der Sanierungsumfang so definiert werden, dass die Investoren sich mit den Kosten über die Sanierung des ICC nicht überfordert fühlen.

Investorenverfahren und Wettbewerbsmechanismen

Das Konzeptverfahren für potenzielle Investoren wurde in zwei Phasen gestartet. In der ersten Phase konnten alle Konzepte eingereicht werden, wobei die Jury noch nicht feststand. In der zweiten Phase werden mehrere ausgewählte Konzepte im Detail weiterentwickelt und diskutiert. Die Bewertung erfolgt durch eine 14-köpfige Jury, deren Zusammensetzung im November 2024 bekanntgegeben wurde.

Der Berliner Senat hat klargestellt, dass die Investoren nicht nur das ICC sanieren, sondern auch ein tragfähiges Nutzungskonzept für das Gebäude erarbeiten müssen. Dieses Konzept muss sich an den Leitlinien Kunst, Kultur, Kreativwirtschaft, Innovation und Technologie orientieren. Andere Bewerber, die diese Anforderungen nicht in ausreichendem Maß erfüllten, wurden nicht in die nächste Runde des Verfahrens berufen.

Im April 2025 wurde bekanntgegeben, dass ein Bieterkonsortium aus Unternehmen der Bereiche Bauwesen, Architektur, Projektentwicklung und Gebäudetechnik ausgewählt wurde. Dieses Konsortium soll bis Ende April 2026 in enger Zusammenarbeit mit der Jury ein Nutzungskonzept für das ICC erarbeiten. Im Juli 2026 soll dann eine Vergabeempfehlung ausgesprochen werden.

Verfahrensverzögerungen und Herausforderungen

Trotz des klaren Fahrplans gab es in der Vergangenheit Verzögerungen und Herausforderungen. Im März 2025 endete die erste Phase des Konzeptverfahrens, und die Senatsverwaltung für Wirtschaft gab bekannt, dass die Teilnahmekriterien nachgebessert werden müssen. Die zweite Einreichrunde wurde bis zum 29. Juli 2025 verlängert, um Investoren mit verbesserten Kriterien zu rekrutieren. Die Verlängerung deutet darauf hin, dass die bisher eingereichten Konzepte nicht ausreichend überzeugend waren.

Ein weiteres Problem ist die Finanzierung. Die Sanierungskosten des ICC sind hoch, und es ist fraglich, ob ein privater Investor in der Lage ist, diese vollständig zu stemmen. Die Berliner Wirtschaftsverwaltung hat jedoch klargestellt, dass sie keine Finanzhilfe aus dem Berliner Haushalt bereitstellen will. Stattdessen setzt man auf kreative Finanzierungsmodelle, bei denen die Investoren durch die Bebauung der angrenzenden Grundstücke und die langfristige Nutzung des ICC wirtschaftlich profitieren können.

Zukunftsvisionen und Nutzungskonzepte

Die Zukunft des ICC ist eng mit der Vision einer kulturellen und kreativen Nutzung des Gebäudekomplexes verbunden. Wirtschaftssenatorin Giffey hat mehrfach betont, dass das ICC nicht einfach in einen alten Kongresspalast zurückverwandelt werden soll, sondern als ein offener, internationaler Ort für Kunst, Innovation und Technologie. Ihr Ziel ist es, ein „Centre Pompidou Berlin“ zu schaffen – nicht als direkte Kopie, sondern als ein zukunftsorientiertes Kulturzentrum mit internationaler Strahlkraft.

Ein solches Konzept ist bereits von der Initiative ICCA entwickelt worden. In diesem Konzept wird vorgeschlagen, das ICC in eine Plattform für kreative und kulturelle Projekte zu verwandeln. Die Nähe zur Messe Berlin und die langfristige Planungssicherheit durch das Erbbaurecht sollen dabei Synergien ermöglichen, insbesondere da die Messe Berlin immer häufiger an Kapazitätsgrenzen stößt und nach größeren Veranstaltungsorten sucht.

Fazit

Die Sanierung des Berliner ICC ist eines der anspruchsvollsten Stadtentwicklungsprojekte der letzten zehn Jahre. Es handelt sich um ein Gebäude mit großer historischer und architektonischer Bedeutung, das jedoch aufgrund seines schlechten Zustands und der hohen Sanierungskosten nicht allein aus Landesmitteln saniert werden kann. Der Berliner Senat hat klargestellt, dass private Investoren gefragt sind, um das Projekt wirtschaftlich und technisch umzusetzen. In diesem Rahmen wird ein 99-jähriges Erbbaurecht vergeben, was den Investoren langfristige Planungssicherheit bietet.

Die Sanierungsstrategie umfasst nicht nur die Renovierung des ICC, sondern auch die Errichtung neuer Gebäude auf angrenzenden Flächen, um das Projekt wirtschaftlich zu sichern. Das Konzeptverfahren für potenzielle Investoren ist in zwei Phasen gestartet worden, und bis 2026 soll ein Nutzungskonzept erarbeitet werden, das sich an den Leitlinien Kunst, Kultur, Kreativwirtschaft, Innovation und Technologie orientiert.

Zwar gab es in der Vergangenheit Verzögerungen und Herausforderungen, doch der Berliner Senat hat sich entschieden für die Sanierung des ICC eingesetzt. Mit der Auswahl eines Investorenkonsortiums und der klaren Vorgabe, das ICC in ein multifunktionalen Kulturzentrum zu verwandeln, hat sich die Stadt Berlin auf den Weg gemacht, einen historischen Baukasten in ein modernes Kulturzentrum zu transformieren.

Quellen

  1. Entwicklungsstadt.de – ICC-Sanierung: Zwei neue Gebäude sollen Gebäudekomplex ergänzen
  2. rbb24.de – Berlin ICC: Weiterentwicklung und Sanierung – Senat legt sich fest
  3. morgenpost.de – Zukunft des ICC: Wie es mit dem Kongresszentrum weitergehen soll
  4. Entwicklungsstadt.de – Senat legt sich fest: ICC soll zum Kulturzentrum umgebaut werden
  5. rbb24.de – Berlin ICC: Investoren und Konzept – Verfahren verlängert

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