Das Internationale Congress Centrum (ICC) in Berlin-Charlottenburg steht an der Schwelle zu einer neuen Epoche. Einst ein Wahrzeichen der Berliner Architektur und Kultur, musste das ICC 2014 schließen und steht seitdem weitgehend leer. Aufgrund seines architektonischen und historischen Wertes ist das Gebäude seit 2019 unter Denkmalschutz. Nun, fast zehn Jahre später, bahnt sich eine Sanierung an – ein Projekt, das sowohl technisch als auch finanziell äußerst komplex ist. Die Berliner Regierung kooperiert dabei mit privaten Investoren, die das ICC über einen 99-jährigen Erbbaurechtsvertrag sanieren und in eine neue Nutzung überführen sollen. Im Rahmen des Projekts sind außerdem zwei neue Gebäude auf angrenzenden Flächen geplant, die das Sanierungsprojekt wirtschaftlich absichern und den Standort ergänzen sollen. Dieser Artikel beleuchtet die historischen Hintergründe, die aktuellen Planungen, die finanziellen Herausforderungen sowie die Zukunftsperspektiven des ICC.
Historische Entwicklung des ICC
Das ICC Berlin wurde am 2. April 1979 eröffnet und war damals eines der größten und modernsten Kongresszentren der Welt. Mit insgesamt 80 Räumen, 14.500 Plätzen und einer Fläche von rund 28.000 Quadratmetern war das ICC ein prestigeträchtiger Veranstaltungsort. Bereits zwei Tage vor der offiziellen Eröffnung wurde es durch die ZDF-Sendung „Musik ist Trumpf“ mit Harald Juhnke bundesweit bekannt. In den nächsten Jahrzehnten zog das ICC über 35 Millionen Besucher aus Politik, Wirtschaft, Kultur und Wissenschaft an. Es wurde mehrfach als bestes Kongresszentrum der Welt und Europas ausgezeichnet und war ein zentraler Teil der Berliner Stadtkultur.
Die Kosten für den Bau des ICC beliefen sich auf über 924 Millionen Mark, was kaufkraftbereinigt rund 1,3 Milliarden Euro entspricht. Damals war das ICC das teuerste Bauvorhaben in Westberlin. In der Blütezeit konnten bis zu 20.000 Teilnehmer in das Gebäude aufgenommen werden. Wichtige internationale Kongresse, Kulturveranstaltungen und der legendäre Berliner Presseball fanden dort statt.
2008 entschied sich der Berliner Senat gegen einen Neubau an der Deutschlandhalle und für den Erhalt des ICC. 2010 wurden erhebliche Asbest-Fundstellen im ICC festgestellt, und 2013 kündigte die Messe Berlin die Schließung des ICC für das Jahr 2014 an. Das ICC wurde schließlich 2014 geschlossen. 2019 wurde das Gebäude unter Denkmalschutz gestellt. Die Sanierungsbedürftigkeit war und ist enorm.
Sanierungskonzept und Wettbewerbsverfahren
Zielsetzung und Finanzierung
Die Sanierung des ICC ist ein Projekt, das aufgrund der immensen Kosten nicht aus Berliner Landesmitteln abgedeckt werden kann. Daher setzt die Stadt gezielt auf private Investoren, die das ICC sanieren und in eine neue Nutzung überführen. Im Rahmen des Projekts sollen die Investoren zudem die Möglichkeit erhalten, zwei neue Gebäude auf den angrenzenden Flächen zu errichten. Diese Neubauten sollen das Sanierungsprojekt wirtschaftlich absichern und den Standort ergänzen. Die Investoren sollen das ICC im Rahmen eines 99-jährigen Erbbaurechts sanieren. Diese Form der Verpflichtung gewährleistet den Investoren eine langfristige Planungssicherheit.
Die Sanierungskosten werden auf zwischen 182 und 368 Millionen Euro geschätzt. Die Sanierung beinhaltet die Sanierung der Gebäudehülle, die Renovierung der Innenräume, den Umbau der Infrastruktur und die Schaffung einer neuen Nutzung. Die Bebauung der angrenzenden Flächen muss den Vorgaben des Denkmalschutzes entsprechen. Der Berliner Senat hat klargestellt, dass die Sanierung und die neue Nutzung des ICC allein durch den Investor getragen werden müssen.
Wettbewerbsverfahren und Eignungskriterien
Um die beste Nutzung für das ICC zu finden, wurde ein internationales Konzeptverfahren eingeleitet. Ziel ist es, einen geeigneten Betreiber für das ICC zu finden. Die Anforderungen an die Bewerber sind hoch, da das Projekt nicht nur einen erheblichen finanziellen Aufwand erfordert, sondern auch spezifische fachliche Kompetenzen benötigt. Die Investoren müssen nachweisen, dass sie das ICC sanieren, betreiben und langfristig nutzen können.
Im Rahmen des Wettbewerbsverfahrens können Investoren Konzepte einreichen, die sich an den Leitlinien Kunst, Kultur, Kreativwirtschaft, Innovation, Technologie sowie Kongress- und Veranstaltungswesen orientieren. Andere Bewerbende, die die Anforderungen nicht in ausreichendem Maß erfüllten, wurden nicht in die nächste Runde des Verfahrens berücksichtigt. Die erste Phase des Verfahrens endete im März 2025. Aufgrund der Qualität der eingereichten Konzepte wurde das Konzeptverfahren verlängert, und es wurden neue Eignungskriterien und Mindestanforderungen definiert. Ziel ist es, die finanzielle Leistungsfähigkeit der Bewerber zu prüfen und sicherzustellen, dass das Projekt realisierbar ist.
Die Bewertung der Konzepte erfolgt durch eine 14-köpfige Jury, deren Zusammensetzung im November 2025 bekannt gegeben wurde. Die Jury bewertet die eingereichten Konzepte und gibt am Ende eine Vergabeempfehlung ab. Das Verfahren ist streng reguliert, und die Teilnahme ist nur für Unternehmen oder Konsortien möglich, die die Eignungskriterien erfüllen. Es ist möglich, dass sich Bewerber zusammenschließen, um gemeinsam ein Projekt zu realisieren. In diesem Fall muss nur ein Mitglied das nötige Eigenkapital nachweisen.
Die Rolle der Neubauten
Wirtschaftliche Absicherung und Synergien
Die beiden geplanten Neubauten auf den angrenzenden Flächen sollen das Sanierungsprojekt wirtschaftlich absichern. Der Parkhauskomplex des ICC steht nicht unter Denkmalschutz und könnte demnach abgerissen und durch einen Neubau ersetzt werden. Ebenso ist der Parkplatz am südlichen Ende des ICC für die Errichtung eines neuen Gebäudes vorgesehen. Die Investoren sollen diese Flächen bebauen dürfen, um das aufwendige Sanierungsprojekt gegenfinanzieren zu können.
Die Neubauten sollen nicht nur wirtschaftliche Vorteile bieten, sondern auch Synergien mit dem ICC schaffen. Die Nähe zur Messe Berlin erlaubt es, den ICC als ergänzenden Veranstaltungsort für die Messe zu nutzen. In den letzten Jahren stieß die Messe Berlin an Kapazitätsgrenzen, und sukzessive wurden größere Veranstaltungsorte gesucht. Eine Kombination aus ICC und Messe Berlin könnte eine optimale Lösung bieten.
Denkmalschutz und Bebauungsvorgaben
Die Bebauung der angrenzenden Flächen muss den Vorgaben des Denkmalschutzes entsprechen. Die Berliner Regierung hat klargestellt, dass das ICC nicht aus Landesmitteln abgedeckt wird, weshalb auf eine Kooperation mit privaten Investoren gesetzt wird. Die Investoren müssen also nicht nur die Sanierung, sondern auch die Bebauung der angrenzenden Flächen übernehmen.
Die konkrete Bebauung der Flächen wird im Rahmen des Erbbaurechtsvertrags geregelt. Der Investor erhält das Recht, die Flächen für 99 Jahre zu bebauen, während die Grundstücke im Eigentum des Landes Berlin verbleiben. Die Bebauung muss fachlich und planerisch sinnvoll sein und den Vorgaben der Stadtplanung entsprechen. Es wird ein wettbewerbsbasierter Dialog angestrebt, um kreative und innovative Lösungen zu fördern.
Aktuelle Entwicklungen und Zeitplan
Bewerbungsphase und Jury
Die erste Bewerbungsphase des Konzeptverfahrens endete im März 2025. Aufgrund der Qualität der eingereichten Konzepte wurde die Bewerbungsphase verlängert, und es wurden neue Eignungskriterien und Mindestanforderungen definiert. Die Verlängerung deutet darauf hin, dass die bisher eingereichten Konzepte nicht überzeugen konnten. Es ist möglich, dass die Wettbewerbsregeln konkretisiert wurden, um sicherzustellen, dass die Bewerber das Projekt finanziell stemmen können.
Im Mai 2025 startete die zweite Bewerbungsphase, und die Frist für die Einreichung von Konzepten endete im Juli 2025. Die Jury traf sich im November 2025 erneut, um die eingereichten Konzepte zu bewerten und eine Vergabeempfehlung abzugeben. Im Sommer 2026 soll die endgültige Entscheidung fallen.
Ausgewähltes Konsortium
Im Oktober 2025 gab das Land Berlin bekannt, dass ein Bieterkonsortium aus Unternehmen der Bereiche Bauwesen, Architektur, Projektentwicklung und Gebäudetechnik ausgewählt wurde. Das Konsortium hat nachgewiesen, dass es das ICC sanieren, betreiben und langfristig nutzen kann. Bis Ende April 2026 soll das Konsortium im Austausch mit der 14-köpfigen Jury ein Nutzungskonzept erarbeiten. Im Juli 2026 ist die geplante Vergabeempfehlung für das Projekt vorgesehen.
Zukunft des ICC
Nutzungskonzepte und Visionen
Das ICC ist ein Gebäude mit großer Kubatur und vielfältigen Nutzungsmöglichkeiten. Aufgrund seiner Größe und Beschaffenheit können mehrere Nutzungskonzepte nebeneinander in dem Gebäudekomplex untergebracht werden. Die Nutzungskonzepte sollen sich an den Leitlinien Kunst, Kultur, Kreativwirtschaft, Innovation, Technologie sowie Kongress- und Veranstaltungswesen orientieren. Andere Bewerbende, die die Anforderungen nicht in ausreichendem Maß erfüllten, wurden nicht in die nächste Runde des Verfahrens berücksichtigt.
Die Investoren müssen ein tragfähiges Konzept entwickeln, das die Sanierung, die Renovierung, den Umbau und die Eröffnung des ICC beinhaltet. Das Konzept muss langfristig tragfähig sein und die wirtschaftlichen, kulturellen und sozialen Bedürfnisse der Stadt Berlin berücksichtigen. Die Investoren müssen sich verpflichten, das Gebäude zu sanieren und anschließend dauerhaft mit einem tragfähigen Konzept zu betreiben.
Teil-Reaktivierung zum 50-jährigen Jubiläum
Die Wirtschaftssenatorin betonte, dass derzeit noch nicht absehbar sei, bis wann eine vollständige Sanierung des ICC abgeschlossen werden kann. Es wird aber geplant, dass das ICC im Rahmen einer Teil-Reaktivierung zum 50-jährigen Jubiläum 2029 erneut für Veranstaltungen geöffnet wird. Dies könnte ein Schritt sein, um das ICC wieder in den Fokus der Öffentlichkeit zu rücken und erste Erfahrungen mit der Nutzung des Gebäudes zu sammeln.
Fazit
Das Sanierungsprojekt des ICC Berlin ist ein Mammutunternehmen mit hohen technischen, finanziellen und planerischen Anforderungen. Die Berliner Regierung hat sich entschieden, auf private Investoren zu setzen, um das Projekt realisieren zu können. Im Rahmen des Wettbewerbsverfahrens sollen die besten Konzepte für die Zukunft des ICC gefunden werden. Die Sanierung wird nicht nur das ICC selbst, sondern auch die angrenzenden Flächen und den Standort Berlin-Charlottenburg verändern. Die Neubauten, die auf den angrenzenden Flächen errichtet werden sollen, bieten wirtschaftliche Absicherung und Synergien. Die Investoren müssen sich verpflichten, das ICC zu sanieren, zu renovieren, gegebenenfalls umzubauen und anschließend zu eröffnen sowie dauerhaft mit einem tragfähigen Konzept zu betreiben.
Die Zukunft des ICC ist offen. Es wird spannend zu beobachten sein, welche Nutzungskonzepte in den nächsten Jahren entstehen und wie das ICC in die Zukunft Berlins integriert wird. Der 99-jährige Erbbaurechtsvertrag bietet den Investoren Planungssicherheit und ermöglicht es, langfristige Visionen zu entwickeln. Die Sanierung und die neue Nutzung des ICC werden nicht nur das Gebäude selbst verändern, sondern auch den Stadtraum und die Kultur Berlin-Charlottenburg prägen.