Energetische und bautechnische Sanierungen von Gebäuden sind in Deutschland nicht nur Voraussetzung für die Einhaltung der gesetzlichen Vorgaben, sondern auch eine Investition in die Zukunft der Immobilie. Doch die Realität sieht oft anders aus: Viele Eigentümer*innen stehen vor der Herausforderung, dass sie sich die notwendigen Sanierungsmaßnahmen finanziell nicht leisten können. Dieser Artikel zeigt auf, warum Sanierungskosten so hoch sind, welche rechtlichen und finanziellen Konsequenzen aus einer fehlenden Sanierung entstehen können, und welche Wege es gibt, um die finanzielle Hürde zu überwinden.
Warum Sanierungen so teuer werden
Sanierungen sind nicht nur eine Frage der Baupreise, sondern auch der Komplexität. Laut der Umfrage von Immoscout24, wie sie in [1] erwähnt wird, planen 53 Prozent der befragten Eigentümer in den nächsten zwei Jahren keine Sanierung. Einer der Hauptgründe dafür ist die finanzielle Unsicherheit: Viele Immobilienbesitzer*innen haben nicht genug Geld oder verfügen nicht über die nötigen Kenntnisse, um staatliche Förderprogramme optimal zu nutzen.
Die Kosten für Sanierungen können sich schnell in die Höhe treiben. Typische Maßnahmen wie Dämmung, Heizungswechsel oder Fenstertausch haben je nach Umfang und Materialien Preisspannen zwischen 50 € pro Quadratmeter bis zu mehreren zehntausend Euro. In [3] werden beispielsweise Kosten für eine Fassadendämmung mit 50–150 €/m², einen Heizkesseltausch mit 3.000–10.000 € und eine Dachsanierung mit bis zu 50.000 € genannt. In einem Beispielfall für ein 150 m²-Einfamilienhaus ergeben sich Sanierungskosten von insgesamt 92.469,65 €, wovon nach Förderungen 71.510,61 € selbst getragen werden müssen [3].
Zu diesen Kosten kommen oft unvorhergesehene Posten, wie Feuchtigkeitsschäden oder bautechnische Defizite, die erst im Zuge der Sanierung auftauchen. Zudem steigen die Preise für Baustoffe, wie Zement oder Holz, laufend an, was den finanziellen Druck erhöht [2].
Rechtliche Konsequenzen bei fehlender Sanierung
Die Sanierungspflicht in Deutschland ist gesetzlich festgelegt und wird zunehmend strenger. Laut dem Gebäudeenergiegesetz (GEG) kann die Sanierungspflicht durch Bußgelder bis zu 50.000 € sanktioniert werden [3]. Zudem können Behörden eine Zwangssanierung anordnen, bei der der Eigentümer*in verpflichtet wird, bestimmte Maßnahmen innerhalb einer Frist durchzuführen. Dies bedeutet, dass die Sanierungsverpflichtung nicht länger ausgesetzt werden kann – auch wenn die finanzielle Situation nicht ausreicht.
Ein weiteres Problem entsteht, wenn die Sanierung nicht finanziert werden kann und Gläubiger nicht bezahlt werden. In solchen Fällen können Mahngebühren, Verzugszinsen und schließlich gerichtliche Zwangsmaßnahmen folgen [2]. So hat der Bundesgerichtshof (BGH) entschieden, dass ein Eigentümerin, der sich einer Sanierung verweigert oder sie nicht bezahlen kann, sich schadensersatzpflichtig machen kann, wenn dadurch andere Eigentümerinnen in der Gemeinschaft beeinträchtigt werden [6].
Auch in der Eigentümergemeinschaft kann die Situation komplex werden. So müssen alle Wohnungseigentümerinnen zu einer Sonderumlage beitragen, selbst wenn sie sich nicht direkt von der Sanierung profitieren. Ein Einzelner, der nicht zahlen kann, muss dennoch in die Pflicht genommen werden. Ein Gespräch mit dem Eigentümerin ist der erste Schritt, um Lösungen wie Ratenzahlungen oder Stundungen zu prüfen [6].
Finanzierungsoptionen für Sanierungen
Obwohl die Kosten hoch sind, gibt es auch finanzielle Unterstützungsmöglichkeiten, die helfen können. Der Staat fördert Sanierungen mit Zuschüssen und zinsgünstigen Krediten. In [4] wird erwähnt, dass staatliche Zuschüsse bis zu 15 % der Sanierungskosten ausmachen können, mit einer Obergrenze von 30.000 €. Wer einen individuellen Sanierungsfahrplan erstellt, kann diese Summe sogar auf bis zu 60.000 € erhöhen. Zudem gibt es zinsgünstige Kredite der Kreditanstalt für Wiederaufbau (KfW), die oft in Kombination mit Zuschüssen genutzt werden [4].
Zum Beispiel können Eigentümer*innen, die eine Fassadendämmung durchführen, bis zu 6.781,85 € an Zuschüssen erhalten, und wer sich für eine Erdwärmepumpe mit Photovoltaik entscheidet, bis zu 14.177,19 € [3]. Die Kombination dieser Förderungen kann den finanziellen Druck erheblich verringern.
Außerdem gibt es steuerliche Vorteile: Energetische Sanierungen können über den Abzug der anfallenden Kosten (AfA) über 5 Jahre verteilt mit 20 % pro Jahr berücksichtigt werden [2]. Dies hilft, die Rückzahlung von Krediten oder Investitionen langfristig zu entlasten.
Praktische Tipps, um Kosten zu reduzieren
Selbst wenn staatliche Förderungen genutzt werden, bleibt oft eine erhebliche Summe, die selbst getragen werden muss. Hier helfen clevere Strategien, um die Gesamtkosten zu senken:
- Mehrere Angebote vergleichen: Mindestens drei Handwerker*innen konsultieren, um faire Preise zu finden und Transparenz zu gewährleisten.
- Selbstarbeiten nutzen: Einfache Arbeiten wie Streichen oder das Verlegen von Sockelleisten können Eigenkapital sparen.
- Materialwahl optimieren: Günstigere Alternativen wie Keramikplatten anstelle von Natursteinfliesen können bis zu 30 % der Kosten senken.
- Zeitplanung: Arbeiten in der Nebensaison beauftragen, da die Preise in der Regel niedriger sind [2].
Diese Maßnahmen können helfen, die Sanierung finanziell realisierbar zu machen, ohne die Qualität der Maßnahmen zu opfern.
Was tun, wenn die Sanierung nicht mehr bezahlbar ist?
Wenn die Kosten den verfügbaren finanziellen Mitteln übertreffen, bleibt es wichtig, einen klaren Plan zu entwickeln. Einige Schritte sind hierbei hilfreich:
- Kostenübersicht aktualisieren: Alle Rechnungen, geplante Nachträge und Zinsbelastungen erfassen.
- Finanzierungsbedarf ermitteln: Differenz zwischen verfügbarem Eigenkapital und Gesamtkosten bestimmen.
- Fördermöglichkeiten prüfen: KfW-Portal, Landesprogramme und Steuererleichterungen durchgehen.
- Alternative Kredite vergleichen: Bank, Bausparkasse, Privatkredit – jeweils Konditionen und Auszahlungsbedingungen vergleichen.
- Verhandlungen mit Vertragspartnern: Ggf. Nachlässe oder Ratenzahlungen aushandeln [2].
In einigen Fällen kann auch der Abschluss eines Bausparvertrags eine Lösung sein. Dieser ermöglicht oft eine Finanzierung von bis zu 50.000 €, ohne dass eine Grundbucheintragung notwendig ist [7].
Ausnahmen und Erleichterungen
Nicht alle Gebäude sind gleichermaßen von der Sanierungspflicht betroffen. Es gibt Ausnahmeregelungen, die Eigentümer*innen von der Sanierungspflicht befreien können. So gelten beispielsweise historisch wertvolle Gebäude unter Denkmalschutz oft anderen Vorgaben, die die Sanierungsmaßnahmen begrenzen [3]. Zudem kann der Zustand des Gebäudes eine Rolle spielen – bei starken Schäden oder fehlender Eignung für moderne Sanierungen kann die Pflicht aufgeheben oder eingeschränkt werden.
Allerdings sind diese Ausnahmen in der Praxis selten und müssen meist durch eine behördliche Prüfung bestätigt werden. Es ist daher ratsam, rechtzeitig Rücksprache mit einem Sachverständigen oder einer Baubehörde zu halten, um frühzeitig mögliche Erleichterungen zu erkennen.
Fazit
Die Sanierung von Immobilien in Deutschland ist ein notwendiger Schritt, um die Klimaziele zu erreichen und den Wert der Immobilie zu sichern. Doch viele Eigentümer*innen stehen vor der Herausforderung, dass sie sich die notwendigen Maßnahmen finanziell nicht leisten können. Die Kosten für Sanierungen sind hoch, oft unvorhersehbar und können durch unerwartete Schäden nochmal steigen.
Trotz der finanziellen Hürden gibt es zahlreiche Optionen, die den Sanierungsprozess finanzierbar machen können: staatliche Zuschüsse, zinsgünstige Kredite, steuerliche Vorteile und praktische Sparstrategien. Wichtig ist es, sich frühzeitig über die Fördermöglichkeiten zu informieren und einen klaren Finanzierungsplan zu entwickeln.
Wer auf die Sanierung verzichtet, riskiert nicht nur rechtliche Konsequenzen, sondern auch den Verlust an Wert der Immobilie und die steigenden Energiekosten. Die Investition in eine Sanierung ist also langfristig gesehen oft lohnenswert – nicht nur für das Klima, sondern auch für die eigene Finanzplanung.
Quellen
- t-online: Sanierung – Die meisten haben nicht genug Geld
- Sanierung nicht finanzierbar – Was passiert und welche Lösungen gibt es?
- Sanierungspflicht – Kosten & Finanzierung
- Sanieren oder nicht – Warum viele Deutsche sich keine Haussanierung leisten können
- Wer zahlt Sanierung – BGH-Urteil zu Kosten in Eigentümergemeinschaften
- Eigentümer kann Sonderumlage nicht zahlen
- Sanierungspflicht