Förderung durch die KfW für die Sanierung zum Effizienzhaus 100 – Voraussetzungen, Ablauf und Finanzierung

Die Sanierung bestehender Immobilien auf den Standard eines Effizienzhauses 100 ist eine strategische Maßnahme, um Energiekosten zu senken, CO₂-Emissionen zu reduzieren und langfristige wirtschaftliche Vorteile zu erzielen. In Deutschland bietet die Kreditanstalt für Wiederaufbau (KfW) hierfür gezielte Förderprogramme an. Diese ermöglichen es Eigentümern, Investitionskosten zu reduzieren und zudem staatliche Zuschüsse sowie zinsgünstige Kredite in Anspruch zu nehmen. Die Sanierung zum Effizienzhaus 100 entspricht dabei dem Energiestandard eines Neubaus, der den gesetzlichen Anforderungen des Gebäudeenergiegesetzes (GEG) entspricht.

Dieser Artikel bietet eine detaillierte Übersicht über die Förderung durch die KfW für die Sanierung zum Effizienzhaus 100. Es werden die Voraussetzungen, der Antragstellungsprozess, die finanziellen Möglichkeiten und konkrete Maßnahmen, die erforderlich sind, um den Standard zu erreichen, ausführlich erläutert. Ziel ist es, Eigentümer und Sanierer mit fundiertem Wissen auszustatten, um die richtigen Entscheidungen für ihre Immobilie zu treffen.


Was ist ein Effizienzhaus 100?

Ein Effizienzhaus 100 ist eine Bezeichnung für ein saniertes Gebäude, das den Energiebedarf eines Neubaus nach dem Gebäudeenergiegesetz (GEG) erreicht. Das bedeutet, dass das Gebäude über eine hervorragende Energieeffizienz verfügt und der Primärenergiebedarf sowie der Transmissionswärmeverlust den gesetzlichen Werten eines Neubaus entsprechen.

Energiekriterien für das Effizienzhaus 100

Um den Standard zu erreichen, müssen zwei zentrale Energiekennzahlen unterschritten oder eingehalten werden:

  1. Primärenergiebedarf (PEB):
    Der PEB gibt an, wie viel Energie ein Gebäude insgesamt benötigt, einschließlich der Energie für Heizung, Warmwasser, Lüftung und den Betrieb von Haushaltsgeräten. Beim Effizienzhaus 100 darf dieser Wert nicht höher sein als der eines Neubaus nach GEG.

  2. Transmissionswärmeverlust (THL):
    Der Transmissionswärmeverlust beschreibt, wie viel Wärme über die Gebäudehülle entweicht. Dieser Wert darf ebenfalls nicht über dem des Referenzgebäudes liegen. Eine gute Dämmung, energiesparende Fenster und eine moderne Lüftungstechnik sind entscheidend, um den THL zu senken.

Diese Kennzahlen werden durch eine Energieberatung ermittelt, die auch Bestandteil der KfW-Förderung ist. Die KfW vergibt nur dann Fördermittel, wenn die Sanierung tatsächlich zu einem Effizienzhaus 100 führt, also die Energieeffizienz deutlich verbessert wird.


Voraussetzungen für die KfW-Förderung bei der Sanierung zum Effizienzhaus 100

Die KfW stellt klar, dass nur Sanierungsmaßnahmen, die zur Erreichung des Effizienzhausestandards 100 führen, gefördert werden. Ein Neubau, der den Standard erreicht, ist hingegen nicht förderfähig im Rahmen des KfW-Programms für Effizienzhäuser.

1. Energieberatung und Planung

Bevor mit den Sanierungsarbeiten begonnen werden kann, muss ein Energieberater eine Energieauskunft erstellen. Dieser Berater muss in der Expertenliste der KfW gelistet sein. Die Energieberatung ist ein entscheidender Schritt, da sie den aktuellen Energiebedarf der Immobilie erfasst und Vorschläge für die notwendigen Sanierungsmaßnahmen macht.

Die Energieberatung ist kostenpflichtig, jedoch übernimmt die KfW 50 Prozent der Kosten für die Baubegleitung, sofern der Sanierungsantrag über ein zulässiges Finanzierungsinstitut gestellt wird.

2. Energieeffizienzmaßnahmen

Die Sanierung muss mehrere bauliche und technische Maßnahmen umfassen, die zur Erreichung des Effizienzhaus 100-Standards beitragen. Einzelnmaßnahmen sind zwar förderfähig, aber um die KfW-100-Förderung zu erhalten, müssen die Maßnahmen in der Summe den Energiebedarf eines Neubaus erreichen.

Zu den typischen Maßnahmen gehören:

  • Erneuerung der Heizungsanlage (z. B. Wärmepumpe)
  • Dämmung der Gebäudehülle (Außenwände, Dach, Kellerdecke)
  • Erneuerung von Fenstern und Türen (zweifach oder dreifach-Verglasung)
  • Modernisierung der Lüftungstechnik
  • Hydraulischer Abgleich der Heizungsanlage
  • Einbau von solarer Energiegewinnung (z. B. Photovoltaik)

Die KfW erlaubt auch, dass Einzelmaßnahmen gefördert werden, wie z. B. der Austausch der Fenster oder die Dämmung des Daches. Diese Maßnahmen müssen aber in der Gesamtbilanz den Effizienzhaus-Standard ermöglichen.

3. Fristen und Bauantrag

Ein weiterer relevanter Aspekt ist die Bauantragfrist. Die Sanierungsmaßnahmen können erst nach mindestens fünf Jahren nach Erstellung oder Kauf der Immobilie in Anspruch genommen werden. Dies ist besonders für Eigentümer von älteren Immobilien relevant, da sie nicht unmittelbar nach Erwerb oder Bau beginnen können.


Förderprogramme der KfW für die Sanierung zum Effizienzhaus 100

Die KfW stellt zwei zentrale Förderprodukte bereit, die für die Sanierung zum Effizienzhaus 100 in Frage kommen:

1. KfW-Programm 461: Zuschussförderung

Programm 461 ist ein rein zuschussfinanziertes Programm, das bis zu 32,5 Prozent der Sanierungskosten übernimmt. Dieser Zuschuss wird als Tilgungszuschuss ausbezahlt, d. h., die KfW erlässt einen Teil der Kredite, die der Eigentümer aufgenommen hat.

Die Höhe des Zuschusses hängt von der Effizienzhausstufe ab. Für das Effizienzhaus 100 war vor Juli 2022 ein Tilgungszuschuss bis zu 12.000 Euro pro Wohneinheit möglich. Seit diesem Datum ist die Förderung für Effizienzhäuser 100 jedoch nicht mehr möglich. Der Fokus der KfW liegt aktuell auf den Effizienzhausstufen 55, 40 und 40 Plus, die höhere Effizienzstandards erfordern.

2. KfW-Programm 261: Kredit mit Tilgungszuschuss

Programm 261 ist ein zinsgünstiger Kredit, der mit einem Tilgungszuschuss kombiniert wird. Dieser Kredit ist besonders vorteilhaft, da er flexible Rückzahlungsbedingungen bietet. Der Kredit kann beispielsweise mit einer tilgungsfreien Anlaufzeit verbunden sein, bei der in den ersten Jahren nur die Zinsen gezahlt werden müssen.

Ein weiterer Vorteil ist die Sonderform des endfälligen Darlehens, bei dem der Kreditbetrag am Ende der Laufzeit auf einen Schlag zurückgezahlt wird. Dies kann sinnvoll sein, wenn der KfW-Kredit durch einen Bausparvertrag abgelöst werden kann.


Ablauf der Antragstellung für die KfW-Förderung

Der Antragstellungsprozess für die KfW-Förderung ist klar strukturiert und sollte vor Vertragsabschluss mit Handwerkern oder Lieferanten durchgeführt werden. Nur so können die Fördermittel sichergestellt werden.

1. Energieberatung und Bestätigung

Der erste Schritt ist die Energieberatung durch einen KfW-zertifizierten Energieberater. Dieser erstellt eine Bestätigung, die in den Antrag einfließt. In dieser Bestätigung werden die Sanierungsmaßnahmen, die geplanten Investitionen und die erwartete Energieeffizienz detailliert dargestellt.

2. Antrag über die KfW oder über die Hausbank

Der Antrag kann entweder über das KfW-Zuschussportal (für Zuschussprogramme) oder über die Hausbank (für Kredite) gestellt werden. Im Antrag müssen folgende Dokumente enthalten sein:

  • Energieberatung/Bestätigung
  • Kostenvoranschläge
  • Finanzierungskonzept
  • Persönliche Unterlagen des Antragstellers

3. Bewilligung und Sanierungsbeginn

Nach Prüfung der Unterlagen erteilt die KfW eine Bewilligung. Erst nach dieser Bewilligung können die Sanierungsarbeiten durch Handwerker in Auftrag gegeben werden. Es ist wichtig, dass alle Maßnahmen fachgerecht umgesetzt werden und den geplanten Energiekriterien entsprechen.

4. Nachbestätigung nach der Sanierung

Nach Abschluss der Sanierungsmaßnahmen erstellt der Energieberater eine Nachbestätigung, die an die KfW zurückgesendet wird. Diese dient der Prüfung, ob die Sanierung tatsächlich den Effizienzhausstandard erreicht hat. Erst nach dieser Prüfung werden Zuschüsse ausbezahlt und Schuldenerlässe gutgeschrieben.


Vorteile der Sanierung zum Effizienzhaus 100

Eine Sanierung zum Effizienzhaus 100 bietet zahlreiche Vorteile für Eigentümer:

1. Energiekosten sparen

Ein Effizienzhaus 100 benötigt deutlich weniger Energie für Heizung und Warmwasser. Dadurch entstehen erhebliche Einsparungen in den monatlichen Energiekosten. Diese können sich innerhalb weniger Jahre amortisieren und langfristig Geld sparen.

2. CO₂-Emissionen reduzieren

Ein hohes Maß an Energieeffizienz bedeutet auch, dass weniger CO₂ ausgestoßen wird. Dies trägt zur Klimaschutzpolitik bei und kann auch in der Zukunft zu Vorteilen führen, wenn CO₂-Grenzwerte oder Emissionsverordnungen verschärft werden.

3. Wohnkomfort steigern

Moderne Fenster, eine gute Dämmung und eine effiziente Lüftungstechnik tragen dazu bei, dass das Wohnklima angenehmer wird. Es entstehen weniger Schimmelprobleme, die Luftfeuchtigkeit ist besser reguliert und die Räume sind konstanter in der Temperatur.

4. Wertsteigerung der Immobilie

Eine Sanierung zum Effizienzhaus 100 hat einen positiven Einfluss auf den Immobilienwert. Energieeffiziente Immobilien sind attraktiver für Käufer und Mieter und können höhere Mieten oder Verkaufspreise ermöglichen.


Besondere Förderungen: Erneuerbare-Energien-Klasse (EE-Klasse)

Wer bei der Sanierung 65 Prozent des Heizenergiebedarfs mit erneuerbaren Energien deckt, erfüllt die Voraussetzungen für die Erneuerbare-Energien-Klasse (EE-Klasse). Dies kann durch den Einbau einer Wärmepumpe, einer Photovoltaikanlage oder anderer erneuerbarer Techniken erreicht werden.

Die EE-Klasse bringt zusätzliche Fördervorteile mit sich:

  • Ein Bonus-Tilgungszuschuss von 5 Prozent wird gewährt.
  • Dieser Bonus kann zum Grundzuschuss addiert werden, was die Finanzierung der Sanierung weiter entlastet.

Zusätzlich gibt es eine Zusatzförderung von 10 Prozent, wenn das zu sanierende Gebäude zu den schlechtesten 25 Prozent der Gebäude in Deutschland zählt. Diese Gebäude werden als „Worst Performing Buildings“ bezeichnet und haben oft einen sehr hohen Energiebedarf. Die Förderung für solche Gebäude ist daher besonders hoch.


Kritische Betrachtung: Grenzen der KfW-Förderung

Trotz der vielfältigen Vorteile gibt es auch Grenzen und Herausforderungen bei der Sanierung zum Effizienzhaus 100:

1. Fördersummen sind begrenzt

Die KfW hat jedes Jahr ein Begrenzungsbudget für ihre Förderprogramme. Sobald dieses Budget aufgebraucht ist, können keine neuen Anträge mehr bearbeitet werden. Das bedeutet, dass es sinnvoll ist, den Antrag möglichst frühzeitig zu stellen, um die Förderung nicht zu verpassen.

2. Komplexität des Antragstellungsprozesses

Die Antragstellung ist recht komplex und erfordert die Zusammenarbeit mit verschiedenen Parteien, wie Energieberatern, Handwerkern, Banken und der KfW. Dies kann den Prozess langwierig gestalten und hohe Anforderungen an die Organisation stellen.

3. Sanierungsmaßnahmen sind kostenintensiv

Obwohl die KfW bis zu 32,5 Prozent der Kosten übernimmt, bleibt ein erheblicher Eigenanteil, der von den Eigentümern getragen werden muss. Dieser Betrag kann je nach Umfang der Sanierung in mehreren Tausend Euro liegen.


Fazit

Die Sanierung einer Immobilie zum Effizienzhaus 100 ist eine wertvolle Investition, die zahlreiche Vorteile bietet – von Energiekosteneinsparungen über CO₂-Reduzierung bis hin zu einer Wertsteigerung der Immobilie. Mit der Unterstützung der KfW-Förderbank ist es für Eigentümer möglich, diese Maßnahmen mit zinsgünstigen Krediten und hohen Zuschüssen zu finanzieren.

Zu beachten ist jedoch, dass die Förderung für das Effizienzhaus 100 seit Juli 2022 nicht mehr möglich ist. Die KfW konzentriert sich aktuell auf höhere Effizienzstandards wie Effizienzhaus 55 oder 40, die zusätzliche Vorteile bieten. Dennoch können auch Einzelmaßnahmen wie Dämmung oder Heizungsaustausch durch die BAFA-Förderung unterstützt werden.

Eine Energieberatung ist der erste Schritt, um den aktuellen Energiebedarf zu analysieren und den Sanierungsbedarf zu klären. Nur mit der richtigen Planung, der fachgerechten Umsetzung und der frühzeitigen Antragstellung ist es möglich, die vollen Vorteile der KfW-Förderung zu nutzen.


Quellen

  1. Förderung KfW 100
  2. Sanierung zum Effizienzhaus 100
  3. Energetische Sanierung mit KfW-Förderung
  4. KfW-Förderprodukte für Energieeffizienz

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