Die Sanierung der Kunsthalle zu Kiel ist ein aufwändiges und ambitioniertes Projekt, das nicht nur die bauliche Erneuerung eines historischen Gebäudes zum Ziel hat, sondern auch die Zukunftsfähigkeit eines bedeutenden kulturellen Zentrums in Schleswig-Holstein sichert. Als Teil der Christian-Albrechts-Universität zu Kiel (CAU) und mit einer umfassenden Sammlung, die sich unter anderem auf das 19. Jahrhundert, den Expressionismus und internationale Gegenwartskunst konzentriert, hat die Kunsthalle in der Region eine herausragende Bedeutung. Die aktuelle Sanierung, die mit einer Schließung der Einrichtung ab September 2023 einhergeht, ist notwendig, um den Anforderungen des modernen Museumsbetriebs gerecht zu werden und gleichzeitig die langfristige Erhaltung des denkmalgeschützten Ensembles sicherzustellen.
Eckdaten der Sanierung
Die Sanierung der Kunsthalle wird mit einer Gesamtinvestition von rund 60 Millionen Euro umgesetzt, wovon 30 Millionen Euro aus dem Infrastruktur-Modernisierungsprogramm IMPULS des Landes Schleswig-Holstein stammen. Der Bund fördert das Projekt mit weiteren knapp 19,5 Millionen Euro aus dem Programm KulturInvest. Der restliche Betrag, etwa 10 Millionen Euro, wird von der CAU selbst getragen. Damit ist die Sanierung nicht nur ein kulturell, sondern auch ein wirtschaftlich und politisch bedeutendes Projekt, das von Landes- und Bundesbehörden ausdrücklich unterstützt wird.
Die Schließung der Kunsthalle begann im dritten Quartal des Jahres 2023. Die Arbeiten an der Bausubstanz sowie an der technischen Ausstattung des Gebäudes sollen bis Ende 2028 abgeschlossen sein. Nach dieser Zeit ist der Wiedereinzug der Kunsthalle und der Antikensammlung in das sanierte Gebäude geplant. In der Zwischenzeit wird die Kunsthalle ihre kulturellen Aufgaben in Kooperation mit anderen Institutionen im Raum Kiel fortführen.
Notwendigkeit der Sanierung
Die Entscheidung für eine umfassende Sanierung entstand aus der Erkenntnis, dass sich die Anforderungen an Museumsbauten und -betriebe seit der letzten Erweiterung der Kunsthalle in den 1980er Jahren grundlegend verändert haben. Die heutigen Standards im Hinblick auf Energieeffizienz, Brandschutz, Barrierefreiheit und digitale Präsentation sind deutlich höher als in der Vergangenheit. Gleichzeitig hat sich auch die Funktion des Museums verändert: Es geht nicht mehr nur um die Aufbewahrung und Präsentation von Kunstwerken, sondern auch um Bildung, Vermittlung und interaktives Lernen.
Die Kunsthalle selbst hat in der Vergangenheit einige Renovierungen durchlaufen, doch der aktuelle Zustand des Gebäudes und die Veränderungen in der musealen Praxis machten eine umfassende Sanierung unumgänglich. Direktorin Anette Hüsch betont, dass die Sanierung nicht nur eine bauliche Erneuerung, sondern auch eine wichtige Modernisierung des gesamten Museumsbetriebs darstelle.
Fokussierte Sanierungsmaßnahmen
Die Sanierung umfasst eine Vielzahl von Maßnahmen, die auf die langfristige Stabilität und Funktionalität des Gebäudes sowie auf den optimalen Schutz der Kunstwerke abzielen. Im Fokus der Arbeiten stehen:
Energieeffiziente Haustechnik: Die Installation einer neuen, betriebskostenarmen und energieeffizienten Haustechnik ist ein zentraler Bestandteil der Sanierung. Die Zielsetzung ist es, die Energiekosten zu senken und gleichzeitig die Klimaverhältnisse in den Ausstellungsräumen optimal zu regulieren.
Neu gestaltete Beleuchtungskonzepte: Die Beleuchtung der Ausstellungsflächen wird überarbeitet, um moderne, energiesparende Leuchtmittel und adaptives Lichtmanagement einzusetzen. Diese Maßnahmen tragen nicht nur zur Energieeinsparung bei, sondern auch zum Schutz empfindlicher Kunstwerke vor UV-Licht.
Digitale Präsentationen: Die Einbindung von digitalen Elementen in die Ausstellungen wird erweitert, um die interaktiven Möglichkeiten für Besucher zu erhöhen. Hierzu zählen beispielsweise digitale Führungen, interaktive Displays oder auch die Nutzung von Virtual-Reality-Anwendungen.
Optimierte Lagerung der Kunstwerke: Die Lagerbedingungen für die Sammlung werden verbessert. Neue, temperatur- und feuchtekontrollierte Räume werden geschaffen, um die Langzeitkonservierung der Kunstwerke zu gewährleisten.
Verbesserung von Brandschutz und Arbeitsschutz: Die Brandschutzmaßnahmen werden angepasst an die heutigen Sicherheitsstandards. Neue Brandmeldeanlagen, Feuerlöschsysteme und Fluchtwegmarkierungen werden installiert. Gleichzeitig werden auch die Arbeitsschutzvorschriften überprüft und bei Bedarf angepasst.
Ertüchtigung der Bausubstanz: Die bauliche Substanz des Gebäudes wird saniert. Dies umfasst die Prüfung und Sanierung der Fassade, die Dachabdichtung, die Entwässerungsleitungen und die Stabilität der tragenden Konstruktionen.
Schaffung von Barrierefreiheit: Die barrierefreie Erreichbarkeit der Räume wird verbessert. Hierzu zählen beispielsweise der Ausbau von Aufzügen, die Anpassung von Türen und Toren, der Ausbau ebenerdiger Eingangsbereiche und die Installation von barrierefreien Sanitäranlagen.
Anpassung an den aktuellen Raumbedarf: Die Ausstellungsräume und Räume für Bildungs- und Vermittlungsaktivitäten werden modernisiert und neu strukturiert, um den aktuellen musealen Anforderungen zu entsprechen. Ein offenes Café mit Terrasse, das sich sowohl zur Stadt als auch zum Schlossgarten öffnet, ist beispielsweise ein geplanter Neubau, der das Erscheinungsbild der Kunsthalle deutlich verändern wird.
Rolle des Bauherrn und Planung
Ein besonderes Element dieses Projekts ist, dass die Christian-Albrechts-Universität zu Kiel erstmals in der Rolle der Bauherrin auftritt. Dies bedeutet, dass die Universität nicht nur als Trägerin der Kunsthalle fungiert, sondern auch die Planung und Umsetzung der baulichen Maßnahmen übernimmt. Claudia Ricarda Meyer, Kanzlerin der CAU, betont, dass dies eine wichtige Entwicklung im Bereich der Hochschulbaukultur sei.
Der Bauantrag für die Sanierung wird derzeit erarbeitet, wobei bereits vorbereitende Maßnahmen, wie Fassadenuntersuchungen und die Prüfung der Entwässerungsleitungen, durchgeführt werden. Diese Vorbereitungen sind entscheidend, um die Bauarbeiten reibungslos und termingerecht durchführen zu können.
Kulturpolitische Bedeutung
Die Kunsthalle zu Kiel ist nicht nur ein wichtiges kulturelles Zentrum der Stadt, sondern auch ein Aushängeschild für das Bundesland Schleswig-Holstein. Kulturministerin Karin Prien hebt hervor, dass die Sammlung der Kunsthalle durch Schwerpunkte in der Kunst des 19. Jahrhunderts, im Expressionismus und in der internationalen Gegenwartskunst einzigartig sei. Die Sanierung trägt nicht nur zur Erhaltung dieser Sammlung bei, sondern auch zur kulturellen Attraktivierung der Region.
Finanzministerin Monika Heinold betont zudem, dass die Sanierung ein Projekt sei, das Kunst, Kultur und Klimaschutz vereint. Insbesondere die energetische Sanierung und die nachhaltige Bauweise seien zentrale Aspekte des Projekts. Die Einbindung von Klimaschutzmaßnahmen in die Sanierungsplanung unterstreicht die politische Relevanz des Projekts.
Aktivitäten während der Schließung
Trotz der Schließung der Kunsthalle bleibt das Museum in der Öffentlichkeit präsent. Die Kunsthalle wird in Kooperation mit anderen Kulturinstitutionen im Raum Kiel Austellungen, Veranstaltungen und Workshops anbieten. Diese Aktivitäten sollen dazu beitragen, dass das kulturelle Angebot nicht während der Sanierungsarbeiten verloren geht.
Ein besonderes Highlight ist die Ausstellung „Lieblingsstücke!“, die in Flensburg gezeigt wird und zwölf zentrale Werke der Kunsthalle, darunter von Emil Nolde, Karl Schmidt-Rottluff und Albert Aereboe, präsentiert. Diese Form des kulturellen Austauschs ist ein Beispiel dafür, wie die Kunsthalle auch während der Schließung ihre Rolle als kultureller Akteur weiterhin wahrnimmt.
Zudem werden digitale Formate wie Online-Führungen und virtuelle Ausstellungen angeboten, um das kulturelle Angebot auch über die physischen Räume hinaus zu verbreiten. Wichtige museale Tätigkeiten wie die Restaurierung von Kunstwerken, die Digitalisierung der Sammlung und die Provenienzforschung finden ebenfalls ohne Unterbrechung statt.
Ausblick nach der Sanierung
Nach der Fertigstellung der Sanierungsarbeiten im Jahr 2028 wird die Kunsthalle zu Kiel in einem modernen, funktionellen und nachhaltigen Gebäude wieder eröffnen. Die Erwartungen an das sanierte Museum sind hoch: Es soll nicht nur eine bessere technische Ausstattung bieten, sondern auch höhere Besucherzahlen und erweiterte Bildungsangebote ermöglichen.
Die Eröffnung des sanierten Hauses wird ein Meilenstein in der Geschichte der Kunsthalle sein. Sie markiert nicht nur das Ende eines langen Sanierungsprozesses, sondern auch den Beginn einer neuen Ära für das Museum, in der es sich als moderner, zukunftsorientierter Kulturträger präsentiert.
Fazit
Die Sanierung der Kunsthalle zu Kiel ist ein herausragendes Projekt, das sowohl auf technischer als auch auf kultureller Ebene bedeutungsvolle Schritte in die Zukunft setzt. Die Investitionen in Energieeffizienz, Brandschutz, Barrierefreiheit und digitale Präsentationsformate sind nicht nur für die Erhaltung des Museumsbauts, sondern auch für die langfristige Sicherstellung kultureller Angebote in der Region von großer Bedeutung.
Die Kooperation zwischen Land, Bund und Universität zeigt, wie kulturell relevante Projekte durch politische und finanzielle Unterstützung verwirklicht werden können. Die aktive Rolle der CAU als Bauherrin ist ein Novum in der Geschichte der Hochschule und unterstreicht die wachsende Bedeutung von Kultur in der Hochschullandschaft.
Mit der Sanierung der Kunsthalle wird ein Gebäude erneuert, das nicht nur einen historischen Wert hat, sondern auch eine zentrale Funktion in der kulturellen Landschaft Schleswig-Holsteins einnimmt. Es ist ein Beispiel dafür, wie kulturelle und bauliche Entwicklung in Einklang gebracht werden können, um für die Zukunft bestens gerüstet zu sein.