Minara in Bad Dürrheim: Sanierung im Budgetrahmen – Erfolgreiche Renovierung eines Schwimmbades

Einführung

Das Hallen- und Freizeitbad Minara in Bad Dürrheim war mehrere Jahre lang Gegenstand intensiver Diskussionen, Planungen und politischer Entscheidungen. Die Sanierung dieses 45 Jahre alten Bades stand im Fokus sowohl der Gemeinderäte als auch der Bevölkerung. Inmitten von Kostengesprächen, Unterschriftenaktionen und alternativen Planungsvorstellungen wurde schließlich eine umfassende Sanierung beschlossen, die sich innerhalb der finanziellen Grenzen bewegte. Die Renovierungsarbeiten begannen im Jahr 2019 und wurden bis 2021 abgeschlossen. Im Rahmen dieser Sanierung wurde das Bestandsgebäude bis auf die Schwimmhalle weitgehend entkernt und mit modernen Techniken und Materialien ausgestattet.

Die Sanierung des Minara war nicht nur ein technisches Projekt, sondern auch ein politisches, finanzielles und soziales Vorhaben. Sie stand unter hohem öffentlichen Druck, wurde intensiv geplant und durchgeführt und zog letztendlich die Zustimmung der Gemeinderäte ein, wobei auch Kritik und Vorbehalte bestanden. Die Kosten blieben innerhalb des Budgetrahmens von 8,9 Millionen Euro, wobei die endgültige Sanierungsvariante 7,6 Millionen Euro veranschlagte. Diese Planung und Umsetzung spiegelt die Herausforderungen und Chancen, die bei der Sanierung von öffentlichen Bädern im ländlichen Raum entstehen können.

In diesem Artikel wird die Sanierung des Minara detailliert beschrieben, einschließlich der Planungsgeschichte, der Umsetzung, der finanziellen Aspekte und der kritischen Diskussionen, die dazu führten. Der Fokus liegt auf den technischen, organisatorischen und finanziellen Aspekten, die für Experten im Bereich Renovierung und Immobilienbau von besonderem Interesse sein können.

Planungsgeschichte und Entscheidungsprozess

Diskussionen um Sanierung oder Neubau

Schon ab 2015 wurde intensiv über den Erhalt oder die Stilllegung des Minara diskutiert. In einer Gemeinderatssitzung im Mai 2015 sprach sich das Gremium noch für den Erhalt des Bades aus, wobei finanzielle und infrastrukturelle Grenzen thematisiert wurden. Die Kosten für eine Generalsanierung wurden damals mit etwa 12,2 Millionen Euro veranschlagt, was weit über dem anvisierten Budget von 8,9 Millionen Euro lag. Die Stadtverwaltung beauftragte das Ingenieurbüro L&P Beratende Ingenieure GmbH mit der Kalkulation alternativer Sanierungs- und Neubaupläne.

Im Jahr 2018 wurde schließlich eine konkrete Sanierungsvariante beschlossen, die sich auf das Bestandsgebäude konzentrierte und die Schließung des Außenschwimmbeckens beinhaltete. Diese Entscheidung war aufgrund der Kostengrenzen notwendig, da die Sanierung des Freibads allein zusätzliche 2 Millionen Euro gekostet hätte, wie Thomas Pickel von L&P in einer öffentlichen Sitzung erklärte. Stattdessen wurde eine Strandlandschaft mit Sitz- und Liegemöglichkeiten sowie eine Wasserspielanlage für Kinder geschaffen.

Bürgerbeteiligung und politische Debatten

Die Planung der Sanierung war nicht nur technisch, sondern auch politisch herausfordernd. In Bürgerversammlungen wurde mehrfach über die Vor- und Nachteile einer Sanierung oder eines Neubaus diskutiert. Einige Ratsmitglieder verlangten weiterführende Gutachten und eine "Minimallösung", bei der nur das Notwendige renoviert wurde. Jürgen Schwarz (CDU) betonte, dass er für den Erhalt des Minara sei, aber die Sanierung nur in einer kostengünstigsten Variante umsetzen wolle. Andere Ratsmitglieder sprachen von der "schwierigsten Entscheidung" ihrer kommunalpolitischen Laufbahn, da der Preisrahmen von 8,9 Millionen Euro als "Schmerzgrenze" empfunden wurde.

Die Bürgerbeteiligung fand auch in Form einer Unterschriftenaktion statt, bei der viele Einwohner für den Erhalt des Bades eintraten. Diese Unterstützung war entscheidend für die Planung, da sie zeigte, dass das Minara eine bedeutende soziale Funktion für die Bevölkerung hatte.

Entscheidung für die Sanierungsvariante

Im Jahr 2019 wurde schließlich die Sanierungsvariante, die sich innerhalb des Budgetrahmens hielt, beschlossen. Die Kosten wurden auf 7,6 Millionen Euro veranschlagt, was unter dem Maximalbudget von 8,9 Millionen Euro lag. Die Sanierung umfasste die Erneuerung der Technik, der Glasfassade, der Gebäudehülle, der Dämmung und der Innenräume. Der Neubau eines Freibads wurde ausgeschlossen, da die Kosten dies nicht erlaubten. Stattdessen wurde das ehemalige Freibad in eine Sandfläche mit Wasserspielen und Kindereinrichtungen umgewandelt.

Die Umsetzung der Sanierung begann im September 2019 und endete im September 2021. Die Planung und Bauleitung lag in den Händen der Rebholz Architekten und Ing. GmbH, die dafür sorgte, dass die Arbeiten nahezu vollständig mit regionalen Unternehmen durchgeführt wurden. Dies trug nicht nur zur regionalen Wirtschaft, sondern auch zu einer nachhaltigen Umsetzung, da lokale Gewerke stärker einbezogen wurden.

Umsetzung der Sanierung

Beteiligte Unternehmen und Planung

Die Sanierungsarbeiten am Minara wurden von insgesamt 28 Unternehmen durchgeführt, darunter fünf Planungsbüros. Diese Zahl unterstreicht die Komplexität des Projekts, das nicht nur auf technischen Aspekten, sondern auch auf logistischen und organisatorischen Herausforderungen beruhte. Die Rebholz Architekten und Ing. GmbH war für die Gesamtleitung verantwortlich und koordinierte die verschiedenen Gewerke. In einer Ausschreibung wurden einige Arbeiten EU-weit vergeben, doch es gelang, nahezu alle Gewerke mit regionalen Unternehmen durchzuführen.

Baumaßnahmen und Sanierungsdetails

Die Sanierung umfasste mehrere zentrale Bereiche:

  • Entkernung und Rückbau: Das Bestandsgebäude wurde bis auf die Schwimmhalle auf den Rohbau rückgebaut. Dies beinhaltete die Entkernung der Technik, der Umkleide- und Duschbereiche sowie des Restaurants.
  • Neubau der Gebäudehülle: Die Dämmung, die Glasfassade, das Dach und die Innenräume wurden komplett erneuert. Die Glasfassade wurde so gestaltet, dass sie sich bei sommerlichen Temperaturen öffnen lässt, was die Verbindung zwischen Innen- und Außenbereich ermöglicht.
  • Technische Sanierung: Die gesamte Technik wurde modernisiert, was zu einer Energieersparnis von 70 Prozent führte. Dies war ein entscheidender Vorteil, der sowohl ökonomisch als auch ökologisch relevant war.
  • Außenbereich: Das ehemalige 50-Meter-Freibad wurde in eine Strandlandschaft umgewandelt. Das Becken selbst wurde im Erdreich gelassen und nur mit Sand überfüllt, sodass eine zukünftige Reaktivierung möglich bleibt. Zudem wurde eine Wasserspielanlage für Kinder errichtet.

Energieeffizienz und Nachhaltigkeit

Ein zentrales Ziel der Sanierung war die Steigerung der Energieeffizienz. Die Erneuerung der Technik und die Dämmung der Gebäudehülle trugen dazu bei, dass der Energieverbrauch um 70 Prozent reduziert werden konnte. Dies ist ein bedeutender Erfolg im Hinblick auf die Klimaschutzziele und die langfristige Wirtschaftlichkeit des Bades. Zudem ermöglichte die Glasfassade, die bei Bedarf geöffnet werden kann, eine bessere Luftzirkulation und eine natürliche Lichtausbeute, was die Energiekosten weiter senkte.

Erneuerung der Freizeit- und Spielbereiche

Ein weiteres wichtiges Element der Sanierung war die Erneuerung der Freizeit- und Spielbereiche. Der Kleinkindbereich wurde komplett neu gestaltet, und eine Wasserspielanlage entstand. Die große Außenrutsche und der Sprungturm im Inneren blieben erhalten, was zur Zufriedenheit von Vereinen wie dem Schwimm- und Skiclub Bad Dürrheim (SSC) und der DLRG führte. Zudem wurde eine neue Sandfläche eingerichtet, die als Alternative zum Freibad dienen konnte.

Finanzielle Aspekte und Kostenrahmen

Kostenplanung und Budgeterhalt

Die Sanierung des Minara war finanziell ein sensibles Projekt. Der Gemeinderat hatte einen klaren Kostenrahmen von 8,9 Millionen Euro vorgegeben, der nicht überschritten werden durfte. In der ersten Kalkulation durch das Ingenieurbüro L&P wurden die Kosten für eine Generalsanierung auf 12,2 Millionen Euro veranschlagt, was weit über dem Budget lag. Daher wurde eine Teilsanierung mit einem Kostenrahmen von 10,3 Millionen Euro geprüft, die jedoch immer noch über dem Ziel lag.

Nach weiteren Gutachten und Kalkulationen gelang es, die Sanierungsvariante auf 7,6 Millionen Euro zu reduzieren, was innerhalb des vorgegebenen Budgets blieb. Die endgültige Kostenplanung wurde schließlich von den Gemeinderäten genehmigt, und die Sanierung konnte in der geplanten Form umgesetzt werden.

Jährliche Folgekosten

Obwohl die Sanierung unter dem Budgetrahmen blieb, wurden auch die jährlichen Folgekosten berücksichtigt. Diese betrugen in der neuen Variante 636.000 Euro jährlich. Im Vergleich zu den ursprünglichen Kalkulationen, bei denen die Folgekosten bei etwa 841.000 Euro lagen, war dies eine deutliche Reduktion. Dennoch stiegen die jährlichen Kosten um rund 84.000 Euro gegenüber dem Zustand vor der Sanierung, was Kritik hervorrief.

Wirtschaftlichkeit des Bades

Die Wirtschaftlichkeit des Minara war ein weiteres zentrales Thema. Die Kur- und Bäder GmbH stellte fest, dass die Besucherzahlen, obwohl sie den allgemeinen Erwartungen entsprachen, für eine wirtschaftliche Selbstversorgung nicht ausreichten. Markus Spettel, Geschäftsführer der Kur- und Bäder GmbH, betonte, dass es wichtig sei, dass alle, die sich für den Erhalt des Bades einsetzten, auch tatsächlich Besucher seien. Die Zahl der Besucher lag bei etwa 50.000 pro Jahr, was für die langfristige Wirtschaftlichkeit des Bades eine Herausforderung darstellt.

Kritik und Diskussionen

Skepsis bei der Sanierungsvariante

Trotz der Zustimmung der Gemeinderäte und der Einhaltung des Budgetrahmens gab es auch Kritik an der Sanierungsvariante. Die Schließung des Außenschwimmbeckens war ein kontrovers diskutierter Punkt. Thomas Pickel von L&P erklärte, dass die Sanierung des Freibads 2 Millionen Euro gekostet hätte, was den Kostenrahmen gesprengt hätte. Stattdessen wurde das Becken zugeschüttet und eine Strandlandschaft geschaffen. Dies führte zu Unmut bei Teilen der Bevölkerung, die den Erhalt des Freibades gefordert hatten.

Die Skepsis zeigte sich auch in der öffentlichen Debatte, bei der Fragen gestellt wurden, warum das Freibad nicht erhalten bleiben konnte und ob die Sanierungsvariante langfristig tragfähig sei. Zudem wurde kritisiert, dass die jährlichen Folgekosten trotz der Energieeinsparungen um rund 84.000 Euro angestiegen waren.

Kritik an der Wirtschaftlichkeit

Ein weiterer kritischer Punkt war die Wirtschaftlichkeit des Bades. Markus Spettel stellte fest, dass die Besucherzahlen, obwohl sie den allgemeinen Erwartungen entsprachen, nicht ausreichten, um das Bad wirtschaftlich zu betreiben. Dies war ein zentraler Faktor, der die Diskussionen über die Zukunft des Minara beeinflusste. Die Frage, ob das Bad langfristig finanziell tragfähig sei, blieb offen.

Kritik an der Planungsgeschichte

Die Planungsgeschichte des Minara war ebenfalls Gegenstand von Kritik. Die öffentlichen Kalkulationen der Stadtverwaltung waren mehrere Jahre alt, was zu Ungewissheiten führte. Es wurde gefordert, dass weitere Gutachten und Untersuchungen durchgeführt werden sollten, um die Transparenz und Nachvollziehbarkeit der Planung zu erhöhen.

Erfolge und Ausblick

Erfolgreiche Sanierung

Die Sanierung des Minara war letztendlich ein Erfolg. Die Kosten blieben innerhalb des Budgetrahmens, und die Arbeiten wurden termingerecht abgeschlossen. Die neue Technik, die Dämmung und die Erneuerung der Gebäudehülle trugen dazu bei, dass das Bad modern und energieeffizient wurde. Zudem konnten die Freizeit- und Spielbereiche erweitert werden, was die Attraktivität des Bades steigerte.

Die Erneuerung der Glasfassade ermöglichte eine bessere Verbindung zwischen Innen- und Außenbereich, was insbesondere im Sommer eine willkommene Erleichterung darstellt. Zudem blieben wichtige Elemente wie die große Außenrutsche und der Sprungturm erhalten, was zur Zufriedenheit von Vereinen wie dem SSC und der DLRG führte.

Zukunft des Minara

Obwohl die Sanierung erfolgreich war, bleibt die Zukunft des Minara offen. Die Wirtschaftlichkeit des Bades ist weiterhin ein zentraler Faktor, der entscheidend für die langfristige Betriebsfähigkeit ist. Die Besucherzahlen müssen sich weiterentwickeln, um das Bad wirtschaftlich tragfähig zu machen. Zudem bleibt die Frage, ob das Außenschwimmbecken in der Zukunft wieder in Betrieb genommen werden kann, wenn die Situation es zulässt.

Die Gemeinderäte und die Stadtverwaltung sind sich bewusst, dass das Minara eine wichtige soziale und kulturelle Funktion für die Bevölkerung hat. Daher wird auch zukünftig ein Fokus auf die Attraktivität und Wirtschaftlichkeit des Bades liegen. Zudem könnte eine erneute Sanierung oder Erweiterung in Betracht gezogen werden, wenn die Rahmenbedingungen dies erlauben.

Fazit

Die Sanierung des Minara in Bad Dürrheim war ein komplexes Projekt, das sowohl technische, finanzielle als auch politische Herausforderungen beinhaltete. Die Planungsgeschichte war geprägt von Diskussionen, Kritik und Bürgerbeteiligung. Letztendlich gelang es, eine Sanierungsvariante zu realisieren, die innerhalb des Budgetrahmens blieb und gleichzeitig die technischen und funktionalen Anforderungen erfüllte.

Die Sanierung brachte eine Vielzahl von Vorteilen mit sich, darunter die Erneuerung der Technik, die Erhöhung der Energieeffizienz und die Erweiterung der Freizeit- und Spielbereiche. Gleichzeitig blieben wichtige Elemente wie die Außenrutsche und der Sprungturm erhalten, was zur Zufriedenheit von Vereinen und Besuchern führte.

Trotz der Erfolge blieben jedoch auch Kritikpunkte bestehen, insbesondere in Bezug auf die Wirtschaftlichkeit des Bades und die Schließung des Außenschwimmbeckens. Die Zukunft des Minara hängt daher von weiteren Entwicklungen ab, insbesondere in Bezug auf die Besucherzahlen und die langfristige Wirtschaftlichkeit. Dennoch bleibt das Minara eine zentrale Institution für die Bevölkerung von Bad Dürrheim und ein Beispiel für eine erfolgreich umgesetzte Sanierung in der ländlichen Region.

Quellen

  1. Minara Sanierung erfolgreich abgeschlossen
  2. Bad Dürrheim – Eine Teilsanierung des Hallenfreibades Minara ist unterhalb der vom Gemeinderat beschlossenen Budget-Grenze von 8,9 Millionen Euro möglich
  3. Bad-Dürrheim Minara ja – aber nicht um jeden Preis
  4. Bad-Dürrheim Wie es mit Minara weitergehen könnte
  5. Bad Dürrheim – Minara steht vor erfolgreicher Zukunft
  6. Einstimmig: So haben die Gemeinderäte der technischen Sanierung des Minara für 7,6 Millionen Euro netto grünes Licht gegeben

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