Die Bekämpfung von MRSA (Methicillin-resistenter Staphylococcus aureus) ist ein zentraler Aspekt in der Infektionshygiene, insbesondere in medizinischen Einrichtungen, aber auch für den Alltag von Betroffenen, deren Umfeld und den Bereich der Sanierung und Hygienemaßnahmen. In der Medizin ist die Sanierung von MRSA-Trägern ein komplexer Prozess, der sich aus mehreren Phasen zusammensetzt und mit einer Vielzahl von Empfehlungen und Vorgaben verbunden ist. Die vorliegenden Dokumente bieten detaillierte Informationen zu den Phasen der Sanierung, zur Durchführung der Behandlung, zur Abrechnung der Leistungen sowie zu begleitenden Hygienemaßnahmen.
Dieser Artikel stellt die Prozesse der MRSA-Sanierung dar, basierend auf den verfügbaren Quellen, und gibt einen Überblick über die empfohlenen Maßnahmen, die bei der Sanierung von MRSA-Trägern beachtet werden sollten. Der Fokus liegt dabei auf der medizinischen Vorgehensweise, aber auch auf der notwendigen Hygiene im häuslichen Umfeld und bei der Pflege der Betroffenen.
Phasen der MRSA-Sanierung
Die Sanierung eines MRSA-positiven Patienten erfolgt nach einem strukturierten Schema, das in mehrere Phasen unterteilt ist. Diese Phasen sind notwendig, um eine erfolgreiche Eradikation des Erregers sicherzustellen und eine erneute Besiedelung zu vermeiden.
Phase A: Screening
Bevor eine Sanierung durchgeführt werden kann, muss der Kolonisationsstatus des Patienten ermittelt werden. Dazu werden Abstriche von den Hauptbesiedlungsstellen wie Nasenvorhöfe, Rachen, Achseln, Leiste, Rektum und ggf. offene Wunden entnommen. Nur wenn ein positiver MRSA-Nachweis vorliegt und keine sanierungshemmenden Faktoren bestehen (z. B. infizierte Wunden, Dialysepflicht oder laufende antibiotische Therapie), kann mit der Sanierung begonnen werden.
Phase B: Behandlung
Die eigentliche Sanierung erfolgt individuell angepasst und umfasst eine Kombination aus medikamentöser Therapie und antiseptischen Maßnahmen. Die Behandlung besteht typischerweise aus:
- Antibiotischer Nasensalbe, die in die vorderen Nasenlöcher eingebracht wird.
- Mundspülungen mit antiseptischen Lösungen.
- Desinfizierendes Shampoo, das zur Haarwäsche eingesetzt wird.
- Tablets, falls erforderlich.
Die Dauer der Behandlungsphase beträgt in der Regel drei bis fünf Tage. In dieser Zeit müssen die Betroffenen auch auf zusätzliche Maßnahmen achten, wie z. B. den Austausch persönlicher Gegenstände (z. B. Zahnbürsten, Rasierer) und die tägliche Wechsel der Wäsche.
Phase C: Pause
Nach der Behandlungsphase folgt eine Pause, um sicherzustellen, dass Rückstände antimikrobieller Substanzen nicht zu falsch negativen Abstrichergebnissen führen. Die Pause dauert zwei bis vier Tage, wobei empfohlen wird, drei Tage zu warten.
Phase D: Erfolgskontrolle
Um die Erfolgskontrolle durchzuführen, müssen drei Abstriche an drei aufeinanderfolgenden Tagen an allen vorher MRSA-positiven Lokalisationen durchgeführt werden. Diese Abstriche werden im Labor kulturell untersucht. Dabei ist es wichtig, mit dem Labor zu klären, ob ein „Pooling“ der Tupfer durchgeführt werden kann. Der Erfolg wird anhand der MRSA-Freiheit des Patienten beurteilt.
Phase E: Kontrollabstriche
Da bis zu 50 % der sanierten Patienten innerhalb eines Jahres wieder besiedelt werden können, sind Kontrollabstriche notwendig. Die Häufigkeit der Kontrollen hängt davon ab, ob der Patient stationär oder ambulant behandelt wurde:
- Stationär behandelte Patienten: Kontrollabstriche nach einem Monat, zwischen dem 3. und 6. Monat sowie nach 12 Monaten.
- Ambulant behandelte Patienten: Kontrollabstriche zwischen dem 3. und 6. Monat und, soweit möglich, nach 12 Monaten.
Phase F: Frei
Nach 12 Monaten mit negativen MRSA-Abstrichen gilt der Patient als MRSA-frei. Allerdings bleibt eine positive MRSA-Anamnese bestehen, weshalb bei einer erneuten Aufnahme in ein Krankenhaus eine erneute Screening durchgeführt werden muss. Bei Bedarf kann der Betroffene prophylaktisch isoliert werden.
Empfohlene Hygienemaßnahmen während der Sanierung
Neben der medikamentösen Sanierung sind hygienische Maßnahmen entscheidend, um eine erneute Besiedelung oder eine Ausbreitung der MRSA-Besiedelung zu vermeiden. Die folgenden Maßnahmen sind während der Sanierungsphase besonders wichtig:
- Desinfektion persönlicher Gegenstände: Zahnbürsten, Rasierer, In-Ear-Kopfhörer und andere persönliche Gegenstände müssen ausgetauscht oder intensiv desinfiziert werden.
- Tägliche Wäsche: Bekleidung, Bettwäsche und Hygieneartikel wie Handtücher und Waschlappen müssen täglich gewechselt werden.
- Verzicht auf Deoroller: Deoroller sind während der Sanierungsphase nicht zu verwenden, um die Ausbreitung von Erregern zu verhindern.
- Atemtrainingsgeräte: Diese Geräte müssen während der Sanierungsphase täglich entsorgt werden.
- Schlafapnoe-Masken: Diese müssen entsprechend den Herstellerangaben aufbereitet werden.
Zusätzlich ist eine antiseptische Ganzkörperwaschung mit unverdünnter antimikrobieller Waschlotion (z. B. Octenisan) notwendig. Bei der Behandlung von Wunden ist eine ärztliche Anordnung erforderlich. Bei der Sanierung von Wunden können zusätzliche Maßnahmen wie die Anwendung von antiseptischen Salben oder Spüllösungen notwendig sein. Es ist wichtig, dass die Wundbehandlung unter ärztlicher Aufsicht erfolgt, insbesondere wenn es um die Vermeidung von Nebenwirkungen geht.
MRSA-wirksame Antibiotikatherapie
Die Anwendung von antibiotischen Nasensalben und anderen Medikamenten ist ein zentraler Bestandteil der MRSA-Sanierung. Eine antibiotische Nasensalbe ist dabei besonders effektiv, um die Besiedelung des Nasenraums zu reduzieren. Diese Salbe wird mit einem frischen Applikator in die vorderen Nasenlöcher eingebracht und sollte mehrmals täglich angewendet werden.
Es ist wichtig, dass die Anwendung der Antibiotika und antiseptischen Präparate immer nach ärztlicher Anordnung erfolgt. Die Wirksamkeit der Therapie hängt stark von der Einhaltung der Anweisungen ab. Zudem ist zu beachten, dass eine lokale Sanierungsbehandlung unter Umständen nicht ausreicht, um Kontrollabstriche sinnvoll zu gestalten. Hier ist eine systematische medikamentöse Therapie erforderlich.
Fortbildung und organisatorische Voraussetzungen
Die Durchführung einer MRSA-Sanierung setzt voraus, dass die behandelnden Ärzte über spezielle Kenntnisse verfügen. Dazu ist eine CME-Fortbildung der KBV (Kassenärztliche Vereinigung) erforderlich, in der die Themen Diagnostik und ambulante Eradikationstherapie behandelt werden. Bei erfolgreicher Teilnahme erhalten die Ärzte drei Fortbildungspunkte. Alternativ ist eine Online-Fortbildung durch die KV Bayerns verfügbar, die auch für Nicht-Mitglieder kostenpflichtig angeboten wird.
Organisatorisch ist zudem vorgesehen, dass sich die Ärzte in MRSA-Netzwerken organisieren, die über die Grenzen der Behandlungssektoren hinaus reichen. Diese Netzwerke dienen der Koordination von Maßnahmen und der Austausch von Informationen zu aktuellen Entwicklungen in der MRSA-Bekämpfung. Die Teilnahme an MRSA-Fall- und regionalen Netzwerkkonferenzen ist ebenfalls vorgesehen, sofern diese von der KV genehmigt sind.
Abrechnung und Vergütung
Für die Durchführung der MRSA-Diagnostik und Sanierung gibt es festgelegte Gebührenordnungspositionen (GOP), die eine einheitliche Abrechnung ermöglichen. Die Abrechnung erfolgt nach dem EBM (Einheitlichen Bewertungsmaßstab) im Abschnitt 30.12. Vertragsärzte benötigen eine Genehmigung ihrer Kassenärztlichen Vereinigung (KV), um die entsprechenden Leistungen abrechnen zu können.
Einige relevante GOP-Positionen sind:
- GOP 30940: Erhebung des MRSA-Status eines Risikopatienten bis sechs Monate nach Entlassung aus einer stationären Behandlung.
- GOP 30942: Behandlung und Betreuung eines Risikopatienten, der Träger von MRSA ist.
- GOP 30944: Aufklärung und Beratung des Risikopatienten.
- GOP 30946: Diagnostik einer Kontaktperson nach erfolgloser Sanierung.
- GOP 30948: Teilnahme an MRSA-Fall- und regionalen Netzwerkkonferenzen.
- GOP 30950 und GOP 30952: Bestätigung beziehungsweise Ausschluss einer MRSA-Besiedelung durch Abstrich(e).
- GOP 30954 und GOP 30956: MRSA-Nachweis auf chromogenem Selektivnährboden und Identifikation des Erregers.
Empfehlungen für Patienten
Patienten, die eine MRSA-Sanierung durchlaufen, sollten sich intensiv über die Maßnahmen informieren, die während des Prozesses und danach zu beachten sind. Ein Merkblatt, das in den Dokumenten erwähnt wird, bietet weitere Informationen. Dieses Merkblatt kann von Ärzten ausgeteilt werden und dient der besseren Information des Patienten.
Tägliche Routine während der Sanierung
- 3-mal tägliche Anwendung der Nasensalbe nach dem Zähneputzen.
- Tägliche Mundspülung mit antiseptischen Lösungen.
- Ganzkörperwaschung mit antimikrobieller Waschlotion (z. B. Octenisan), mindestens einmal täglich.
- Täglicher Wechsel der Wäsche, einschließlich Handtüchern und anderen Hygieneartikeln.
- Austausch persönlicher Gegenstände, wie Zahnbürsten, Rasierer, etc.
Die Sanierung ist in der Regel eine mehrwöchige Maßnahme, die von den Betroffenen mit Engagement und Disziplin durchgeführt werden muss. Jede Abweichung von der empfohlenen Routine kann die Wirksamkeit der Sanierung beeinträchtigen.
Mögliche Nebenwirkungen der Anwendung
Die Anwendung der antiseptischen und antibiotischen Präparate kann in seltenen Fällen Nebenwirkungen hervorrufen. Dazu zählen:
- Brennen, Rötung oder Juckreiz an der Anwendungsstelle.
- Kontaktallergische Reaktionen, z. B. vorübergehende Rötung.
- Geschmacksstörungen bei der Anwendung in der Mundhöhle.
- Bei der Spülung tiefer Wunden mittels Spritze wurden seltene Berichte über persistierende Ödeme, Erythemen und Gewebsnekrosen gemeldet, die eine chirurgische Revision erforderten.
Daher ist es wichtig, dass die Anwendung der Präparate stets nach ärztlicher Anweisung erfolgt und alle Vorsichtsmaßnahmen beachtet werden. Eine übermäßige Anwendung oder eine falsche Applikation kann schwerwiegende Folgen haben.
Fazit
Die Sanierung von MRSA-Trägern ist ein strukturierter Prozess, der aus mehreren Phasen besteht und sowohl medizinische als auch hygienische Maßnahmen umfasst. Eine erfolgreiche Sanierung erfordert die Einhaltung der empfohlenen Behandlungspläne, die Durchführung von Abstrichkontrollen und die Beachtung der Hygienemaßnahmen. Zudem ist es wichtig, dass die Betroffenen über die Risiken, Nebenwirkungen und Pflichten informiert werden. Nur durch eine engmaschige Zusammenarbeit zwischen Ärzten, Patienten und Pflegepersonal kann eine nachhaltige MRSA-Bekämpfung erreicht werden.