Einführung
Methicillin-resistente Staphylococcus aureus (MRSA) gelten als besondere Herausforderung in der medizinischen Versorgung, insbesondere bei der Behandlung von Wunden. Diese Bakterien sind aufgrund ihrer Resistenz gegenüber vielen Antibiotika schwer zu bekämpfen und können zu langwierigen Heilungsprozessen führen. Im Rahmen der Sanierung von MRSA-infizierten Wunden ist eine sorgfältige Vorgehensweise entscheidend, um die Heilung zu fördern und eine erneute Besiedelung zu vermeiden. Der Prozess der MRSA-Sanierung umfasst mehrere Schritte, beginnend mit der Diagnose, gefolgt von der eigentlichen Behandlung, und endend in der Erfolgskontrolle.
Die im vorliegenden Material dargestellten Empfehlungen basieren auf etablierten Hygienekonzepten, wissenschaftlichen Empfehlungen der Kommissionen für Infektionskrankheiten und Hygiene sowie auf Erfahrungen aus der klinischen Praxis. Die Anwendung dieser Maßnahmen ist sowohl in stationären als auch in ambulanten Settings von Bedeutung. In diesem Artikel werden die zentralen Aspekte der MRSA-Sanierung bei Wunden detailliert beschrieben, einschließlich der vier Schritte der Wundhygiene, der vier Säulen der MRSA-Behandlung sowie der notwendigen Hygienemaßnahmen und Kontrollabstriche.
Was ist MRSA und warum ist es besonders problematisch?
Methicillin-resistenter Staphylococcus aureus (MRSA) ist eine Variante des Staphylococcus aureus, der aufgrund von Genmutationen gegen mehrere Antibiotika, darunter Methicillin, resistent ist. Staphylococcus aureus ist ein weit verbreiteter Bakterientyp, der auf der Haut oder in den Schleimhäuten vieler Menschen vorkommt, ohne gesundheitliche Probleme zu verursachen. In bestimmten Umständen – insbesondere bei geschwächtem Immunsystem oder bei offenen Wunden – kann Staphylococcus aureus jedoch zu Infektionen führen. MRSA ist besonders problematisch, da die Resistenz gegen gängige Antibiotika eine effektive Behandlung erschwert.
MRSA-Bakterien können sich auf verschiedene Weise ausbreiten. Eine wichtige Übertragungsroute ist die direkte Ansteckung durch Hände, insbesondere im Pflegekontext. Wiederverwendung von Handtüchern oder anderen Hygieneprodukten kann ebenfalls zu einer Übertragung führen. MRSA-Infektionen sind besonders in Krankenhäusern verbreitet, wo oft viele Patienten mit eingeschränkter körperlicher Abwehr leiden. In diesem Umfeld können sich die Bakterien rasch zwischen Patienten und Personal verbreiten, weshalb spezielle Hygienemaßnahmen unerlässlich sind.
Diagnose von MRSA-Infektionen
Die Diagnose einer MRSA-Infektion erfolgt in der Regel durch Abstriche. Bei Verdacht auf MRSA-Besiedlung oder -Infektion werden Abstriche aus relevanten Körperregionen wie Nasenvorhöfen, Rachen, Achseln, Leisten oder Wunden genommen. Diese Abstriche ermöglichen es, MRSA-Bakterien nachzuweisen. Die Diagnose ist wichtig, da sie die Grundlage für die anschließende Sanierung bildet.
MRSA-Infektionen können sich auf verschiedene Weise äußern. Typische Symptome sind beispielsweise eine belegte oder stark geschwollene Wunde, die sich nur schlecht schließt. Oft heilen solche Wunden sehr langsam, und in einigen Fällen kommt es zu einer chronischen Wundinfektion. Nach einem Krankenhausaufenthalt können auch Hautausschläge ein frühes Symptom sein. Da diese Symptome jedoch nicht immer spezifisch sind, ist ein bakteriologischer Abstrich notwendig, um MRSA mit Sicherheit nachzuweisen.
Vier Schritte der Wundhygiene bei MRSA-Infizierten Wunden
Die Wundhygiene spielt eine zentrale Rolle bei der Sanierung von MRSA-infizierten Wunden. Sie umfasst vier grundlegende Schritte, die darauf abzielen, die Wunde optimal zu reinigen und zu schützen. Diese vier Schritte können sowohl in stationären als auch in ambulanten Settings angewandt werden.
1. Spülung und Reinigung
Der erste Schritt besteht darin, das Wundbett gründlich von abgestorbenem Gewebe, Zelltrümmern, Belägen und Biofilm zu befreien. Biofilm ist eine Schicht aus Bakterien, die sich auf der Wundoberfläche bildet und die Heilung behindert. Eine sorgfältige Reinigung ist entscheidend, um die Wundfläche für die Heilung zu öffnen. Dazu werden Wundspüllösungen oder Antiseptika verwendet. Besonders effektiv sind antimikrobielle oder tensidhaltige Wundspüllösungen, da sie nicht nur die Wunde reinigen, sondern auch die Bildung neuer Biofilme verhindern.
2. Débridement
Der zweite Schritt ist das Débridement, bei dem nekrotisches Gewebe, Beläge, Zelltrümmern und Biofilm aus der Wunde entfernt werden. Ziel ist es, die Wunde von Materialien zu befreien, die die Heilung behindern können. Ein besonderes Verfahren ist das biochirurgische Débridement, bei dem Insektenlarven der Gattung Lucilia sericata verwendet werden. Diese Larven sezernieren Enzyme, die nekrotisches Gewebe verflüssigen, wodurch das Wundbett gereinigt wird. Dieses Verfahren ist auch bei MRSA-infizierten Wunden anwendbar, da die Larven MRSA-Bakterien nicht ausbreiten und die Wundhygiene nicht beeinträchtigen.
3. Wundrandbehandlung
Der dritte Schritt befasst sich mit der Behandlung des Wundrandes. Ziel ist es, nekrotisches, verkrustetes oder überhängendes Gewebe zu entfernen, um den Wundrand mit dem Wundgrund abzugleichen. Dies ist wichtig, da verbleibendes nekrotisches Gewebe einen Nährboden für Bakterien darstellt und die Wundheilung behindern kann. Zudem kann sich Biofilm an solchen Stellen ansetzen. Eine sorgfältige Wundrandbehandlung hilft, das Wachstum neuen Epithels zu fördern und die Wunde schneller zusammenlaufen zu lassen.
4. Anlegen des Wundverbands
Im vierten und letzten Schritt wird ein Wundverband angelegt. Der Verband sollte antimikrobielle Eigenschaften besitzen und dem Biofilm entgegenwirken. Ein guter Wundverband muss in der Lage sein, Wundexsudat aufzunehmen und zu halten, um die Wunde trocken und sauber zu halten. Antimikrobielle Wundauflagen, die zusätzlich gegen Biofilme wirksam sind, wie beispielsweise AQUACEL Ag+ Extra mit der MEHR ALS SILBER™ Technologie, können dabei helfen, verbliebenen Biofilm in der Wunde zu bekämpfen und seine Neubildung zu verhindern.
Vier Säulen der MRSA-Behandlung
Die MRSA-Behandlung ist ein umfassender Prozess, der auf vier zentralen Säulen beruht. Diese Säulen bilden die Grundlage für die Sanierung von MRSA-infizierten Wunden und sollen sicherstellen, dass der Erreger vollständig abgetötet wird und sich nicht erneut in der Wunde ansiedelt.
1. Gabe von Reserve-Antibiotika
Die erste Säule der MRSA-Behandlung ist die Gabe von Reserve-Antibiotika. Da MRSA-Bakterien gegen viele gängige Antibiotika resistent sind, ist es wichtig, Antibiotika zu wählen, die noch wirksam sind. Die Auswahl der Antibiotika erfolgt auf der Grundlage des Antibiogramms, das die Empfindlichkeit der Bakterien gegenüber verschiedenen Antibiotika aufzeigt. In der Regel wird Mupirocin als Nasensalbe angewandt, da es sich gezielt auf die Nasenschleimhaut konzentrieren lässt, wo sich MRSA-Bakterien oft ansetzen. In Fällen von Resistenzen oder Unverträglichkeiten kann alternativ Octenidin verwendet werden.
2. Anwendung von Salben und Mundspülungen
Die zweite Säule umfasst die Anwendung von Salben und Mundspülungen im Nasen-Rachen-Raum sowie die Verwendung von speziellen Waschlotionen an der Haut. Dazu wird die Nasensalbe dreimal täglich in die Nasenvorhöfe aufgetragen. Gleichzeitig wird dreimal täglich nach dem Zähneputzen mit einem Schleimhaut-Antiseptikum gegurgelt. Zudem wird der Körper mit einer antiseptischen Waschlösung gewaschen. Diese Maßnahmen sollen sicherstellen, dass MRSA-Bakterien aus den Hauptbesiedlungsstellen wie Nasen-Rachen-Raum, Haut und Wunden entfernt werden.
3. Isolierung der Patient:innen
Die dritte Säule ist die Isolierung der Patient:innen mit MRSA, bis der Erreger nicht mehr nachweisbar ist. Dies ist insbesondere in stationären Einrichtungen wie Krankenhäusern wichtig, da MRSA-Bakterien sich leicht zwischen Patienten und Personal verbreiten können. Die Isolierung erfolgt durch Maßnahmen wie das Tragen von Nasen- und Mundschutz, ggf. Schutzkleidung und eine gründliche Händedesinfektion. Zudem ist eine strikte Umgebungshygiene erforderlich, die neben der Flächendesinfektion auch andere Maßnahmen umfasst. So sollten beispielsweise Verbandwagen nicht in das Patientenzimmer gebracht werden, sondern nur das Verbandmaterial, das benötigt wird. Abfälle wie alte Verbände sollten in reißfesten, feuchtigkeitsbeständigen und dichten Behältern gesammelt werden.
4. Hygienemaßnahmen
Die vierte Säule der MRSA-Behandlung umfasst die allgemeinen Hygienemaßnahmen, die sowohl für das Pflegepersonal als auch für Besucher wichtig sind. Dazu gehören die gründliche Händedesinfektion, das Tragen von Schutzkleidung und die Desinfektion persönlicher Gegenstände. Wichtig ist auch die tägliche Wechselung von Bettwäsche, Handtüchern und anderen Utensilien. Zudem ist es erforderlich, persönliche Gegenstände wie Zahnbürsten, Rasierer oder In-Ear-Kopfhörer zu desinfizieren oder auszutauschen. Bei Atemtrainingsgeräten oder Schlafapnoe-Masken ist eine tägliche Aufbereitung nach Herstellerangaben unerlässlich.
Phasen der MRSA-Sanierung
Die MRSA-Sanierung erfolgt in mehreren Phasen, die sich an der individuellen Situation des Patienten orientieren. Diese Phasen sind in der Regel wie folgt strukturiert:
Phase A: Screening
In der ersten Phase erfolgt ein Screening, um den Kolonisationsstatus der Patientin oder des Patienten zu ermitteln. Dazu werden Abstriche von relevanten Körperregionen wie Nasenvorhöfen, Rachen, Achseln, Leisten oder Rektum genommen. Ziel ist es, festzustellen, ob MRSA-Bakterien in diesen Regionen nachweisbar sind. Wenn keine Sanierungsverbotssituationen vorliegen, kann die Sanierung begonnen werden.
Phase B: Behandlung
In der zweiten Phase erfolgt die eigentliche Behandlung. Dazu werden die vier Säulen der MRSA-Behandlung angewandt. Die Dauer der Behandlungsphase liegt in der Regel zwischen drei und fünf Tagen. Die Behandlung ist individuell angepasst und hängt von der Grunderkrankung des Patienten ab.
Phase C: Pause
Nach der Behandlung folgt eine Pause, die notwendig ist, um sicherzustellen, dass Rückstände antimikrobieller Substanzen keine fälschlicherweise negativen Abstrichergebnisse ergeben. Die Dauer dieser Pause beträgt in der Regel zwei bis vier Tage.
Phase D: Erfolgskontrolle
In der dritten Phase wird die Erfolgskontrolle durchgeführt. Dazu müssen im Krankenhaus drei Abstriche an drei aufeinanderfolgenden Tagen an allen vorher MRSA-positiven Lokalisationen erfolgen. In der Arztpraxis reicht zunächst eine Abstrichkontrolle aus. Ziel ist es, zu überprüfen, ob die Patientin oder der Patient MRSA-frei ist.
Phase E: Kontrollabstriche
Da bekannt ist, dass sich bis zu 50 Prozent der Sanierten innerhalb eines Jahres wiederbesiedeln, sind Kontrollabstriche notwendig. Die Abstrichhäufigkeit variiert, je nachdem, ob die Patientin oder der Patient stationär oder ambulant behandelt wird. Im Krankenhaus werden nach einem Monat, zwischen dem 3. und 6. Tag Kontrollabstriche durchgeführt.
Fazit
Die Sanierung von MRSA-infizierten Wunden ist ein komplexer Prozess, der sowohl die Reinigung der Wunde als auch umfassende Hygienemaßnahmen und die Anwendung von Antibiotika erfordert. Die vier Schritte der Wundhygiene und die vier Säulen der MRSA-Behandlung bilden die Grundlage für eine erfolgreiche Sanierung. Zudem sind Kontrollabstriche und eine nachhaltige Umgebungshygiene unerlässlich, um eine erneute Besiedelung mit MRSA-Bakterien zu verhindern.
Durch die Einhaltung dieser Maßnahmen lässt sich die Heilung von MRSA-infizierten Wunden deutlich fördern. Besonders wichtig ist es, die Hygienemaßnahmen sowohl im Pflegekontext als auch im häuslichen Umfeld konsequent umzusetzen. Nur so lässt sich die Verbreitung von MRSA-Bakterien minimieren und die Gesundheit der Betroffenen langfristig sichern.