MRSA-Sanierung vor Operationen: Wichtige Vorsorge für Patienten und Kliniken

Vor einer Operation steht die Gesundheit des Patienten im Vordergrund. Neben der medizinischen Vorbereitung spielt auch die Infektionsprävention eine entscheidende Rolle. Eines der größten Risiken, mit dem sich Patienten und Kliniken konfrontiert sehen, ist die Verbreitung von MRSA (Methicillin-resistenter Staphylococcus aureus). Um die Gefahr von Wundinfektionen nach einer Operation zu minimieren, empfehlen Hygieniker und Experten ein präoperatives MRSA-Screening und gegebenenfalls eine Sanierung. In diesem Artikel wird die MRSA-Sanierung vor Operationen detailliert erläutert – von der Notwendigkeit bis hin zu Kosten, Vorgehensweise und praktischen Empfehlungen. Die Informationen basieren auf den Angaben der Kassenärztlichen Vereinigungen (KV), der Deutschen Gesellschaft für Krankenhaushygiene (DGGKH) und weiteren autoritativen Quellen.


Die Notwendigkeit der MRSA-Sanierung vor Operationen

MRSA ist ein multiresistenter Erreger, der sich auf der Haut oder in den Schleimhäuten ansiedeln kann, ohne die betroffene Person unbedingt krank zu machen. Problematisch wird es jedoch, wenn dieser Erreger während einer Operation in den Körper gelangt, beispielsweise durch Wunden oder invasive Verfahren. Die Folgen können schwerwiegend bis lebensbedrohlich sein.

Hygieneexperte Dr. Georg-Christian Zinn betont, dass ein präoperatives MRSA-Screening vor allen größeren elektiven Operationen sinnvoll ist – insbesondere bei kardiochirurgischen, orthopädischen oder onkologischen Eingriffen. Aus amerikanischen Studien ist bekannt, dass bei MRSA-kolonisierten Patienten nach einer größeren Operation durchschnittlich jeder fünfte Patient an der daraus resultierenden Wundinfektion stirbt. Zudem ist die Prävalenz von MRSA weltweit gestiegen, und mehr als 80 Prozent der MRSA-Keime in Kliniken stammen laut einer Befragung des Klinikkonzerns Asklepios von den Patienten selbst.

Ein präoperatives Screening kann also lebensrettend sein. Es ermöglicht es, Patienten, die MRSA tragen, vorab zu identifizieren und gegebenenfalls zu saniieren, um das Infektionsrisiko zu minimieren. Allerdings ist diese Vorsorge nicht flächendeckend etabliert. Sie hängt stark davon ab, ob Kliniken oder niedergelassene Ärzte sie anbieten und finanzieren können.


Die Vorgehensweise bei einer MRSA-Sanierung

Die MRSA-Sanierung ist ein strukturiertes Vorgehen, das aus mehreren Phasen besteht. Der Prozess wird üblicherweise wie folgt gestaltet:

Phase A: Screening

Ein erster Schritt besteht darin, den MRSA-Status des Patienten zu ermitteln. Dies erfolgt durch Abstriche an typischen Besiedlungsstellen wie Nasenvorhöfen, Rachen, Achseln, Leiste oder Rektum. Ein Screening-Test kostet zwischen sieben und zehn Euro.

Wenn keine MRSA-Besiedelung vorliegt, ist keine weitergehende Maßnahme notwendig. Liegt jedoch eine Kolonisierung vor, folgt eine Eradikationstherapie, sofern keine sogenannten Sanierungshemmenden Faktoren vorliegen (z. B. aktive Wunden, Dialysepflicht oder andauernde antibiotische Therapie).


Phase B: Sanierung

Die Sanierung erfolgt über einen Zeitraum von fünf aufeinanderfolgenden Tagen und umfasst folgende Maßnahmen:

  • Antiseptische Nasensalbe: Anwendung dreimal täglich
  • Antiseptische Mund- und Rachenspülung: Zwei- bis dreimal täglich
  • Körper- und Haarwaschung: Mit antiseptischer Seife
  • Täglicher Wechsel von Textilien: Dazu gehören Bettwäsche, Handtücher, Waschlappen, Zahnbürsten, Kämme und Bürsten

Die Deutsche Gesellschaft für Krankenhaushygiene empfiehlt hierbei Polyhexanid-haltige Produkte wie das Prontoderm MRE Hygieneset. Dieses Set ist das einzige zugelassene Medizinprodukt (CE-zertifiziert) zur MRSA-Ganzkörper-Sanierung. Es ist in Apotheken erhältlich und direkt vom Hersteller, der Firma B. Braun Melsungen AG, bestellbar.

Die Kosten für das Sanierungs-Kit liegen bei etwa 50 Euro. In diesem Set enthalten sind alle notwendigen Utensilien für die Dekolonisation. Die Erfahrung zeigt jedoch, dass eine Sanierung relativ selten erforderlich ist, was unterstreicht die Wichtigkeit von Präventivmaßnahmen.


Phase C: Pause

Nach Abschluss der Sanierung folgt eine sogenannte „Pause-Phase“. Diese ist erforderlich, damit Rückstände antimikrobieller Substanzen keine fälschlicherweise negativen Abstrichergebnisse verursachen. Die Dauer dieser Pause beträgt etwa zwei bis vier Tage, gemäß den Empfehlungen des Robert Koch-Instituts (RKI) drei Tage.


Phase D: Erfolgskontrolle

Nach Ablauf der Pause-Phase erfolgt eine Erfolgskontrolle. Im Krankenhaus müssen drei Abstriche an drei aufeinanderfolgenden Tagen an allen vorher MRSA-positiven Lokalisationen durchgeführt werden. Bei der Arztpraxis reicht in der Regel eine einzige Abstrichkontrolle aus. Wichtig ist, dass der Patient MRSA-frei ist. Bei negativem Befund gilt die Sanierung als erfolgreich.


Phase E: Kontrollabstriche

Da bis zu 50 Prozent der sanierten Patienten sich innerhalb eines Jahres wiederbesiedeln können, sind Kontrollabstriche notwendig. Die Häufigkeit dieser Kontrollen hängt davon ab, ob die Behandlung stationär oder ambulant erfolgt hat.

  • Bei stationärer Behandlung: Kontrollabstriche nach einem Monat, zwischen dem 3. und 6. sowie nach 12 Monaten.
  • Bei ambulanter Behandlung: Kontrollabstriche zwischen dem 3. und 6. Monat und, sofern möglich, nach 12 Monaten.

Phase F: Frei

Nach 12 Monaten und negativen MRSA-Abstrichen gilt der Patient als MRSA-frei. Allerdings ist er weiterhin als positiv nachgewiesener MRSA-Besiedler in seiner Anamnese vermerkt und muss bei einem erneuten Krankenhausaufenthalt erneut getestet werden.


Finanzierung und Abrechnung der MRSA-Sanierung

Die Finanzierung der MRSA-Sanierung ist ein entscheidender Faktor, der bislang die flächendeckende Einführung behindert. Die Kassenärztlichen Vereinigungen (KV) und Krankenkassen übernehmen in der Regel keine Kosten für das Screening oder die Sanierung. Das bedeutet, dass die Kosten entweder von den Kliniken getragen werden müssen oder die Patienten sie selbst tragen.

Als IGeL-Leistung (individuelle Gesundheitsleistung) kann das MRSA-Screening auch vom Patienten selbst aus eigener Tasche finanziert werden. Der Preis dafür liegt bei etwa 30 Euro für den Screening-Test plus 50 Euro für das Sanierungs-Kit. In einigen Kliniken wird diese Vorsorge bereits angeboten, da sie als Qualitätsmaßnahme gilt.

Ärztinnen und Ärzte, die MRSA-Screening und Sanierung durchführen, können die Leistungen nach bestimmten Gebührenordnungspositionen (GOP) abrechnen. Dazu zählen beispielsweise:

  • GOP 30940: Erhebung des MRSA-Status eines Risikopatienten
  • GOP 30944: Aufklärung und Beratung des Patienten
  • GOP 30950/30952: Bestätigung oder Ausschluss einer MRSA-Besiedelung
  • GOP 30954/30956: Gezielter MRSA-Nachweis und Identifikation der Erreger

Für die Abrechnung der Laborleistungen ist eine Genehmigung der KV erforderlich. Zudem muss den Patienten ein Merkblatt zu MRSA ausgeteilt werden. Weitere Informationen und Materialien für Ärzte bietet das MRE-Netzwerke NRW an.


Die Rolle der Kliniken und Ärzte

Kliniken, die ein präoperatives MRSA-Screening anbieten, tragen damit einen wertvollen Beitrag zur Infektionsprävention und Patientensicherheit. Allerdings ist dies oft mit zusätzlichen Kosten verbunden. Viele Kliniken entscheiden sich daher, diese Vorsorge selbst zu übernehmen, da sie als Qualitätsstandard angesehen wird.

Ein weiterer Aspekt ist die Organisation in sektorenübergreifenden MRSA-Netzwerken, wie von der Kassenärztlichen Vereinigung (KBV) empfohlen. In diesen Netzwerken können Ärzte, Pflegekräfte und der öffentliche Gesundheitsdienst eng zusammenarbeiten, um Infektionsrisiken zu minimieren. Zudem gibt es Vorgaben für MRSA-Fallkonferenzen und regionale Netzwerkkonferenzen, in denen aktuelle Entwicklungen und Maßnahmen zur MRSA-Prävention besprochen werden.


Was Patienten selbst tun können

Patienten, die sich einer größeren Operation unterziehen, können aktiv zur MRSA-Prävention beitragen. Sie sollten sich über die MRSA-Sanierung informieren und prüfen, ob das geplante Krankenhaus oder der behandelnde Arzt ein Screening anbietet. Falls nicht, ist es sinnvoll, nachzufragen oder sich selbst um ein Screening und gegebenenfalls eine Sanierung zu kümmern.

Ein MRSA-Abstrich vor einer Operation ist ein sinnvoller Schritt, um das Infektionsrisiko zu reduzieren. Zudem kann die Sanierung, wenn erforderlich, durchgeführt werden, um die eigene Sicherheit zu erhöhen.


Fazit

MRSA-Sanierungen vor Operationen sind ein entscheidender Bestandteil der Infektionsprävention. Sie ermöglichen es, Patienten mit MRSA-Kolonisation zu identifizieren und gegebenenfalls zu saniieren, um das Risiko schwerwiegender Wundinfektionen zu minimieren. Die Vorgehensweise ist klar strukturiert und umfasst mehrere Phasen – von der Abstrichprüfung bis hin zur Kontrollphase. Allerdings hängt die flächendeckende Einführung stark von der Finanzierung ab. Kliniken, die diese Vorsorge übernehmen, tragen damit einen wertvollen Beitrag zur Patientensicherheit. Patienten können durch eigenes Handeln ebenfalls dazu beitragen, indem sie sich über MRSA-Besiedlung informieren und gegebenenfalls ein Screening und eine Sanierung durchführen lassen.


Quellen

  1. Bibliomed Pflege: Vor einer OP sollte jeder getestet werden
  2. Kassenärztliche Vereinigung (KBV): MRSA-Prophylaxe
  3. Bundesverband der Orthopäden und Unfallchirurgen (BVU): MRSA-Prophylaxe vor dem Krankenhausaufenthalt

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