Einleitung
Das Museum für Hamburgische Geschichte (MHG), eines der größten stadthistorischen Museen in Deutschland, befindet sich aktuell in einer umfassenden Sanierungs- und Modernisierungsphase. Mit Beginn der Arbeiten im Jahr 2024 und einer geplanten Fertigstellung im Jahr 2028 wird das Gebäude am Holstenwall grundlegend revitalisiert, um sich den Anforderungen der Zukunft zu stellen. Die Sanierung umfasst nicht nur bauliche Maßnahmen, sondern auch die Neukonzeption der ständigen Ausstellung, die Schaffung barrierefreier Zugänge, den Ausbau der Energieeffizienz und die Integration moderner Technologien.
Diese umfassende Modernisierung ist ein Projekt mit langfristiger Ausrichtung. Sie wird in Millionenhöhe finanziert und von renommierten Architekten, Planern und Projektentwicklern umgesetzt. Für Experten aus den Bereichen Immobilien, Sanierung und Bauwirtschaft bietet das MHG-Modell nicht nur einen inspirierenden Anblick, sondern auch wertvolle Einblicke in die Planung, Durchführung und Finanzierung großer kultureller Bauvorhaben.
Die Hintergrundgeschichte des Museums
Das Museum für Hamburgische Geschichte wurde im Jahr 1908 gegründet und im Jahr 1922 nach Plänen des Architekten Fritz Schumacher eröffnet. Es verfügt über ein denkmalgeschütztes Gebäude und eine Sammlung von über 500.000 Objekten, die die Geschichte der Hansestadt von der Gründung bis in die Gegenwart dokumentieren.
Das MHG zählt zu den bedeutendsten stadthistorischen Einrichtungen in Deutschland. Es ist nicht nur ein kultureller Leuchtturm für Hamburg, sondern auch ein wichtiges Forschungs- und Bildungszentrum. Nach über hundert Jahren Betrieb ist das Gebäude jedoch auf eine grundlegende Sanierung angewiesen, um den heutigen Anforderungen an Energieeffizienz, Barrierefreiheit und moderne museale Konzepte gerecht zu werden.
Die Planung der Modernisierung
Zielsetzung und Übergeordnete Prinzipien
Die Sanierung des Museums für Hamburgische Geschichte ist ein Projekt, das nicht nur bauliche Verbesserungen vornimmt, sondern auch grundlegende Konzepte der Museumsarbeit verändert. Die übergeordneten Ziele sind klar formuliert: Barrierefreiheit, Inklusion, Zugänglichkeit, Verständlichkeit, Denkmalschutz, Energieeffizienz, Nachhaltigkeit, Digitalität, Diversität und Partizipation. Diese Aspekte müssen miteinander in Einklang gebracht und in den Museumsalltag integriert werden, um die Zukunftsfähigkeit des Hauses sicherzustellen.
Finanzierung und Förderung
Die Modernisierungsmaßnahmen werden insgesamt mit rund 101 Millionen Euro gefördert. Davon stammen 83 Millionen Euro von der Freien und Hansestadt Hamburg und 18 Millionen Euro von der Beauftragten der Bundesregierung für Kultur und Medien. Weitere Mittel werden über Stiftungen und Sponsoren eingeworben, um besondere Projekte zu unterstützen, die nicht direkt Teil der Sanierungsmaßnahmen sind.
Die Förderung erfolgt aufgrund eines Beschlusses des Deutschen Bundestages, was die nationale Bedeutung des Projekts unterstreicht. Die Finanzierung ist ein entscheidender Faktor für die Umsetzung der umfassenden Sanierungsplanung.
Realisierung und Projektmanagement
Die Baumaßnahme wird von der Sprinkenhof GmbH als Realisierungsträgerin verantwortet. Im Mieter-Vermieter-Modell, gemäß der Drucksache OPTIMA, übernimmt das Unternehmen die Projektmanagementleistungen des Gesamtbauprojektes. Architekt und Objektplaner für die Modernisierung ist das Büro Hoskins Architects aus Berlin und Glasgow.
Die Neugestaltung der ständigen Ausstellung liegt in der Verantwortung der Stiftung Historische Museen Hamburg (SHMH). Das Gestaltungsbüro jangled nerves aus Stuttgart wurde beauftragt, die Neukonzeption und Umsetzung der ständigen Ausstellung zu planen und durchzuführen.
Bauliche Modernisierungsmaßnahmen
Eingangs- und Empfangsbereich
Ein zentrales Element der Sanierung ist der neu gestaltete Eingangs- und Empfangsbereich auf der Ostseite des Museums. Der Zugang wird barrierefrei gestaltet, was bedeutet, dass das Museum für alle Besucher – einschließlich Menschen mit eingeschränkter Mobilität – zugänglich wird. Der Empfangsbereich wird modernisiert und als zentrales Willkommenszentrum dienen, das auch die Vermittlungsarbeit, den Shop und die Gastronomie integriert.
Öffnung zum Park Planten un Blomen
Ein weiteres Highlight der baulichen Modernisierung ist die Öffnung des Museums zur angrenzenden Parkanlage Planten un Blomen. Auf der Westseite des Gebäudes wird eine neue Gastronomie mit einer erweiterten Terrasse eingerichtet, die den direkten Bezug zum Park herstellt. Diese Maßnahme wird nicht nur die Aufenthaltsqualität erhöhen, sondern auch den städtischen Raum besser integrieren.
Barrierefreie Erreichbarkeit und Liftanlagen
Im Inneren des Museums wird ein neuer Fahrstuhl installiert, der die oberen Geschosse barrierefrei erschließt. Zudem wird ein neues, ebenfalls barrierefreies Leit- und Orientierungssystem eingeführt, das Besucherinnen und Besucher durch das Museum und die Geschichte Hamburgs führt. Diese Maßnahmen sind von großer Bedeutung, um das Museum für alle zugänglich zu machen und damit die Inklusionsziele zu erreichen.
Technische Infrastruktur und Brandschutz
Die Sanierungsarbeiten umfassen auch die Verbesserung der technischen Infrastruktur. Der Brandschutz wird umfassend modernisiert, um den aktuellen Sicherheitsanforderungen zu entsprechen. Zudem wird die Energieeffizienz des Gebäudes verbessert, was einen wichtigen Beitrag zum Klimaschutz leistet.
Sonderausstellungsräume und Vermittlungsflächen
Im Erdgeschoss sind erweiterte und klimatisch optimierte Sonderausstellungsräume geplant. Diese Räume ermöglichen zukünftig Sonderausstellungen in größerem Umfang und mit technisch innovativen Ausstattungen. Zudem sind Workshop-Räume für Schulklassen und andere Gruppen vorgesehen, die die Vermittlungsarbeit des Museums stärken.
Die Neukonzeption der ständigen Ausstellung
Konzeptionelle Grundlagen
Die ständige Ausstellung wird nach den Plänen des Gestaltungsbüros jangled nerves aus Stuttgart neu konzipiert. Ziel ist es, das Museum als „Dialogplattform einer diversen Stadtgesellschaft“ zu präsentieren. Die Dauerausstellung soll als Kommunikationsort fungieren, der nicht nur die Geschichte Hamburgs erzählt, sondern auch Bezüge zur Gegenwart herstellt.
Themeninseln und historische Bezüge
Im ersten Stock wird ein chronologisch-thematischer Rundgang eingerichtet, der von der Gründung der Stadt im Mittelalter bis in die jüngere Vergangenheit reicht. Die Chronologie wird durch Themeninseln unterbrochen, die historische Ereignisse mit Gegenwartsfragen verknüpfen. So werden Orte wie der Hamburger Dom, das Rathaus, der Hafen oder der Fernsehturm thematisch verknüpft, um einen multidimensionalen Zugang zur Geschichte zu ermöglichen.
Interaktivität und digitale Angebote
Die Neugestaltung der Ausstellung wird auch digitale Angebote integrieren. Ziel ist es, die Ausstellung durch interaktive Elemente und digitale Medien zu bereichern. Dies ist ein Schritt in Richtung moderner Vermittlungsformen und ermöglicht eine breitere Zielgruppe, sich mit der Geschichte Hamburgs auseinanderzusetzen.
Die Rolle der Stiftung Historische Museen Hamburg
Die Stiftung Historische Museen Hamburg (SHMH) ist für die inhaltliche und bauliche Modernisierung des Museums verantwortlich. Sie koordiniert die Zusammenarbeit mit den verschiedenen Partnern und stellt sicher, dass die Sanierung sowohl architektonisch als auch museal erfolgreich umgesetzt wird. Die SHMH ist zudem für die Neukonzeption der ständigen Ausstellung verantwortlich und kooperiert eng mit dem Gestaltungsbüro jangled nerves.
Kulturpolitische Bedeutung und Zukunftsperspektiven
Kulturpolitische Verantwortung
Carsten Brosda, Senator für Kultur und Medien der Freien und Hansestadt Hamburg, betont die kulturpolitische Bedeutung des Projekts. Er sieht das Museum für Hamburgische Geschichte als einen wichtigen Ort für Kultur- und Wissensvermittlung in der Stadt. Die umfassende Modernisierung ermöglicht es, die Dauerausstellung zu erneuern und das Gebäude insgesamt baulich zu öffnen. Die verbesserte Aufenthaltsqualität wird laut Brosda dazu beitragen, dass Besucherinnen und Besucher sich intensiver mit der Sammlung und der Geschichte Hamburgs auseinandersetzen.
Langfristige Visionen
Die Modernisierung des Museums für Hamburgische Geschichte ist nicht nur ein baulicher Umbau, sondern auch eine kulturelle Neuausrichtung. Prof. Bettina Probst, Direktorin des Museums, betont, dass es sich um ein Projekt handelt, das sowohl eine Herausforderung als auch ein Privileg sei. Die Möglichkeit, sich nach hundertjährigem Bestehen neu zu erfinden, ermöglicht es dem Museum, sich mit historischen wie aktuellen Themen der Gegenwart auseinanderzusetzen und neue Vermittlungsansätze zu entwickeln.
Fazit
Die Sanierung und Modernisierung des Museums für Hamburgische Geschichte ist ein herausragendes Beispiel für die Integration von historischem Denkmalschutz, moderner Technologie und kultureller Vermittlung. Mit einem Investitionsvolumen von über 100 Millionen Euro und der Zusammenarbeit renommierter Architekten, Planer und Projektentwickler wird das MHG in die Lage versetzt, sich den Herausforderungen der Zukunft zu stellen.
Die Modernisierung umfasst sowohl bauliche als auch konzeptionelle Veränderungen, die das Museum in seiner Funktion als kultureller Leuchtturm stärken. Die Schaffung barrierefreier Zugänge, die Verbesserung der Energieeffizienz, die Integration digitaler Angebote und die Neukonzeption der ständigen Ausstellung sind wegweisende Schritte in Richtung eines inklusiven, nachhaltigen und zukunftsorientierten Museums.
Für Experten aus den Bereichen Immobilien, Sanierung und Bauwirtschaft bietet das MHG-Modell wertvolle Einblicke in die Planung, Durchführung und Finanzierung großer kultureller Bauvorhaben. Es zeigt, wie historische Gebäude durch moderne Sanierungsmaßnahmen erhalten und neu belebt werden können – und das, ohne ihre kulturelle Bedeutung zu verlieren.
Quellen
- Museum für Hamburgische Geschichte schließt: 2027 geht es weiter
- Beliebtes Hamburger Museum: 100-Millionen-Sanierung!
- Museum für Hamburgische Geschichte: So soll es nach dem Umbau aussehen
- Modernisierung des Museums für Hamburgische Geschichte
- Modernisierung des Museums für Hamburgische Geschichte
- Planungen für die Modernisierung des Museums für Hamburgische Geschichte vorgestellt