Naphthalin-Sanierung in Gebäuden: Ursachen, Maßnahmen und Erfolge

Einführung

In den letzten Jahren wurde vermehrt Naphthalin in der Raumluft zahlreicher Gebäude nachgewiesen. Naphthalin zählt zur Gruppe der polyzyklischen aromatischen Kohlenwasserstoffe (PAK) und wurde bis in die 1990er Jahre im Bauwesen eingesetzt, insbesondere in Teerölen, als Imprägnierung und in Dämmstoffen. Obwohl die Emissionen oft Jahrzehnte nach dem Einbau auftreten, bleiben konkrete Sanierungsmaßnahmen bislang die Ausnahme. In diesem Artikel werden Ursachen, Schadensbilder, Sanierungstechniken und Erfolge auf Basis von realen Fallbeispielen detailliert beschrieben. Die Zielgruppe umfasst Eigentümer, Mieter, Bauherren, Architekten und Handwerker, die sich für nachhaltige und fachgerechte Sanierungsmethoden interessieren.

Was ist Naphthalin und wo wurde es eingesetzt?

Naphthalin ist ein chemischer Stoff, der auf natürliche Weise entsteht, beispielsweise durch Verbrennungsprozesse wie Grillen oder Rauchen. In der Industrie wird es vor allem in der Kunststoffherstellung eingesetzt, da es aus Erdöl oder Steinkohlenteer gewonnen werden kann. Im Bauwesen wurde Naphthalin bis in die 1970er Jahre in teerhaltigen Produkten verwendet. Diese enthielten oft PAK, darunter Naphthalin, und wurden in verschiedenen Anwendungsbereichen eingesetzt:

  • Im Strassenbau und Eisenbahnschwellen
  • Als Kleber oder Bindemittel
  • Zur Imprägnierung von Holz und Dämmstoffen
  • In korkhaltigen Dämmstoffen zur Schädlings- und Verrottungsschutz

Diese Produkte wurden oft in Form von Teerkorkdämmungen, Teerpappen oder Estrichschichten eingesetzt. In einigen Fällen wurden diese Materialien in Bodenkonstruktionen oder in Estrichschichten verwendet, wodurch sie über Jahre hinweg Dämpfe freisetzen konnten, die sich in der Raumluft anreicherten.

Gesundheitliche Auswirkungen von Naphthalin

Naphthalin gilt als gesundheitlich problematisch. Es kann über die Atemwege aufgenommen werden und kann unter anderem zu Atemwegsreizungen, Kopfschmerzen, Schwindel und in höheren Konzentrationen sogar zu Leberschäden führen. In der Vergangenheit wurde Naphthalin unter anderem in Mottenkugeln eingesetzt, doch inzwischen wurden geruchlosere und wirksamere Alternativen entwickelt.

Die Exposition gegenüber Naphthalin in der Raumluft ist besonders problematisch, wenn es über einen längeren Zeitraum und in hohen Konzentrationen auftritt. Die Richtwerte für Naphthalin in der Raumluft sind definiert, und Überschreitungen dieser Werte erfordern fachgerechte Sanierungsmaßnahmen.

Naphthalin in der Bausubstanz nachweisen

Um die Ursachen von Naphthalin-Emissionen zu identifizieren, sind systematische Untersuchungen der Bausubstanz erforderlich. Dazu gehören:

  • Raumluftmessungen: Diese ermitteln die Konzentrationen von Naphthalin in der Innenraumluft. Die Probenahme erfolgt nach den Richtlinien der EN ISO 16017-1.
  • Materialproben: Von Estrichen, Betondecken, Wänden oder anderen Bauteilen werden Proben entnommen und labortechnisch analysiert.
  • Kernbohrungen: In Estrichschichten oder Bodenkonstruktionen werden Kernbohrungen durchgeführt, um die Schichtung und die Verteilung von Schadstoffen zu erfassen.
  • Schichtenweise Untersuchung: Die einzelnen Schichten der Bausubstanz werden getrennt analysiert, um die genaue Quelle der Emissionen zu lokalisieren.

Ein typischer Bodenaufbau, in dem Naphthalin in der Luft nachweisbar ist, besteht beispielsweise aus Estrich, PE-Folie, Estrich, Teerpappe, Zwischenschicht und Stoltediele. In solchen Konstruktionen wurden in der Vergangenheit hohe Gehalte an PAK und Naphthalin nachgewiesen.

Sanierungskonzepte für Naphthalinbelastungen

Bei der Sanierung von Naphthalinbelastungen ist es entscheidend, die Schadstoffquelle zu beseitigen oder abzudichten. Im Folgenden werden verschiedene Sanierungsmethoden vorgestellt, die auf Basis von Erfahrungsberichten aus realen Projekten beschrieben werden.

1. Rückbau der Schadstoffquelle

Die endgültige Beseitigung der Schadstoffquelle ist oft die effektivste Maßnahme. Dazu zählt der Rückbau von kontaminierten Bauteilen, wie z. B. Teerkorkdämmungen oder Teerpappen. In einem Fallbeispiel in Berlin wurden auf einer Fläche von etwa 2.500 m² die kontaminierten Schichten innerhalb von sechs Wochen entfernt. Vor dem Rückbau wurde eine Mustersanierung durchgeführt, um die Effektivität der Maßnahmen zu testen.

2. Schutzfolien zur Abschottung

Eine bewährte Methode zur Schadstoffsanierung ist die Verlegung gasdichter Isolierfolien. In einem weiteren Fallbeispiel wurde die Schutzfolie Valutect eingesetzt, eine aluminiumkaschierte Verbundfolie aus Papier, Polyethylen und Aluminium. Diese bietet zuverlässigen Schutz vor gesundheitsgefährdenden Gasen und Dämpfen. Die Verlegung erfolgte nach einer gründlichen Vorbereitung, einschließlich der Grundierung mit einer Spezialspachtelmasse, dem Schleifen der Oberflächen und der schichtweisen Aufbringung der Folie.

3. Versiegelungsmaßnahmen

Eine weitere Sanierungsvariante sind innenseitige Versiegelungsmaßnahmen. In einem Fallbeispiel wurden zwei Mustersanierungsvarianten erprobt:

  • Sperrschichttapete: Diese dient als Abdichtung an der Deckenunterseite.
  • Epoxidharzanstrich: Ein harzbasierter Anstrich, der als Barriere gegen Schadstoffe dienen kann.

Nach einer Auswertung der Ergebnisse wurde die erste Variante gewählt und abschnittsweise im gesamten Stockwerk durchgeführt. Der Erfolg dieser Maßnahme wurde durch wiederholte Raumluftuntersuchungen nach 3 und 6 Monaten überprüft. Die Naphthalinkonzentrationen lagen danach deutlich unter dem Richtwert II.

4. Abschottung mit Spezialfolie

In einem Bürogebäude wurde die Bausubstanz mit erhöhten PAK- und Naphthalinkonzentrationen mit einer mehrlagigen Spezialfolie abgedichtet. Die Vorbereitung umfasste die Einrichtung eines Schwarz-Weiß-Bereiches mit Unterdruckhaltung, die Freilegung der Decken und Böden sowie die Grundierung der Oberflächen. Die Verlegung der Folie erfolgte schrittweise, mit besonderem Augenmerk auf die Überlappung der Stoßkanten und die Verlegung der Randabdeckung.

Nach Abschluss der Sanierung wurden Kontrollmessungen durchgeführt, und aufgrund der positiven Ergebnisse konnten die Büroräume für eine weitere Nutzung freigegeben werden. Die Mitarbeiter konnten keine unangenehmen Gerüche mehr wahrnehmen, was den Erfolg der Sanierung unterstrich.

Nachhaltigkeit und langfristige Sicherheit

Eine nachhaltige Sanierung erfordert nicht nur die Beseitigung oder Abschottung der Schadstoffquelle, sondern auch eine langfristige Sicherstellung der Luftqualität im Gebäude. Dazu gehören:

  • Regelmäßige Kontrollmessungen: Nach Abschluss der Sanierungsmaßnahmen sollten wiederkehrende Raumluftuntersuchungen durchgeführt werden, um die Kontrollwerte zu überwachen.
  • Langfristige Planung: Sanierungsmaßnahmen sollten so gestaltet werden, dass sie in die bestehende Gebäudehülle integriert sind und nicht in Kürze erneut ersetzt werden müssen.
  • Transparenz für Nutzer: Die Mieter oder Eigentümer sollten über die Maßnahmen informiert werden, um Unsicherheiten zu reduzieren und das Vertrauen in die Sicherheit des Gebäudes zu stärken.

Praktische Tipps für Mieter und Eigentümer

Für Mieter und Eigentümer, die sich mit Naphthalinbelastungen konfrontiert sehen, bieten sich folgende Handlungsempfehlungen an:

  • Verdächtige Gerüche melden: Unangenehme Gerüche in den Räumen sollten nicht ignoriert werden. Sie können auf Schadstoffemissionen hinweisen.
  • Fachkraft beauftragen: Die Untersuchung und Sanierung sollten durch qualifizierte Fachkräfte durchgeführt werden, die über Erfahrung in Schadstoffsanierungen verfügen.
  • Dokumentation sichern: Alle Untersuchungsergebnisse, Sanierungspläne und Maßnahmen sollten ordnungsgemäß dokumentiert werden, um sie bei Bedarf vorlegen zu können.
  • Kommunikation mit Mieter/Verwaltung: Offene und transparente Kommunikation zwischen Eigentümer, Verwaltung und Mieter ist entscheidend, um den Prozess der Sanierung zu begleiten und Vertrauen aufzubauen.

Fazit

Naphthalinbelastungen in Gebäuden sind ein reales Problem, das auf historische Baupraktiken zurückzuführen ist. Die Sanierung solcher Belastungen erfordert nicht nur fachliche Kompetenz, sondern auch eine strategische Planung, die langfristige Sicherheit und Nachhaltigkeit berücksichtigt. Durch gezielte Maßnahmen wie Rückbau, Versiegelung oder Abdichtung mit Schutzfolien lässt sich die Raumluftqualität deutlich verbessern und die Gesundheit der Nutzer schützen. Die Erfahrung zeigt, dass eine gut geplante und fachgerechte Sanierung erfolgreich ist und die ursprünglichen Beschwerden vollständig beseitigen kann.

Quellen

  1. ANLIKER – Nachhaltig sanieren: Wirksam gegen Naphthalin in der Raumluft
  2. orlis.difu.de – Sanierung einer Raumluftbelastung mit Naphthalin in einem Bürogebäude in Berlin
  3. BB Geiger – PAK-Sanierung in einem Bürotrakt
  4. blog.bkd.lu.ch – Was ist Naphthalin? Der Kantonschemiker gibt Auskunft
  5. Alab Berlin – Organische Schadstoffe in der Bausubstanz I

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