Sanierung des Oranienbads in Diez: Herausforderungen, Kosten und Perspektiven

Einführung

Das Oranienbad in Diez, ein seit den 1980er Jahren bestehendes Hallenbad, steht aktuell im Fokus von Diskussionen über eine notwendige Sanierung. Das Objekt, das nach einer Gasexplosion 1979 neu errichtet wurde, ist aufgrund seines Alters und der technischen Ausgangssituation in einem stark sanierungsbedürftigen Zustand. Im Jahr 2013/14 fand bereits eine kleinere Sanierung statt, bei der der Umkleide- und Saunabereich erneuert wurden. Der zentrale Schwimmhalla-Teil hingegen stammt nach wie vor aus den 1980er Jahren und weist massive undichte Stellen, Rost an der Stahlkonstruktion und beschädigte Betonflächen auf.

Die Kosten für eine umfassende Sanierung oder einen Neubau des Schwimmhallenbereichs sind hoch: Laut aktueller Kostenschätzungen liegt der Bedarf bei 9,3 bis 11,3 Millionen Euro. Der Erste Beigeordnete Marco Rosso und weitere Kommunalpolitiker mahnen, dass dringend gehandelt werden muss, um die Sicherheit und Funktion des Bades zu gewährleisten. Gleichzeitig bleibt das Projekt jedoch politisch und finanziell umstritten, insbesondere aufgrund der gemeinsamen Gesellschafterstruktur, bei der vier Kommunen – Diez, Limburg, Rhein-Lahn und Limburg-Weilburg – verantwortlich zeichnen.

Dieser Artikel bietet einen detaillierten Überblick über den Zustand des Oranienbads, die technischen Herausforderungen, die Kostenplanung, politischen Hintergründe und mögliche Perspektiven für die Zukunft. Alle Informationen basieren exklusiv auf den bereitgestellten Quellen.

Der Zustand des Oranienbads

Historischer Hintergrund

Das Oranienbad in Diez wurde 1982 eröffnet, nachdem das ursprüngliche Hallenbad 1979 durch eine Gasexplosion zerstört worden war. Die heutige Einrichtung ist das Ergebnis eines Neubaus, der damals als Wiederaufbaumaßnahme geplant wurde. Der Schwimmhallenbereich, der einen Bruttorauminhalt von 15.500 m³ umfasst, war bislang nicht Gegenstand einer umfassenden Sanierung. Zuletzt wurde 2013/14 der Umkleide- und Saunabereich erweitert und modernisiert.

Technische Defizite

Der aktuelle Zustand des Bads weist auf massive technische Defizite hin:

  • Betonbröckelung und Rost: Die Decken der Schwimmhalle sind stark betroffen von Abbrucherscheinungen. Zudem rostet das Stahlskelett des Gebäudes.
  • Undichtigkeiten: Besonders das Nichtschwimmerbecken verliert täglich mehrere hundert Liter Wasser. Auch die Toilettenbereiche weisen Leckagen auf.
  • Ineffiziente Energieversorgung: Aufgrund der undichten Verkleidungen der Schwimmhalle ist die Halle ständig beschlagen, was den Energiebedarf stark erhöht. „Energetisch sind wir ganz hinten dran“, betonte Nicole Schellong.
  • Strukturelle Schwächen: Ein Bericht des TÜV stellte fest, dass der Gebäudezustand auf Dauer nicht sichergestellt werden kann. Laut Marco Rosso könnte das TÜV in drei bis fünf Jahren den Betrieb untersagen.

Funktionelle Bedeutung

Trotz der baulichen Defizite spielt das Oranienbad eine zentrale Rolle in der Region:

  • Schwimmunterricht: Elf hessische und dreizehn rheinland-pfälzische Schulen nutzen das Bad für den Schwimmunterricht. Allein im vergangenen Jahr kamen über 28.000 Schülerinnen und Schüler in das Bad.
  • Sportvereine: Sechs Sportvereine trainieren dort, darunter auch die DLRG, die auf das Bad für ihre Rettungskraftausbildung angewiesen ist.
  • Bundespolizei und Bundeswehr: Die Bundespolizeischule in Diez und Soldaten der Bundeswehr nutzen das Oranienbad für ihre sportlichen Aktivitäten. Jährlich schwimmen dort etwa 2.300 Personen.
  • Öffentliche Nutzung: Vor der Pandemie kamen bis zu 600 Besucher täglich. Nach den Coronabeschränkungen hat sich der Zulauf zwar reduziert, aber die Nachfrage bleibt hoch.

Sanierungsbedarf und Kostenschätzungen

Kleine vs. Große Lösung

Marco Rosso, der Geschäftsführer des Oranienbads, hat zwei Optionen in Betracht gezogen:

  1. Kleinstsanierung (ca. 500.000 Euro): Diese bezieht sich auf eine begrenzte Reparatur von Dach- und Wänden sowie von undichten Stellen. Laut Rosso würde dies zwar kurzfristig den Betrieb sichern, aber langfristig keine dauerhafte Lösung bieten.

  2. Große Lösung (ca. 9,3–11,3 Millionen Euro): Eine umfassende Sanierung oder gar ein Neubau der Schwimmhalle. Diese Option würde den Badesportbereich modernisieren, den Energiebedarf senken und die bauliche Sicherheit gewährleisten. Allerdings müsste das Oranienbad dafür mehrere Jahre geschlossen bleiben, was politisch umstritten ist.

Kostenspiegelung

Die Kostenschätzungen stammen von Fritz Planung, einem auf Bäder spezialisierten Ingenieurbüro in Stuttgart. Die Preise beziehen sich auf die Jahre 2021/22 und enthalten keine jüngsten Preisanpassungen:

  • Komplettsanierung: ca. 9,3 Millionen Euro
  • Neubau der Schwimmhalle: ca. 11,3 Millionen Euro (um 2 Millionen Euro mehr)

Finanzierungsfrage

Die Finanzierung ist ein zentrales Problem. Die Kosten müssen von den vier Gesellschaftern getragen werden, was bereits vor zehn Jahren zu heftigen Debatten im Kreistag führte. Einige Kommunen wie Lahnstein und Bad Ems verfügen bereits über eigene Hallenbäder und stellen den Erhalt des Oranienbads in Frage. Zudem war der Antrag auf Bundesförderung (bis zu 6 Millionen Euro) abgelehnt worden.

Politische Hintergründe und Entscheidungsprozesse

Gesellschafterstruktur

Das Oranienbad wird von einer Gesellschaft mit vier Gesellschaftern betrieben:

  1. Diez
  2. Limburg
  3. Landkreis Rhein-Lahn
  4. Landkreis Limburg-Weilburg

Die Gesellschafter teilen sich die Kosten und den Gewinn (wenn vorhanden). Jede Gemeinde muss für sich eine Entscheidung zur Sanierung oder zum Neubau treffen. Die Limburger Stadtverordnetenversammlung beispielsweise plant am 30. Juni eine Grundsatzentscheidung.

Grundsatzentscheidung

Der Magistrat der Stadt Limburg hat sich grundsätzlich für den Erhalt und die Sanierung des Oranienbads ausgesprochen. Michael Stanke, 1. Stadtrat und Geschäftsführer des Bades, betonte die Bedeutung des Bades für die Region:

„Wir brauchen das Hallenbad auch für Limburger Vereine und Bürger – deshalb ist es unerlässlich, den Neubau einer Schwimmhalle zu planen und möglichst auch umzusetzen.“

Vorschläge für den Neubau

Ein Vorschlag sieht den Neubau der Schwimmhalle mit einer Wasserfläche von 550 m² vor. Das Angebot umfassen:

  • Sportbecken
  • Sprunganlage
  • Kursbecken
  • Baby- und Kleinkindbecken

Diese Konzeption würde den Anforderungen moderner Bäder entsprechen und auch den zukünftigen Schwimmbadbedarf decken.

Politische Auseinandersetzungen

Die Diskussionen um das Oranienbad waren in der Vergangenheit intensiv. Vor zehn Jahren führten sie zu heftigen Auseinandersetzungen im Kreistag. Auch im Jahr 2021 berichtete Udo Rau, CDU-Landtagsabgeordneter, von einer „unangenehmen Debatte“, in der die Existenzberechtigung des Bades thematisiert wurde. In der Region gibt es Hallenbäder in Montabaur, Bad Ems und Weilburg, doch diese sind entweder zu weit entfernt oder nicht groß genug, um das Oranienbad zu ersetzen.

Energieeffizienz und Umwelt

Energieverbrauch

Der Energieverbrauch des Oranienbads ist aufgrund der alten Technik und der undichten Verkleidungen besonders hoch. Marco Rosso stellte fest: „Energetisch sind wir ganz hinten dran.“ Laut Nicole Schellong ist der Energiebedarf enorm. Der Betreiber hat in der Vergangenheit zwar Maßnahmen ergriffen, etwa die Errichtung eines neuen Blockheizkraftwerks und einer neuen Belüftungsanlage. Doch die Grundprobleme bleiben.

Klimafreundliche Lösungen

Einige Politiker, wie Udo Rau, fordern eine klimafreundliche Sanierung, die den Anforderungen der Zukunft entspricht. Eine Komplettsanierung oder ein Neubau der Schwimmhalle könnte hier einen Beitrag leisten, etwa durch:

  • Energieeffiziente Isolierung
  • Modernisierung der Heiz- und Lüftungsanlagen
  • Nutzung erneuerbarer Energien

Die Kosten für eine solche Lösung sind jedoch hoch und müssen von den Gesellschaftern getragen werden.

Fazit

Das Oranienbad in Diez ist ein Baudenkmal der 1980er Jahre, das sich aufgrund seines Alters und der baulichen Defizite dringend einer Sanierung unterziehen muss. Die aktuelle Situation ist kritisch: Betonbröckelung, undichte Stellen, Rost an der Stahlkonstruktion und ein hoher Energieverbrauch sind nur einige der Probleme, die dringend behoben werden müssen.

Die Sanierung oder der Neubau der Schwimmhalle ist mit Kosten im Millionenhöhe verbunden. Laut Kostenschätzungen der Planungsgesellschaft Fritz Planung belaufen sich die Kosten für eine Komplettsanierung auf 9,3 bis 11,3 Millionen Euro. Eine solche Maßnahme würde mehrere Jahre dauern und das Oranienbad für die Zeit der Bauarbeiten schließen. Gleichzeitig ist der Betrieb des Bades politisch umstritten, insbesondere aufgrund der gemeinsamen Gesellschafterstruktur und der finanziellen Verantwortung der Kommunen.

Trotz der baulichen Defizite spielt das Oranienbad eine unverzichtbare Rolle in der Region. Es ist nicht nur für den Schwimmunterricht an Schulen, sondern auch für den Sport in Vereinen, für die Ausbildung der DLRG-Rettungskräfte, für die Bundespolizei und die Bundeswehr von großer Bedeutung. Ohne das Oranienbad gäbe es keine ausreichende Alternative in der Region.

Zukünftig wird es entscheidend sein, dass die Gesellschafter eine gemeinsame Lösung finden – eine, die den Anforderungen der Sicherheit, der Energieeffizienz und der Zukunftsfähigkeit gerecht wird. Nur so kann das Oranienbad auch in den kommenden Jahrzehnten seine Funktion erfüllen und weiterhin ein zentraler Treffpunkt für die Region bleiben.

Quellen

  1. Oranienbad in Diez: Sanierung für 18 Millionen Euro
  2. Sanierung Oranienbad
  3. Oranienbad in Diez: „Der Zahn der Zeit nagt kräftig“
  4. Schlechte Nachrichten: Keine Fördermittel für das Oranienbad
  5. Sanierung Oranienbad: Stadt Limburg trifft Grundsatzentscheidung

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