Einführung
Die Sanierung der Ostschule in Gera ist ein herausragendes Beispiel für die Integration von Denkmalschutz, moderner Schularchitektur und Bildungsinvestitionen. Das denkmalgeschützte Schulgebäude, das seit 1906 das Stadtbild prägt, wurde in den letzten drei Jahren umfassend saniert und erweitert. Mit einem Investitionsvolumen von 21 Millionen Euro wurde die Schule nicht nur funktionell und barrierefrei modernisiert, sondern auch inhaltlich auf die Bedürfnisse einer Gemeinschaftsschule ausgerichtet. Die Sanierung, die im September 2022 mit einer feierlichen Eröffnung abgeschlossen wurde, ist Teil eines umfassenden Schulbauprogramms der Stadt Gera und zeigt, wie historische Bausubstanz in Kombination mit zeitgemäßen Planungskonzepten zu einem leistungsfähigen Bildungsstandort entwickelt werden kann.
In diesem Artikel wird die Sanierung der Ostschule aus konstruktiver, planerischer und finanzieller Perspektive betrachtet. Dabei werden die historischen Hintergründe, die baulichen Maßnahmen, die technischen und funktionellen Anforderungen sowie die Rolle des Projekts im städtischen Entwicklungsrahmen vorgestellt.
Die Ostschule – Geschichte und Entwicklung
Historische Entwicklung
Die Ostschule in Gera wurde erstmals in den Jahren 1904/1906 errichtet und ist damit ein historisches Gebäude mit langer Tradition. In ihrer Geschichte war sie mehrfach umbenannt und strukturell verändert. In der Weimarer Republik war sie bereits eine Gemeinschaftsschule, später war sie als POS „Karl Liebknecht“ bekannt und nach der politischen Wende in Thüringen eine staatlich anerkannte Regelschule. In beiden Weltkriegen diente der Ziegelbau der Schule als Lazarett für Verwundete, was unterstreicht die Stabilität und die strategische Bedeutung des Standorts.
Die Schule wurde im Jahr 2009 vom Thüringer Ministerium für Bildung, Jugend und Sport mit dem Status einer „Europaschule“ ausgestattet. Dieser Titel unterstreicht das interkulturelle Profil der Schule, das durch Fremdsprachenlernen, europäische Themen in der Curricula und partnerschaftliche Projekte geprägt wird.
Denkmalschutz und baulicher Zustand vor der Sanierung
Das denkmalgeschützte Gebäude war bis zur Sanierung stark verbraucht. In erheblichen Teilen wies die Bausubstanz auf einen hohen Nutzungsverschleiß, bauphysikalische Schäden wie Feuchtigkeit und Schimmel sowie marode Fenster hin. Obwohl historische Elemente wie die alte Turmuhr mit Uhrwerk und das schmiedeeiserne Treppengeländer erhalten blieben, war eine grundhafte Sanierung zwingend erforderlich, um die Schule für die Zukunft fitzumachen.
Planung und Bauvorhaben
Grundkonzept und Ziele
Die Sanierung der Ostschule beinhaltete sowohl die Instandsetzung des bestehenden denkmalgeschützten Gebäudes als auch den Neubau eines Verbindungsgeschosses und einer neuen Sporthalle. Ziel war es, die Schule als erste staatliche Gemeinschaftsschule in Gera neu zu strukturieren und die Lern- und Lehrbedingungen nachhaltig zu verbessern.
Die Stadt Gera verfolgte dabei mehrere zentrale Planungskriterien:
- Denkmalschutz: Die historische Bausubstanz wurde im Rahmen der Sanierungsarbeiten sorgfältig bewahrt und restauriert. Teilabbrüche und Umbauten erfolgten nur in den notwendigen Bereichen, um die ursprüngliche Kubatur so weit wie möglich zu erhalten.
- Funktionalität: Der Neubau und die Erweiterung sollten die räumlichen Anforderungen einer modernen Gemeinschaftsschule erfüllen, insbesondere in Bezug auf Größen, Zugänglichkeit und Nutzungsmöglichkeiten.
- Energieeffizienz: Die Sanierungsmaßnahmen beinhalteten energetische Verbesserungen, um den Gebäudebestand auf ein modernes Niveau zu bringen.
- Barrierefreiheit: Die gesamte Schule wurde barrierefrei gestaltet, um alle Schülerinnen und Schüler sowie Personal optimal zu bedienen.
- Inklusive Nutzung: Die Planung betonte die Inklusion, insbesondere durch barrierefreie Zugänge, kontrastreiche Boden- und Wandoberflächen sowie eine Prallwand, die auch sehbehinderten Menschen den Zugang zum Sport ermöglicht.
Bauliche Maßnahmen
Die Sanierung und Erweiterung der Ostschule umfasste mehrere große Baustufen:
Sanierung des Bestandsgebäudes:
- Dacherneuerung
- Ausbau der ausgewählten Fachunterrichtsräume
- Sanierung der Heizungs-, Lüftungs- und Sanitäreinrichtungen
- Brandschutzmaßnahmen
- Erneuerung der Freianlagen
Neubau des Verbindungsgeschosses:
- Der Neubau dient als Verbindung zwischen dem historischen Bestand und der neuen Sporthalle
- Im Verbindungsgeschoss befinden sich moderne Unterrichtsräume, Gruppenarbeitsbereiche und Sozialräume
- Die Architektur des Neubaus ist bewusst zurückhaltend gestaltet, um in das historische Umfeld zu passen
Ersatzneubau der Sporthalle:
- Die neue Sporthalle ist eine Eineinhalb-Feld-Sporthalle
- Sie wurde als zweigeschossiger Komplex errichtet
- Die Sporthalle ist ein Teilprojekt der Gesamtbaumaßnahme
- Barrierefreier Zugang, Sanitäranlagen und eine Prallwand für sehbehinderte Menschen
- Die Sporthalle ermöglicht ein erweitertes Sportangebot und unterstützt soziale Integration durch Nutzung durch verschiedene Vereine
Umbau und Erweiterung der Unterrichtsflächen:
- Fußbodenarbeiten
- Trockenbau- und Malerarbeiten
- Montage der Schulausstattung
- Feininstallation der Heizungs-, Lüftungs-, Sanitär- und Elektronikanlagen
- Beschilderung
Projektlaufzeit und Investitionsvolumen
Die Sanierungsarbeiten begannen im Sommer 2019 und endeten im September 2022. Die Investitionskosten beliefen sich auf insgesamt 21 Millionen Euro. Diese Summe umfasste die Sanierung des Bestandsgebäudes, den Neubau des Verbindungsgeschosses und die Errichtung der neuen Sporthalle.
Während der Sanierungsphase unterrichtete die Schule in einem Ausweichstandort an der Eiselstraße. Die Wartezeit wurde von Schulleiterin Doreen Huster und ihrem Team als Herausforderung, aber auch als Chance gesehen, um den Strukturwandel in die Wege zu leiten und die neue Schule bestmöglich vorzubereiten.
Funktionale Ausrichtung und pädagogische Konzepte
Die Ostschule wurde nicht nur baulich, sondern auch konzeptionell neu ausgerichtet. Die Umstrukturierung in eine Gemeinschaftsschule ist ein Schwerpunkt des Projekts. Gemeinschaftsschulen in Thüringen sind darauf ausgelegt, eine breite Palette an schulischen Ausbildungsprofilen abzudecken und den Bildungsgang von Primar- bis Sekundarstufe nahtlos zu gestalten. Die Schule bietet Platz für etwa 750 Schülerinnen und Schüler und ist somit ein zentraler Bildungsstandort im Osten Geras.
Pädagogische Konzeption
Doreen Huster, die Schulleiterin der Ostschule, hat die Umstrukturierung bereits in Weimar erfolgreich durchgeführt und bringt diese Erfahrung nach Gera mit. In Gesprächen betont sie, dass die Sanierung und die Umbaumaßnahmen nicht nur baulich, sondern auch pädagogisch geplant wurden. Die Schule ist als Ort der Begegnung, des Lernens und der Entwicklung verstanden.
Die Schule möchte interkulturelle Kompetenzen stärken und europäische Themen in den Unterricht integrieren. Dies geschieht durch Fremdsprachenlernen, projektorientierte Schulpartnerschaften und Praktika in europäischen Ländern. Die Europaschule ist ein zentraler Teil der Identität der Ostschule, der durch die Sanierung und die Erweiterung gestärkt wird.
Die Rolle der Ostschule im städtischen und regionalen Kontext
Stadtratsbeschluss und Schulbauprogramm
Die Sanierung der Ostschule ist Teil eines umfassenden Schulbauprogramms der Stadt Gera, das von den Stadträten beschlossen wurde. Ziel dieses Programms ist es, die Lern- und Lehrbedingungen in den Geraer Schulen nachhaltig zu verbessern und die Schulstandorte qualitativ aufzustellen.
Im Jahr 2022 konnten mit der Fertigstellung der Ostschule und dem Karl-Theodor-Liebe-Gymnasium zwei weitere Meilensteine des Programms erreicht werden. Insgesamt investierte die Stadt Gera in den Jahren 2017 bis 2022 rund 14 Millionen Euro in den Wiederaufbau nach dem Hochwasser von 2013, wovon fast fünf Millionen Euro den Schulen zugutekamen.
Integriertes Stadtentwicklungskonzept 2030
Der Ersatzneubau der Sporthalle an der Ostschule ist als Teilprojekt in das Integrierte Stadtentwicklungskonzept 2030 der Stadt Gera eingebunden. Dieses Konzept sieht zwölf Leitprojekte vor, die die Stadtentwicklung in den nächsten Jahren prägen sollen. Die Ostschule ist eines dieser Leitprojekte, da sie nicht nur pädagogisch, sondern auch sozial und städtebaulich eine zentrale Rolle spielt.
Die neue Sporthalle ist als Einrichtung für eine langfristige und nachhaltige Nutzung geplant. Sie bietet nicht nur den Schülerinnen und Schülern der Ostschule Platz für Sportunterricht, sondern auch Vereinen und der Geraer Bevölkerung Räume für sportliche Aktivitäten. Dies unterstreicht die soziale Funktion der Schule im städtischen Kontext.
Technische Aspekte der Sanierung
Denkmalgerechte Sanierung
Die Sanierung des denkmalgeschützten Bestandsgebäudes war eine besondere Herausforderung. Die Planung erfolgte in enger Abstimmung mit den Denkmalschutzbehörden, um die historische Substanz so weit wie möglich zu erhalten. Teilabbrüche wurden nur in den Bereichen durchgeführt, die aus baulichen und funktionellen Gründen erforderlich waren.
Originalgestalterische Elemente wie die Turmuhr mit Uhrwerk, das schmiedeeiserne Treppengeländer und die alten Fenster wurden restauriert oder ersetzt. Dabei wurden die historischen Formen und Materialien weitgehend beibehalten, um die Authentizität des Gebäudes zu wahren.
Energetische Sanierung
Ein weiteres zentrales Anliegen der Sanierung war die energetische Modernisierung des Bestandsgebäudes. Die Dächer wurden erneuert, die Fenster ersetzt und die Heizungs- und Lüftungsanlagen modernisiert. Die Sanierungsmaßnahmen trugen dazu bei, den Energieverbrauch der Schule zu reduzieren und gleichzeitig die Lebensqualität in den Räumen zu verbessern.
Barrierefreie Gestaltung
Die gesamte Schule wurde barrierefrei gestaltet. Zugänge, Türen, Sanitäranlagen und Bewegungsflächen wurden so geplant, dass sie für alle Menschen nutzbar sind, unabhängig von körperlichen Einschränkungen. Besondere Aufmerksamkeit wurde auch auf die Bedürfnisse sehbehinderter Menschen gelegt. Kontrastreiche Boden- und Wandoberflächen, Prallwände und eine klare Beschilderung tragen dazu bei, dass sehbehinderte Schülerinnen und Schüler die Schule sicher und unabhängig nutzen können.
Brandschutz
Die Brandschutzmaßnahmen waren ein weiteres zentrales Element der Sanierung. Die Rettungswege wurden optimiert, Feuerlöschgeräte installiert und Rauchwarnmelder eingesetzt. Die Schule ist somit nach den aktuellsten Brandschutzvorschriften ausgestattet.
Nutzen und Vorteile der Sanierung
Für die Schüler und das Kollegium
Die Sanierung der Ostschule hat deutlich verbesserte Lern- und Lehrbedingungen geschaffen. Die modernisierten Räume, die barrierefreie Gestaltung und die neuen Ausstattungen tragen dazu bei, dass die Schule für alle Schülerinnen und Schüler eine attraktive Lernumgebung darstellt. Zudem bietet die neue Sporthalle bessere Bedingungen für sportliche Aktivitäten und fördert die Gesundheit und Fitness der Schüler.
Für das Kollegium sind die besseren Räume und die technischen Ausstattungen ein Gewinn. Die modernen Unterrichtsflächen und die neuen Medien ermöglichen eine effektivere Unterrichtsgestaltung und tragen zur Steigerung der Lehrqualität bei.
Für die Stadt Gera
Die Sanierung der Ostschule ist ein zentraler Beitrag zur Stadtentwicklung. Sie zeigt, wie historische Gebäude in Kombination mit modernen Planungskonzepten zu zukunftsfähigen Bildungsstandorten umgestaltet werden können. Zudem trägt die Schule zur sozialen Integration bei, da sie nicht nur den Schülerinnen und Schülern, sondern auch der Geraer Bevölkerung und Vereinen als Sportstätte zur Verfügung steht.
Für die Region
Die Ostschule ist ein Modellprojekt für die Sanierung von Schulen in Thüringen. Sie zeigt, wie eine Kombination aus Denkmalschutz, moderner Architektur, pädagogischer Konzeption und sozialer Integration gelingen kann. Die Schule ist ein zentraler Anziehungspunkt für den Osten Geras und tragen so zur Entwicklung der Region bei.
Fazit
Die Sanierung der Ostschule in Gera ist ein herausragendes Beispiel für die Integration von baulichen, pädagogischen und sozialen Aspekten in der Sanierung von Schulgebäuden. Mit einem Investitionsvolumen von 21 Millionen Euro wurde eine historische Schule grundhafte saniert, erweitert und modernisiert. Die Sanierung ist nicht nur ein Meilenstein im Schulbauprogramm der Stadt Gera, sondern auch ein Leitprojekt im Integrierten Stadtentwicklungskonzept 2030.
Durch die Kombination von Denkmalschutz, moderner Architektur, barrierefreier Gestaltung und pädagogischer Konzeption hat die Ostschule ihre Rolle als Bildungs- und Sozialstandort erheblich gestärkt. Sie ist nicht nur eine Schule, sondern auch ein zentraler Bestandteil der städtischen Infrastruktur, der für die Zukunft gut gerüstet ist.
Die Sanierung der Ostschule unterstreicht, wie wichtig Investitionen in Bildungsstandorte sind. Sie zeigt, dass durch sorgfältige Planung, enge Zusammenarbeit mit Behörden und Experten sowie klare Zielsetzungen ein Projekt wie die Sanierung der Ostschule erfolgreich umgesetzt werden kann.
Quellen
- ostschule gera – staatliche regelschule, europaschule – sanierung und erweiterungsbauten – fachplanung tragwerk nach teil 4 abschnitt 1 hoai
- schulbau-sanierung
- bauliche modernisierung der geraer schulen wird fortgesetzt
- ostschule – europaschule
- ostschule – grundsanierung nach jahrzehntelangem stillstand
- sporthalle an der ostschule