Punkt-Renovierung von Abwasserrohren: Das Point-Liner®-System als effiziente Lösung

Die Punkt-Renovierung von Abwasserrohren ist ein grabenloses Verfahren, das in der modernen Kanalsanierung zunehmend an Bedeutung gewinnt. Insbesondere das Point-Liner®-System hat sich als wirtschaftliche und effektive Methode zur Sanierung von Schäden in Abwasserleitungen etabliert. Dieses System wird oft in Kombination mit modernen Diagnosemethoden wie der Kanal-TV-Kamera eingesetzt, um präzise und dauerhafte Reparaturen durchzuführen, ohne die umliegende Umgebung stark zu beeinträchtigen.

Die Vorteile des Point-Liner®-Systems sind vielfältig: Es ermöglicht die schnelle Sanierung einzelner Schadstellen, reduziert die Kosten erheblich im Vergleich zu traditionellen Grabungsverfahren und garantiert eine hohe Langlebigkeit durch die Verwendung von Glasfasermatten und harzgetränkten Materialien. Diese Technik ist für Rohrdurchmesser von DN 50 bis DN 600 geeignet und wird von mehreren renommierten Unternehmen in der Branche angeboten, darunter 89°, Wagner Kanalsanierung, Harms, Jeroschewski und Klaus.

Im Folgenden wird das Point-Liner®-System detaillierter beschrieben, einschließlich seiner Einsatzbereiche, Vorteile, Anwendungsmöglichkeiten, sowie der Technik und Materialien, die bei der Sanierung eingesetzt werden.


Was ist das Point-Liner®-System?

Das Point-Liner®-System ist ein DIBt-zugelassenes Sanierungsverfahren, das zur Reparatur partieller Schäden in Abwasserhaltungen eingesetzt wird. Es ist ein grabenloses Verfahren, das keine umfangreichen Grabungsarbeiten oder den Austausch ganzer Rohrabschnitte erfordert. Stattdessen wird ein flexibler Liner, bestehend aus Glasfasermatten, in den zu sanierenden Bereich eingeführt und dort mit einem härtenden Harz ausgehärtet, wodurch eine dichte, innere Rohrverklebung entsteht.

Dieses System ist besonders vorteilhaft in Fällen, in denen die Schäden lokalisiert sind und nicht die gesamte Rohrleitung ersetzt werden muss. Typische Anwendungsfälle umfassen Undichtigkeiten, Längs- und Querrisse, mechanischen Verschleiß, Korrosion, Scherbenbildung oder kleine Ausbrüche in Abwasserleitungen.


Wie funktioniert das Point-Liner®-System?

Die Technik des Point-Liner®-Systems ist einfach, aber präzise. Sie beruht auf dem Einsatz eines Sanierungspackers, der die Glasfasermatte, getränkt mit Epoxidharz oder Polyurethanharz, in die zu sanierende Stelle bringt. Der Packer wird unter Kamerabeobachtung positioniert und dann unter Druck expandiert. Dabei presst er die Matte an die Rohrwandung, wodurch eine form- und kraftschlüssige Verklebung entsteht.

Die Aushärtung erfolgt innerhalb von etwa einer Stunde bei Kaltverfestigung. Die Sanierungsarbeit kann in Rohrdurchmessern von DN 100 bis DN 600 durchgeführt werden, wobei der Packer in Längen von 0,5 bis 5 Metern eingesetzt wird. Bei Bedarf ist auch eine überlappende Verklebung mehrerer Packer möglich.

Ein entscheidender Vorteil des Point-Liner®-Systems ist, dass kein Aufgraben der Umgebung erforderlich ist. Dies minimiert die Verkehrsbeeinträchtigungen und die Einflüsse auf die Umgebung, was das System besonders attraktiv für städtische Gebiete und Einfamilienhäuser macht.


Vorteile des Point-Liner®-Systems

Das Point-Liner®-System bietet eine Vielzahl von Vorteilen, die es zur bevorzugten Sanierungsmethode in vielen Anwendungsfällen machen:

  • Kein Aufgraben nötig – Grabungsarbeiten entfallen vollständig. Dies spart Zeit, Kosten und schützt die Umgebung.
  • Kostengünstig – Verglichen mit traditionellen Sanierungsverfahren wie dem Austausch ganzer Rohrabschnitte ist das Point-Liner®-System deutlich günstiger.
  • Hohe Anpassungsfähigkeit – Es kann in Rohrdurchmessern von DN 100 bis DN 600 eingesetzt werden und ist für diverse Rohrmaterialien geeignet, darunter Beton, Stahlbeton, Steinzeug, Faserzement, Gusseisen, GFK und PVC-U.
  • Kurze Aushärtungszeit – Die Aushärtung erfolgt in etwa einer Stunde, wodurch die Sanierung schnell und effizient ist.
  • Erhöhte Fließgeschwindigkeit – Die glatte Oberfläche des Liners ermöglicht eine bessere Durchlässigkeit des Abwassers.
  • Nahtlose Übergänge – Die Verklebung mit der Rohrinnenseite ist form- und kraftschlüssig, was die Dichtigkeit und Langlebigkeit sichert.
  • Einsatz in Bögen und Grundleitungen – Ein breites Packersortiment erlaubt die Sanierung auch in komplexeren Rohrverläufen.
  • Unbedenklichkeit – Die verwendeten Materialien sind umweltfreundlich und gesundheitlich unbedenklich.
  • Langlebigkeit – Die Sanierung hat eine Haltbarkeit von über 50 Jahren, was sie zu einer dauerhaften Lösung macht.
  • Kamerakontrollen nach der Sanierung – Nach der Sanierung können kurze TV-Kontrollen durchgeführt werden, um die Qualität zu prüfen.

Anwendungsbereiche des Point-Liner®-Systems

Das Point-Liner®-System ist in einer Vielzahl von Anwendungsfällen einsetzbar. Typische Einsatzbereiche umfassen:

  • Hausanschlüsse – Bei Schäden an den Anschlüssen zwischen dem Gebäude und der Grundleitung.
  • Grundleitungen – In den Hauptleitungen, die das Abwasser aus dem Gebäude in die öffentliche Kanalisation leiten.
  • Regenfallrohre – Für die Sanierung von Regenwasserleitungen.
  • Innenräume – In Gebäuden, wo z. B. Fallrohre beschädigt sind.
  • Kommunale Anlagen – In öffentlichen Kanalisationssystemen.
  • Industrieanlagen – In spezifischen Industrieumgebungen mit besonderen Anforderungen.
  • Krankenhäuser und Tankstellen – In Einrichtungen, in denen die Kanalisation eine besondere Bedeutung hat.

Das System ist besonders vorteilhaft, wenn Schäden lokalisiert und nicht über die gesamte Rohrleitung verteilt sind. In solchen Fällen ist eine partielle Sanierung sinnvoller und wirtschaftlicher als der Austausch der gesamten Leitung.


Materialien und Technik

Die Materialien und Technik, die im Point-Liner®-System eingesetzt werden, sind auf Robustheit, Flexibilität und Dichtigkeit ausgelegt:

  • Glasfasermatten – Diese bestehen aus Spezial-Glasfasern in verschiedenen Stärken. Sie dienen als Trägermaterial für das Harz und bilden die innere Verkleidung des Rohrs.
  • Epoxid- und Polyurethanharze – Die Harze werden in zwei Komponenten bereitgestellt und tränken die Glasfasermatten. Bei der Aushärtung entsteht ein dichter, glatter Liner, der die Schäden überdeckt und abdichtet.
  • Packer – Diese dienen dazu, die Glasfasermatte in die zu sanierende Stelle zu bringen. Sie sind flexibel und biegbar, um sich an die Rohrgeometrie anzupassen. Die Packer werden mit Luft befüllt, um die Matte an die Rohrwandung zu pressen.
  • Luftschiebe-Stangen – Diese werden zur Positionierung des Packers an der Schadstelle genutzt. Sie sind biegbar und haben Luftanschlüsse für das Befüllen des Packers.
  • Trennfolie – Eine dünne Folie, die zwischen Packer und Glasfasermatte gelegt wird, um eine schnelle Trennung nach der Aushärtung zu ermöglichen.
  • Zubehör-Werkzeuge – Dazu gehören Bohrmaschine mit Rührvorsatz, Schere, Spachtel, Schraubenzieher, Laminierroller, Kabelbinder und Klebeband.

Die Verwendung dieser Materialien und Techniken ermöglicht eine schnelle, präzise und dauerhafte Sanierung, die in der Praxis weiter verbreitet wird.


Verfahrensablauf

Der Ablauf des Point-Liner®-Systems ist in drei Arbeitsschritte unterteilt:

  1. Positionierung des Packers: Der Packer wird mit Luftschiebe-Stangen an die Schadstelle transportiert. Eine Kanal-TV-Kamera hilft dabei, die genaue Position des Packers zu bestätigen.
  2. Platzierung und Verpressung: Nachdem der Packer an der richtigen Stelle ist, wird er mit Luft befüllt, wodurch er sich expandiert und die Glasfasermatte an die Rohrwandung presst.
  3. Aushärtung: Das Harz härtet aus, wodurch eine dichte, glatte Liner-Schicht entsteht. Nach etwa einer Stunde ist die Sanierung abgeschlossen und kann mit Kurzkontrollen überprüft werden.

Dieser Ablauf ist schnell und effizient, wodurch das Point-Liner®-System eine ideale Lösung für kurzfristige und gezielte Sanierungsmaßnahmen ist.


DIBt-Zulassung und Qualitätsprüfung

Das Point-Liner®-System ist DIBt-zugelassen (Zulassungsnummer Z-42.3-397), was belegt, dass das Verfahren den hohen Qualitäts- und Sicherheitsanforderungen entspricht. Die Zulassung wurde nach eignungstesten, darunter 10.000 Stunden-Tests und Spülversuche nach dem Hamburger Modell, erteilt. Zudem wurde ein In-situ-Baustellentest durchgeführt, um die Anwendbarkeit in der Praxis zu bestätigen.

Diese Zertifizierung und Prüfungen garantieren, dass das Point-Liner®-System sicher, zuverlässig und langfristig dicht bleibt. Sie sind auch ein Nachweis für die Umweltverträglichkeit der eingesetzten Materialien.


Voraussetzungen für die Anwendbarkeit

Um das Point-Liner®-System anwenden zu können, müssen einige technische und strukturelle Voraussetzungen erfüllt sein:

  • Tragfähigkeit des Altrohrs: Das Altrohr muss strukturell tragfähig sein, um die Belastungen durch den Packer und die Aushärtung zu überstehen.
  • Funktionsfähige Bettung: Die seitliche Bettung des Rohrs muss funktionsfähig sein, um die Stabilität des gesamten Systems zu gewährleisten.
  • Unbedeutender Durchmesserverlust: Der Durchmesserverlust durch den Liner ist unbedeutend, was die Durchlässigkeit des Rohrs nicht erheblich beeinträchtigt.
  • Kanalisationsanforderungen: Die Sanierung muss den Anforderungen der DIN 1986-3 entsprechen, die für Abwasserkanalisationen gelten.

Diese Voraussetzungen werden vor der Sanierung durch eine Kanal-TV-Untersuchung überprüft. Nur wenn diese Bedingungen erfüllt sind, kann das Point-Liner®-System sicher und effektiv eingesetzt werden.


Kosten und Wirtschaftlichkeit

Ein weiterer großer Vorteil des Point-Liner®-Systems ist seine Kosteneffizienz. Verglichen mit traditionellen Sanierungsverfahren, die umfangreiche Grabungsarbeiten und Rohraustausch erfordern, ist das Point-Liner®-System deutlich günstiger. Laut den Quellen kann die Sanierung bis zu 50 % günstiger sein als herkömmliche Methoden.

Zudem sind nachfolgende Arbeiten, wie kurze TV-Kontrollen, direkt nach der Sanierung durchführbar, was zusätzliche Kosten entfallen lässt. Zudem entstehen keine Kosten für den Aufgraben und die Befüllung der Grabung, was in städtischen Gebieten besonders wichtig ist.


Fazit

Das Point-Liner®-System hat sich in der modernen Kanalsanierung als wirtschaftliche, schnelle und dauerhafte Lösung etabliert. Es ermöglicht die gezielte Sanierung von Schäden in Abwasserrohren, ohne dass die gesamte Leitung ersetzt werden muss. Mit der DIBt-Zulassung und der Eignung für verschiedene Rohrmaterialien und Durchmesser ist es ein verlässliches Verfahren, das von mehreren renommierten Unternehmen in der Branche angeboten wird.

Die Vorteile des Systems – darunter keine Grabungsarbeiten, kurze Aushärtungszeit, Dichtigkeit und Langlebigkeit – machen es besonders attraktiv für Hausbesitzer, Kommunen und Industrieunternehmen. Die Einsatzbereiche reichen von Hausanschlüssen bis zu öffentlichen Kanalisationssystemen, wodurch das Verfahren vielfältig und flexibel einsetzbar ist.

Insgesamt ist das Point-Liner®-System eine moderne, effiziente und umweltfreundliche Sanierungsmethode, die in der Praxis immer häufiger zum Einsatz kommt. Sie ist besonders dann sinnvoll, wenn Schäden lokalisiert und nicht über die gesamte Rohrleitung verteilt sind. In solchen Fällen ist eine partielle Sanierung sinnvoller und wirtschaftlicher als der Austausch der gesamten Leitung.


Quellen

  1. 57-Punktrenovierung
  2. Point-Liner®-Partner
  3. Rohr- und Kanalsanierung
  4. Point-Liner-System
  5. Rohr- und Kanalsanierungen
  6. Point-Liner-Verfahren
  7. Liner-Verfahren

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