Einleitung
Die Sanierung des Rathauses in Arnsberg ist eines der größten und bedeutungsvollsten Bauprojekte in der Region. Das Rathaus, ursprünglich als Verwaltungssitz der Stadt Neheim-Hüsten errichtet und seit 1975 Verwaltungssitz der Stadt Arnsberg, wurde zwischen 1965 und 1968 gebaut und ist nun in die Jahre gekommen. Die Sanierungsmaßnahmen, die seit 2021 andauern, beinhalten sowohl den Rohbau als auch die Neugestaltung des Gebäudes. Ziel ist es, das Rathaus energetisch zu modernisieren, barrierefrei zu gestalten und langfristig klimaneutral zu betreiben. Der Fokus liegt auf der Sanierung des Hochtraktes (achtgeschossiger Büroturm) und der Erstellung eines neuen Flachtraktes, der als Bürgerzentrum dienen wird.
Die Sanierung wird von der Stadt Arnsberg in enger Zusammenarbeit mit dem Architekturbüro v-architekten Köln und der Projektsteuerung der Assmann-Gruppe durchgeführt. Im Rahmen des Projekts werden auch Schadstoffbelastungen im Boden beseitigt und die Energieversorgung auf erneuerbare Energien umgestellt. Mit einer geplanten Fertigstellung im Jahr 2026 ist die Sanierung nicht nur eine bauliche, sondern auch eine symbolische Wiedergeburt eines Verwaltungsstätten-Ensembles, das für die Zukunft gerüstet werden soll.
Die historische Entwicklung des Rathauses Arnsberg
Das Rathaus in Arnsberg wurde im Jahr 1966 mit der Grundsteinlegung begonnen und 1968 als Verwaltungssitz der Stadt Neheim-Hüsten fertiggestellt. Nach der Fusion der Städte Neheim-Hüsten und Arnsberg im Jahr 1975 wurde es zur Verwaltungssitzung der Stadt Arnsberg. Das Gebäude, bestehend aus einem Hochtrakt (acht Stockwerke) und einem Flachtrakt, war damals modern und funktional angelegt. Doch die Anforderungen an Verwaltungsgebäude haben sich in den vergangenen 50 Jahren stark verändert.
Mit der steigenden Forderung nach Energieeffizienz, Barrierefreiheit und Nutzerfreundlichkeit wurde schnell klar, dass das Rathaus in seiner ursprünglichen Form nicht mehr den aktuellen und zukünftigen Anforderungen entsprechen konnte. Zudem war die Gebäudehülle energetisch ineffizient, und die Technikaltlasten waren stark veraltet.
Nach einem Architektenwettbewerb im Jahr 2017 und der Klärung der Denkmalschutzfragen im Jahr 2018 wurde im Sommer 2019 der Beschluss zur Sanierung gefasst. Die Planung konzentrierte sich auf die energetische Sanierung, die Gestaltung der Fassaden, die Neugestaltung der Bürolandschaft und die Ausbildung der öffentlichen Bereiche.
Bauplanung und Projektziele
Die Sanierung des Rathauses in Arnsberg umfasst mehrere zentrale Bauphasen:
1. Rückbau und Rohbauarbeiten
Die Rohbauarbeiten für beide Gebäudekomponenten – Hochtrakt und Flachtrakt – sind in den frühen Phasen der Sanierung von zentraler Bedeutung. Der Flachtrakt des Verwaltungsgebäudes wurde vollständig zurückgebaut, um Platz für den Neubau eines modernen Bürgerzentrums zu schaffen. Der achtgeschossige Büroturm (Hochtrakt) wurde bis auf das Stahlbetonskelett entkernt, um eine tiefgehende Sanierung und Neugestaltung zu ermöglichen.
Die Rohbauarbeiten beinhalten u. a.:
- Baustelleneinrichtungen
- Kranstellungen
- Gebäudeein- und Vermessung mit Schnurgerüsten
- Rohbauarbeiten im Flachtrakt
- Technische Ausstattung (TGA) im Flachtrakt
- Rohbauarbeiten im Hochtrakt
- Technische Ausstattung (TGA) im Hochtrakt
- Dokumentation und Stundenlohnarbeiten
Die Rohbauarbeiten sind von der Stadt Arnsberg an externe Firmen vergeben worden und sind im Wesentlichen abgeschlossen. Der Hochtrakt wurde bis auf das Skelett entkernt und saniert, und die Rohbauarbeiten für den Flachtrakt wurden durchgeführt.
2. Fassadenarbeiten und Schadstoffsanierung
Ein zentraler Baupunkt ist die Sanierung der Fassade, die für den Hochtrakt sowie den Flachtrakt geplant ist. Die Fassadenarbeiten am Hochtrakt begannen erst im November 2024 – später als geplant. Die Fassade besteht aus 96 Doppelelementen pro Fläche, entweder mit Festverglasung oder Öffnungselementen. Die Wärmeschutzverglasung besteht aus dreifach Isolierglas, und die Fassade verfügt von außen über eine spezielle Vogelschutz-Folie.
Zudem wurde die Schadstoffsanierung, insbesondere des belasteten Bodens im Umfeld des Rathauses, als Herausforderung bewältigt. Der belastete Boden wurde abtransportiert und fachgerecht entsorgt. In Kürze sollen weitere belastete Bodenbereiche südöstlich und östlich des Hochtraktes saniert werden. Eine Drainage zur Schutz des Grundwassers wurde verlegt und muss noch verlängert werden. Zudem wird der belastete Boden unter einer Schadstofflinse, die sich unter dem Ruhrtalradweg befindet, ausgetauscht.
3. Technische Ausstattung (TGA)
Im Zuge der Sanierung wurden umfassende Arbeiten an der Technischen Ausstattung (TGA) durchgeführt. Dazu zählen:
- Umbau der Treppenhauskerne
- Diverse Mauerwerksarbeiten
- Rückbau und Wiederaufbau der Technikzentrale auf dem Dach
- Dachaufbau mit Dämmung und Abdichtung
- Rohinstallation der Elektrotechnik
- Heizungs-, Lüftungs- und Sanitäranlagen
Die TGA-Arbeiten sind für beide Gebäudekomponenten erforderlich und beinhalten die Neugestaltung der Energieversorgung. Ziel ist es, das Rathaus klimaneutral zu betreiben. Dazu wird auf erneuerbare Energien zurückgegriffen und die Wärmeversorgung optimiert.
4. Neubau des Bürgerzentrums (Flachtrakt)
Der Flachtrakt, der als Bürgerzentrum dienen wird, wurde komplett neu gebaut. Er beinhaltet einen Tiefgaragenbereich, einen Ratssaal sowie eine Vielzahl von Räumen für Veranstaltungen, die von Vereinen, Initiativen und Gruppen genutzt werden können. Die Bauarbeiten am Flachtrakt beinhalten u. a. den Dachaufbau, Dämmung und Abdichtung sowie die Vorbereitung der Unterkonstruktion für die Elementfassaden.
Ein Richtfest für den Flachtrakt wurde am 4. Mai 2024 gefeiert, wobei Gäste einen geführten Rundgang durch das zukünftige Rathaus nutzen konnten. Die Fertigstellung des Flachtraktes ist ein Meilenstein auf dem Weg zur Gesamtfertigstellung des Projektes.
Energetische Sanierung und Klimaschutz
Die Sanierung des Rathauses Arnsberg ist nicht nur baulich, sondern auch klimatisch bedeutsam. Ziel ist es, das Rathaus in einen klimaneutralen, energieeffizienten und barrierefreien öffentlichen Gebäudekomplex zu verwandeln.
Die Energetische Sanierung umfasst folgende Maßnahmen:
- Energieeffiziente Gebäudehülle: Die Fassaden sind ausgedacht, um die Wärmeabgabe zu minimieren und den Energieverbrauch zu reduzieren.
- Wärmeversorgung: Die Wärmeversorgung des Rathauses wird auf erneuerbare Energien umgestellt. Eine konkrete Technologie wurde zwar nicht genannt, jedoch ist bekannt, dass die Wärmeversorgung als Schwerpunkt im Sanierungsprojekt diskutiert wird.
- Dämmung: Sowohl der Hochtrakt als auch der Flachtrakt sind mit modernen Dämmmaterialien versehen, um Wärmeverluste zu minimieren.
- Elektrotechnik: Die Elektrotechnik wird neu installiert, um Energieverbrauch und Effizienz zu optimieren.
Ein Vortrag von Sebastian Gerke, Fachdienstleiter Gebäudemanagement der Stadt Arnsberg, betonte in einer Veranstaltung, wie wichtig die klimafreundliche Wärmeversorgung und der Einsatz erneuerbarer Energien im Rahmen der Sanierung sind. Die Rathaussanierung wird als ein Vorzeigebeispiel für energieeffiziente und nachhaltige Sanierungsmaßnahmen in der Region betrachtet.
Zeitplan und Kosten
Die Sanierungsmaßnahmen begannen Mitte 2021 und sind in mehreren Phasen geplant. Ein zentraler Meilenstein war das Richtfest am 4. Mai 2024, bei dem der Flachtrakt als Bürgerzentrum abgedeckt wurde. Im Mai 2026 ist geplant, ein fertiggestelltes Geschoss im Hochtrakt der Öffentlichkeit zu präsentieren. Die endgültige Fertigstellung des gesamten Projekts ist für Ende 2026 vorgesehen.
Die Kosten für die Sanierung des Rathauses Arnsberg werden mit rund 67,9 Millionen Euro angegeben. Diese Summe umfasst die Sanierung des Rathauses, den Neubau des Bürgerzentrums und die Altlastensanierung. Die Stadt Arnsberg hat bis dato rund 60 Prozent der Leistungen vergeben und konnte so das Risiko von Kostensteigerungen minimieren. Zudem wurde ein Risikokapital in die Kostenkalkulation eingebaut.
Die Verzögerungen im Projekt, insbesondere bei den Fassadenarbeiten, wurden durch schlechtes Wetter und logistische Herausforderungen verursacht. Dennoch gelang es der Stadt, die Kosten innerhalb des geplanten Rahmens zu halten. Weltwirtschaftliche Entwicklungen und politische Risiken bleiben jedoch nicht kalkulierbare Faktoren, die eventuell die Kosten noch beeinflussen könnten.
Öffentlichkeitsarbeit und Bürgerbeteiligung
Die Rathaussanierung in Arnsberg ist nicht nur ein bauliches Projekt, sondern auch ein kommunales Vorzeigebeispiel für Nachhaltigkeit, Transparenz und Bürgerbeteiligung. Die Stadt Arnsberg hat verschiedene Maßnahmen ergriffen, um die Bürgerinnen und Bürger über den Fortschritt informiert zu halten:
- Baustellenbegehungen: Im Rahmen von Veranstaltungen wie dem „Tag der Städtebauförderung“ fand eine Baustellenbegehung statt, bei der interessierte Bürgerinnen und Bürger den Fortschritt hautnah erleben konnten.
- Informationen auf der Stadtwebsite: Auf der offiziellen Internetseite der Stadt Arnsberg (arnsberg.de/rathaussanierung) finden sich detaillierte Informationen zu den Maßnahmen, Terminen, Kosten und aktuellen News.
- Veranstaltungen: Der „Energiestammtisch“ der Stadt Arnsberg war eine Gelegenheit, bei der Sebastian Gerke über die Sanierungsmaßnahmen und den Einsatz erneuerbarer Energien berichtete. Diese Veranstaltungen dienen dem Austausch mit Experten, aber auch der Öffentlichkeitsarbeit.
Die Rathaussanierung ist somit nicht nur ein technisches Projekt, sondern auch ein kommunales Projekt, das auf Transparenz, Nachhaltigkeit und Bürgerbeteiligung setzt.
Fazit
Die Sanierung des Rathauses in Arnsberg ist ein herausragendes Projekt, das die Herausforderungen der modernen Verwaltungsarchitektur in der Epoche der Nachhaltigkeit und Energieeffizienz aufgreift. Mit der Sanierung des Hochtraktes und dem Neubau des Flachtraktes als Bürgerzentrum wird das Rathaus in Arnsberg zu einem zentralen Knotenpunkt der öffentlichen Verwaltung und Bürgerbeteiligung in der Region.
Die Sanierung ist nicht nur baulich, sondern auch klimatisch und sozial relevant. Sie zeigt, wie ein bestehendes Verwaltungsgebäude durch tiefgehende Sanierungsmaßnahmen in ein modernes, klimaneutrales und barrierefreies Gebäude verwandelt werden kann. Zudem betont die Rathaussanierung die Bedeutung von Energieeffizienz, erneuerbaren Energien und Schadstoffbeseitigung in der öffentlichen Hand.
Die Stadt Arnsberg hat mit der Rathaussanierung ein Projekt begonnen, das als Vorbild für andere Kommunen dienen kann. Die Transparenz in der Planung, die Einbindung der Bevölkerung und die klare Fokussierung auf klimafreundliche Maßnahmen machen das Projekt zu einem Musterbeispiel für nachhaltige Sanierungen in der öffentlichen Verwaltung.
Quellen
- Sanierung Rathaus Arnsberg, Rathausplatz 1, 59759 Arnsberg, Rohbauarbeiten
- Sanierung des Rathauses Arnsberg: Ein Schritt in die Zukunft
- Rathausumbau in Arnsberg: Fertigstellung bis Ende 2026 geplant
- Rathaus-Sanierung Arnsberg: Rückblick, aktueller Stand und Beitrag zum Klimaschutz
- Rathaussanierung: Fassade nimmt endlich Form an
- Rathaussanierung Arnsberg: Baustellenimpressionen