Sanierung und Umbau des historischen Rathauses in Frankfurt (Oder): Ein Modellbeispiel für denkmalgerechte Baumaßnahmen

Einführung

Das Rathaus in Frankfurt (Oder) ist nicht nur ein architektonisches Wahrzeichen der Stadt, sondern auch eine historische Kulturperle, die in den vergangenen Jahren intensiv saniert und umgebaut wurde. Das Projekt, das nach einem Architekturwettbewerb ausgelobt wurde, markiert einen Meilenstein in der Städtebauförderung Brandenburgs. Mit einer Gesamtbaudauer von rund neun Jahren und Gesamtkosten von über 35 Millionen Euro war die Sanierung eines der umfangreichsten Einzelvorhaben der Städtebauförderung in Brandenburg. Der Fokus lag dabei nicht nur auf der Erneuerung der baulichen Strukturen, sondern auch auf der Schaffung eines modernen, barrierefreien und funktionalen Verwaltungszentrums, das den Anforderungen der Gegenwart entspricht. In diesem Artikel wird die Sanierung und der Umbau des Rathauses in Frankfurt (Oder) in den Mittelpunkt gestellt, wobei die historische Entwicklung, die Planung, die Baumaßnahmen und die finanzielle Umsetzung detailliert beschrieben werden.

Historische Entwicklung des Rathauses

Das Rathaus in Frankfurt (Oder) hat eine bewegte Geschichte, die sich bis ins 13. Jahrhundert zurückverfolgen lässt. Der historische Teil des Gebäudes entstand im Mittelalter und wurde im 14. Jahrhundert durch den markanten gotischen Giebel erweitert. Im Jahr 1913 wurde ein weiterer Erweiterungsbau im Stil der Backsteingotik errichtet, der das Rathaus um einen dreiflügeligen Anbau mit Innenhof erweiterte. Nach dem Zweiten Weltkrieg war das Gebäude stark zerstört: Die Dachstühle waren komplett weggerissen, und große Teile der Decken mussten ersetzt werden. In den 1950er Jahren erfolgten erste Wiederherstellungsbemühungen, unter anderem der Neubau des Dachstuhls und der beschädigten Gewölbe. In den 1970er Jahren wurden umfangreiche Umbauten vorgenommen, insbesondere im 3. und 4. Obergeschoss, um zusätzliche Büroräume zu schaffen. Diese Erweiterungen blieben jedoch zeitlich begrenzt, und seit den 1970er Jahren gab es keine grundlegende Sanierung mehr, die den baulichen Zustand des Rathauses langfristig sicherte.

Der Architekturwettbewerb 2015

Im Jahr 2015 erkannte die Stadt Frankfurt (Oder) die dringende Notwendigkeit einer umfassenden Sanierung und lobte einen Architekturwettbewerb aus. Ziel des Wettbewerbs war es, ein Konzept zu entwickeln, das denkmalgerecht umgesetzt wird, aber gleichzeitig die Anforderungen an Barrierefreiheit, Energieeffizienz und moderne Verwaltungsfunktionen erfüllt. Der Wettbewerb wurde von den Berliner Architekten ff-Architekten Feldhusen Fleckenstein in Zusammenarbeit mit Andreas Schwarz Architekten gewonnen. Die Entwurfsplanung wurde von diesen beiden Büros gemeinsam entwickelt, wobei die Ausführungsplanung und die Umsetzung ausschließlich durch ff-Architekten erfolgten.

Der Wettbewerbsentwurf betonte die Wichtigkeit der Erhaltung der historischen Substanz, wobei gleichzeitig eine moderne, funktionale Nutzung ermöglicht werden sollte. Eine zentrale Rolle spielte dabei die Transformation des ehemaligen Wirtschaftshofs in ein zentrales Atrium. Dieser Bereich sollte als öffentlicher Begegnungsort dienen, die Orientierung verbessern und die Erschließung der verschiedenen Geschosse optimieren.

Umsetzung der Sanierungs- und Umbaumaßnahmen

Die Sanierung und der Umbau des Rathauses begannen nach der Wettbewerbsentscheidung und dauerten bis zur feierlichen Wiedereröffnung im Mai 2024. Insgesamt war das Projekt mit einer Bauphase von rund vier Jahren verbunden, wobei die Planung und der Wettbewerb bereits seit 2015 andauerten, sodass der Gesamtaufwand über neun Jahre betrug.

Die zentralen Baumaßnahmen umfassten die sorgfältige Sanierung der historischen Dachkonstruktion. Die Dachstühle, die im Zweiten Weltkrieg zerstört wurden und in den 1950er Jahren nur teilweise ersetzt worden waren, wurden komplett neu errichtet. Zudem wurden die historischen Gewölbe und Decken restauriert, um die bauliche Substanz langfristig zu sichern. Besonderes Augenmerk galt auch der Sicherheit des Gebäudes: Der Brandschutz wurde umfassend ertüchtigt, um moderne Sicherheitsstandards zu erfüllen.

Ein weiterer Schwerpunkt lag auf der Schaffung einer barrierefreien Erschließung. In den 1970er Jahren waren einige Umbauten erfolgt, die jedoch die Zugänglichkeit des Rathauses nicht verbesserten. Mit der Sanierung wurde ein neuer Aufzug eingebaut, der den barrierefreien Zugang zu den verschiedenen Geschossen ermöglicht. Zudem wurde der Eingangsbereich grundlegend überarbeitet: Die bestehende Innenhofdecke über dem Erdgeschoss und die Wände im Foyer wurden zurückgebaut, um einen großzügigen Eingangsbereich mit einer neuen Treppenanlage zu schaffen.

Ein weiteres Highlight des Projekts war die Errichtung einer umlaufenden Galerie über dem 2. Obergeschoss, die sowohl für Mitarbeiter als auch für Besucher Zugänglichkeit und Orientierung verbessert. Zudem wurde die Innenhofüberdachung saniert und neu gestaltet, um den Atriumbereich zu einem offenen und lebendigen Treffpunkt zu machen.

Energetische und technische Modernisierung

Neben der Erhaltung der historischen Substanz war auch die energetische Modernisierung ein zentrales Ziel der Sanierung. Das Rathaus war in vielen Bereichen technisch stark veraltet, weshalb im Rahmen der Sanierung die Haustechnik komplett erneuert wurde. Moderne Heizsysteme, Lüftungsanlagen und Brandschutzmaßnahmen wurden eingebaut, um den Energieverbrauch zu senken und gleichzeitig die Sicherheit und Komfort der Nutzer zu steigern.

Zudem wurden die Räume neu gestaltet, um eine bessere Funktionalität und Flexibilität zu gewährleisten. Die zuvor engen Einzelbüros wurden in eine flexible, kommunikative Raumstruktur transformiert, die durch Trennwände und bewegliche Möbel gesteuert werden kann. Dies ermöglicht eine bessere Zusammenarbeit und eine anpassungsfähige Arbeitsumgebung.

Finanzierung und Förderung

Die Gesamtkosten des Projekts beliefen sich auf etwa 35,7 Millionen Euro. Davon wurden rund 18,9 Millionen Euro aus Mitteln der Städtebauförderung bewilligt, was den Projektanteil von knapp 53 % ausmacht. Die Finanzierung war entscheidend für die Umsetzung der Sanierungs- und Umbaumaßnahmen, da die Stadt Frankfurt (Oder) ohne diese Mittel nicht in der Lage gewesen wäre, das Projekt in der geplanten Form zu realisieren.

Die Städtebauförderung ist ein Programm der Bundesregierung in Zusammenarbeit mit den Ländern, das denkmalgerechte Sanierungen und bauliche Verbesserungen in städtischen Zentren unterstützt. In Brandenburg ist die Sanierung des Rathauses als das größte und umfangreichste Einzelvorhaben der Städtebauförderung bekannt. Staatssekretär Uwe Schüler betonte mehrfach in öffentlichen Äußerungen, dass das Projekt ein Vorbild sei, wie historische Bauten für die Zukunft erhalten und weiterentwickelt werden können.

Bedeutung des Projekts für Frankfurt (Oder) und Brandenburg

Die Sanierung des Rathauses ist nicht nur ein baulicher Meilenstein, sondern auch ein symbolischer. Das Rathaus, das seit dem Mittelalter besteht und im 19. Jahrhundert um einen bedeutenden Erweiterungsbau ergänzt wurde, ist ein Wahrzeichen der Stadt. Mit der Sanierung wurde nicht nur die bauliche Substanz erneuert, sondern auch der öffentliche Zugang und die Funktion des Rathauses als zentraler Verwaltungsort verbessert.

Die offizielle Wiedereröffnung fand am 22. Mai 2024 statt. Bei der feierlichen Einweihung nahmen unter anderem Ministerpräsident Dietmar Woidke und Uwe Schüler, Staatssekretär im Ministerium für Infrastruktur und Landesplanung Brandenburg, teil. In seiner Rede betonte Woidke, dass das Rathaus nicht nur ein historisches Gebäude sei, sondern auch ein Ort, der der Gemeinschaft diene. Er hob hervor, dass die Sanierung ein Zeichen dafür sei, wie Städte sich für die Zukunft entwickeln können – offen, lebendig und zugänglich.

Ausblick und Zukunftsperspektiven

Obwohl die Sanierung im Mai 2024 abgeschlossen wurde, gibt es noch Restarbeiten und Abnahmen, die durchgeführt werden müssen, bevor das Rathaus der Öffentlichkeit vollständig zugänglich gemacht werden kann. Die Stadt Frankfurt (Oder) plant, das Rathaus in Kürze für Besucher zu öffnen, um die Ergebnisse der Sanierung präsentieren zu können. In der Zwischenzeit sind einige Bereiche des Rathauses bereits für die Verwaltung in Betrieb genommen worden.

Die Sanierung des Rathauses ist ein Erfolgsbeispiel, das zeigt, wie historische Gebäude mit modernen Anforderungen in Einklang gebracht werden können. Es ist ein Projekt, das nicht nur aus finanziellen Mitteln, sondern auch aus kluger Planung, fachlicher Kompetenz und politischer Unterstützung entstanden ist. Die Architekten und Planer, die an dem Projekt beteiligt waren, erhielten dafür auch Anerkennung in der Fachwelt: So wurde die Sanierung bereits mit einem Architekturpreis ausgezeichnet, was die Qualität und die Bedeutung des Projekts unterstreicht.

Fazit

Die Sanierung und der Umbau des Rathauses in Frankfurt (Oder) markieren eine historische wie architektonische Meisterleistung. Das Projekt zeigt, wie ein Gebäude mit mehreren hundert Jahren Geschichte sorgfältig erneuert werden kann, ohne seine Identität zu verlieren. Gleichzeitig wurden moderne Anforderungen an Barrierefreiheit, Energieeffizienz und funktionale Nutzung erfüllt, wodurch das Rathaus zu einem zeitgemäßen und zukunftsorientierten Verwaltungszentrum geworden ist.

Für Bauherren, Architekten und Kommunen ist das Projekt eine Inspiration, wie man mit historischen Gebäuden umgehen kann: nicht durch Abriss, sondern durch sorgfältige Sanierung und Umbau. Die Erfahrungen aus Frankfurt (Oder) können auch auf andere Städte übertragen werden, wo ähnliche Herausforderungen bestehen. Das Rathaus in Frankfurt (Oder) ist nicht nur ein baulicher Erfolg, sondern auch ein Symbol für die Zukunftsfähigkeit historischer Städte.

Quellen

  1. Umbau und Sanierung Rathaus Frankfurt / Oder
  2. Sanierung und Umbau von ff-Architekten
  3. Sanierung langjähriger Umbau: Rathaus in Frankfurt (Oder) eröffnet
  4. Einweihung Rathaus Frankfurt (Oder)
  5. Umbau und Sanierung Rathaus Frankfurt (Oder)
  6. Historisches Rathaus in Frankfurt (Oder) nach neunjähriger Sanierung wiedereröffnet
  7. Rathaus in Frankfurt (Oder): Umbau begeistert Architekten – Preis für Sanierung
  8. Aufgefrischtes Rathaus in Frankfurt (Oder): Sanierung und Umbau von ff-Architekten
  9. Rathaus offiziell wiedereröffnet

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