Einführung
Im September 2024 hat die Deutsche Bahn ein umfassendes Sanierungsprogramm mit der Bezeichnung „S3“ gestartet. Dieses Programm zielt darauf ab, den staatlichen Verkehrsunternehmen bis 2027 wirtschaftlich zu stabilisieren und langfristig auf einen nachhaltigen Wachstumspfad zu führen. Mit dem S3-Programm adressiert die Deutsche Bahn drei zentrale Handlungsfelder: die Verbesserung der Wirtschaftlichkeit, die Modernisierung der Infrastruktur und die zuverlässigere Gestaltung des Eisenbahnbetriebs.
Der Artikel beleuchtet die Hintergründe, die konkreten Maßnahmen und den aktuellen Stand des Programms. Dabei werden auch die Herausforderungen thematisiert, die sich im Zuge der Sanierung ergeben, insbesondere innerhalb der Infrastruktursparte DB InfraGO und bei der Umsetzung von Generalsanierungsprojekten. Die Auswirkungen auf den Fahrgastbetrieb, die Digitalisierung und den Umgang mit Arbeitsplätzen runden das Bild ab.
Die drei Säulen des S3-Programms
Das S3-Programm gliedert sich in drei eng miteinander verbundene Handlungsfelder: Wirtschaftlichkeit, Infrastruktur und Betrieb. Diese Säulen bilden die Grundlage für die Sanierung des Konzerns und sind systematisch in Maßnahmen übersetzt worden, die bis 2027 umgesetzt werden sollen.
1. Wirtschaftlichkeit
Ein zentraler Bestandteil des S3-Programms ist die Stabilisierung der wirtschaftlichen Lage des Konzerns. Nach Angaben aus dem ersten Quartalsbericht hat sich die wirtschaftliche Situation im ersten Quartal 2025 leicht verbessert. Die Deutsche Bahn betont, dass die Sanierung „besser voran als geplant“ sei. Gleichzeitig wurden aber auch Risiken identifiziert, die das Erreichen der geplanten Jahresziele gefährden könnten.
Eine Maßnahme, die hier besonders erwähnt wird, ist die Preissenkung im Fernverkehr. So wurde beispielsweise der Einstiegspreis für den Super Sparpreis für kurze Strecken von 9,99 Euro auf 6,99 Euro reduziert. Zudem wurden Fernverkehrs-Monatskarten im Juni 2025 für zwei Wochen um 25 Prozent rabattiert. Diese Maßnahmen sind darauf ausgerichtet, Fahrgäste zurückzugewinnen, insbesondere ehemalige Kunden des Deutschlandtickets. Die Stornierungsgebühr beim Flexpreis wurde ebenfalls abgeschafft.
Darüber hinaus wurde das BahnCard-Sortiment um eine Senioren BahnCard Plus erweitert, was als weiterer Schritt zur Gewinnung neuer Kunden und zur Stabilisierung der Einnahmen verstanden wird.
2. Infrastruktur
Die Sanierung der Infrastruktur ist ein zentrales Element des Programms. Ziel ist es, das überalterte Schienennetz zu modernisieren und die Leistungsfähigkeit der Infrastruktur zu erhöhen. Im Rahmen des S3-Programms werden Generalsanierungen an mehreren Korridoren durchgeführt. Ein Beispiel hierfür ist die Riedbahn, deren Sanierung als Pilotprojekt dient und erste Erfahrungen liefert, die in die Planung weiterer Projekte einfließen.
Bereits in einigen Bundesländern, wie Nordrhein-Westfalen, Hessen, Rheinland-Pfalz und dem Saarland, ist das S3-Programm gut angelaufen. Weitere geplante Projekte umfassen Modernisierungsmaßnahmen in Bayern sowie in Berlin, Brandenburg und Mecklenburg-Vorpommern. Diese Projekte sind aber im vorliegenden Quellenmaterial nicht näher beschrieben.
Ein weiterer Schwerpunkt der Infrastrukturmaßnahmen ist die Modernisierung von Bahnhöfen. Die Deutsche Bahn hat sich das Ziel gesetzt, 400 Bahnhöfe kundenfreundlicher und zukunftsfähig zu gestalten. Ein konkretes Beispiel ist die neue S-Bahn-Station Frankfurt-Ginnheim, die seit dem 15. Dezember 2024 in Betrieb ist. Insgesamt sollen diese Maßnahmen dazu beitragen, die Attraktivität des Schienenverkehrs zu steigern und die Kundenzufriedenheit zu verbessern.
3. Eisenbahnbetrieb
Neben der Modernisierung der Infrastruktur und der wirtschaftlichen Stabilisierung ist auch die zuverlässigere Gestaltung des Eisenbahnbetriebs ein zentrales Ziel des S3-Programms. Die Deutsche Bahn möchte die Pünktlichkeit und Zuverlässigkeit ihrer Züge erhöhen, um den Fahrgastbetrieb attraktiver zu machen. Dies ist insbesondere im Hinblick auf die hohen infrastrukturbedingten Verspätungen ein wichtiges Anliegen.
Ein Sorgenkind in diesem Bereich ist die gemeinwohlorientierte Infrastruktur-Sparte DB InfraGO. Diese Tochtergesellschaft der Deutschen Bahn ist für die Unterhalts- und Erneuerungsarbeiten an der Schieneninfrastruktur verantwortlich. Laut den Quellen liegt der Gewinn der Sparte weit unter Plan. Dies hängt unter anderem mit hohen Schadensersatzleistungen zusammen, die derzeit anfallen, sowie mit einer schlechteren Entwicklung beim Verkauf von Grundstücken.
Insgesamt sind die Herausforderungen in der Infrastruktursparte so groß, dass sie das Erreichen der geplanten Jahresziele gefährden könnten. In Reaktion darauf wurden Gegensteuerungsmaßnahmen eingeleitet, um die Situation zu stabilisieren.
Fortschritte und Herausforderungen
Der erste Quartalsbericht zum S3-Programm gibt einen ersten Überblick über die Fortschritte und Herausforderungen. Laut diesem Bericht hat sich die wirtschaftliche Lage des Konzerns im ersten Quartal 2025 leicht verbessert. Die Sanierung verläuft in einigen Bereichen besser als geplant. Gleichzeitig wurden aber auch Risiken identifiziert, die das Erreichen der geplanten Ziele gefährden könnten.
Ein weiterer Schwerpunkt des Quartalsberichts ist die Auslastung im Fernverkehr. Laut den Quellen lag die Auslastung im ersten Quartal 2025 bei nur 42 Prozent. Dies deutet auf einen deutlichen Rückgang der Fahrgastzahlen hin. Um diese Entwicklung zu kompensieren, hat die Deutsche Bahn eine Preissenkungspolitik verfolgt, wie bereits erwähnt, und zusätzliche Rabattangebote eingeführt.
Die Erfahrungen aus der Generalsanierung der Riedbahn fließen direkt in die Planung weiterer Projekte ein. Dies soll dazu beitragen, die Effizienz der Maßnahmen zu erhöhen und Synergieeffekte zu nutzen. Zudem sind die Projekte eng mit der Bundesregierung abgestimmt, um auch im Rahmen vorläufiger Haushaltsführungen handlungsfähig zu bleiben.
Generalsanierungen und Konzernstrategie
Der Aufsichtsrat der Deutschen Bahn hat in seinen Sitzungen am 18. und 20. Dezember 2024 die Weichen für die strukturelle Sanierung des Konzerns gestellt. Dabei wurden alle bis 2027 geplanten Generalsanierungen genehmigt, einschließlich der Sanierung von Hauptverkehrskorridoren. Die Projekte sind eng mit der Bundesregierung abgestimmt, um auch im Rahmen vorläufiger Haushaltsführungen handlungsfähig zu bleiben.
Ein zentraler Aspekt der Generalsanierungen ist die Instandhaltung des Bestandsnetzes. Laut DB-Vorstandsvorsitzender Dr. Richard Lutz zeigt die Generalsanierung der Riedbahn, dass eine entschlossene Umsetzung mit finanzieller Absicherung zum Erfolg führen kann. Mit dieser Disziplin treibt die Deutsche Bahn auch das Sanierungsprogramm S3 voran.
Neben der Sanierung des Bestandsnetzes liegt ein weiterer Schwerpunkt auf langfristig tragfähigen Lösungen für Neu- und Ausbauprojekte sowie Digitalisierungsmaßnahmen. Diese Maßnahmen sollen dazu beitragen, die Leistungsfähigkeit des Konzerns langfristig zu sichern.
Arbeitsplätze und Strukturen
Im Rahmen des S3-Programms prüft die Deutsche Bahn auch die Schließung ganzer Werke für die Instandhaltung. Laut internen Konzernunterlagen wird der Stellenabbau vor allem die deutschen Werke treffen – und hier besonders DB Cargo, das Wartungsaufträge in kostengünstigere Länder verlagern möchte. Ein gefährdeter Standort ist laut den Quellen derzeit Senftenberg in Brandenburg. Gewerkschaften und Betriebsräte warnen vor regionalen Auswirkungen und Arbeitsplatzverlusten.
Die Gewerkschaften sind insgesamt skeptisch gegenüber dem S3-Programm. Sie kritisieren unter anderem, dass die Maßnahmen oft auf Kosten der Beschäftigten gehen und dass die Kommunikation innerhalb des Konzerns nicht transparent genug ist. Diese Kritik spiegelt sich auch in der öffentlichen Debatte wider.
Fazit
Das S3-Sanierungsprogramm der Deutschen Bahn stellt einen umfassenden Ansatz zur Stabilisierung und Modernisierung des Staatskonzerns dar. Mit dem Programm werden drei zentrale Handlungsfelder adressiert: die Verbesserung der Wirtschaftlichkeit, die Modernisierung der Infrastruktur und die zuverlässigere Gestaltung des Eisenbahnbetriebs. Ziel ist es, den Konzern bis 2027 wirtschaftlich stabiler und leistungsfähiger zu machen.
Die ersten Quartalsberichte zeigen, dass die Sanierung in einigen Bereichen besser voran geht als geplant. Gleichzeitig gibt es aber auch Herausforderungen, insbesondere in der Infrastruktursparte DB InfraGO und bei der Umsetzung von Generalsanierungsprojekten. In Reaktion darauf wurden Gegensteuerungsmaßnahmen eingeleitet, um die geplanten Ziele zu erreichen.
Die Erfahrungen aus der Generalsanierung der Riedbahn fließen direkt in die Planung weiterer Projekte ein. Dies soll dazu beitragen, die Effizienz der Maßnahmen zu erhöhen und Synergieeffekte zu nutzen. Zudem sind die Projekte eng mit der Bundesregierung abgestimmt, um auch im Rahmen vorläufiger Haushaltsführungen handlungsfähig zu bleiben.
Die Auswirkungen des S3-Programms reichen weit über das interne Management der Deutschen Bahn hinaus. Sie betreffen auch die Regionen, in denen die Maßnahmen umgesetzt werden, und haben Auswirkungen auf die Arbeitswelt und die Infrastruktur. Die öffentliche Debatte und die Kritik aus den Gewerkschaften zeigen, dass das Programm nicht nur eine technische, sondern auch eine gesellschaftliche Herausforderung darstellt.
Quellen
- Das S3-Sanierungsprogramm der Deutschen Bahn in Nordrhein-Westfalen erfolgreich angelaufen
- Konzern-Zwischenlagebericht (ungeprüft): Sanierungsprogramm S3
- Erster Quartalsbericht zum DB-Sanierungsprogramm S3: Fortschritte und Herausforderungen
- Deutsche Bahn-Aufsichtsrat bestätigt Sanierungsfahrplan und beschließt die nächsten Generalsanierungen
- Deutsche Bahn S3-Sanierungsprogramme in den Ländern gut angelaufen