Die Sanierung von Gebäuden ist ein entscheidender Faktor im Klimaschutz und für die Zukunftsfähigkeit der deutschen Immobilienwirtschaft. In den letzten Jahren hat sich die Bedeutung der energetischen Sanierung deutlich erhöht, nicht zuletzt aufgrund der globalen Energiekrise, des Klimawandels und der steigenden Energiekosten. Mit dem Jahr 2023 setzt sich ein klarer Trend hin zu ökologischen, effizienten und vorausschauenden Sanierungsmaßnahmen fort. In diesem Artikel wird ein Überblick über die wichtigsten Entwicklungen, Trends und Herausforderungen im Sanierungsjahr 2023 gegeben.
Energetische Sanierung als zentraler Trend
Die energetische Sanierung hat sich in den letzten Jahren als einer der Schlüsselbereiche in der Gebäudeentwicklung etabliert. Laut den Daten der Bundesregierung und diverser Verbände ist die Sanierung von Bestandsgebäuden unerlässlich, um die Klimaneutralität bis 2045 zu erreichen. In Deutschland ist der Gebäudebestand überwiegend aus der Zeit vor 1980, was bedeutet, dass viele Immobilien energetisch stark nachgerüstet werden müssen.
Wärmedämmung und Kälteschutz
Eine zentrale Maßnahme bei der energetischen Sanierung ist die Wärmedämmung. Laut den Angaben des Ratgebers Fira® Bauprojekt ist eine gute Dämmung besonders in den Wintermonaten entscheidend für die Reduzierung der Heizkosten und das Schaffen eines angenehmen Raumklimas. Ebenso wichtig ist die Dämmung für den Hitzeschutz in den Sommermonaten, da sich Gebäude mit einer schlechten Dämmung schneller erwärmen und die Wohnkomforttemperatur schneller überschreitet.
Solarpflicht und erneuerbare Energien
Eine weitere Entwicklung in der Sanierung ist die zunehmende Installation von Solaranlagen. In einigen Bundesländern wie Baden-Württemberg, Nordrhein-Westfahlen und Schleswig-Holstein ist die sogenannte Solarpflicht bereits seit 2022 in Kraft. In Berlin, Hamburg, Niedersachsen und Rheinland-Pfalz wurde sie ab 2023 eingeführt. Diese Pflicht gilt zunächst für Neubauten, doch langfristig ist auch die Ausweitung auf Sanierungen geplant. Laut dem Bundesministerium für Wohnen, Stadtentwicklung und Bauwesen (BMWSB) ist es Ziel, künftig alle geeigneten Dachflächen für die Solarenergie nutzbar zu machen.
Energetische Stadtsanierung
Ein weiterer Schwerpunkt der Sanierungspolitik ist die Energetische Stadtsanierung. Laut einer Pressemitteilung des BMWSB vom 26. November 2025 wurde das Förderprogramm "Energetische Stadtsanierung" nach einem kurzen Förderstopp wieder aufgenommen. Ziel ist es, Kommunen und Partner bei der klimafreundlichen Sanierung ganzer Stadtquartiere zu unterstützen. Das Programm fördert Konzepte für energetische Sanierungen und die Dekarbonisierung der Energieversorgung. Damit wird ein wichtiger Beitrag zur Erreichung der Klimaneutralität bis 2045 geleistet.
Sanierungsförderung 2023: Änderungen und Anforderungen
Die Bundesregierung hat 2023 bedeutende Änderungen an der Sanierungsförderung vorgenommen. Mit dem Start der neuen Bundesförderung für effiziente Gebäude (BEG) am 1. Januar 2023 wurden neue Regelungen eingeführt, die sowohl Hauseigentümer als auch Handwerker betreffen.
Zuschüsse für Eigenleistungen
Ein neues Element der Förderung ist die Vergütung von Materialkosten bei Eigenleistungen. Hauseigentümer, die beispielsweise die Dämmung der Kellerdecke oder der obersten Geschossdecke selbst durchführen, können staatliche Zuschüsse in Höhe von bis zu 20 Prozent erhalten. Ein Energieeffizienz-Experte oder ein Fachbetrieb muss die fachgerechte Durchführung und die korrekte Auflistung der Materialkosten bestätigen. Dies soll dazu beitragen, die Kosten der Sanierung zu senken und mehr Haushalte in die Lage versetzen, sich für eine energetische Sanierung zu entscheiden.
Komplettsanierungen und Serielle Sanierungen
Die Bundesregierung bietet zusätzliche Förderungen für Komplettsanierungen. Die Förderung liegt hier zwischen 5 und 45 Prozent, und es gibt eine Zinsvergünstigung von bis zu 15 Prozent. Ein besonderer Bonus ist der "Worst-Performing-Building-Bonus", der für Gebäude in der Effizienzklasse H erhöht wurde. Dieser Bonus wurde von 5 auf 10 Prozentpunkte angehoben. Zudem gibt es den "Bonus Serielle Sanierung", der bei der Sanierung mehrerer baugleicher Gebäude erhöht werden kann.
Wärmepumpen und Kältemittel
Zusätzlich zur Sanierung selbst sind auch die Technologien, die im Gebäude eingesetzt werden, in den Fokus gerückt. Laut den Regelungen der EU-Ökodesign-Verordnung müssen Wärmepumpen ab 2026 mindestens 10 dB weniger Lärm verursachen als aktuell vorgeschrieben. Ab 2028 sind zudem ausschließlich natürliche Kältemittel in Wärmepumpen zulässig.
Sanierungsquote und Herausforderungen
Trotz der steigenden Bedeutung der Sanierung und der erhöhten Förderung ist die Sanierungsquote in Deutschland weiterhin sehr niedrig. Laut einer Studie der B+L Marktdaten Bonn im Auftrag des BuVEG lag die Sanierungsquote im Jahr 2023 bei 0,83 Prozent, was im Vergleich zum Vorjahr von 0,88 Prozent einen leichten Rückgang bedeutet. Diese Entwicklung ist beunruhigend, denn um das Ziel der Klimaneutralität bis 2045 zu erreichen, müsste die Sanierungsquote auf etwa 1,9 Prozent steigen. Damit müssten jährlich rund 350.000 Wohngebäude energetisch saniert werden.
Kritik an der Sanierungsquote
Jan Peter Hinrichs, Geschäftsführer des Bundesverbands energieeffiziente Gebäudehülle (BuVEG), betont, dass die aktuelle Sanierungsquote in Deutschland unzureichend ist. Laut Hinrichs braucht es, wenn die aktuelle Entwicklung anhält, noch annähernd 100 Jahre, um den Gebäudebestand klimaneutral zu machen. Dies ist ein deutlicher Rückschritt im Hinblick auf die Klimaschutzziele der Bundesregierung. Hinzu kommt, dass etwa 30 Prozent aller Wohngebäude in einem energetisch unzureichenden Zustand sind und etwa 50 Prozent der Energie verbrauchen, was auf die Notwendigkeit einer umfassenden Sanierungsstrategie hindeutet.
Offenes Wohnen als Design-Trend
Neben den energetischen Aspekten der Sanierung setzt sich auch ein Trend in der Raumaufteilung durch: das offene Wohnen. Dieser Trend, der ursprünglich aus den USA stammt, gewinnt in Deutschland immer mehr an Beliebtheit. Offenes Wohnen bedeutet, dass traditionelle Zimmerteilungen wie Küche, Wohnzimmer und Esszimmer aufgegeben werden und stattdessen große, lichtdurchflutete Räume geschaffen werden. Diese Räume sind hell, klar und luftig gestaltet und ermöglichen eine harmonische Symbiose zwischen den verschiedenen Bereichen.
Um offenes Wohnen umzusetzen, können Wände und Mauern durchbrochen werden, um Räume zu öffnen und neue Möglichkeiten zu schaffen. Dieser Trend ist besonders bei jüngeren Eigentümern und Familien beliebt, da er Flexibilität, mehr Licht und ein modernes Ambiente bietet.
Sanierungspflicht und rechtliche Aspekte
In der Sanierungspolitik der Bundesregierung spielt die Sanierungspflicht eine zentrale Rolle. Laut dem Gebäudeenergiegesetz (GEG) sind neue Eigentümer von Gebäuden verpflichtet, innerhalb von zwei Jahren nach dem Eigentumsübergang energetische Mindestanforderungen zu erfüllen. Dies gilt unabhängig davon, ob der Eigentumsübergang durch Kaufvertrag, Erbschaft oder Schenkung erfolgt.
Bei Nichterfüllung dieser Pflicht können Bußgelder in Höhe von bis zu 50.000 Euro verhängt werden. Um Eigentümern bei der Umsetzung der Sanierungspflicht zu helfen, bieten geprüfte Energieeffizienz-Experten Unterstützung bei der Beantragung von Fördermitteln und bei der Erstellung eines Sanierungsfahrplans. Dieser Fahrplan ist nicht nur für die Sanierung selbst wichtig, sondern kann auch den Zugang zu höheren Fördermitteln erleichtern.
Fazit
Die Sanierung von Gebäuden ist im Jahr 2023 ein zentraler Bestandteil der Klimaschutz- und Energiepolitik in Deutschland. Die Einführung von Solaranlagen, die Förderung von Komplettsanierungen und die steigende Bedeutung der Wärmedämmung zeigen, wie stark sich der Fokus auf energetische Aspekte verlagert hat. Gleichzeitig bleibt die Sanierungsquote weiterhin auf einem niedrigen Niveau, was auf die Notwendigkeit einer dringenden politischen und gesellschaftlichen Aktion hindeutet.
Zusammen mit dem Trend zum offenen Wohnen und der Erweiterung der Sanierungspflicht ergibt sich ein breites Bild der Entwicklungen in der Sanierungsbranche. Um die Klimaneutralität bis 2045 zu erreichen, ist es entscheidend, dass sowohl politische Maßnahmen als auch individuelle Sanierungsprojekte verstärkt werden. Nur durch eine Kombination aus staatlicher Förderung, privater Initiative und technologischer Innovation kann die Sanierungspolitik ihre Ziele erreichen.
Quellen
- Sanierung – Trends 2023 in der Übersicht
- Gebäude-Energiewende: Sanierungsförderung: Wichtigste Änderungen in 2023
- Neustart der "Energetischen Stadtsanierung": Kommunen erhalten wieder Fördermittel für den klimafreundlichen Umbau ihrer Quartiere
- Sanierungsquote 2023 unter 1 Prozent – Tendenz absteigend
- Sanierungspflicht
- Sanierungsfoerderung des Bundes – Aenderungen in 2023