Einführung
Brettschichtholz (BS-Holz) ist aufgrund seiner hohen Tragfähigkeit, der geringen Eigenlast und der optischen Wirkung ein beliebtes Baustoff in der modernen Holzbauweise. Es wird in vielen Industrie- und öffentlichen Gebäuden sowie in Privatbauten eingesetzt. Doch im Laufe der Nutzung können sich Risse oder Schäden bilden, die die Tragfähigkeit beeinträchtigen. In solchen Fällen ist eine fachgerechte Sanierung erforderlich.
Die Sanierung von Brettschichtholzbauteilen ist jedoch kein einfacher Vorgang. Sie erfordert fachliche Kompetenz, die Anwendung von etablierten Methoden sowie die Einhaltung von bauaufsichtlichen Vorgaben. Im Folgenden werden die Herausforderungen, die gängigen Sanierungsverfahren und die notwendigen Voraussetzungen für eine erfolgreiche Sanierung von BS-Holzbauteilen detailliert erläutert.
Was ist Brettschichtholz?
Brettschichtholz (BS-Holz) ist ein Holzwerkstoff, der durch das Schichten von Brettern entsteht. Diese Bretter werden in Faserrichtung gestapelt und mit speziellen, bauaufsichtlich zugelassenen Klebstoffen verleimt. Das Ergebnis ist ein homogener Holzbaustoff mit hoher Festigkeit und Stabilität. BS-Holz eignet sich besonders gut für tragende Konstruktionen wie Dach- und Deckenstützen sowie für Hallentragwerke.
Die Herstellung und die Qualitätskontrolle von BS-Holz unterliegen strengen Normen, insbesondere der DIN EN 14080:2013. Zudem gibt es spezielle Zulassungen für BS-Holz aus Buche. Die Überwachung der Herstellung erfolgt durch Überwachungszeichen, die die Einhaltung der Normen sichern.
Warum kann eine Sanierung erforderlich sein?
Trotz der hohen Dauerhaftigkeit und Festigkeit von Brettschichtholzbauteilen kann im Laufe der Jahre ein Schadensbild auftreten. Typische Probleme sind:
- Risse, insbesondere tiefe Risse, die die Tragfähigkeit beeinträchtigen können (> b/6)
- Schäden an Klebfugen, die sich über die Jahre aufgrund von Feuchtigkeit oder Belastung öffnen können
- Mangelnde Wartung, die zu Feuchtigkeitseintritt und Schimmelbildung führen kann
- Unvollständige oder fehlerhafte Montage, die im Laufe der Zeit zu Stabilitätsproblemen führt
Ein besonders sensibilisierendes Ereignis war der Einsturz der Eishalle in Bad Reichenhall. Dies hat gezeigt, dass eine systematische Prüfung und Sanierung von Holzkonstruktionen notwendig ist, um die Sicherheit der Bausubstanz zu gewährleisten.
Voraussetzungen für eine fachgerechte Sanierung
Eine Sanierung von Brettschichtholzbauteilen ist ein komplexer Prozess, der nur von fachkundigen und zertifizierten Unternehmen durchgeführt werden sollte. Ein zentraler Schritt in der Sanierung ist die Analyse des Schadens durch einen Sachverständigen mit besonderer Fachkenntnis im Holzbau. Dieser erstellt ein Sanierungskonzept, das auf die spezifischen Bedingungen des Bauwerks abgestimmt ist.
1. Schadensanalyse
Die Schadensanalyse ist der erste Schritt und entscheidend für die weitere Vorgehensweise. Der Sachverständige untersucht die Ausmaße und Ursachen der Schäden, beurteilt die Tragfähigkeit der Konstruktion und ermittelt, ob eine Sanierung oder ein Austausch der Bauteile notwendig ist. Hierzu werden oft spezielle Prüfmethoden angewandt, wie die Bohrkern-Scherprüfung, die in einem Merkblatt der Studiengemeinschaft Holzleimbau e.V. beschrieben wird.
2. Zertifizierte Unternehmen
Die Sanierung von tragenden Holzbauteilen darf nur von zertifizierten Betrieben durchgeführt werden. Diese Unternehmen verfügen über die notwendige Ausbildung und Ausrüstung, um die Bauteile fachgerecht zu sanieren. Ein Beispiel dafür ist Wehmeyer, das seit über 20 Jahren Erfahrung mit der Sanierung von Brettschichtholzbauteilen hat und Mitarbeiter speziell für solche Arbeiten ausbildet.
3. Verwendung von etablierten Sanierungsverfahren
Die Sanierung erfolgt unter Anwendung etablierter Methoden, die in Merkblättern der Studiengemeinschaft Holzleimbau e.V. beschrieben werden. Dazu zählen:
- Rissverfüllung: Tiefere Risse können durch Verpressen mit entsprechenden Materialien geschlossen werden.
- Aufgeklebte Verstärkungen: Verstärkungen aus Sperrholz, Furnierschichtholz oder Vollholzlamellen werden aufgeklebt, um die Tragfähigkeit wiederherzustellen.
- Eingeklebte Stahlteile: Diese dienen als Schub- oder Querzugsicherung.
- Schäftungsverbindungen: Diese Verbindungen werden eingesetzt, um die Stabilität von Bauteilen zu erhöhen.
Die Auswahl der Methoden hängt von der Art und dem Ausmaß des Schadens ab und muss individuell für jedes Bauteil festgelegt werden.
Sanierungsverfahren im Detail
Die Sanierung von Brettschichtholzbauteilen erfolgt nach etablierten Methoden, die in der Fachwelt anerkannt sind. Die folgenden Verfahren sind aus den Quellen belegt und von zertifizierten Unternehmen angewandt:
1. Rissverfüllung durch Verpressen
Bei tiefen Rissen, die die Tragfähigkeit gefährden, wird oft die Rissverfüllung durch Verpressen angewandt. Dazu wird ein spezielles Harz oder Klebstoff in den Riss eingebracht, um die Einzelteile wieder zusammenzuhalten. Dieser Vorgang kann die Festigkeit des Bauteils deutlich steigern.
2. Aufkleben von Verstärkungen
Eine gängige Methode zur Wiederherstellung der Tragfähigkeit ist das Aufkleben von Verstärkungen. Dazu werden Platten oder Streifen aus Sperrholz, Furnierschichtholz oder Vollholzlamellen auf die Schadstellen aufgeklebt. Die Verstärkungen übernehmen dann die Lasten, die durch den Schaden beeinträchtigt wurden.
3. Einbau von Stahlteilen
Um die Schub- und Querzugkräfte zu sichern, werden Stahlteile nachträglich eingebaut. Diese Teile werden entweder in die Bauteile eingeklebt oder als Verstärkung angeschraubt. Sie dienen dazu, die ursprüngliche Tragfähigkeit wiederherzustellen und das Bauteil vor weiteren Schäden zu schützen.
4. Schäftungsverbindungen
Schäftungsverbindungen sind eine traditionelle Methode der Holzbauweise, die auch bei der Sanierung von Brettschichtholzbauteilen eingesetzt werden. Dabei werden die Enden der Bretter so verformt, dass sie in einander passen. Dies ermöglicht eine stabile Verbindung ohne zusätzliche Metallteile.
Aktuelle Entwicklungen und Merkblätter
Die Sanierung von Brettschichtholzbauteilen ist in den letzten Jahren Gegenstand intensiver Forschung und Weiterentwicklung. Die Studiengemeinschaft Holzleimbau e.V. hat in diesem Zusammenhang mehrere aktuelle Merkblätter veröffentlicht, die als Handreichungen für Architekten, Tragwerksplaner und Fachkräfte dienen:
1. Bewertung von Klebfugen
Ein besonderes Augenmerk liegt auf der Bewertung von Klebfugen in Brettschichtholzbauteilen im Bestand. In einem Merkblatt wird beschrieben, wie man die Qualität der faserparallelen Verklebungen in BS-Holz mittels Bohrkern-Scherprüfung beurteilt. Diese Prüfung ist besonders bei der Sanierung älterer Konstruktionen wichtig, da sich die Klebfugen im Laufe der Zeit aufgrund von Feuchtigkeit oder Belastung verändern können.
2. Aktualisierte Merkblätter zur Sanierung
Ein weiteres Merkblatt wurde hinsichtlich der Normenbezüge und bauaufsichtlichen Vorgaben aktualisiert. Es richtet sich an die mit der Sanierung befassten Architekten und Tragwerksplaner und enthält praxisnahe Empfehlungen, wie man die Tragfähigkeit von Brettschichtholzbauteilen wiederherstellen kann.
3. Download der Merkblätter
Beide Merkblätter sind kostenfrei als Download verfügbar. Der Link lautet: www.ingenieurholzbau.de/organisation/downloads.
Die Rolle des Sachverständigen
Eine Sanierung von Brettschichtholzbauteilen kann nur dann erfolgreich sein, wenn sie durchgeführt wird nach einem detaillierten Sanierungskonzept. Dieses Konzept wird in der Regel von einem Sachverständigen mit besonderer Fachkenntnis im Holzbau erstellt. Der Sachverständige analysiert die Schäden, beurteilt die Tragfähigkeit und legt fest, welche Sanierungsverfahren angewandt werden sollen.
Ein Leitfaden zur ersten Begutachtung von Hallentragwerken aus Holz, der von der Studiengemeinschaft Holzleimbau e.V. verfasst wurde, ist online unter www.brettschichtholz.de abrufbar. Dieser Leitfaden dient als Orientierung für die Begutachtung und Sanierung von Holzkonstruktionen.
Fazit
Die Sanierung von Brettschichtholzbauteilen ist ein komplexer Prozess, der fachliche Kompetenz, zertifizierte Unternehmen und etablierte Verfahren voraussetzt. Im Laufe der Nutzung können sich Schäden bilden, die die Tragfähigkeit beeinträchtigen. Eine fachgerechte Sanierung ist daher oft notwendig, um die Sicherheit und Dauerhaftigkeit der Bausubstanz zu gewährleisten.
Die Sanierung erfolgt nach bewährten Methoden wie Rissverfüllung, Aufkleben von Verstärkungen, Einbau von Stahlteilen und Schäftungsverbindungen. Entscheidend für den Erfolg ist eine sorgfältige Schadensanalyse durch einen Sachverständigen sowie die Einhaltung der bauaufsichtlichen Vorgaben.
Aktuelle Merkblätter der Studiengemeinschaft Holzleimbau e.V. bieten wertvolle Informationen und Empfehlungen für die Praxis. Sie sind kostenfrei als Download verfügbar und bieten eine wertvolle Unterstützung für Architekten, Tragwerksplaner und fachkundige Personen.
Quellen
- Wehmeyer – Sanierung von Brettschichtholzkonstruktionen
- Sanierung von BS-Holz-Bauteilen – Merkblatt der Studiengemeinschaft Holzleimbau e.V.
- BS-Holzbauteile fachgerecht sanieren – Forum Woodworker
- Zwei Merkblätter zu Brettschichtholzbauteilen – Dach-Holzbau
- Brettschichtholz – Herstellung und Eigenschaften
- Brettschichtholz – Downloadbereich