Faserzementplatten, auch als Eternitplatten oder Wellplatten bekannt, waren und sind bis heute ein verbreitetes Material in der Baupraxis, insbesondere für Dächer, Fassaden und andere Außenflächen. Sie zeichnen sich durch ihre Wetterbeständigkeit, Feuerfestigkeit und Langlebigkeit aus. Allerdings können sie im Laufe der Jahre durch Witterungseinflüsse, Materialermüdung oder mechanische Belastungen beschädigt werden. Eine Sanierung ist dann erforderlich, um die Dichtheit, die Funktion und die optische Qualität der Platten zu erhalten.
In diesem Artikel werden die wichtigsten Aspekte der Sanierung von Faserzementplatten im Detail erläutert. Dazu gehören die Ursachen von Schäden, die verfügbaren Sanierungstechniken, die Materialien, die für die Dachabdichtung und Reparaturen eingesetzt werden können, sowie wichtige Vorsichtsmaßnahmen, insbesondere bei der Behandlung von alten, asbesthaltigen Platten.
Problematische Eigenschaften von Faserzementplatten
Faserzementplatten sind mineralische Materialien, die aus Zement, Wasser und Fasern bestehen. Sie können daher Feuchtigkeit aufnehmen, was sich in einer dunklen Färbung der Platten zeigt, wenn diese mit Wasser in Berührung kommen. Dies ist ein natürlicher Effekt und kein direkter Indikator für Schäden. Allerdings kann Feuchtigkeit über die Zeit zu Schäden führen, insbesondere an den Nähten und Verschraubungspunkten.
Ein weiteres Problem sind die konstruktionsbedingten Bewegungen der Unterkonstruktion, die zu Rissen, Löchern oder Verwerfungen in den Platten führen können. Solche Schäden können die Dichtheit beeinträchtigen und zu Leckagen führen. Für die Sanierung ist es daher entscheidend, sowohl die Platten selbst als auch die gesamte Konstruktion zu berücksichtigen.
Sanierungstechniken für Faserzementplatten
Die Sanierung von Faserzementplatten kann auf verschiedene Weisen erfolgen. Je nach Ausmaß der Schäden, dem Zustand der Platten und den individuellen Zielen (z. B. Dichtung, optische Verbesserung, Schutz vor Witterung) können unterschiedliche Methoden eingesetzt werden. Im Folgenden werden die wichtigsten Techniken vorgestellt.
1. Flüssigkunststoffabdichtung
Eine der effektivsten und langlebigsten Sanierungstechniken ist die Anwendung von Flüssigkunststoffabdichtungen. Diese Technik wird besonders von Profis und auch von handwerklich begabten Heimwerkern eingesetzt. Sie eignet sich hervorragend für die Dichtung von Rissen, Löchern, Stößen und Verschraubungspunkten. Die Abdichtung erfolgt durch das Auftragen spezieller Polyurethan- (PU-) Elastomerwerkstoffe, die sich in eine nahtlose, witterungsbeständige Schicht verwandeln.
Ein Beispiel für ein solches System ist das DIMESEAL® PU-System, das mit einem Gewebevlies kombiniert wird, um Risse und Nähte dauerhaft abzudichten. Ein weiteres Produkt ist das AXOL-BD12, ein lösemittelfreier Flüssigkunststoff, der sich wie Farbe auftragen lässt und wasserdicht ist. Beide Materialien sind UV- und witterungsbeständig, diffusionsoffen und dauerelastisch. Sie bilden eine professionelle, nahtlose Dichtung, die über Jahrzehnte bestehen kann.
Ein Vorteil dieser Technik ist, dass die Platten nicht entfernt oder mechanisch bearbeitet werden müssen. Die Sanierung kann direkt vor Ort erfolgen, was die Kosten niedrig hält und den Eingriff in die Struktur minimiert. Zudem kann eine solche Beschichtung auch optisch verbessert werden, da sie in verschiedenen Farben erhältlich ist.
2. Hartölanstrich (HAGFIX©plus)
Eine alternative Sanierungsvariante ist der Hartölanstrich, beispielsweise mit dem HAGFIX©plus, eine umweltneutrale Hartölbeschichtung, die sich besonders für unbehandelte Zementfaserdachplatten eignet. Dieser Anstrich ist diffusionsoffen, UV-beständig, stark wasserabweisend und kann bis zu 4 mm in den Untergrund eindringen, wodurch eine dauerhafte Verbindung entsteht. Der Vorteil dieser Methode ist, dass der Anstrich sich nach mehr als 10 Jahren erneut auftragen lässt, was eine langfristige Pflege ermöglicht.
Die Anwendung erfolgt in mehreren Schritten: Zunächst wird die Dachfläche gründlich gereinigt, getrocknet und vorgestrichen. Danach wird HAGFIX©plus gleichmäßig aufgetragen und nach 24–6 Monaten (je nach Witterung) wiederholt. Der Anstrich verhindert das Abblättern und ist besonders geeignet für Hallendächer, Eternitplatten oder Betondächer.
3. Reinigung und Vorbereitung
Bevor eine Sanierung durchgeführt werden kann, ist eine gründliche Reinigung der Platten erforderlich. Schmutz, Moos, Laub und andere Ablagerungen müssen entfernt werden, um eine optimale Haftung der Beschichtung zu gewährleisten. Bei alten, asbesthaltigen Platten (vornehmlich vor dem Jahr 1990) ist hier Vorsicht geboten: Das Reinigen mit Schleifpapier, Sandstrahlern oder Hochdruckreinigern ist verboten, da diese Verfahren Asbestfasern freisetzen können. Stattdessen eignen sich spezielle Reiniger aus dem Dachdeckerbedarf oder bei neueren, asbestfreien Platten auch Dampfstrahlgeräte.
Eine wichtige Vorbereitung ist auch die Grundierung der Dachfläche, insbesondere an den Kanten und Nahtstellen. Dies sorgt für eine bessere Faser- und Staubbindung und erhöht die Haltbarkeit der Beschichtung. Zudem ist es wichtig, dass die Platten trocken sind und eine maximale Restfeuchte von 3 % aufweisen.
Materialien und Produkte für die Sanierung
Die Wahl der richtigen Materialien ist entscheidend für den Erfolg der Sanierung. Im Folgenden werden die wichtigsten Produkte vorgestellt, die für die Sanierung von Faserzementplatten eingesetzt werden können.
1. Polyurethan-Flüssigkunststoffe
Die DIMESEAL® PU-Werkstoffe und AXOL-BD12 zählen zu den professionellen und langlebigen Optionen. Beide Produkte sind lösemittelfrei, wasserdicht und UV-beständig. Sie eignen sich hervorragend für die Sanierung von Wellplatten, Eternitplatten und anderen Faserzementplatten. Die Verarbeitung erfolgt mit einfachen Werkzeugen wie Pinsel, Quast oder Walze, wodurch sie auch für Heimwerker zugänglich sind.
Ein Vorteil dieser Materialien ist, dass sie diffusionsoffen sind und sich daher gut für Flachdächer eignen. Zudem sind sie reißfest, kratzfest und lassen sich leicht reinigen. Sie bilden eine dauerelastische, nahtlose Schicht, die die Platten über Jahrzehnte schützt.
2. Hartölanstriche
Der HAGFIX©plus ist ein weiteres Produkt, das sich besonders für unbehandelte Zementfaserdachplatten eignet. Er ist diffusionsoffen, UV-beständig, stark wasserabweisend und eignet sich auch für Hallendächer, Eternitplatten oder Betondächer. Ein Vorteil des Hartölanstrichs ist, dass er sich nach mehreren Jahren erneut auftragen lässt, wodurch eine langfristige Dachpflege möglich ist.
3. Rissvlies und Stoffe
Bei der Sanierung von Rissen und Nähten ist es oft sinnvoll, ein Rissvlies oder ein Gewebevlies einzusetzen. Diese Materialien sorgen für eine bessere Verstärkung der Dichtungsschicht und erhöhen die Haltbarkeit. Ein Beispiel ist das DIMEFLEX Micro-Gewebevlies, das in Kombination mit dem DIMESEAL® 250 eingesetzt wird.
Vorsichtsmaßnahmen bei der Sanierung
Die Sanierung von Faserzementplatten erfordert nicht nur fachliches Wissen und die richtigen Materialien, sondern auch Vorsichtsmaßnahmen, insbesondere bei alten, asbesthaltigen Platten. Asbest war bis in die 1990er Jahre ein gängiges Material in der Faserzementproduktion. Es war für seine Verstärkungseigenschaften geschätzt, wird heute jedoch aufgrund seiner Gesundheitsgefahren verboten. Asbestfasern können bei Zerfall oder Beschädigung der Platten in die Lunge gelangen und zu schweren Erkrankungen wie Asbestose, Lungenkrebs und Mesotheliom führen.
Bei der Sanierung von Platten, die vor 1990 hergestellt wurden, ist es daher wichtig, zu prüfen, ob Asbest enthalten ist. Ein Bausachverständiger kann dies feststellen. Solange die Platten in einwandfreiem Zustand sind, stellen sie keine direkte Gefahr dar. Erst bei mechanischer Beschädigung oder starker Verwitterung kann es zu einer Freisetzung von Asbestfasern kommen.
Wenn Asbest enthalten ist, sollten folgende Vorsichtsmaßnahmen beachtet werden:
- Keine mechanische Bearbeitung der Platten (z. B. Bohren, Sägen, Schleifen, Sandstrahlen).
- Keine Hochdruckreinigung oder Dampfstrahlung (ausgenommen bei asbestfreien Platten).
- Vorsicht bei der Reinigung – nur drucklose, sanfte Methoden mit Schutzkleidung einsetzen.
- Sanierung durch Fachbetriebe – bei unsicherem Zustand oder wenn Arbeiten an asbesthaltigen Materialien durchgeführt werden müssen, ist die Einbeziehung eines spezialisierten Fachunternehmens empfohlen.
Vorteile der Sanierung
Die Sanierung von Faserzementplatten bietet zahlreiche Vorteile, die sowohl praktisch als auch ökonomisch relevant sind. Dazu gehören:
- Kostenersparnis: Im Vergleich zu einem Neubau oder der Erneuerung der Dachfläche ist eine Sanierung deutlich günstiger. Insbesondere bei der Anwendung von Flüssigkunststoffabdichtungen können erhebliche Kosten eingespart werden.
- Langlebigkeit: Professionelle Sanierungsmaterialien wie PU-Flüssigkunststoffe oder Hartölanstriche bieten eine Dichtung, die über Jahrzehnte bestehen kann.
- Optische Verbesserung: Mit farbigen Beschichtungen oder Anstrichen kann die Dachfläche optisch aufgewertet werden, was die Wertschätzung der Immobilie erhöhen kann.
- Umweltfreundlichkeit: Viele Sanierungsprodukte sind lösemittelfrei, diffusionsoffen und umweltneutral, wodurch sie ökologisch sinnvoll sind.
- Schutz vor Witterung: Eine Sanierung schützt die Platten vor UV-Strahlung, Pollen, Mikroorganismen und anderen Wettereinflüssen, die im Laufe der Zeit die Materialstruktur beeinträchtigen können.
Nachteile und Risiken
Trotz der zahlreichen Vorteile gibt es auch einige Risiken und Nachteile, die bei der Sanierung berücksichtigt werden sollten:
- Asbestgefahren: Bei alten Platten besteht das Risiko, dass Asbest enthalten ist. Dies erfordert Vorsicht bei der Reinigung und Sanierung.
- Komplexität der Anwendung: Obwohl einige Produkte wie PU-Flüssigkunststoffe oder Hartölanstriche für Heimwerker zugänglich sind, erfordert die Anwendung Vorbereitung, Planung und fachliches Know-how.
- Klimatische Einflüsse: Die Verarbeitungstemperaturen und die Luftfeuchtigkeit können die Trocknung und das Ergebnis beeinflussen. Eine Sanierung sollte daher unter günstigen Wetterbedingungen durchgeführt werden.
- Begrenzte Haltbarkeit: Obwohl Sanierungsprodukte langlebig sind, müssen sie nach mehreren Jahren erneuert werden, um die Dichtheit und den Schutz zu gewährleisten.
Fazit
Die Sanierung von Faserzementplatten ist eine effektive und wirtschaftliche Methode, um die Dichtheit, die Funktion und das Erscheinungsbild einer Dachfläche oder Fassade zu erhalten. Moderne Materialien wie PU-Flüssigkunststoffe oder Hartölanstriche bieten eine langlebige, witterungsbeständige Dichtung, die sich einfach anwenden lässt und über Jahrzehnte hält. Zudem ermöglichen sie eine optische Aufwertung und tragen so zur Wertsteigerung der Immobilie bei.
Wichtig ist jedoch, dass die Sanierung nur durchgeführt wird, wenn die Platten in einem stabilen Zustand sind. Bei beschädigten oder stark verwitterten Platten kann eine Sanierung zwar den Zustand verbessern, aber nicht die gesamte Lebensdauer der Platten verlängern. Zudem ist bei alten, asbesthaltigen Platten besondere Vorsicht geboten. Die Reinigung und Sanierung sollte nur unter fachmännischer Anleitung erfolgen, um Gesundheitsrisiken zu vermeiden.
Für die Sanierung stehen zahlreiche Materialien und Techniken zur Verfügung, die sich je nach Bedarf und Zustand der Platten einsetzen lassen. Mit der richtigen Planung, den passenden Produkten und der Einhaltung von Sicherheitsvorschriften kann eine Sanierung eine langfristige Lösung bieten, die sowohl praktisch als auch ökonomisch sinnvoll ist.