Einführung
Gasleitungen bilden ein unverzichtbares Element in der Infrastruktur moderner Gebäude. Sie ermöglichen die sichere und zuverlässige Versorgung mit Energie für Heizung, Warmwasser und andere Anwendungen. Allerdings unterliegen Gasleitungen im Laufe der Zeit natürlichen Verschleißprozessen, wodurch Undichtigkeiten entstehen können. Solche Leckagen stellen nicht nur ein Sicherheitsrisiko dar, sondern können auch zu hohen Reparaturkosten führen, insbesondere wenn die Leitungen unter Putz oder in Installationsschächten verlegt sind. Die Sanierung von Gasleitungen bietet hier eine wirtschaftliche und effektive Alternative zur vollständigen Erneuerung. In diesem Artikel werden die gängigsten Sanierungsverfahren, die zugehörigen Vorgaben der DVGW (Deutscher Verband Gas und Wasser), sowie praktische Erfahrungen und technische Details detailliert erläutert.
Klassifizierung der Gebrauchsfähigkeit von Gasleitungen
Laut den Vorgaben des DVGW-Arbeitsblatts G 624 und des Technischen Regelwerks für Gasinstallationen (TRGI) wird die Gebrauchsfähigkeit von Gasleitungen in drei Kategorien eingeteilt:
Unbeschränkte Gebrauchsfähigkeit: Die Leckgasmenge liegt unter 1 Liter pro Stunde. Die Leitungen können weiterhin betrieben werden. Eine kritische Beobachtung ist jedoch empfohlen.
Verminderte Gebrauchsfähigkeit: Die Leckgasmenge beträgt zwischen 1 und 5 Litern pro Stunde. In diesem Fall ist die Gasleitung verpflichtet, binnen vier Wochen mit einem Dichtmittel abgedichtet oder erneuert zu werden. Die Sanierung muss so durchgeführt werden, dass die Leitung nach Abschluss der Maßnahmen wieder absolut dicht ist.
Keine Gebrauchsfähigkeit: Die Leckgasmenge übersteigt 5 Liter pro Stunde. In diesem Fall müssen die Leitungen unverzüglich außer Betrieb genommen und die undichten Leitungsteile instand gesetzt werden. Sollte danach eine verminderte Gebrauchsfähigkeit bestehen, kann eine innere Abdichtung durchgeführt werden.
Die Klassifizierung ist entscheidend für die Wahl des Sanierungsverfahrens. Sie bestimmt, ob eine innere Abdichtung ausreicht oder eine mechanische Reparatur, beispielsweise durch Erneuerung von Leitungsteilen, erforderlich ist.
Sanierungsverfahren – Überblick
Im Bereich der Sanierung von Gasleitungen kommen verschiedene Verfahren zum Einsatz, die sich je nach Leitungsgröße, Druck und Zustand der Leitung unterscheiden. Im Folgenden werden die am häufigsten verwendeten Techniken vorgestellt.
1. Innenabdichtung mit Kunststoffdispersion
Die Innenabdichtung ist ein grabenloses Verfahren, bei dem undichte Stellen von innen mit einer Kunststoffdispersion abgedichtet werden. Dieses Verfahren ist besonders vorteilhaft, wenn die Leitungen unter Putz oder in Installationsschächten verlegt sind, da keine Maueraufbrüche oder Fliesenentfernungen notwendig sind.
Das Abdichtungsmittel, z. B. eine Kunststoff-Dispersion, wird in die Leitung eingefüllt und mit Druck beaufschlagt. Während der Verweildauer drückt sich das Material in die Kapillaren der undichten Gewindeverbindungen. Nach Entleerung und Reinigung verbleibt das Material in den engen Kanälen der undichten Stellen, wo es die Dichtung herstellt.
Dieses Verfahren ist nach DIN-DVGW zugelassen und erfüllt die Anforderungen des TRGI Arbeitsblatts G624. Es eignet sich insbesondere für Leitungen mit einer Leitungsleckage von weniger als 5,0 l/h. Bei größeren Leckagen ist eine mechanische Reparatur oder Erneuerung erforderlich.
2. GFK-Liner im UV-CIPP-Verfahren
Ein weiteres Verfahren für die grabenlose Sanierung von Gasleitungen ist die Anwendung von GFK-Linern im UV-CIPP-Verfahren. Der WRc-zertifizierte SAERTEX-LINER GAS wird verwendet, um Gasversorgungsleitungen aus Stahl und Gusseisen zu sanieren. Der Liner ist in zwei Designs erhältlich:
- Typ S+: Kostengünstige Alternative bei geringen Betriebsdrücken bis 2 bar.
- Typ S+ XR: Eignet sich für höhere Druckbeständigkeiten.
Vorteile dieses Verfahrens sind die Druckbeständigkeit, die vollständige statische Belastbarkeit und die glatte Oberfläche, die für einen maximalen Durchfluss sorgt. Der GFK-Liner wird über die Rohrleitung gezogen, mit UV-Licht ausgehärtet und anschließend in die Leitung integriert. Der Vorgang ist schnell, erfordert keine großen Baumaßnahmen und ermöglicht eine wirtschaftliche Sanierung ohne umfangreiche Demontage.
3. Starline®-Verfahren
Die starline®-Technologie ist ein weiteres Verfahren, das sich insbesondere für die Sanierung von Gasleitungen bis DN 600 und Betriebsdrücken bis 30 bar eignet. Es wird eingesetzt, um die Betriebssicherheit der Leitungen dauerhaft wiederherzustellen. Wesentliche Verfahrensschritte sind:
- Inspektion der Rohrleitung mittels Kamerabefahrung
- Gründliche Reinigung des Rohrleitungssystems
- Auskleidung mit dem starline®-Gewebeschlauch
- Druckprüfung der sanierten Leitung
- Öffnen von Abgängen und Anschlüssen mittels Roboter aus dem Inneren der Rohrleitung
Ein besonderer Vorteil des starline®-Verfahrens ist, dass zukünftige Wartungs- und Reparaturarbeiten mit üblichen Werkzeugen durchgeführt werden können, ohne dass spezielle Anbauteile erforderlich sind.
4. Garosan®-Verfahren
Das Garosan®-Verfahren wurde von GaSiTec entwickelt und ist ein bewährtes System für die schnelle, wirtschaftliche und dauerhafte Sanierung von undichten Gasleitungen. Es ist DVGW-zugelassen und in der Praxis tausendfach erprobt.
Die Sanierung erfolgt durch die innere Abdichtung mit einer Kunststoffdispersion. Der Vorgang ist geräuscharm, erzeugt kaum Schmutz und benötigt keine tagelangen Betriebsunterbrechungen. Die Sanierung einer Verbrauchsleitung kann innerhalb eines Tages abgeschlossen werden. Dies macht das Verfahren besonders attraktiv für Gebäudeeigentümer, die auf Heizung und Warmwasser nicht verzichten möchten.
5. Prodoral®-Verfahren
Ein weiteres Verfahren, das in der Praxis gute Erfahrungen gemacht hat, ist das Prodoral®-Verfahren. Es ist patentiert und wird von Aqua Protect GmbH angewandt. Auch dieses Verfahren ermöglicht die Sanierung ohne Maueraufbrüche oder Fliesenentfernung. Die Undichtigkeiten werden von innen abgedichtet, wodurch die Leitung wieder dicht wird und keine neuen Installationen erforderlich sind.
Das Prodoral®-Verfahren ist nach DIN-DVGW zugelassen und erfüllt die Anforderungen des TRGI Arbeitsblatts G624. Es eignet sich insbesondere für Leitungen mit geringer Leckage, da bei größeren Leckagen eine mechanische Reparatur notwendig ist.
Vorgehensweise bei der Sanierung
Die Sanierung einer Gasleitung ist ein strukturiertes Verfahren, das mehrere Schritte umfasst. Die konkrete Vorgehensweise hängt von der Art und dem Ausmaß der Undichtigkeit ab. Im Folgenden ist ein Überblick über die typischen Schritte:
Festlegung der Leckrate: Die Leckrate wird bestimmt, um die Gebrauchsfähigkeit der Leitung einzuteilen und das passende Sanierungsverfahren zu wählen.
Demontage der Gasgerätehähne und Zähler mit Kugelhähnen: Vor der Sanierung müssen die Geräte abgeschaltet und abgebunden werden.
Trennen des Hausanschlusses hinter der Hauptabsperreinrichtung: Dies ermöglicht die Isolation der Leitung für die Sanierungsarbeiten.
Abdrücken der Leitung mit 3 bar über 3-5 Minuten: Dies dient der Prüfung auf Undichtigkeiten und der Vorbereitung für die Sanierung.
Reinigung des Rohrleitungssystems mit Druckluft: Die Leitung wird gereinigt, um Verschmutzungen zu entfernen.
Befüllen und Druckhaltung der Anlage mit einem zugelassenen Dichtmittel: Bei der Innenabdichtung mit Kunststoffdispersion wird das Material eingebracht und mit Druck beaufschlagt.
Entleeren und Molchen der Rohrleitungen: Nach dem Verweildauer des Dichtmittels wird die Leitung entleert und gereinigt.
Trocknen der Leitungen mit Warmluft: Dies ist erforderlich, um Kondensation oder Rückstände zu vermeiden.
Montage der Kugel- und Gasgerätehähne: Nach Abschluss der Sanierung werden die Geräte wieder angeschlossen.
Vor- und Hauptprüfung der Gasleitungen: Die Leitung wird auf Dichtheit und Funktion geprüft.
Protokollierung der Druckproben: Die Prüfungen werden dokumentiert, um eine eindeutige Nachweisbarkeit der Sanierungsmaßnahmen zu gewährleisten.
Inbetriebnahme des Leitungssystems und der Geräte: Nach erfolgreicher Prüfung wird die Leitung wieder in den Betrieb genommen.
Die Sanierungsarbeiten müssen immer von geschultem Personal durchgeführt werden, wie es das DVGW-Arbeitsblatt G 624 vorschreibt. Nur so kann sichergestellt werden, dass die Arbeiten fachgerecht und sicher ausgeführt werden.
Vorteile der Sanierung gegenüber der Erneuerung
Im Vergleich zur kompletten Erneuerung einer Gasleitung bietet die Sanierung mehrere Vorteile:
Kosteneffizienz: Die Sanierung ist in der Regel günstiger als eine vollständige Erneuerung, da keine umfangreichen Baumaßnahmen erforderlich sind.
Zeiteinsparung: Die Sanierung kann innerhalb eines Tages abgeschlossen werden, wohingegen eine Erneuerung mehrere Tage dauern kann.
Minimale Störungen: Es entstehen keine großen Gebäude- oder Strukturveränderungen. Somit ist die Sanierung besonders vorteilhaft, wenn die Leitungen unter Putz oder in Installationsschächten verlegt sind.
Wartungsfreundlichkeit: Sanierungsverfahren wie das starline®-Verfahren ermöglichen zukünftige Wartungsarbeiten mit üblichen Werkzeugen, ohne dass spezielle Anbauteile erforderlich sind.
Umweltfreundlichkeit: Die Sanierung spart Ressourcen und reduziert den Abfall, der bei einer Erneuerung entsteht.
Trotz dieser Vorteile gibt es jedoch auch Grenzen. So ist die Innenabdichtung beispielsweise nicht geeignet, um Korrosionsschäden oder Löcher in der Leitung abzudichten. In solchen Fällen ist eine mechanische Reparatur oder Erneuerung erforderlich.
Praxisbeispiele und Anwendungsfälle
Beispiel 1: Innenabdichtung einer Niederdruckleitung
Ein Gebäudeeigentümer stellt fest, dass die Gasleitung eine Leckage von 3,5 l/h aufweist. Da die Leitung unter Putz verlegt ist, wird entschieden, die Leitung mit dem Garosan®-Verfahren zu sanieren. Nach der Sanierung wird die Leitung auf Dichtheit geprüft und kommt mit einer Leckrate von unter 1 l/h aus. Die Sanierung wurde innerhalb eines Tages abgeschlossen, ohne dass Maueraufbrüche oder Fliesenentfernungen notwendig waren.
Beispiel 2: Sanierung einer Hochdruckleitung mit starline®-Technologie
In einer Industrieanlage ist eine Gasleitung mit DN 300 und einem Betriebsdruck von 25 bar undicht. Die Leckage beträgt 1,8 l/h. Da die Leitung unter der Erde verlegt ist, wird beschlossen, sie mit der starline®HPL-G-Technologie zu sanieren. Nach der Inspektion, Reinigung und Auskleidung mit dem starline®-Gewebeschlauch wird die Leitung erneut auf Dichtheit und Funktion geprüft. Die Sanierung ermöglicht es, die Leitung wie eine neue zu betrachten, ohne dass eine Erneuerung notwendig ist.
Beispiel 3: GFK-Liner im UV-CIPP-Verfahren
Ein Haushalt mit einer alten Gasleitung aus Gusseisen möchte die Leitung sanieren, um die Betriebssicherheit zu gewährleisten. Die Leitung wird mit einem SAERTEX-LINER GAS Typ S+ XR ausgestattet. Der Liner wird gezogen und mit UV-Licht ausgehärtet. Nach Abschluss der Sanierung wird die Leitung auf Dichtheit geprüft und ist dicht. Die Sanierung war kostengünstig und erfolgte ohne umfangreiche Baumaßnahmen.
Grenzen der Sanierungsverfahren
Obwohl die Sanierung von Gasleitungen viele Vorteile bietet, gibt es auch Grenzen, die berücksichtigt werden müssen:
Maximale Leckage: Die Innenabdichtung ist nur bei Leckagen von weniger als 5,0 l/h sinnvoll. Bei größeren Leckagen ist eine mechanische Reparatur oder Erneuerung erforderlich.
Korrosionsschäden: Die Abdichtung mit Kunststoffdispersion ist nicht geeignet, um Löcher oder Korrosionsschäden in der Leitung zu beheben. In solchen Fällen ist eine Erneuerung notwendig.
Gewindeverbindungen: Die Sanierung eignet sich insbesondere für Leitungen mit undichten Gewindeverbindungen. Andere Arten von Leckagen können nicht immer abgedichtet werden.
Zugelassene Verfahren: Nur bestimmte Sanierungsverfahren sind nach DIN-DVGW und TRGI zugelassen. Es ist wichtig, dass die Sanierungsarbeiten von geschultem Personal durchgeführt werden, um die Sicherheit und die Funktion der Leitung zu gewährleisten.
Fazit
Die Sanierung von Gasleitungen ist eine wirtschaftliche und effektive Alternative zur vollständigen Erneuerung. Sie ermöglicht es, undichte Leitungen ohne umfangreiche Baumaßnahmen zu instandzusetzen und die Betriebssicherheit langfristig zu gewährleisten. Die verschiedenen Sanierungsverfahren – von der Innenabdichtung mit Kunststoffdispersion bis hin zur Anwendung von GFK-Linern – bieten jeweils spezifische Vorteile und eignen sich für unterschiedliche Anwendungsfälle. Die Vorgehensweise ist stets strukturiert und umfasst mehrere Schritte, die von der Prüfung der Leckrate bis zur Inbetriebnahme reichen.
Es ist wichtig, die Vorgaben des DVGW und des TRGI einzuhalten und die Sanierungsarbeiten von geschultem Personal durchführen zu lassen. Nur so kann sichergestellt werden, dass die Arbeiten fachgerecht und sicher ausgeführt werden. Für Gebäudeeigentümer, Handwerker und Planer ist die Sanierung von Gasleitungen eine sinnvolle Option, um Kosten zu sparen, Störungen zu minimieren und die Infrastruktur langfristig zu sichern.