Grabenlose Sanierung von Grundleitungen – Techniken, Vorteile und Anwendung im Mehrfamilienhaus

Einführung

Die Sanierung von Schmutzwasser-Grundleitungen ist eine Herausforderung, die sich insbesondere im Bereich von Mehrfamilienhäusern und anderen bebauten Grundstücken stellt. Traditionelle Sanierungsverfahren, die eine offene Bauweise voraussetzen, sind zeitaufwendig, kostenintensiv und störend für die Bewohner. In jüngster Zeit hat sich jedoch das Verfahren der grabenlosen Sanierung als effiziente Alternative etabliert. Insbesondere das Schlauchliner-Verfahren hat sich als bewährte Methode zur Sanierung von Grundleitungen bewährt.

Doch was genau sind die technischen Voraussetzungen, Vorteile und Einschränkungen dieses Verfahrens? Welche Alternativen existieren? Und wie lässt sich die Sanierung von Grundleitungen im Detail planen und durchführen? Diese Fragen beantwortet der folgende Artikel anhand der aktuellsten Erkenntnisse aus der Praxis.

1. Der Bedarf an Sanierungsmaßnahmen: Warum Grundleitungen saniert werden müssen

Grundleitungen – also die unterirdisch verlegten Abwasserleitungen, die die Grundstücke mit dem öffentlichen Kanalsystem verbinden – sind von entscheidender Bedeutung für die ordnungsgemäße Funktion der Abwasserentsorgung. Im Laufe der Zeit können sie aufgrund verschiedenster Faktoren beschädigt werden:

  • Mechanische Schäden durch Baumaßnahmen oder Erschütterungen
  • Wurzeleinwuchs von Bäumen und Sträuchern in die Rohrleitung
  • Korrosion insbesondere bei älteren Leitungen aus Ton, Beton oder Stahl
  • Verschiebungen der Rohrverbindungspunkte
  • Abplatzungen und Risse an der Rohrinnenseite

Ein typisches Szenario ist, wie in den Quellen beschrieben, ein Mehrfamilienhaus, bei dem die Grundleitung erheblich defekt ist. In diesem Fall war eine Sanierung unumgänglich. Die traditionelle Sanierung in offener Bauweise hätte jedoch mehrere Wochen Baulärm und erhebliche Störungen für die Bewohner bedeutet.

Die Suche nach einer Alternative führte zur grabenlosen Sanierung, insbesondere mittels Schlauchliners.

2. Das Schlauchliner-Verfahren – Prinzip, Vorteile und Ablauf

2.1. Was ist ein Schlauchliner?

Beim Schlauchliner-Verfahren wird ein Epoxidharz-imprägnierter Schlauch in die defekte Rohrleitung eingeführt. Der Schlauch wird anschließend mit Luftdruck aufgeblasen, wodurch er sich an die Rohrinnenwand anlegt und diese von innen auskleidet. Das Harz härtet aus und bildet so eine stabile, wasserdichte neue Leitung innerhalb der alten Rohrleitung.

Diese Technik ermöglicht es, die Grundleitung ohne Graben zu sanieren – ein entscheidender Vorteil sowohl in Bezug auf die Kosten als auch auf die Dauer der Bauarbeiten.

2.2. Aushärtungsmethoden: Wasser, Dampf oder UV-Licht

Die Aushärtung des Harzes kann mit verschiedenen Techniken erfolgen:

  • Wasser- oder Dampf-Härtung: Das Harz wird durch Wärme oder Feuchtigkeit ausgelöst.
  • UV-Härtung: Eine Kamera mit rotierendem UV-Licht wird in den aufgeblasenen Liner eingeführt und mit gleichbleibender Geschwindigkeit durchgeführt. Dies ermöglicht eine schnelle und gleichmäßige Aushärtung.

In dem im Material beschriebenen Fall wurde die UV-Härtung gewählt. Die Vorteile dieses Verfahrens liegen in der Schnelligkeit und Sauberkeit, wodurch sich die Sanierung in nur einer Woche umsetzen ließ – ein erheblicher Vorteil im Vergleich zu konventionellen Methoden.

2.3. Vorteile der Schlauchliner-Sanierung

Im Vergleich zu traditionellen Sanierungsverfahren bietet das Schlauchliner-Verfahren folgende Vorteile:

  • Keine Grabarbeiten nötig – keine Erosion, keine Baustellen, keine Störung der Böden
  • Kurze Bauzeit – oft innerhalb von Tagen abgeschlossen
  • Minimale Störung für Bewohner – kein Lärm, kein Staub, keine Einschränkungen im Alltag
  • Kosteneffizienz – geringere Kosten im Vergleich zu einer Rohrersatzmaßnahme
  • Umweltfreundlichkeit – kein Materialabfall, kein Verbrauch von Erdreich

Ein weiterer Vorteil ist die Langlebigkeit des Liners, der im Material erwähnten Fall für 72 Meter Grundleitung eingesetzt wurde. Die Sanierung ist dauerhaft und wasserdicht und bietet eine hohe Beständigkeit gegen chemische Einflüsse und Temperatureinwirkungen.

2.4. Anwendbarkeit und Einschränkungen

Das Schlauchliner-Verfahren ist insbesondere bei Grundleitungen und Hausanschlussleitungen (DN 70 bis DN 800) einsetzbar. Es eignet sich sowohl für kurze als auch für lange Leitungsabschnitte.

Einschränkungen bestehen hingegen bei:

  • Rohrbrüchen oder Scherben: In solchen Fällen muss der Rohrabschnitt vorab repariert werden, damit der Liner nicht beschädigt wird.
  • Kleine Durchmesser (z. B. DN < 100): Hier sind spezielle Techniken erforderlich, wie z. B. das Sprühverfahren mit Epoxidharzen, was jedoch nur für innerhäusliche Sanierungen zugelassen ist.
  • Abzweigungen: Diese können mit Fernsteuerung durch Fräsroboter bearbeitet werden. Bei sehr kleinen Abzweigungen kann es jedoch notwendig sein, punktuell aufzugraben.

3. Alternative Sanierungsverfahren: Kurzliner, Inliner und PARTLINER™

Neben dem Schlauchliner-Verfahren gibt es auch andere Techniken, die in der Praxis angewandt werden:

3.1. Kurzlinersanierung

Die Kurzlinersanierung ist eine grabenlose Methode zur Sanierung von kurzen Abschnitten von Abwasserrohren. Sie eignet sich insbesondere bei punktuelle Defekte, z. B. bei Fallrohren, Grundleitungen oder Querverzugsleitungen.

Ein Vorteil dieser Technik ist, dass sie schnell und gezielt eingesetzt werden kann. Zudem kann sie Rohrbrüche oder Scherben abdichten, um eine weitere Sanierung mit Inliner zu ermöglichen.

3.2. Inlinersanierung

Bei der Inlinersanierung wird eine gesamte Leitungsstrecke mit einem Inliner abgedichtet. Das Verfahren eignet sich insbesondere, wenn die Leitung über eine längere Strecke defekt ist.

Ein Vorteil ist, dass Revisionsöffnungen, Schächte oder Dachabläufe als Zugangspunkte genutzt werden können. Zudem ist das Verfahren auch bei Dimensionssprüngen im Rohrleitungskörper einsetzbar.

3.3. PARTLINER™-Verfahren

Das PARTLINER™-Verfahren ist eine punktuale Sanierungsmethode und wird alternativ zur kompletten Sanierung mit Inliner eingesetzt. Es eignet sich insbesondere, wenn einzelne Schadstellen vorliegen.

Der PARTLINER™ besteht aus einem ECR-Glasfaserlaminat, das mit einem Harzsystem getränkt ist. Dieses Harz haftet auch auf feuchtem Untergrund und härtet rasch aus. Der Liner ist 3 bis 4 mm stark und bietet eine kraftschlüssige Verbindung zwischen dem Altrohr und der Auskleidung.

4. Praktische Umsetzung: Voraussetzungen und Ablauf einer Sanierung

4.1. Voraussetzungen für die Sanierung

Eine grabenlose Sanierung ist nur möglich, wenn folgende Voraussetzungen erfüllt sind:

  • Zugänglichkeit der Rohrleitung über Schächte oder Revisionsöffnungen
  • Freiheit von Hindernissen im Rohrinneren
  • Grundlegende Sanierungsbedingungen – z. B. keine unzulässigen Schäden, die die Tragfähigkeit des Rohres beeinträchtigen

Zur Planung der Sanierung ist eine Kanalinspektion unerlässlich. Mit einer Kamera wird die Rohrleitung befußt, um die Schadstellen genau zu erfassen und die Sanierungsstrategie festzulegen.

4.2. Ablauf der Sanierung

  1. Kanalinspektion und Schadstellenanalyse
    Mit einer Kamera wird die Grundleitung befußt. Die Schadstellen werden dokumentiert und bewertet.

  2. Vorbereitung der Leitung
    Die Rohrleitung wird gereinigt und von einragenden Hindernissen befreit.

  3. Einbringung des Schlauchliners
    Der Epoxidharz-imprägnierte Schlauch wird in die Leitung eingeführt und aufgeblasen.

  4. Aushärtung des Harzes
    Je nach Verfahren (Wasser, Dampf, UV-Licht) wird das Harz ausgehärtet.

  5. Prüfung der Dichtheit
    Nach der Sanierung muss eine Dichtheitsprüfung durchgeführt werden. Diese erfolgt gemäß DIN EN 1610 und muss in einem Protokoll dokumentiert werden.

  6. Abnahme und Übergabe
    Nach erfolgreicher Prüfung wird die Sanierung abgenommen, und das Protokoll wird dem Eigentümer übergeben.

5. Technische und rechtliche Aspekte

5.1. Zulassungen und Normen

Die Verfahren zur grabenlosen Sanierung unterliegen klaren Zulassungs- und Prüfvorgaben. Die DWA-A-143 (Deutsche Wasserwirtschaftsverband) definiert in Teil 3 spezifische Anforderungen an die Sanierung von Abwasserleitungen.

Zudem wird für die Prüfung der Härte des Harzes eine Dynamische Differenz-Kalorimetrie (DSC) verwendet. Diese Methode wurde 2009 in die Zusätzlichen Technischen Vertragsbedingungen (ZTV) der süddeutschen Kommunen aufgenommen und ist seit 2014 Bestandteil des DWA-A-143 Merkblatts.

5.2. Qualitätssicherung

Qualitätssicherung ist ein entscheidender Faktor bei der Sanierung von Grundleitungen. Viele Unternehmen haben sich durch RAL-Gütezeichen nachgewiesen, dass sie über die notwendige Qualifikation verfügen.

Auch in der Rohr- und Verbandsentwässerung (RSV) existieren zertifizierte Sanierungsunternehmen, die für die Durchführung solcher Arbeiten eingesetzt werden können.

6. Kosteneinschätzung und Planungshinweise

6.1. Kosteneffizienz

Die grabenlose Sanierung ist kosteneffizient im Vergleich zu einer konventionellen Sanierung oder einer Rohrersatzmaßnahme. Die Kosten hängen von folgenden Faktoren ab:

  • Länge der Grundleitung
  • Schadstellenanzahl und -schweregrad
  • Zugänglichkeit der Leitung
  • Verfahren (Schlauchliner, Kurzliner, Inliner)

Ein Vorteil ist die geringe Dauer der Sanierung, wodurch sich die Gesamtkosten im Vergleich zu traditionellen Verfahren reduzieren.

6.2. Planungshinweise

Für eine erfolgreiche Sanierung ist eine detaillierte Planung erforderlich. Die folgenden Punkte sollten in die Planung einbezogen werden:

  • Kanalinspektion und Schadstellenanalyse
  • Ausschreibung der Sanierungsarbeiten
  • Prüfung der Zugänglichkeit
  • Ablaufplanung (mit den Bewohnern abstimmen)
  • Prüfung der Zulassung des Sanierungsverfahrens
  • Dokumentation der Sanierung und Prüfung der Dichtheit

7. Praxisbeispiel: Sanierung einer Grundleitung im Mehrfamilienhaus

Ein praxisnahes Beispiel wurde in den Materialien beschrieben. In einem Mehrfamilienhaus war die 72 Meter lange Grundleitung stark defekt. Die Sanierung wäre mit traditionellen Verfahren nicht wirtschaftlich und praktisch umsetzbar gewesen. Stattdessen wurde das Schlauchliner-Verfahren mit UV-Härtung eingesetzt.

Die Sanierung war in nur einer Woche abgeschlossen. Die Sanierung war kosteneffizient, störungsfrei für die Bewohner und bot eine lange Lebensdauer der neuen Leitung. Zudem wurde eine Dichtheitsprüfung durchgeführt, und das Ergebnis wurde in einem Protokoll dokumentiert.

Fazit

Die grabenlose Sanierung von Grundleitungen hat sich als wirtschaftliche und effiziente Alternative zur konventionellen Sanierung etabliert. Insbesondere das Schlauchliner-Verfahren bietet zahlreiche Vorteile: Es ist schnell, störungsarm, umweltfreundlich und langlebig.

Doch auch andere Techniken wie Kurzliners, Inliner oder PARTLINER™ haben ihre Berechtigung, je nach Art und Umfang der Schäden. Eine gründliche Planung, eine Kanalinspektion und die Wahl des richtigen Sanierungsverfahrens sind entscheidend für den Erfolg der Sanierung.

Für Eigentümer, Bauherren und Planer ist es wichtig, qualifizierte Sanierungsunternehmen zu beauftragen, die über die notwendigen Zulassungen und Erfahrungen verfügen. Nur so kann sichergestellt werden, dass die Sanierung dauerhaft und ordnungsgemäß durchgeführt wird.

Quellen

  1. Effektive Rohrsanierung ohne Graben – Grundleitungssanierung mit Schlauchliner-Verfahren
  2. Anschlusssanierung – Aarsleff GmbH
  3. Sanierung – Lemberger Abwassertechnik
  4. Kanalsanierung – Abwasser-Service Volkner
  5. Hausanschluss – RSV e.V.

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