Einleitung
Das Schlossgut Broock in Vorpommern ist ein herausragendes Beispiel für die Sanierung und Umnutzung historischer Gutsanlagen. Seit 2017 wird die überregional bedeutende Anlage unter der Leitung der Schloss Broock GmbH & Co. KG systematisch und mit staatlicher Unterstützung renoviert und neu genutzt. Die ehemals stark verfallene Gutsanlage mit Schloss, Marstall, Reithalle und Lenné-Park ist nicht nur ein kulturell bedeutendes Ensemble, sondern auch ein Denkmal von nationaler Bedeutung. Ziel der Sanierung ist es, das Schlossgut Broock zu einem Kultur- und Veranstaltungszentrum mit Festivalcharakter zu entwickeln. Die Sanierung und der Umbau erfordern sowohl technische als auch konservatorische Lösungen, die unter Berücksichtigung der Denkmalschutzvorschriften und wirtschaftlicher Rahmenbedingungen umgesetzt werden. Der vorliegende Artikel gibt einen umfassenden Überblick über die historische Entwicklung, die aktuellen Sanierungsmaßnahmen, die technischen Herausforderungen sowie die zukünftige Nutzung des Geländes.
Historische Entwicklung und baulicher Zustand zum Zeitpunkt der Übernahme
Ursprünge und Architektur
Das Gutshaus Broock entstand zwischen 1770 und 1777 an der Stelle eines mittelalterlichen Vorwerks der Broocker Burg. Bauherr war der preußische Generalmajor Christian Bogislaw von Linden. Das Gebäude ist ein repräsentatives Beispiel der barocken Architektur, die durch eine Dachkonstruktion, monumentale Schornsteine und eine klare Raumaufteilung charakterisiert ist. Im 19. Jahrhundert wurde das Gutshaus von Friedrich August Stüler, einem renommierten Berliner Architekten, im Stil der Tudorgotik umgestaltet. Diese Umbauphase fand unter der Ägenschaft des Freiherrn Hans Carl Franz Alexander von Seckendorf-Aberdar statt, der das Gut 1840 durch Erbe erwarb.
Ein weiteres architektonisches Element, der Wintergarten am Südflügel des Gutshauses, wurde ebenfalls in der Stülerschen Umbauphase angelegt. Obwohl historische Aufnahmen vom Vorgänger fehlen, ist bekannt, dass dieser Wintergarten als Erweiterung des Wohnraums konzipiert war und über einen Wasseranschluss und Beheizbarkeit verfügte. Der Wintergarten diente als Übergang zum Park und war ein architektonisch besonderes Element der Anlage.
Vom kulturellen Mittelpunkt zur Brache
Nach der Mitte des 20. Jahrhunderts verlor das Schlossgut Broock seine Funktion als gesellschaftlicher Mittelpunkt der Region. Das Gutshaus diente zeitweise als Flüchtlingsunterkunft, Kindergarten, Schule und Konsum. 1974 wurde es an den VEB Kranbau Eberswalde verkauft, der ein Erholungsheim plante. Dieses Vorhaben blieb jedoch unvollendet, und das Gutshaus stand danach leer. Nach der Wende übernahm die Treuhandanstalt das Ensemble, und 1998 erfolgte ein Verkauf an Privatpersonen. Obwohl Konzeptideen vorhanden waren, fehlten die finanziellen Mittel für die Umsetzung. Erst im Jahr 2017 wurde das Schlossgut Broock durch die Schloss Broock GmbH & Co. KG übernommen, die das Projekt zur Sanierung und Umnutzung in die Wege leitete.
Der Zustand zum Zeitpunkt der Übernahme
Der Zustand der Gutsanlage war am Übernahmetag (Juni 2017) katastrophal. Das Dach sowie die Holzbalkendecken des Schlosses waren im Mittelteil komplett eingestürzt. Teile des Dachs von Nord- und Südflügel sowie die Decken und Gewölbe im Kellergeschoss waren teils eingestürzt oder akut einsturzgefährdet. Auch der Wintergarten, der in den 1950er Jahren als barocke Sonnenstube diente, war nicht mehr vorhanden. Die Sanierung begann daher unmittelbar nach der Übernahme mit Maßnahmen zur Notsicherung, um den Bauschaden zu begrenzen und die Strukturen stabil zu halten.
Sanierungsstrategie und technische Herausforderungen
Planung und Finanzierung
Die Sanierung des Schlossguts Broock war von Anfang an ein Projekt mit hohen Anforderungen an Planung, Finanzierung und Umsetzung. Um die notwendigen Mittel für die Sanierung zu generieren, wurden umfassende Förderanträge gestellt. Im Herbst 2018 begannen die ersten Bauarbeiten, finanziell unterstützt durch Fördermittel aus verschiedenen Bundes- und Landesprogrammen. Ein Beispiel hierfür ist der Förderbescheid in Höhe von rund 266.000 Euro, der von Landrat Michael Sack übergeben wurde und der explizit für die Sanierung des Wintergartens am Südflügel des Gutshauses vorgesehen war.
Denkmalschutz und Umbauplanung
Die Sanierung musste unter Berücksichtigung der denkmalpflegerischen Vorgaben erfolgen. Das Gutshaus ist als Denkmal ausgewiesen, und jede Sanierungsmaßnahme unterliegt daher einer Prüfung durch die Denkmalschutzbehörde. Besonders herausfordernd war die Sanierung des Dachs, da der hohe Zerstörungsgrad eine tiefgehende Eingriff in die Denkmalsubstanz erforderte. In Broock entstand eine Lösung, die zwar zu einer maßgeblichen Veränderung der Dachstruktur und -kubatur führte, diese aber durch eine Attikazone und eine farbliche Anpassung an die Dacheindeckung gut integrierte und somit in das historische Ensemble eingebunden wurde.
Ein weiteres Problem war die Finanzierung der Wiederherstellung der Fassade in Quaderputzfassade, die aufgrund der starken Baukostensteigerung in den letzten Jahren auf unbestimmte Zeit zurückgestellt werden musste. Stattdessen wurde eine Interimslösung gewählt, bei der die Fassade so repariert und stabilisiert wird, dass sie einerseits weiterhin die Möglichkeit zur fachgerechten Wiederherstellung des Quaderputzes offen hält, andererseits aber auch ausreichend widerstandsfähig gegen Witterungseinflüsse ist.
Energieeffizienz und Barrierefreiheit
Neben der architektonischen und konservatorischen Sanierung standen auch Aspekte der Energieeffizienz und Barrierefreiheit im Fokus. Insbesondere der Wintergarten wurde so neu gestaltet, dass er baulich dem alten Vorbild entspricht, aber modernste Techniken in Bezug auf Energieverbrauch, Wärmedämmung und barrierefreien Zugang integriert. So wurde beispielsweise die Bodenhöhe des Wintergartens angepasst, sodass der Übergang von der Erdgeschossfläche des Schlosses fluchtwandfrei ermöglicht wird, im Gegensatz zum historischen Vorgänger, bei dem der Übergang über eine Stufe erfolgte.
Aktuelle Baumaßnahmen und Projektfortschritt
Notsicherung und Erste Bauabschnitte
Die Sanierung begann mit der Notsicherung, die im Jahr 2018 begann. Diese Maßnahmen umfassten die Stabilisierung der tragenden Wände, das Dach und die Fassaden. Die ersten beiden Bauabschnitte der Notsicherung wurden erfolgreich beendet. Der dritte Bauabschnitt ist derzeit in der Ausführung. Die Baugenehmigung für den Ausbau des Schlossgebäudes lag bereits seit September 2020 vor, was bedeutete, dass die strukturellen Sanierungsarbeiten in den Bereichen, die als Kultur- und Veranstaltungszentrum genutzt werden sollen, systematisch fortgeführt werden konnten.
Zusätzlich wurden weitere Bauanträge für den Neubau des Bettenhauses "Holländerei" sowie für den Veranstaltungskomplex, bestehend aus Marstall, Reithalle, Stutenstall und Verbindungsbauten, gestellt. Mit diesen Baumaßnahmen wird das Schlossgut Broock in den nächsten Jahren zu einer Großbaustelle, und der Betrieb ist für 2024/25 geplant.
Der Wintergarten
Der Wintergarten am Südflügel des Gutshauses ist ein besonderes Highlight des Projekts. Er wurde nach den Entwürfen von Friedrich August Stüler ursprünglich als Erweiterung des Wohnraums konzipiert. Der historische Wintergarten war mit einer gemauerten Brüstung versehen, die die Stirnseite begrenzte. Eine vertikale Fensterfront war daran angeschlossen, gefolgt von einer schräg ansteigenden verglasten Dachfläche, die bis an die Fenster des Obergeschosses reichte.
Der neue Wintergarten, der im Rahmen der Sanierung gebaut wird, baut auf dem Vorbild des alten Wintergartens auf, berücksichtigt aber auch moderne Anforderungen. Er soll mit einer gemauerten Brüstung versehen werden, die den Übergang zum Park markiert. Die Fensterfront wird in einer vertikalen Anordnung integriert, und die verglaste Dachfläche wird schräg ansteigen. Die Bodenhöhe wurde angepasst, um eine barrierefreie Zugänglichkeit zu gewährleisten.
Die Sanierung des Wintergartens wurde durch Fördermittel ermöglicht, wobei die Kosten in Höhe von rund 266.000 Euro durch einen Zuwendungsbescheid unterstützt wurden. Die Planung und Umsetzung erfolgten in Absprache mit den Denkmalschutzbehörden, um die historischen und kulturellen Werte des Gebäudes zu bewahren.
Zukünftige Nutzung und Konzeption
Kultur- und Tagungszentrum
Die zukünftige Nutzung des Schlossguts Broock ist eng mit der Entwicklung eines Kultur- und Tagungszentrums verbunden. Das Schloss selbst wird in die Zukunft als Veranstaltungsräume genutzt, darunter Gastronomie, Beherbergung, Büroflächen sowie Technik- und Nebenräume. Der Veranstaltungskomplex besteht aus Marstall, Sattelkammer, Reithalle, Stallmeisterhaus, Stutenstall und dem Rademacherschauer.
Zusätzlich wird das Bettenhaus "Holländerei" neu gebaut, um den Bedarf an Unterkünften für Besucher zu decken. Die Planung und der Bau des Bettenhauses sind in den letzten Jahren intensiviert worden, und die Baugenehmigung liegt bereits vor. Mit diesen Maßnahmen wird das Schlossgut Broock zu einem überregionalen Kultur- und Tagungszentrum, das nicht nur lokale, sondern auch überregionale Veranstaltungen anziehen soll.
Dorfladen und Gemeinschaftsleben
Ein weiteres Element der zukünftigen Nutzung ist der Dorfladen im Tollensetal, der bereits in Betrieb ist. Der Dorfladen mit Café und Biergarten ist ein zentraler Treffpunkt für die Dorfgemeinschaft und Gäste aus der Umgebung. Der Dorfladen bietet ein vielfältiges Sortiment an regionalen Produkten, hausgemachten Köstlichkeiten und Getränken an. Er ist ein lebendiges Zentrum der Gemeinschaft und trägt dazu bei, die Region lebendig zu halten.
Weitere Grundstücke und Wohnprojekte
In Alt Tellin, Buchholz und Broock wurden weitere Grundstücke erworben, auf denen in den nächsten Jahren Wohnprojekte entwickelt werden sollen. Diese Wohnprojekte sind Teil der strategischen Planung, die das Schlossgut Broock nicht nur als Veranstaltungs- und Kulturort, sondern auch als lebendige Siedlung mit Wohnraum für Kreative, Kulturschaffende und Gäste entstehen lässt.
Zusätzlich zur Hauptanlage wurde auch das Empfangsgebäude des Bahnhofs Sternfeld erworben und in den Planungshorizont einbezogen. Der Bahnhof Sternfeld wird durch die Unterschutzstellung als Denkmal betont, und die Erweiterungsflächen wurden in das Projekt integriert.
Kulturelle Bedeutung und Zukunftsperspektiven
Denkmal des Monats
Im Juli 2024 wurde das Gutshaus Broock vom Landesamt für Kultur und Denkmalpflege Mecklenburg-Vorpommern als "Denkmal des Monats" ausgezeichnet. Diese Auszeichnung betont die kulturelle Bedeutung des Projekts und seine Bedeutung für die Erhaltung historischer Bauwerke in der Region. Die Sanierung des Gutshauses wird nicht nur als architektonische Herausforderung, sondern auch als gesellschaftlicher Beitrag zur Bewahrung der kulturellen Identität der Region gesehen.
Kulturregion Tollensetal
Ein weiteres Projekt, das mit der Sanierung des Schlossguts Broock eng verbunden ist, ist die Entwicklung der "Kulturregion Tollensetal". In diesem Rahmen wurden Kontakte zu Akteuren aus der Region geknüpft und ein Netzwerk gebildet, das sich auf kulturelle und sportliche Aktivitäten konzentriert. Der Bundestagsabgeordnete Erik von Malottki (SPD) war bei dieser Entwicklung beteiligt und nutzte seine Reise nach Broock, um sich über die Fortschritte zu informieren und gleichzeitig das Netzwerk der Kulturregion vor Ort kennenzulernen.
Kulturfestival und Veranstaltungen
Die langfristige Vision für das Schlossgut Broock ist die Entwicklung zu einem Festivalort mit kulturellen Veranstaltungen in unterschiedlichsten Formaten. Der Schlossgut Broock soll ein kultureller Mittelpunkt der Region werden, der überregional besucht wird. Die Planung und Umsetzung dieser Veranstaltungen erfolgen in enger Zusammenarbeit mit regionalen Kulturschaffenden, Investoren und Behörden.
Fazit
Die Sanierung des Schlossguts Broock ist ein herausforderndes Projekt, das sowohl architektonische, konservatorische als auch wirtschaftliche Anforderungen erfüllt. Die Sanierung erfolgt unter Berücksichtigung der denkmalpflegerischen Vorgaben und integriert moderne Techniken in Bezug auf Energieeffizienz, Barrierefreiheit und Nutzung. Ziel ist es, das Schlossgut Broock zu einem Kultur- und Tagungszentrum zu entwickeln, das nicht nur historisch bedeutend, sondern auch lebendig und zukunftsorientiert ist.
Die Projektentwicklung ist ein Vorbild für die Sanierung historischer Gutsanlagen in Mecklenburg-Vorpommern und bietet wertvolle Erfahrungen für die Realisierung ähnlicher Projekte. Mit der Wiederherstellung des Gutshauses, der Entwicklung des Veranstaltungskomplexes und der Erschließung neuer Grundstücke wird das Schlossgut Broock in den nächsten Jahren zu einer überregionalen Anziehungsmagnet für Kultur, Tagungen und Tourismus. Die Sanierung ist nicht nur ein architektonisches Projekt, sondern auch ein gesellschaftlicher und kultureller Meilenstein in der Region Vorpommern.