Einführung
Die Generalsanierung des Staatsarchivs Nürnberg stellt nicht nur eine bedeutende kulturelle Aufgabe dar, sondern auch eine technische und logistische Herausforderung. Das denkmalgeschützte Gebäude, errichtet im Jahr 1880, beherbergt historische Archive mit einer Gesamtfläche von über 37.000 laufenden Metern. Mit einem Investitionsvolumen von etwa 55 Millionen Euro wird das Archiv für die nächsten Jahre geschlossen, während die Bestände bayernweit ausgelagert werden. Ziel der Sanierung ist es, das Gebäude an moderne Anforderungen anzupassen, ohne die historische Substanz zu zerstören. Gleichzeitig entsteht ein modernes Besucherzentrum mit Lesesälen, Ausstellungs- und Seminarräumen. In diesem Artikel werden die Hintergründe, die Umsetzung und die zukünftige Bedeutung der Sanierung detailliert beschrieben.
Geschichte und Bedeutung des Staatsarchivs Nürnberg
Das Staatsarchiv Nürnberg ist der älteste Archivzweckbau Bayerns. Es wurde 1880 unter der Ägide von König Ludwig II. erbaut und liegt 500 Meter nördlich der Kaiserburg Nürnberg. Das Gebäude dient seitdem als zentraler Speicherort für historische Archivalien des Regierungsbezirks Mittelfranken. Es beherbergt ca. 8,29 Millionen Archivalieneinheiten und eine Gesamtfläche von 37.079 laufenden Metern (Stand 31.12.2021). Dazu gehören Bestände der ehemaligen Reichsstadt Nürnberg, des Markgraftums Brandenburg-Ansbach, des Hochstifts Eichstätt, der Kommenden des Deutschen Ordens, sowie Schriftgut der Nürnberger Kriegsverbrecherprozesse.
Das Gebäudekomplex besteht aus mehreren Bauteilen. Der Ostflügel, der im Zweiten Weltkrieg schwer beschädigt wurde, wurde in den 1940er- und 1950er-Jahren wiederaufgebaut. Der Westflügel und das Magazingebäude in neorenaissancestil dominierten das Ensemble. Der Gebäudekomplex ist seit 1880 in ständiger Nutzung und weist daher beträchtliche bauliche und technische Defizite auf.
Finanz- und Heimatminister Dr. Markus Söder betonte im Rahmen der Planungsfreigabe: „Das historisch wertvolle Archivgut erhält ein modernes, zukunftsfähiges und benutzerfreundliches Zuhause.“ Der Minister hob besonders die Bedeutung der Generalsanierung für die zukünftige Sicherheit und Erhaltung der Archivalien hervor.
Sanierungsziele und Maßnahmen
Generelle Vorgaben
Die Generalsanierung umfasst eine umfassende Modernisierung des historischen Gebäudekomplexes. Ziel ist es, die baulichen und technischen Defizite zu beheben, den Energiebedarf zu senken und die Archivalien sowie die Besucher und Nutzer bestmöglich abzusichern. Gleichzeitig wird ein neues Besucherzentrum mit Lesesaal entstehen. Die Sanierung umfasst folgende Schwerpunkte:
- Abbruch- und Umbauarbeiten: Teile der alten Bauteile werden abgerissen, andere saniert und umgebaut.
- Sanierungsarbeiten: Dazu gehören Fassadenarbeiten, die Erhaltung historischer Elemente, Wärmedämmung und Brandschutzmaßnahmen.
- Infrastruktur- und Ingenieurarbeiten: Installation moderner Anlagen für Strom, Heizung, Klimatisierung und Sicherheit.
- Maßnahmen zur Erhaltung historischer Gebäude: Schutzmaßnahmen für die Wappen an der Dachtraufe, Sanierung historischer Türen und Fenster.
- Installation von Aufzügen: Neue Aufzüge sollen Barrierefreiheit ermöglichen.
- Einbau von Archivregalen: Moderne Regalsysteme für Archivalien.
- Gerüstarbeiten: Sicherung der Baustelle während der Arbeiten.
- Aushub- und Erdbewegungsarbeiten: Vorbereitung der Baustelle, insbesondere für die Errichtung des unterirdischen Depots.
Die Sanierungsarbeiten werden in mehreren Phasen durchgeführt. Zunächst werden die Feinplanungen aufgenommen, danach beginnen die eigentlichen Bauarbeiten. Die Sanierung wird über einen Zeitraum von fünf Jahren andauern, mit der Eröffnung des sanierten Archivs voraussichtlich im Jahr 2025.
Besondere Herausforderungen
Die Sanierung des Staatsarchivs Nürnberg wirft mehrere besondere Herausforderungen auf:
- Denkmalschutz: Der Gebäudekomplex ist unter Denkmalschutz, was bedeutet, dass historische Elemente wie Fassaden, Türen, Fenster und Wappen sorgfältig erfasst, erneuert oder ersetzt werden müssen.
- Klimatische Anforderungen: Die Archivalien sind empfindlich und benötigen ein kontrolliertes Klima. Die Sanierung muss daher auch klimatische Anforderungen berücksichtigen.
- Logistik: Während der Sanierung müssen alle Archivalien ausgelagert werden. Dieser Prozess ist logistisch komplex, da die Bestände bayernweit verteilt werden.
- Besucherbetreuung: Während der Sanierung bleibt das Archiv geschlossen. Es wird jedoch eine Online-Findmittel- und Digitalisat-Datenbank angeboten, um Nutzern weiterhin Zugang zu ermöglichen.
Finanzierung und Genehmigungen
Die Finanzierung der Sanierung erfolgt hauptsächlich aus staatlichen Mitteln. Der Freistaat Bayern stellt rund 42,4 Millionen Euro für die Sanierung des Magazingebäudes und des Verwaltungstraktes bereit. Für die Errichtung des neuen Besucherzentrums und Lesesaals sind 4,6 Millionen Euro geplant. Die Gesamtkosten der Sanierung belaufen sich auf etwa 55 Millionen Euro, wie von Barbara Regitz, MdL, im Bayerischen Landtag bestätigt wurde.
Die Planungsfreigabe wurde durch den Haushaltsausschuss des Bayerischen Landtags einstimmig beschlossen. Damit wurden drei zentrale Vorgaben bestätigt: die Sanierung des Altbau nach neuesten Standards, die Erweiterung der Archiv- und Magazinflächen, sowie die Erhöhung der Zugänglichkeit für Besucher und Veranstaltungen.
Auswirkungen der Sanierung
Neue Architektur und Funktionalität
Nach der Sanierung wird das Staatsarchiv Nürnberg nicht nur als historische Einrichtung, sondern auch als moderne, barrierefreie und öffentlich zugängliche Institution dienen. Der Umbau umfasst die Errichtung eines unterirdischen Depots in den Gärten des Archivkomplexes, in dem die Archivalien künftig sicher aufbewahrt werden. Ein großer Lesesaal im ersten Stock mit Ausstellungs- und Seminarräumen wird eingerichtet, um Wissenschaftlern, Historikern und anderen Interessierten bessere Arbeitsbedingungen zu bieten.
Zudem wird ein repräsentativer Treppenaufgang sichtbar und zugänglich gemacht, der bislang nicht genutzt werden konnte. Der Umbau ist somit auch eine kulturelle und architektonische Neubelebung des historischen Archivkomplexes.
Öffentlichkeit und Zugänglichkeit
Die Generalsanierung bringt auch eine deutliche Erhöhung der Zugänglichkeit und der Öffentlichkeit mit sich. Das Staatsarchiv wird künftig nicht nur als Speicherort, sondern auch als Informations- und Forschungsstätte genutzt. Besucher, Forscher und Studenten können in den Lesesälen und Seminarräumen arbeiten, Ausstellungen besuchen und Archive digitalisieren.
Im Rahmen der Sanierung wird ein neues Besucherzentrum errichtet, das Informationen zu den Archivalien, zur Geschichte des Archivs und zu den Ausstellungen bietet. Die Einrichtung eines Lesesaals mit modernen Arbeitsplätzen und Informationsstellen wird zudem eine bessere Benutzerfreundlichkeit gewährleisten.
Klimatische Anforderungen und Sicherheit
Die Archivalien sind empfindlich und benötigen ein kontrolliertes Klima. Die Sanierung wird daher auch Maßnahmen zur Klimatisierung und Sicherung der Archivalien beinhalten. Ein unterirdisches Depot, das unter den Gärten errichtet wird, bietet optimale Bedingungen für die Aufbewahrung der Archivalien.
Die Archivbestände werden während der Bauphase bayernweit ausgelagert. Die Altbestände bis 1806 werden ins Landeskirchliche Archiv in Nürnberg gebracht, die Überlieferungen des 19. und 20. Jahrhunderts auf die Staatsarchive Augsburg und Landshut aufgeteilt. Die Außenstelle Lichtenau wird künftig Anlaufstelle für Baugenehmigungsakten sein.
Die Wiedereröffnung des sanierten Archivs ist für das Jahr 2025 geplant, was mit einer logistischen Herausforderung verbunden ist: alle ausgelagerten Bestände müssen zurückgebracht werden. Dieser Prozess wird voraussichtlich bis 2030 andauern.
Logistik und Umzug
Der Umzug der Archivalien war bewusst zur kälteren Jahreszeit geplant. Dies dient dazu, dass die Archivalien bei niedrigeren Temperaturen eingelagert werden und so das empfindliche Klima in den Ausweichstandorten nicht beeinträchtigt wird.
Peter Fleischmann, Leiter des Staatsarchivs Nürnberg, betont, dass die Wiedereröffnung im Jahr 2025 auch einen besonderen symbolischen Wert hat: Sollte Nürnberg im Jahr 2025 tatsächlich die Europäische Kulturhauptstadt sein, würde dies dem Projekt zusätzlichen Stellenwert verleihen.
Die Sanierung und der Umbau des Archivs Nürnberg wird als ein Quantensprung für die mittelfränkische Bevölkerung bezeichnet. Das Archiv wird nicht nur eine bessere Infrastruktur bieten, sondern auch eine höhere Zugänglichkeit für Besucher, Forscher und Studenten.
Fazit
Die Generalsanierung des Staatsarchivs Nürnberg ist ein Mammutprojekt, das die Herausforderungen der Sanierung historischer Gebäude, der Logistik und der Sicherung empfindlicher Archivalien aufgreift. Mit einem Investitionsvolumen von 55 Millionen Euro wird der älteste Archivzweckbau Bayerns für die nächsten Jahre geschlossen, während die Archivalien bayernweit ausgelagert werden.
Die Sanierung umfasst Abbrucharbeiten, Umbaumaßnahmen, Infrastruktur- und Ingenieurarbeiten, sowie die Errichtung eines modernen Besucherzentrums mit Lesesaal. Ziel ist es, das Archiv in den kommenden Jahrzehnten als kulturellen und wissenschaftlichen Mittelpunkt für die Region Mittelfranken zu etablieren.
Die Eröffnung des sanierten Archivs ist für das Jahr 2025 geplant. Damit wird das Staatsarchiv Nürnberg nicht nur eine neue architektonische Form annehmen, sondern auch eine neue Funktion erfüllen: als moderner, öffentlicher und zugänglicher Ort für Archivforschung, Ausstellung und Bildung.
Quellen
- Staatsarchiv Nürnberg wird generalsaniert
- Grünes Licht für die Generalsanierung des Staatsarchivs Nürnberg
- Umbau von Gebäuden – Staatsarchiv Nürnberg
- Alles muss raus – das Staatsarchiv Nürnberg wird generalsaniert
- Staatsarchiv Nürnberg – Schließung und Sanierungsarbeiten
- Bayerisches Staatsarchiv Nürnberg wird generalsaniert
- Söder gibt 48 Millionen Euro für Staatsarchiv-Sanierung frei