Sanierung und Modernisierung des historischen Stadtbads in Sangerhausen – ein Modellprojekt für klimafreundliche und barrierefreie Bäder

Einleitung

Die Sanierung des historischen Stadtbads in Sangerhausen ist ein zentraler Baustein in der kulturellen und infrastrukturellen Entwicklung der Mittelstadt im Landkreis Mansfeld-Südharz. Das 1930 im Stil des "Neuen Bauens" errichtete Bad war nach mehreren Jahrzehnten in die Jahre gekommen und benötigte umfassende Renovierungsmaßnahmen, um weiterhin als attraktive Freizeit- und Erholungsstätte für alle Alters- und sozialen Gruppen genutzt zu werden.

Mit einer Gesamtkosten von rund 6,756 Millionen Euro, davon 3,6 Millionen Euro aus Bundesförderung, wurde das Projekt über einen Zeitraum von fünf Jahren geplant und etwa 13 Monate lang umgesetzt. Die Sanierung umfasste nicht nur den Umbau der Badelandschaft, sondern auch umfangreiche energetische und barrierefreie Modernisierungen. Die erneuerte Einrichtung, unter anderem mit vier Edelstahlbecken, einer 45 Meter langen Rutsche und einem Sprungturm, präsentiert sich nun in neuem Licht.

Dieser Artikel gibt einen detaillierten Überblick über die Planung, Durchführung und Ergebnisse der Sanierung, wobei ausschließlich auf die in den Quellen bereitgestellten Fakten zurückgegriffen wird.

Geschichte und Architektur des Stadtbads

Errichtung 1930 im Stil des „Neuen Bauens“

Das Stadtbad in Sangerhausen wurde 1930 errichtet und zählt somit zu den historischen Bädern, die in der Zeit des sogenannten „Neuen Bauens“ entstanden. Dieser Architekturstil, der in den 1920er- und 1930er-Jahren verbreitet war, ist geprägt von klaren Formen, Funktionalität und modernem Design. Der Stil war eng verwandt mit dem Bauhaus-Prinzip, das in dieser Zeit auch in Deutschland eine große Rolle spielte.

Der Kopfbau des Stadtbads wurde im modernen, gradlinigen Stil der Bauhaus-Architektur errichtet. Der Begriff „Neues Bauen“ bezeichnet eine Architektur- und Planungsbewegung, die in den 1920er- und 1930er-Jahren entstand und in Deutschland, besonders in der Weimarer Republik, florieren konnte. Das Bauhaus, gegründet von Walter Gropius im Jahr 1919, existierte bis 1933 und hat durch ihre revolutionären Ideen einen tiefgreifenden Einfluss auf die Architektur, Design- und Ingenieurskunst des 20. Jahrhunderts gehabt.

Die historische Anlage war bis zur Sanierung nur unwesentlich modernisiert worden. Die Wiedereröffnung nach der Sanierung betonte nicht nur die architektonische Bedeutung des Stadtbads, sondern auch seine kulturelle Wichtigkeit für die Region.

Sanierungsplanung und Finanzierung

Fünf Jahre Planung – 13 Monate Bauzeit

Die Sanierung des Stadtbads war nach Angaben der Beteiligten ein Projekt mit langfristiger Planung. Laut den Quellen war etwa ein Zeitraum von fünf Jahren für die Planung erforderlich, bevor die eigentliche Bauphase begann. Die Bauarbeiten dauerten etwa 13 Monate. Diese Zeit war notwendig, um sowohl die historischen Elemente des Baus zu erhalten, als auch um moderne Anforderungen an Sanitären, Technischen und Barrierefreien Aspekten zu erfüllen.

Finanzierungsmodell

Die Gesamtkosten des Projekts beliefen sich auf 6.756.176 Euro. Der Großteil der Mittel stammte aus Bundesförderung, mit einer Summe von 3.600.000 Euro. Die Stadt Sangerhausen brachte 3.156.176 Euro an Eigenmitteln ein. Die Finanzierung erfolgte durch das Projektträgermodell: Die Kommunale Bädergesellschaft Sangerhausen mbH war als Bauherr verantwortlich, während die Stadt Sangerhausen als Zuwendungsempfänger fungierte.

Die Bundesförderung spielte eine entscheidende Rolle, um die Sanierung ohne übermäßige Belastung des kommunalen Haushalts durchzuführen. Die Finanzierung ist ein gutes Beispiel dafür, wie staatliche Mittel für infrastrukturelle und kulturelle Projekte genutzt werden können, um städtische Freizeit- und Erholungsangebote zu sichern und weiterzuentwickeln.

Umfangreiche Sanierungsmaßnahmen

Energetische Modernisierung

Ein zentraler Aspekt der Sanierung war die energetische Modernisierung der Badewassertechnik. Die Modernisierungsmaßnahmen trugen direkt zu den Umwelt- und Klimaschutzzielen der Bundesregierung bei. Durch die Anpassung der Technik an moderne Standards wurden Energieverbrauch und CO₂-Emissionen reduziert.

Diese Maßnahme ist ein gutes Beispiel dafür, wie in der Renovierung von öffentlichen Bädern nicht nur auf Funktionalität und Sicherheit geachtet wird, sondern auch auf Nachhaltigkeit. In einer Zeit, in der Klimaschutz ein zentrales Thema ist, zeigt sich hier, wie historische Gebäude auch in ihrer Funktion als moderne Einrichtungen umgestaltet werden können, ohne dabei den ökologischen Fußabdruck zu ignorieren.

Barrierefreiheit

Eine weitere zentrale Sanierungsmaßnahme war die Schaffung von barrierefreien Zugängen und Nutzungsmöglichkeiten. Das Ziel war, das Bad für alle Altersgruppen und sozialen Schichten attraktiv zu machen. Durch die Umgestaltung war es möglich, auch Menschen mit eingeschränkter Mobilität oder anderen Bedürfnissen einen Zugang und Aufenthalt im Stadtbad zu ermöglichen.

Barrierefreiheit ist ein entscheidender Aspekt der heutigen Bäderplanung und -sanierung. Sie ermöglicht nicht nur den Zugang für Menschen mit Behinderung, sondern auch für Eltern mit Kinderwagen, ältere Menschen oder andere Gruppen, die im öffentlichen Raum manchmal eingeschränkt sind.

Neugestaltung der Badelandschaft

Vier Edelstahlbecken mit 800 Quadratmetern Wasserfläche

Die Badelandschaft wurde nach der Sanierung neu gestaltet. Der Schwerpunkt lag auf der Errichtung von vier Edelstahlbecken, die zusammen eine Gesamtwasserfläche von rund 800 Quadratmetern abdecken. Edelstahlbecken sind in der heutigen Bäderarchitektur oft bevorzugt, da sie hygienisch, langlebig und pflegeleicht sind. Sie bieten zudem ein modernes Erscheinungsbild und sind gut anpassbar an verschiedene Nutzungsszenarien.

Sprungturm und 45 Meter lange Rutsche mit Zeitmessung

Zu den neuen Highlights zählen ein Sprungturm und eine 45 Meter lange Rutsche mit Zeitmessung. Der Sprungturm ermöglicht nicht nur sportliche Aktivitäten, sondern auch den Betrieb von Bade- und Wettkampfformaten. Die Rutsche mit Zeitmessung bietet dagegen ein modernes Freizeitangebot, das besonders bei jüngeren Besuchern beliebt ist.

Diese beiden Neubauten unterstreichen, dass das Stadtbad nicht nur als Erholungsstätte, sondern auch als Sport- und Freizeitbereich genutzt werden kann. Sie tragen zudem zur Attraktivität und Vielfalt des Angebots bei.

Einlass über Drehkreuze und Kassenautomat

Der Eingangsbereich wurde neu gestaltet. Ein Kassenautomat wurde installiert, und der Einlass erfolgt nun über Drehkreuze. Diese Maßnahmen dienen nicht nur der Sicherheit und der Ordnung, sondern auch der Effizienz und dem Komfort der Besucher. Drehkreuze und Automaten sind heute Standard in modernen Bädern und ermöglichen eine bessere Kontrolle und Organisation des Besucherflusses.

Wiedereröffnung und Öffentlichkeitswirksamkeit

Wiedereröffnung am 23. August mit Sommerparty

Die Wiedereröffnung des Stadtbads war mit einer feierlichen Einweihung verbunden. Laut mehrerer Quellen wurde das Bad am 23. August 2025 wieder für öffentliches Baden und Planschen freigegeben. Die Wiedereröffnung war mit einer Sommerparty verbunden, was auf die hohe öffentliche Resonanz und das Interesse an dem Projekt hindeutet.

Öffentlichkeitswirksamkeit und regionale Bedeutung

Die Sanierung des Stadtbads war nicht nur ein technisches Projekt, sondern auch ein kommunales Signal. Sie unterstrich die Bedeutung von Freizeit- und Sporteinrichtungen in der Stadtpolitik und zeigte, wie historische Bäder durch gezielte Investitionen in ihre Zukunft investieren können.

Die Medienberichte über die Sanierung verdeutlichen, wie solche Projekte von der regionalen Presse aufgegriffen und als Meilensteine in der Entwicklung der Stadt wahrgenommen werden. Insbesondere die Verbindung zwischen historischer Architektur, moderner Technik und barrierefreier Nutzung hat hier ein starkes öffentliches Echo ausgelöst.

Fazit

Die Sanierung des historischen Stadtbads in Sangerhausen ist ein herausragendes Beispiel für die Wiederbelebung und Modernisierung öffentlicher Bäder in Deutschland. Die Kombination aus historischem Wert, modernen Anforderungen und nachhaltiger Planung hat dazu geführt, dass das Bad nicht nur als Erholungsstätte, sondern auch als zentraler Treffpunkt für die Bevölkerung wieder in den Mittelpunkt rückte.

Mit einer Gesamtinvestition von rund 6,756 Millionen Euro, davon 3,6 Millionen Euro aus Bundesförderung, wurde ein Projekt umgesetzt, das sowohl die kulturelle Identität der Stadt als auch ihre Zukunftsfähigkeit stärkt. Die Sanierung war nicht nur technisch und finanziell anspruchsvoll, sondern auch ein Symbol für die Fähigkeit der Kommune, historische Gebäude in die Gegenwart zu übertragen.

Die Wiedereröffnung mit einem neuen Erscheinungsbild, modernen Anlagen und barrierefreien Zugängen hat die Erwartungen an ein zeitgemäßes Bad erfüllt und gleichzeitig die regionale Wichtigkeit des Stadtbads unterstrichen. Es bleibt abzuwarten, ob das Projekt auch in anderen Städten Vorbildcharakter entfalten wird.

Quellen

  1. Sport, Jugend, Kultur – Projekt Sangerhausen: Stadtbad
  2. Historisches Stadtbad Sangerhausen fertig saniert
  3. Sanierung des Stadtbads Sangerhausen: Sprungturm, Schwimmbad, Baden, Wiedereröffnung
  4. Sangerhausen: Stadtbad öffnet bald
  5. ARD-Mediathek: Stadtbad in Sangerhausen öffnet nach Sanierung
  6. Zeit.de: Historisches Stadtbad Sangerhausen fertig saniert

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