Die Generalsanierung des Münchner Stadtmuseums, Deutschlands größten kommunalen Museums, ist eines der bedeutendsten Baudenkmäler in der bayerischen Landeshauptstadt. Nach über einem Jahrhundert Betrieb und einer stetigen Entwicklung der baulichen Struktur, die über Epochen von der Renaissance bis ins 20. Jahrhundert reicht, ist das Museum ab Januar 2024 für mehrere Jahre geschlossen. Ziel der umfassenden Sanierung ist es, das historische Gebäudeensemble in den Anforderungen der Zukunft zu verankern, ohne dabei den Denkmalschutz zu vernachlässigen. Die Maßnahmen beinhalten nicht nur eine umfassende bauliche Sanierung, sondern auch die Neukonzeption der musealen Nutzung, die Barrierefreiheit und die Integration in das städtische Raumgefüge. Insgesamt investiert die Stadt München 271 Millionen Euro in das Projekt, das bis Mitte 2031 andauern wird.
Die Herausforderungen einer Generalsanierung
Die Sanierung des Münchner Stadtmuseums ist kein Routinebauvorhaben, sondern ein Mammutprojekt mit besonderen Anforderungen. Das Museum besteht aus einem Ensemble von Gebäuden, die sich über mehrere Jahrhunderte entwickelt haben. Das älteste Bauwerk ist das historische Zeughaus, das im 16. Jahrhundert erbaut wurde und heute noch einen Teil der Museumsfläche einnimmt. Andere Bestandteile stammen aus der Renaissance, dem 19. Jahrhundert oder der Nachkriegszeit. Diese bauliche Vielfalt erfordert eine sorgfältige Planung, die sowohl den Schutz historischer Elemente als auch die Einhaltung moderner baulicher Standards berücksichtigt.
Eine der größten Herausforderungen ist die Bewahrung der historischen Substanz, während gleichzeitig die Gebäude auf die heutigen und zukünftigen Anforderungen ausgerichtet werden. So muss beispielsweise die Energieeffizienz verbessert werden, um die Klimaneutralität der städtischen Gebäudeflotte zu erreichen. Gleichzeitig müssen die Räumlichkeiten so umgestaltet werden, dass sie barrierefrei sind und den Anforderungen moderner musealen Praxis entsprechen – etwa durch multifunktionale Räume, flexible Ausstellungsgestaltung und interaktive Angebote für Besucher*innen.
Denkmalschutz im Fokus
Der Denkmalschutz spielt bei der Sanierung eine zentrale Rolle. Das Museum beherbergt nicht nur kulturelle Schätze, sondern auch baugeschichtliche Werte. Die historischen Fassaden, Innenhöfe und Räume müssen entsprechend den gesetzlichen Bestimmungen behandelt werden. Architekten, Denkmalschutzexperten und Museumsleiter*innen arbeiten eng zusammen, um eine Balance zwischen Erhaltung und Modernisierung zu finden. Dabei ist es entscheidend, dass die Sanierung nicht nur die baulichen Strukturen, sondern auch die kulturelle Identität des Museums bewahrt.
Die Generalsanierung wird unter Leitung des Architekturbüros Auer Weber durchgeführt, das bereits in frühen Planungsphasen beteiligt war. Moritz Auer, Partner des Büros, betont, dass der Entwurf den Denkmalschutz mit Zukunftsanforderungen verbinde. Ein zentrales Element des Projekts ist der Innenhof des Gsaengertraktes, der durch eine Glasüberdachung zur multifunktional nutzbaren Museumslobby umgestaltet wird. Diese Lobby wird nicht nur den öffentlichen Raum erweitern, sondern auch als zentraler Treffpunkt dienen.
Der neue Haupteingang und die Integration in die Stadt
Ein weiteres zentrales Element der Sanierung ist der Neubau eines Haupteingangs am Rindermarkt. Dieser Eingang wird direkt in den nördlichen Innenhof führen, der durch eine Glasüberdachung eine neue Funktion als Atrium und Veranstaltungsfläche erhält. Der Eingang am St.-Jakobs-Platz bleibt weiterhin bestehen, sodass das Museum von zwei Seiten zugänglich ist. Diese räumliche Anordnung verbindet das Museum stärker mit dem umgebenden Stadtraum und schafft einen besseren Zugang für Besucher*innen.
Die Integration in die Stadtränder ist ein weiteres wichtiges städtebauliches Ziel. Der Innenhof soll nicht nur eine Verbindung zum St.-Jakobs-Platz herstellen, sondern auch eine Brücke zum Jüdischen Zentrum bilden. Dadurch wird das Museum nicht nur als ein kulturelles Zentrum, sondern auch als ein städtisches Glied in die urbane Struktur integriert.
Barrierefreiheit und Inklusion
Ein weiteres zentrales Anliegen der Generalsanierung ist die Schaffung barrierefreier Räume. Die Sanierung umfasst die Anpassung von Aufzügen, Zugängen und Räumen, die für Menschen mit Behinderung zugänglich sind. Besondere Maßnahmen sind geplant, um Menschen mit Seh- oder Hörbehinderung die Teilnahme an Veranstaltungen und Ausstellungen zu ermöglichen. Diese Anpassungen betreffen nicht nur den Zugang, sondern auch die Kommunikation, die Gestaltung von Medienstationen und die Beleuchtung von Räumen.
Die Generalsanierung wird auch die Ausstattung der Räume modernisieren. Im Erdgeschoss entstehen beispielsweise neue Bereiche wie der Museumsshop, eine Espressobar, Studio- und Workshopflächen sowie ein großer Veranstaltungssaal. Diese Räume werden so gestaltet, dass sie flexibel genutzt werden können und für verschiedene Anlässe wie Vorträge, Workshops oder Sonderveranstaltungen geeignet sind.
Der Kubus als zentrales Element
Ein weiteres zentrales Element der Sanierung ist der Bau eines Gebäudekubus im Innenhof. Der Kubus wird in den Obergeschossen über Stege an die bestehenden Ausstellungsflächen angeschlossen. Er ist nicht nur ein architektonisches Highlight, sondern auch eine technische Innovation, die es ermöglicht, die Lichtinszenierung der Räume zu steuern. Der Kubus wird zudem zur Präsentation von Veranstaltungen und Ausstellungen genutzt, da er mit LED-Bespielung ausgestattet ist.
Der Kubus ist ein Symbol für die Neuausrichtung des Museums. Er verbindet traditionelle und moderne Elemente und bietet eine neue Plattform für kulturelle Aktivitäten. Zudem wird der Kubus als zentrales Glied in der musealen Architektur dienen und den Charakter des Museums neu definieren.
Die Interimsausstellung und das Interimsquartier
Während der Sanierungsarbeiten bleibt das Museum nicht ganz still. Bis Mitte 2027 ist eine Interimsausstellung im historischen Zeughaus geplant, die unter dem Titel „What the City. Perspektiven unserer Stadt“ gezeigt wird. Die Ausstellung thematisiert aktuelle stadtgeschichtliche Themen und nutzt interaktive Medienstationen, um Besucher*innen einzubeziehen. Der Eintritt ist kostenlos und barrierefrei, was mit dem Ziel der Inklusion übereinstimmt.
Zudem wird ein Interimsquartier auf dem ehemaligen ARRI-Gelände in der Türkenstraße eingerichtet. Dieses Quartier beherbergt rund 30.000 Quadratmeter Kunst- und Kulturgut, das fachgerecht verpackt und transportiert wurde. Auch rund 100 Beschäftigte des Museums sowie die großen Restaurierungsateliers ziehen in das neue Quartier. Dies ermöglicht es, die musealen Aktivitäten auch während der Sanierungsarbeiten fortzuführen.
Die Rolle des Kommunalreferats
Als Objektverantwortlicher und Bauherr koordiniert das Kommunalreferat der Landeshauptstadt München die Generalsanierung. Die Planung, die Ausführung und die Umsetzung der Sanierungsmaßnahmen erfordern eine enge Zusammenarbeit zwischen Architekten, Denkmalschutzexperten, Museumsleiter*innen und den zuständigen Behörden. Kristina Frank, zuständig für das Projekt, betont, dass die Koordination eine große Herausforderung sei, aber auch eine große Chance, um ein Museum zu schaffen, das sowohl den historischen Werten als auch den modernen Anforderungen gerecht wird.
Die Kosten und Finanzierung
Die Generalsanierung kostet rund 271 Millionen Euro. Diese Summe deckt die baulichen Maßnahmen, die Ausstattung der neuen Räume, die Integration moderner Technologien sowie die Sanierung der bestehenden Gebäude ab. Die Finanzierung erfolgt durch die Stadt München, die das Projekt als ein Bekenntnis zur Kultur und zum Erhalt historischer Bauten sieht. Kulturreferent Anton Biebl betont, dass die Investition nicht nur eine bauliche, sondern auch eine kulturelle Zukunft sichert.
Die Zukunft des Münchner Stadtmuseums
Nach der Fertigstellung der Sanierung wird das Münchner Stadtmuseum nicht nur ein modernes Museum, sondern auch ein pulsierender Stadtplatz sein. Die neue Lobby, das Atrium, die Veranstaltungsräume und der Kubus werden den Museumsbesuch zu einer Erlebniswelt machen. Die Museumsleitung sieht in der Sanierung auch eine Chance, die Aufenthaltsqualität für Besucher*innen zu verbessern und neue Formate der musealen Vermittlung zu entwickeln.
Die Generalsanierung ist somit nicht nur ein Projekt zur Erneuerung eines Museums, sondern auch ein Beitrag zur Zukunft der Stadt. Sie verbindet Tradition und Moderne, Erhaltung und Innovation, und schafft einen Ort, an dem die Geschichte der Stadt nicht nur gezeigt, sondern auch gelebt werden kann.
Fazit
Die Generalsanierung des Münchner Stadtmuseums ist ein herausforderndes und anspruchsvolles Projekt, das auf breiter fachlicher und kultureller Expertise basiert. Mit einer Investition von 271 Millionen Euro und einer Sanierungsdauer von bis zu acht Jahren wird das Museum nicht nur baulich, sondern auch museal und kulturell neu definiert. Der Denkmalschutz bleibt im Fokus, während gleichzeitig moderne Anforderungen wie Barrierefreiheit, Energieeffizienz und flexible Räume umgesetzt werden. Die Integration in die städtische Umgebung, die Schaffung eines zentralen Treffpunkts und die Erweiterung der musealen Angebote tragen dazu bei, das Museum als einen lebendigen und pulsierenden Ort der Kultur und der Stadtgeschichte zu etablieren. Die Sanierung ist ein Mammutprojekt, das nicht nur die baulichen Strukturen, sondern auch das kulturelle Profil der Stadt München neu formiert.
Quellen
- Generalsanierung und Erweiterung Münchner Stadtmuseum
- Nach Schließung des Stadtmuseums in München – Die Umbau- und Interimspläne bis Mitte 2031
- Münchner Stadtmuseum
- Presse – Generalsanierung
- Münchner Stadtmuseum wird saniert – Für einen lebendigen Treffpunkt und Stadtplatz
- Pläne für die Generalsanierung des Münchner Stadtmuseums von Auer Weber
- München-Stadtmuseum: Umbau, Sanierung, Schließung, Umzug, Ausstellung, Interim-Programm, Pläne, 2031