Die Sanierung der Zeppelintribüne in Nürnberg ist nicht nur ein technisches Projekt, sondern auch ein historisch-politischer Prozess. Auf dem Gelände des ehemaligen NS-Reichsparteitags, das für die Propaganda des Dritten Reiches genutzt wurde, entsteht ein Lern- und Begegnungsort, der die Geschichte der NS-Zeit und deren Auswirkungen vermitteln soll. Die Sanierung, die in mehreren Phasen bis 2030 geplant ist, umfasst die Sicherung der maroden Bauwerke, die Schaffung barrierefreier Zugänge und die Entwicklung von pädagogischen Angeboten. Dieser Artikel beleuchtet die Hintergründe, die technischen Herausforderungen, die finanzielle Planung sowie die kulturelle und historische Bedeutung des Projekts.
Historische Bedeutung des Geländes
Das Gelände der Zeppelintribüne und des Zeppelinfelds ist eng verbunden mit der Geschichte der Nationalsozialistischen Deutschen Arbeiterpartei (NSDAP). Von 1933 bis 1938 fanden hier die Reichsparteitage statt, bei denen die NSDAP ihre Macht demonstrierte und Propaganda verbreitete. Die Zeppelintribüne, die zwischen 1935 und 1937 nach Plänen des Architekten Albert Speer errichtet wurden, ist das einzige Bauwerk auf dem Gelände, das in dieser Zeit vollständig errichtet und genutzt wurde. Sie diente als Tribüne für die Parteiführung und war zentraler Bestandteil der inszenierten Parteitage.
Das Gelände, das sich im Südosten der Stadt Nürnberg befindet, ist von elf Quadratkilometern umfasst. In dieser Fläche wurden zahlreiche Bauten geplant, darunter auch der Bahnhof Dutzendteich, der ebenfalls von den Nationalsozialisten genutzt wurde. Heute ist das Gelände ein bedeutender Erinnerungsort, der jährlich etwa 300.000 Besucher anzieht. Die Bauten auf dem Gelände sind nicht nur architektonische Zeugnisse der NS-Zeit, sondern auch ein historisches Lernobjekt für die Nachwelt.
Der Zustand der Bauten und die Notwendigkeit der Sanierung
Die Zeppelintribüne und das umliegende Gelände befinden sich in einem stark maroden Zustand. Laut Angaben der Stadt Nürnberg sind 60 Prozent der Steine an den Fassaden und 80 Prozent der Natursteinblöcke an den Stufen der Tribüne zerstört. Einzelne Decken im Gebäude müssen durch provisorische Holzkonstruktionen gestützt werden. Um die Sicherheit der Besucher zu gewährleisten, wurden Zäune errichtet, die vor herabfallenden Steinbrocken schützen. Manche Bereiche der Tribüne sind aus Sicherheitsgründen nicht mehr betretbar.
Die Ursachen für den Verfall der Bauten liegen vor allem in den Witterungseinflüssen wie Regen und Frost, die über die Jahre den Naturstein beschädigt haben. Zudem wurden in der Vergangenheit mehrfach Reparaturen vorgenommen, die sich inzwischen nicht mehr halten. Die ständige Zersetzung der Materialien und der fehlende langfristige Schutz haben die Notwendigkeit einer umfassenden Sanierung erzwungen.
Sanierungsplanung und Finanzierung
Die Sanierung der Zeppelintribüne und des Geländes ist ein umfangreiches Projekt, das in mehreren Phasen bis 2030 umgesetzt wird. Die Stadt Nürnberg hat bereits einen Objektplan genehmigt, der als Grundlage für die baulichen Maßnahmen und die pädagogische Vermittlungsarbeit dienen soll. Die Sanierung erfolgt in enger Abstimmung mit dem Bayerischen Landesamt für Denkmalpflege sowie den Fördergebern von Bund und Freistaat Bayern.
Die Gesamtinvestitionen für das Projekt belaufen sich auf 88,3 Millionen Euro. Davon übernehmen der Deutsche Bundestag und der Bayerische Landtag bis zu 63,825 Millionen Euro. Die Stadt Nürnberg trägt den restlichen finanziellen Anteil. Die Mittel dienen unter anderem der Sicherung der baulichen Strukturen, der Schaffung barrierefreier Zugänge und der Entwicklung von Ausstellungen und pädagogischen Angeboten.
Bauliche Maßnahmen und zeitliche Planung
Die Sanierungsarbeiten beginnen mit der ersten Bauphase, die sich auf den Bahnhof Dutzendteich und seine Umgebung sowie auf die Zeppelintribüne konzentriert. Die Rohbauarbeiten am Bahnhof Dutzendteich sind planmäßig im Sommer 2025 abgeschlossen. Der Innenausbau soll in den Folgejahren folgen. Parallel dazu wird in den Jahren ab 2026 die Sicherung der Türme auf der westlichen Seite des Zeppelinfelds begonnen, gefolgt von der Stabilisierung der Wallanlage und der Neuanlage der Grünflächen.
Ab 2028 stehen die verbleibenden 17 Türme auf der östlichen Feldseite und die dortige Wallanlage an. Die beiden Sportplätze auf der östlichen Seite des Zeppelinfelds bleiben unangetastet. Die Fassadensanierung der Zeppelintribüne ist für das Jahr 2027 geplant. Die Arbeiten an den Türmen und Wallanlagen sollen bis 2030 abgeschlossen sein. Die vollständige Fertigstellung des Gesamtprojekts, das den Lern- und Begegnungsort mit Bahnhof Dutzendteich umfasst, ist für das Jahr 2030 vorgesehen.
Pädagogische und kulturelle Ausrichtung
Die Sanierung der Zeppelintribüne und des Geländes hat nicht nur bauliche, sondern auch pädagogische Ziele. Ziel ist es, das Gelände als Lern- und Begegnungsort zu etablieren, der sowohl für die Vermittlung der NS-Geschichte als auch für die Begegnung unterschiedlicher gesellschaftlicher Gruppen genutzt wird. Die Stadt Nürnberg betont, dass es nicht um eine Restaurierung oder gar eine Rekonstruktion der Bauten geht, sondern um eine langfristige Sicherung des Status quo, der auch zukünftigen Generationen die Möglichkeit zur eigenen Auseinandersetzung mit der Geschichte bietet.
Für die Innenräume der Tribüne ist eine Ausstellung geplant. Besucherinnen und Besucher können hier Informationen über die Geschichte des Geländes, die NSDAP und die Propaganda der NS-Zeit erhalten. Zudem sollen barrierefreie Zugänge, Aufzüge und Rampen eingerichtet werden, um den Zugang für alle Interessierten zu ermöglichen. Die Ausstellungsgestaltung und die pädagogischen Angebote sind von einem sensiblen Umgang mit der Geschichte geprägt, der es ermöglichen soll, das Gelände nicht nur als historischen Ort, sondern auch als Ort der Begegnung zu nutzen.
Technische Herausforderungen der Sanierung
Die Sanierung der Zeppelintribüne und des Geländes stellt aufgrund des Alters und der Materialien, die im Originalzustand erhalten bleiben sollen, besondere technische Herausforderungen. Die Bauten bestehen hauptsächlich aus Naturstein, der durch Witterungseinflüsse beschädigt ist. Die Sanierung muss daher den bestehenden Zustand so weit wie möglich erhalten, um die Authentizität der Bauten zu wahren.
Die Sicherung der Bauten erfolgt durch eine sorgfältige Prüfung der Schäden und die Auswahl geeigneter Materialien und Methoden für die Ausbesserungen. Die Expertinnen und Experten einer Spezialfirma aus Bamberg prüfen die 370 Meter lange und 20 Meter hohe Tribüne Stein für Stein und vermerken die Schäden. Im Juni 2025 soll die Arbeit abgeschlossen sein, sodass Empfehlungen für die weiteren Maßnahmen abgegeben werden können.
Ein weiteres Problem bei der Sanierung ist die Stabilisierung der Decken, die durch provisorische Holzkonstruktionen gestützt werden. Diese müssen so ersetzt oder ergänzt werden, dass sie den baulichen Anforderungen entsprechen und den langfristigen Schutz der Bauten gewährleisten. Zudem ist die Sicherung der Türme und Wallanlagen notwendig, da diese ebenfalls stark beschädigt sind.
Sicherheit und Zugänglichkeit für Besucher
Ein weiteres Ziel der Sanierung ist es, die Sicherheit und Zugänglichkeit des Geländes für Besucher zu verbessern. Aufgrund der maroden Zustände mussten in der Vergangenheit immer größere Bereiche des Geländes aus Sicherheitsgründen abgesperrt werden. Dies hat dazu geführt, dass Besucherinnen und Besucher nur eingeschränkt Zugang zu den Bauten und Flächen hatten. Die Sanierung soll diese Einschränkungen beheben und gleichzeitig die Zugänglichkeit verbessern.
Die Schaffung barrierefreier Zugänge, Aufzüge und Rampen ist ein zentrales Element der Sanierung. Damit sollen alle Interessierten unbeschwert und komfortabel mit der Geschichte des Geländes auseinandersetzen können. Zudem sind Sicherheitsmaßnahmen geplant, die es ermöglichen, dass Großveranstaltungen wie das Norisring-Rennen und Rock im Park weiterhin stattfinden können. Diese Veranstaltungen tragen nicht nur zur Finanzierung des Projekts bei, sondern auch zur Aufmerksamkeit und Bekanntheit des Geländes.
Koordination und Verantwortung
Die Sanierung der Zeppelintribüne und des Geländes ist ein Projekt, das von mehreren Partnern koordiniert wird. Die politische und inhaltliche Begleitung sowie die Nutzerkoordination liegen bei der Zweiten Bürgermeisterin und dem Stab ehemaliges Reichsparteitagsgelände/Zeppelintribüne und Zeppelinfeld. Zuständig für den Bauablauf und die Ausführung ist die Abteilung Kultur des Hochbauamts der Stadt Nürnberg. Die Zusammenarbeit mit dem Bayerischen Landesamt für Denkmalpflege und den Fördergebern von Bund und Freistaat Bayern ist von zentraler Bedeutung, um die baulichen und pädagogischen Ziele des Projekts zu erreichen.
Die Stadt Nürnberg koordiniert den Prozess eng mit den beteiligten Akteuren, um sicherzustellen, dass die Sanierung sowohl technisch als auch kulturell den Anforderungen entspricht. Dazu gehören auch die Sicherung der historischen Bauten, die Entwicklung von pädagogischen Angeboten und die Schaffung von barrierefreien Zugängen.
Fazit
Die Sanierung der Zeppelintribüne in Nürnberg ist ein Projekt, das sowohl bauliche als auch kulturelle Herausforderungen auf sich hat. Mit einer Gesamtinvestition von 88,3 Millionen Euro und einer Planung bis 2030 ist es ein langfristiges Vorhaben, das nicht nur die Sicherheit und Zugänglichkeit des Geländes verbessert, sondern auch die Vermittlung der NS-Geschichte als Lern- und Begegnungsort ermöglicht. Die Sanierung erfolgt in enger Abstimmung mit den zuständigen Behörden und Partnern, um die historische Authentizität der Bauten zu wahren und gleichzeitig die pädagogischen Ziele zu erreichen.
Die Zeppelintribüne und das umliegende Gelände sind nicht nur ein historisches Erbe, sondern auch ein lebendiger Lernort, an dem sich die Gesellschaft mit der Geschichte auseinandersetzen kann. Die Sanierung ist ein Schritt, der nicht nur die baulichen Strukturen sichert, sondern auch die kulturelle und historische Bedeutung des Geländes betont.
Quellen
- Bauarbeiten am ehemaligen NS-Reichsparteitagsgelände in Nürnberg
- Zeppelintribüne in Nürnberg: Stein für Stein geprüft
- Zeppelintribüne in Nürnberg: Erhaltung im historischen Kontext
- Sanierung bis 2030 sichert Geschichtsort Zeppelintribüne
- 88,3 Millionen Euro für den Lern- und Begegnungsort am Dutzendteich
- Sanierung der Zeppelintribüne: Verzögerungen und Planung