Die energetische Sanierung von Gebäuden ist nicht nur für das Klima, sondern auch für die langfristige Wirtschaftlichkeit von Immobilien von entscheidender Bedeutung. In Deutschland existieren zahlreiche staatliche Förderprogramme, die Hauseigentümern bei diesen Maßnahmen unter die Arme greifen. Ziel ist es, den Gebäudebestand effizienter zu machen, um Energiekosten zu senken und langfristig klimaneutral zu bauen. In diesem Artikel werden die aktuellsten Fördersätze, Antragsverfahren und technische Voraussetzungen detailliert erläutert. Der Fokus liegt dabei auf den staatlichen Förderungen über die BAFA und KfW sowie auf den Voraussetzungen, die erfüllt werden müssen, um von diesen Programmen profitieren zu können.
Energetische Sanierungsmaßnahmen und Fördersätze
Die energetische Sanierung umfasst eine Vielzahl von Maßnahmen, die den Energieverbrauch von Gebäuden reduzieren. Dazu gehören unter anderem die Wärmedämmung von Fassaden, Dächern und Fenstern, der Einbau energieeffizienter Heizungsanlagen sowie die Optimierung bestehender Anlagen. In den Quellen wird mehrfach hervorgehoben, dass die Fördersätze je nach Art der Maßnahme variieren können.
Fördersätze für Einzelsanierungsmaßnahmen
Für einzelne Maßnahmen wie die Dämmung von Außenwänden, den Einbau von Fenstern und Außentüren oder die Installation einer Lüftungsanlage mit Wärmerückgewinnung beträgt der Fördersatz 15 Prozent. Im Fall von Heizungsoptimierungen, insbesondere bei Anlagen, die auf Basis fossiler Brennstoffe laufen und nicht älter als 20 Jahre sind, wird ebenfalls 15 Prozent Förderung gewährt. Besonders hervorzuheben ist, dass bei der fachlichen Planung und Baubegleitung durch einen Energieeffizienz-Experten eine Förderung von 50 Prozent möglich ist, was den Kostenanteil für die Planung deutlich reduziert.
Zusatzförderungen und der iSFP-Bonus
Ein weiteres wichtiges Instrument ist der individuelle Sanierungsplan (iSFP), der von einem Energieberater erstellt werden muss. Wenn die Sanierungsmaßnahme Teil eines solchen Plans ist, erhöht sich der Fördersatz um 5 Prozent auf insgesamt 20 Prozent. Dieser Bonus ist jedoch nur für Maßnahmen gültig, die Bestandteil eines umfassenden Sanierungsplans sind. Im Jahr 2022 wurde jedoch erwähnt, dass dieser Bonus für Einzelsanierungsmaßnahmen abgeschafft wurde, was bedeutet, dass die Erhöhung auf 20 Prozent nur noch bei umfassenden Sanierungsmaßnahmen gilt.
Ein weiteres Plus ist, dass durch die Kombination aus Zuschüssen und Steuervorteilen die Gesamtförderung verdoppelt werden kann. Dies ist jedoch nur möglich, wenn der Eigentümer sich für eine KfW-Förderung entscheidet und nicht für Steuervorteile. Eine Kombination beider Modelle ist laut den Quellen nicht möglich, was bei der Planung berücksichtigt werden muss.
Bundesförderung für effiziente Gebäude (BEG)
Die Bundesförderung für effiziente Gebäude (BEG) ist ein zentraler Bestandteil der staatlichen Unterstützung für Energieeffizienzmaßnahmen. Dieses Programm wird durch die KfW-Bank getragen und unterstützt sowohl den Neubau als auch die Sanierung von Gebäuden. Die Höhe der Förderung hängt stark davon ab, welche Energieeffizienz-Standards erfüllt werden.
KfW 297/298: Klimafreundlicher Neubau
Für den Neubau klimafreundlicher Wohngebäude existiert das KfW-Förderprogramm 297/298, das bis zu 150.000 Euro pro Wohneinheit als Kredit fördert. Die Konditionen sind besonders attraktiv: Die Zinsen werden subventioniert, sodass Eigentümer von günstigen Konditionen profitieren. Ein weiterer Vorteil ist, dass Gebäude, die das QNG-Siegel (Qualitätssiegel für Nachhaltige Gebäude) tragen, von erhöhten Kreditobergrenzen profitieren. Diese Förderung ist jedoch nur möglich, wenn das Gebäude den Effizienzhaus-40-Standard (EH40) oder besser erfüllt. Das bedeutet, dass der Energiebedarf des Gebäudes auf ein Minimum reduziert ist.
KfW 308: Jung kauft Alt
Ein weiteres interessantes Programm ist KfW 308 „Jung kauft Alt“, das vor allem Familien mit geringeren Einkommen unterstützt. Die Zielgruppe sind Familien mit mindestens einem minderjährigen Kind, bei denen das jährliche Haushaltseinkommen nicht mehr als 90.000 Euro beträgt (pro weiteres Kind wird der Betrag um 10.000 Euro erhöht). Voraussetzung ist, dass die Familie bislang kein Wohneigentum besitzt und die Immobilie mindestens 5 Jahre selbst bewohnt wird.
Gefördert werden der Kauf und die Modernisierung von sanierungsbedürftigen Altbauten. Die Fördergelder werden in Form von verbilligten Darlehen ausgeschüttet, wobei der Kreditbetrag je nach Anzahl der Kinder variiert: 100.000 Euro bei einem Kind, 125.000 Euro bei zwei Kindern und 150.000 Euro ab drei Kindern. Eine weitere Voraussetzung ist, dass Gebäude der schlechtesten Energieklassen F, G oder H innerhalb von 4,5 Jahren auf den hohen Energieeffizienzstandard 70 EE saniert werden müssen.
BAFA-Förderung für Einzelmaßnahmen
Neben den KfW-Programmen gibt es auch die BAFA-Förderung für Einzelmaßnahmen, die von dem Bundesamt für Wirtschaft und Ausfuhrkontrolle (BAFA) verwaltet wird. Diese Förderung ist seit 1. Januar 2021 erhältlich und deckt spezifische energetische Sanierungsmaßnahmen ab. Dazu gehören:
- Heizungstechnik
- nachträgliche Wärmedämmung
- Austausch von Fenstern und Außentüren
- Einbau von Wohnungslüftungsanlagen
Die Fördersätze für diese Maßnahmen sind im Quellenmaterial unterschiedlich detailliert beschrieben. So wird beispielsweise erwähnt, dass bei der Sanierung mit Biomasseanlagen ein zusätzlicher Emissionsminderungszuschlag in Höhe von 2.500 Euro möglich ist. Bei Solarthermie beträgt der Fördersatz 25 Prozent, bei Wärmepumpen ebenfalls 25 Prozent, wobei hier auch ein Extrabonus für besonders effiziente Anlagen besteht. Für Biomasseanlagen beträgt der Fördersatz 10 Prozent, wobei eine Kombination mit Solarthermie erforderlich ist.
Technische Voraussetzungen und Qualifizierungsstandards
Ein entscheidender Aspekt bei der Beantragung staatlicher Förderungen ist die Erfüllung bestimmter technischer Voraussetzungen. Diese sind oft streng formuliert und müssen sorgfältig beachtet werden, um die Förderung zu erhalten.
Energieeffizienz-Experten
Einige Förderprogramme, insbesondere die KfW-Förderungen, erfordern die Einbindung von Energieeffizienz-Experten. Diese Experten erstellen einen Maßnahmenkonzept und einen professionellen Energieplan, der als Bestätigung zum Antrag (BzA) genutzt wird. Diese Dokumente müssen über das KfW-Förderportal eingereicht werden.
Energieberatung
Bei manchen Förderungen, insbesondere bei der KfW-Förderung, ist eine Energieberatung Pflicht, um die förderfähigen Maßnahmen nachweisen zu können. Bei Steuervorteilen reicht hingegen die Fachunternehmererklärung des ausführenden Handwerkers. Dies ist ein wichtiger Unterschied, der bei der Planung berücksichtigt werden muss.
Erneuerbare Energien
Ein weiterer Punkt, der in mehreren Quellen erwähnt wird, ist die Nutzung erneuerbarer Energien. Wer mindestens 55 Prozent seines Energiebedarfs mit erneuerbaren Energien abdeckt, fällt in die EE-Klasse und erhält deutlich höhere Fördersätze. Bei Sanierungsmaßnahmen bedeutet dies, dass Investitionen in Solarthermie, Wärmepumpen oder Biomasseanlagen mit höheren Zuschüssen verbunden sind.
Steuervorteile und Kombinationsregeln
Neben den Zuschüssen und Krediten gibt es auch steuerliche Vorteile, die Hauseigentümern bei energetischen Sanierungen zugutekommen. So können beispielsweise bis zu 20.000 Euro an Steuern sparen, wenn bestimmte Voraussetzungen erfüllt sind. Diese Vorteile sind jedoch stark eingeschränkt: So kann der Eigentümer zwischen Steuervorteilen und KfW-Förderung wählen, eine Kombination ist laut Quellen nicht möglich.
Ein weiteres Detail ist, dass Steuervorteile nur für selbstgenutzte Einheiten gelten. Wenn die Immobilie also mehrere Mieter hat, profitiert nur der Eigentümer, der die Einheit für private Zwecke nutzt. Dies ist ein wichtiger Aspekt, der bei der Planung berücksichtigt werden muss.
Antragsverfahren und Fristen
Ein entscheidender Aspekt bei staatlichen Förderungen ist das Antragsverfahren. In den Quellen wird mehrfach erwähnt, dass Anträge vor Baubeginn gestellt werden müssen. Dies gilt sowohl für die KfW- als auch für die BAFA-Förderung. Eine nachträgliche Beantragung ist laut den Quellen nicht möglich, was bedeutet, dass die Planung frühzeitig erfolgen muss.
Online-Portale
Die Beantragung erfolgt über digitale Portale, insbesondere das KfW-Förderportal. Hier können sowohl Zuschüsse als auch Darlehen beantragt werden. Bei Zuschüssen ist das Verfahren einfach und kann direkt über das Portal durchgeführt werden. Bei Darlehen ist jedoch eine Beantragung über die eigene Hausbank erforderlich. In beiden Fällen ist jedoch eine BzA erforderlich, die von einem Energieberater ausgestellt werden muss.
Kombination von Förderungen
Ein weiteres Thema ist die Kombination von Förderungen, insbesondere zwischen KfW, BAFA und Landesprogrammen. In den Quellen wird erwähnt, dass es unklare Kombinationsregeln gibt, wodurch viele Fördermittel jedes Jahr ungenutzt bleiben. Um dies zu vermeiden, ist es wichtig, frühzeitig mit einem Energieberater oder Finanzberater zu sprechen, der die verschiedenen Förderungen vergleicht und eine optimale Kombination vorschlägt.
Barrierefreie Umbaumaßnahmen und Zuschussprogramme
Ein weiteres Fördergebiet ist die barrierefreie Sanierung, insbesondere im Zuge der KfW-Förderung 455. Dieses Programm unterstützt Badsanierungen, die altersgerecht oder behindertengerecht gestaltet werden. Dazu gehören beispielsweise bodengleiche Duschen, ausreichend Bewegungsspielraum und zugängliche Sanitäranlagen. Die Förderung beträgt bis zu 10 Prozent der förderfähigen Kosten, wobei bei mehreren Maßnahmen bis zu 12,5 Prozent und ein maximaler Zuschuss von 6.250 Euro möglich ist.
Voraussetzungen für die KfW 455
Um von dieser Förderung zu profitieren, müssen mehrere Voraussetzungen erfüllt sein:
- Der Antrag muss vor Beginn der Sanierungsarbeiten gestellt werden.
- Die Planung muss dem Standard "Altersgerechtes Haus" entsprechen.
- Die Maßnahmen müssen im Einklang mit den Vorgaben der KfW liegen.
Ein weiterer Vorteil ist, dass die Beantragung über das KfW-Zuschussportal einfach durchgeführt werden kann, wodurch der Prozess für viele Hauseigentümer erleichtert wird.
Smart Home Förderungen
Ein weiteres Programm, das in den Quellen erwähnt wird, ist die Förderung für Smart Home-Technik. Diese wird vor allem für Maßnahmen wie:
- Steuerung von Heizung, Licht, Belüftung und Klima
- häuslicher Notruf
- Bewegungsmelder
- Smarthome-Technik zum Einbruchschutz
- Kabel und Elektroarbeiten
gefördert. Die Fördersätze liegen zwischen 10 und 20 Prozent und können als Zuschuss oder zinsgünstiges Darlehen beantragt werden. Auch hier ist der Antrag vor Beginn der Arbeiten erforderlich.
Fazit
Die energetische Sanierung von Gebäuden ist ein zentraler Aspekt der zukunftsorientierten Immobilienpolitik in Deutschland. Zahlreiche staatliche Förderprogramme bieten Hauseigentümern die Möglichkeit, Investitionen in Energieeffizienzmaßnahmen mit attraktiven Zuschüssen oder günstigen Krediten zu finanzieren. Wichtig ist, dass die Anträge frühzeitig und korrekt gestellt werden, um die Förderung in Anspruch zu nehmen. Zudem ist es sinnvoll, sich bei der Planung durch einen Energieberater oder Finanzberater beraten zu lassen, um die bestmögliche Kombination aus Förderungen und Steuervorteilen zu erreichen. Durch eine sorgfältige Planung und die Nutzung der staatlichen Unterstützung kann die energetische Sanierung nicht nur die Energiekosten senken, sondern auch den Wert der Immobilie langfristig steigern.