Sanierung des Universitätshauptgebäudes Bielefeld: Ein Modellprojekt für Hochschulbau und Modernisierung

Einführung

Die Sanierung des Hauptgebäudes der Universität Bielefeld (UHG) ist eines der größten und bedeutendsten Bauvorhaben in der Geschichte der nordrhein-westfälischen Hochschullandschaft. Mit einer Bruttogeschossfläche von rund 314.000 m² zählt das Gebäude zu den größten zusammenhängenden Hochbauten Europas. Der Bau- und Liegenschaftsbetrieb Nordrhein-Westfalen (BLB NRW) führt die Sanierung in sechs Bauabschnitten durch, um das Gebäude, das in den Jahren 1972 bis 1976 errichtet wurde, an moderne Anforderungen in Forschung, Lehre und Verwaltung anzupassen. Die Sanierungsmaßnahmen beinhalten energetische Modernisierung, technische Anpassungen, barrierefreie Zugänglichkeit und die Schaffung neuer Räume, die den heutigen wissenschaftlichen und pädagogischen Anforderungen entsprechen.

Diese umfassende Sanierung, die im Jahr 2014 begonnen hat, ist nicht nur ein technisches Großprojekt, sondern auch ein Pilotprojekt im Bereich der integrierten Projektabwicklung (IPA), das neue Wege in der Planung und Realisierung von Hochschulbauten zeigt. In den folgenden Abschnitten wird die Entwicklung, der aktuelle Stand sowie die zukünftigen Planungen der Sanierung des UHG detailliert beschrieben.

Der Gebäudekomplex und seine Herausforderungen

Das UHG ist ein architektonisch und funktional komplexer Gebäudekomplex, der sich auf einer Länge von rund 410 Metern und einer Breite von ca. 230 Metern erstreckt. Die einzelnen Gebäudeteile weisen bis zu elf oberirdische und drei unterirdische Stockwerke auf. Das UHG beherbergt mehrere Fakultäten, Verwaltungen und Forschungseinrichtungen und ist zentraler Treffpunkt für Studenten, Wissenschaftler und Beschäftigte. Nach mehr als 40 Jahren intensiver Nutzung müssen die Gebäudeanlagen an veränderte Anforderungen angepasst werden. Dazu gehören unter anderem die Einhaltung der aktuellen Brandschutz- und Energieeinsparverordnungen sowie die Schaffung von flexibleren und barrierefreien Räumen.

Die Sanierung des UHG ist daher nicht nur eine technische Notwendigkeit, sondern auch eine strategische Investition in die Zukunft der Universität. Zentrale Ziele der Sanierungsmaßnahmen sind die Verbesserung der Energieeffizienz, die Optimierung der Raumnutzung sowie die Schaffung eines modernen, einheitlichen Erscheinungsbildes für den Campus.

Der erste Bauabschnitt: Meilenstein nach 370 Millionen Euro Investition

Der erste Bauabschnitt, der sich über die Gebäudeteile A, B, K, S und R erstreckte, war ein bedeutender Meilenstein im Gesamtprojekt. Die Sanierung umfasste den Teilabriss, Neubau und eine umfassende Modernisierung durch den BLB NRW. Rund 75.000 Quadratmeter wurden mit neuer Technik, einer hochgedämmten Gebäudehülle und einem hellen, modernen Erscheinungsbild ausgestattet.

Der erste Bauabschnitt wurde am 5. September 2024 offiziell abgeschlossen. Der Abschluss markierte nicht nur den Abschluss einer langen Planungs- und Bauphase, sondern auch den Beginn der nächsten Etappen. Der erste Abschnitt war besonders herausfordernd, da die Planungen in den Jahren 2016 erheblich überarbeitet wurden. Nach einer Due-Diligence (Risikoprüfung) im Jahr 2016 wurden die ursprünglichen Planungen neu aufgesetzt, und 2019 wurde ein Generalunternehmer beauftragt. Die Arbeiten begannen 2014, weshalb der Abschluss nach 10 Jahren Bauzeit ein Meilenstein war.

Zentrale Elemente der Modernisierung im ersten Bauabschnitt waren die Errichtung eines Studierenden Service Centers, die Modernisierung des Audimax sowie die Schaffung neuer Räume für Verwaltung, Rektorat und Fakultäten. Ein besonderes Highlight war die Erneuerung des Haupteingangs, der jetzt als zentraler Anlaufpunkt für Studierende dient.

Der zweite Bauabschnitt: Erweiterung der Sanierung in die Uni-Halle

Mit dem Abschluss des ersten Bauabschnitts startete im April 2025 der zweite Bauabschnitt. In diesem Abschnitt werden die Gebäudeteile C, L und T saniert. Ein besonderes Merkmal dieses Bauabschnitts ist, dass die Sanierungsarbeiten erstmals auch in den zentralen Bereich der Uni-Halle ausgreifen. Dies war notwendig, da Studierende und Beschäftigte ohne Umwege vom neuen Haupteingang in die übrigen Gebäudeteile gelangen sollen.

Die Arbeiten im zweiten Bauabschnitt begannen mit der technischen und baulichen Abtrennung des Baustellenbereichs vom restlichen Gebäudekomplex. Durch die Errichtung von Trennwänden und die Abkoppelung von Strom, Wasser, Datenleitungen sowie Lüftungs- und Brandschutzsystemen wurde der Universitätsbetrieb so weit wie möglich geschützt. Gleichzeitig wurde ein geschützter Durchgang zwischen dem neuen Haupteingang und dem Rest der Uni-Halle geschaffen, um die Zugänglichkeit zu gewährleisten.

Ein weiteres zentrales Element des zweiten Bauabschnitts ist die Schaffung einer energieeffizienten Fassade, die die Gebäudehülle in den Gebäudeteilen C, L und T auf den neuesten Stand bringt. Diese Maßnahmen tragen nicht nur zur besseren Energieeffizienz bei, sondern auch zur Verbesserung des Wohlfühls in den Räumen.

Der dritte Bauabschnitt: Innovative Zusammenarbeit im Großen Stil

Der dritte Bauabschnitt, der im November 2025 begann, ist der bislang größte Teil der Sanierung. Er umfasst rund 82.000 m² Nutzfläche und beinhaltet die Gebäudezähne U und V inklusive Längsbau und Brücke M. In diesem Abschnitt werden unter anderem Labore und Werkstätten für die Fakultäten Physik und Biologie errichtet, die den modernsten Anforderungen entsprechen. Die Bauausführung dieses Abschnitts erfolgt im direkten Anschluss an den Umzug in den zweiten Bauabschnitt.

Ein besonderes Merkmal des dritten Bauabschnitts ist die Zusammenarbeit im Modell der Integrierten Projektabwicklung (IPA). Dieses Modell ist erstmalig in Nordrhein-Westfalen für ein Großprojekt dieser Größenordnung angewendet worden. Im IPA-Modell arbeiten Auftraggeber, Planer und Bauunternehmen gemeinsam in einem Mehrparteienvertrag. Dies ermöglicht eine engere Kooperation, in der Risiken und Wissen geteilt werden. Ziel ist es, die Bedürfnisse der Nutzerin, in diesem Fall der Universität Bielefeld, frühzeitig in den Planungsprozess einzubeziehen.

Die IPA-Zusammenarbeit hat sich bereits in der ersten Phase des Projekts bewährt und hat dazu beigetragen, dass die Sanierung effizient und termingerecht voranschreitet. Diese Methode könnte sich in Zukunft auch für andere Hochschulbauprojekte bewähren.

Die Bedeutung der Sanierung für die Universitätsgemeinschaft

Die Sanierung des UHG hat nicht nur technische und architektonische, sondern auch soziale und wirtschaftliche Auswirkungen. Durch die Schaffung moderner Lern- und Arbeitsräume wird die Qualität der Lehre und Forschung an der Universität Bielefeld nachhaltig verbessert. Zudem wird die Energieeffizienz des Campus deutlich erhöht, was langfristig zu Einsparungen in den Betriebskosten führt.

Ein weiteres wichtiges Element ist die Schaffung eines barrierefreien Campus. Die Sanierungsmaßnahmen beinhalten die Adaptierung von Eingängen, Treppen und Räumen, um für alle Studierenden und Beschäftigten einen uneingeschränkten Zugang zu ermöglichen. Dies trägt nicht nur zu einem inklusiveren Campusleben bei, sondern auch zur besseren Einbindung von Menschen mit Behinderungen.

Ein weiterer Aspekt ist die Bewahrung der zentralen Universitätshalle als verbindendes und kommunikatives Forum. Die Sanierung ist so geplant, dass die Halle ihre Funktion als zentrales Treffpunkt beibehält, während sie gleichzeitig technisch und architektonisch modernisiert wird. Dies ist ein besonderes Alleinstellungsmerkmal des UHG im Vergleich zu anderen Hochbauten in der Hochschullandschaft.

Die Rolle des BLB NRW und die Finanzierung der Sanierung

Der Bau- und Liegenschaftsbetrieb Nordrhein-Westfalen (BLB NRW) spielt eine zentrale Rolle in der Sanierung des UHG. Der BLB NRW ist Eigentümer und Vermieter fast aller Immobilien des Landes Nordrhein-Westfalen und verantwortet eines der größten Immobilienportfolios Europas. Seine Dienstleistungen umfassen Entwicklung und Planung, Bau und Modernisierung sowie Bewirtschaftung und Verkauf von Immobilien. Der BLB NRW ist auch für die zivilen und militärischen Baumaßnahmen der Bundesrepublik Deutschland in Nordrhein-Westfalen zuständig.

Die Sanierung des UHG wird finanziell durch das Land Nordrhein-Westfalen und den Bund unterstützt. Insgesamt ist das Projekt mit mehreren hundert Millionen Euro verbunden. Die Kosten sind auf mehrere Jahre verteilt, da die Sanierung in mehreren Abschnitten erfolgt. Die Investitionen sind nicht nur eine Finanzierung von Baumaßnahmen, sondern auch eine Investition in die Zukunft der Universität und in die Qualität der Lehre und Forschung in Nordrhein-Westfalen.

Fazit

Die Sanierung des Hauptgebäudes der Universität Bielefeld ist ein herausragendes Projekt, das nicht nur technische Herausforderungen bewältigt, sondern auch neue Wege in der Hochschulbaukunst beschreibt. Durch die enge Zusammenarbeit im Modell der integrierten Projektabwicklung (IPA), die Schaffung moderner Lern- und Arbeitsräume und die Bewahrung der zentralen Universitätshalle als zentrales Kommunikationsforum wird das UHG zu einem Vorbild für zukünftige Hochschulbauvorhaben.

Die Investitionen in die Sanierung tragen nicht nur zur besseren Energieeffizienz bei, sondern auch zur Verbesserung der Qualität der Lehre und Forschung an der Universität. Die Schaffung barrierefreier Räume und die Bewahrung der zentralen Funktionen des Campus sind weitere wichtige Elemente, die die Sanierung zum Erfolg machen.

Mit der Sanierung des UHG wird die Universität Bielefeld in den kommenden Jahren nicht nur ihre infrastrukturellen Anforderungen erfüllen, sondern auch eine führende Rolle in der Hochschullandschaft Deutschlands übernehmen.

Quellen

  1. Fortschritte beim Bau: Universität Bielefeld erlebt Sanierungsrevolution!
  2. Sanierung des UHG Bielefeld
  3. Neuer Bauabschnitt an Uni Bielefeld: Innovative Zusammenarbeit gestartet!
  4. Zweiter Bauabschnitt startet
  5. Das Hauptgebäude der Universität Bielefeld
  6. Bauabschnitt – neues Modell der Zusammenarbeit
  7. Universität Bielefeld: Erster Abschnitt der "ewigen" Baustelle fertig
  8. Erster Bauabschnitt am UHG abgeschlossen

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