Die Sanierung von Wohngebäuden und die Modernisierung bestehender Immobilien sind in den vergangenen Jahren immer stärker in den Mittelpunkt des Interesses gerückt – nicht zuletzt vor dem Hintergrund der Klimaziele der Bundesregierung und steigender Energiekosten. Als einer der größten Immobilienentwickler und Wohnungsunternehmen in Deutschland und Österreich hat Vonovia in den letzten Jahren deutlich signalisiert, dass sie sich auf den Weg in Richtung klimaneutrales Wohnen gemacht hat. Im Fokus stehen dabei insbesondere CO2-neutrale Sanierungen in Serienbauweise, die mit innovativen Technologien und nachhaltigen Materialien umgesetzt werden.
In diesem Artikel wird detailliert auf die Sanierungsstrategie von Vonovia eingegangen, wobei besonderes Augenmerk auf die konkreten Maßnahmen, Technologien und Finanzierungsansätze liegt. Ziel ist es, einen Überblick über die aktuellen Entwicklungen, Herausforderungen und Vorteile der Sanierungsmaßnahmen zu geben, die Vonovia in den Metropolregionen Deutschlands und Österreichs umsetzt.
Vonovia und die Wende zur Sanierung
Vonovia hat in den letzten Jahren ihre Geschäftsfelder strategisch neu ausgerichtet. Nachdem das Unternehmen 2023 sein Verkaufsziel von 3 Mrd. Euro erreicht hatte, hat es klargestellt, dass die zukünftige Wachstumsstrategie auf zwei Säulen beruhen soll: serieller Neubau und serielle Sanierung. Diese Schwerpunkte sind eng mit dem Klimaziel verbunden, bis 2045 klimaneutral zu sein.
Im Jahr 2025 sind Investitionen in Höhe von 1,2 Mrd. Euro geplant, wobei der Schwerpunkt auf energetischer Sanierung, Neubau, Photovoltaikanlagen und Wärmepumpen liegt. Die Metropolregionen, in denen Vonovia besonders aktiv ist, bieten laut eigener Angaben ein Potenzial von 70.000 neuen Wohnungen – sowohl durch freie Grundstücke als auch durch Nachverdichtung und Aufstockung bestehender Gebäude.
Langfristig sollen die Geschäftsfelder Development, Value-add und Recurring Sales bis zu 20 bis 25 % des bereinigten operativen Gewinns (Ebitda) ausmachen. Dies zeigt, wie stark die Sanierung und Modernisierung bestehender Immobilien in die zukünftige Wachstumsstrategie integriert sind.
Serielle Sanierung: Das Energiesprong-Prinzip
Ein zentrales Instrument in der Sanierungsstrategie von Vonovia ist das Energiesprong-Prinzip, ein von niederländischen Ingenieuren entwickeltes Sanierungsmodell, das sich durch eine ganzheitliche, CO2-neutrale Modernisierung auszeichnet. Das Prinzip wird in Deutschland erstmals in Serienbauweise angewandt, wobei Vonovia in Witten bereits 112 Wohnungen nach diesem Modell saniert hat.
Was ist Energiesprong?
Energiesprong (niederländisch für „Energiesprung“) ist ein Sanierungsansatz, der sich durch drei zentrale Merkmale auszeichnet:
- CO2-neutrale Sanierung: Das sanierte Gebäude erzeugt im Jahr so viel Energie, wie es verbraucht.
- Serienbauweise: Die Fassadenelemente werden vorgefertigt, was die Bauzeit erheblich verkürzt und die Störung für Anwohner minimiert.
- Mieterfreundlichkeit: Die Sanierung soll warmmietneutral sein, d. h. keine zusätzlichen Belastungen für die Mieter entstehen.
In Witten wurden erstmals bis zu achtgeschossige Mehrfamilienhäuser nach diesem Prinzip saniert. Ein besonderes Problem dabei war, dass je mehr Geschosse ein Gebäude hat, desto mehr Energie muss über das Dach zur Verfügung gestellt werden. Dies stellte eine Herausforderung dar, da das Verhältnis zwischen Dachfläche und Wohnfläche sich mit zunehmender Gebäudehöhe ungünstig entwickelt. Trotzdem konnten innovative Lösungen gefunden werden, die es ermöglichen, die Energieeffizienz der Gebäude erheblich zu steigern.
Technologische Innovationen in der Sanierung
Ein zentrales Element der Energiesprong-Sanierung ist die Verwendung von millimetergenau vorgefertigten Fassadenelementen. Diese Elemente bestehen aus Holzrahmenkonstruktionen, die vor Ort nur noch montiert werden müssen. Die Fassaden sind mit nachhaltigen Dämmstoffen und teilweise auch mit recycelten Materialien gefüllt. Dies reduziert nicht nur den personellen Aufwand vor Ort, sondern auch die Staub- und Lärmbelastung für die Anwohner.
Ein weiteres Highlight ist die Photovoltaik-Integration. Die Dächer der sanierten Gebäude sind mit Photovoltaikanlagen ausgestattet, die grünen Strom erzeugen. Dieser Strom wird nicht nur zur Beleuchtung genutzt, sondern auch zur Beheizung der Wohnungen. Ein weiteres Projekt in Köln-Kalk zeigte, wie die Fenster selbst zur Heizung beitragen können: Hier werden Fensterscheiben mit einer nanotechnologisch aufgebrachten Metalloxidschicht genutzt, die durch Stromzufuhr Wärme erzeugen.
Vorteile der Serienbauweise
Die Serienbauweise bringt mehrere Vorteile mit sich:
- Zeitsparend: Die vorgefertigten Elemente können innerhalb kürzester Zeit montiert werden.
- Kosteneffizient: Durch die Standardisierung und Massenfertigung entstehen geringere Kosten.
- Umweltfreundlich: Der Einsatz von Recyclingmaterial und nachhaltigen Baustoffen trägt zum Klimaschutz bei.
- Mieterfreundlich: Die Sanierung erfolgt ohne erhebliche Störung des Alltags der Mieter.
Diese Vorteile machen die Energiesprong-Sanierung zu einem besonders attraktiven Modell, das sich auch in Ballungsräumen gut umsetzen lässt, wo die Bevölkerungsdichte hoch und die Zeit für Sanierungsarbeiten begrenzt ist.
Praktische Beispiele: Sanierungsprojekte in Villingen, Witten und Köln
Villingen: Modernisierung am Bildstocker Platz
In Villingen hat Vonovia die Sanierungsmaßnahmen am Bildstocker Platz abgeschlossen. Hier wurden insgesamt 35 Wohnungen modernisiert, wobei der Fokus auf Energieeffizienz lag. Die Investitionen betrugen rund 1,3 Millionen Euro, und die Maßnahmen umfassten unter anderem die Sanierung der Balkone, den Einbau neuer Rollläden, Regenrinnen und Haustürvordächer.
Ein besonders deutliches Resultat der Sanierung war die Reduktion des CO2-Ausstoßes. Die Gebäude emittieren nun um 28 Kilogramm pro Quadratmeter und Jahr weniger CO2, und der Primärenergiebedarf sinkt um 50 Prozent. Die Mieter profitieren von einem deutlich besseren Raumklima, da die Innenräume im Winter wärmer und im Sommer kühler bleiben. Zudem konnten die Heizkosten deutlich gesenkt werden, was langfristig zu finanziellen Einsparungen führt.
Ein weiteres Plus der Sanierung ist die verbesserte Brandsicherheit und Einbruchsicherheit. Neue Wohnungstüren schützen nicht nur vor Wärmeverlusten, sondern auch vor Bränden und Einbrüchen. Die Haustür wurde durch ein Modell aus Aluminium mit eingebauter Wärmeschutzverglasung ersetzt, was die Energieeffizienz zusätzlich steigert.
Witten: Sanierung von achtgeschossigen Gebäuden
In Witten hat Vonovia das erste Projekt zur CO2-neutralen Sanierung von achtgeschossigen Gebäuden umgesetzt. Dies ist eine besondere Herausforderung, da mit der Gebäudehöhe auch die Energiebedarfe steigen. Um dennoch die Klimaneutralität zu gewährleisten, wurden innovative Lösungen entwickelt, die den Energieverbrauch reduzieren und die Energieerzeugung optimieren.
Die Gebäude in Witten erhielten eine glasverblendete Fassade mit Wabenstruktur, die die Sonnenstrahlung optimal nutzt. Zudem wurde die Anlagentechnik für Wärme, Wasser und Luftversorgung komplett erneuert, wodurch der Energieverbrauch erheblich gesenkt werden konnte.
Die Sanierungsprojekte in Witten zeigen, dass selbst in hochgeschossigen Gebäuden eine CO2-neutrale Sanierung möglich ist – vorausgesetzt, man setzt auf innovative Technologien und ganzheitliche Konzepte.
Köln-Kalk: Innovative Heiztechnologie
Ein weiteres Beispiel für die Sanierungsstrategie von Vonovia ist das Projekt in Köln-Kalk, wo ein Mehrfamilienhaus auf Klimakurs gebracht wurde. Hier setzte Vonovia nicht auf die übliche Wärmepumpe, sondern auf eine innovative Fensterheizung. Die Fensterscheiben sind mit einer nanotechnologisch aufgebrachten Metalloxidschicht versehen, die durch Stromzufuhr Wärme erzeugt. Zudem reflektieren zwei weitere Glasscheiben Strahlungsenergie in den Wohnraum.
Diese Technologie ist besonders effizient, da 95 Prozent der Wärme in das Gebäude fließt. Zudem ist das System klimafreundlich, wenn der Strom direkt aus der Photovoltaikanlage des Hauses kommt. Der Raumwärmebedarf sank von durchschnittlich 300 Kilowattstunden pro Quadratmeter auf 25 Kilowattstunden pro Quadratmeter und Jahr.
Fazit: Sanierung als zentraler Bestandteil der Klimastrategie
Die Sanierungsmaßnahmen von Vonovia zeigen, dass eine CO2-neutrale Modernisierung bestehender Gebäude nicht nur technisch machbar ist, sondern auch wirtschaftlich und sozial vorteilhaft. Durch die Energiesprong-Sanierung und innovative Technologien wie die Fensterheizung und die vorgefertigten Fassadenelemente gelingt es, die Energiekosten zu senken, die Energieeffizienz zu steigern und gleichzeitig die Lebensqualität der Mieter zu verbessern.
Vonovia hat klargestellt, dass die Sanierung warmmietneutral und ohne Mehrbelastung für die Mieter erfolgen soll. Dies ist ein entscheidender Vorteil, der dazu beiträgt, dass auch in Ballungsräumen viele Mieter von den Sanierungsmaßnahmen profitieren können. Zudem ist die Serienbauweise ein effizientes Modell, das sich gut skalieren lässt und in Zukunft breiter Anwendung finden könnte.
Zu bedenken ist jedoch, dass Sanierungsprojekte, insbesondere in hochgeschossigen Gebäuden, besondere Herausforderungen mit sich bringen. Die Energieversorgung muss sorgfältig geplant sein, und die Integration von Technologien wie Photovoltaik und Wärmepumpen muss auf die spezifischen Bedingungen abgestimmt werden. Dennoch hat Vonovia mit ihren Projekten gezeigt, dass diese Herausforderungen durch innovative Lösungen gemeistert werden können.
Quellen
- Vonovia setzt nun auf Neubau und Sanierung
- Nächste Stufe für Energiesprong bei Vonovia
- Vonovia schließt energietische Sanierung am Bildstocker Platz ab
- Vonovia kombiniert serielle Sanierung mit innovativer Fensterheizung
- Renovierung bei Vonovia-Wohnung
- Umweltfreundliche Sanierungen bei Vonovia
- Klimaschutz im Immobilienbestand