Einführung
Die Sanierung des Waldbades in Waldkraiburg ist ein beeindruckendes Beispiel dafür, wie ehrenamtliche Initiativen, Gemeinschaftsarbeit und eine klare strategische Planung dazu beitragen können, einen langfristig veralteten Freizeit- und Sportort für die Gemeinschaft zu erhalten. Das Waldbad, das in den 1970er Jahren errichtet wurde und ursprünglich als Trainingsstätte für Olympiapreisträger bekannt war, stand nach mehreren Jahrzehnten stetiger, aber nicht grundlegender Instandhaltung vor dem Aus. Ein ursprünglich geplanter Neubau stieß auf finanzielle Engpässe und musste schließlich abgebrochen werden. Doch statt in eine definitive Ruhe zu verfallen, fand das Projekt durch die aktive Beteiligung des Fördervereins Waldbad und der Unterstützung durch Bürger, Unternehmen und Stadtbürokratie eine neue Perspektive.
Dieser Artikel gibt einen umfassenden Überblick über die Herausforderungen, Planungen, Finanzierung und Umsetzung der Sanierung des Waldbades. Er beleuchtet die Rolle des Fördervereins, die technischen Aspekte der Instandsetzung, die finanzielle Planung und die langfristige Vision für das Waldbad in Waldkraiburg.
Das Waldbad in seiner Historie und Funktion
Das Waldbad in Waldkraiburg war über Jahrzehnte ein zentraler Freizeit- und Sportort für die Region. Es war als Trainingsstätte für Olympiapreisträger bekannt und bot vier große Becken an, darunter ein Wellenbecken. Zudem war ein großer Bereich mit einer Liegewiese, Spielplatz und Volleyballfeld integriert. Diese Ausstattung machte das Waldbad zu einem generationsübergreifenden Treffpunkt, der sowohl für Familien als auch für Sportler eine Rolle spielte.
Laut Bürgermeister Robert Pötzsch wurde das Waldbad über die Jahre immer wieder instandgehalten, aber nie grundlegend saniert. Nach etwa 50 Jahren Bauzeit stand das Gebäude am Ende seiner technischen Lebensdauer. Zudem lag das Waldbad in einer Region, in der laut KfW rund 16 Prozent der Freibäder in Deutschland in den nächsten drei Jahren schließen müssten, wenn keine Sanierung erfolgt.
Die Stadt Waldkraiburg hatte ursprünglich geplant, das alte Waldbad abzureißen und durch ein neues, optimiertes Freibad zu ersetzen. Doch die Kosten für den Neubau beliefen sich auf über 30 Millionen Euro – eine Summe, die für die Stadtfinanzen nicht tragbar war.
Die ehrenamtliche Initiative und das Konzept zur Sanierung
Im Jahr 2022, nach der Schließung des Waldbades, trat eine Gruppe ehrenamtlicher Bürger, organisiert über den Förderverein Waldbad Waldkraiburg, in Aktion. Die politische Zustimmung zu einem Teilbetrieb des Bades war nicht leicht zu erreichen, wie Stadträtin Martina Arnusch-Haselwarter erläuterte. Doch die ehrenamtlichen Bemühungen erwiesen sich als Schlüssel für die Wiederbelebung des Projekts.
Der Förderverein entwickelte ein detailliertes Konzept, um das Waldbad zumindest teilweise wieder zu öffnen. Das Ziel war es, das Sportbecken zu sanieren und das Sprungbecken in ein Nichtschwimmerbecken umzubauen. Die restlichen Becken wurden als nicht mehr saniert erachtet. Die Sanierung sollte mit reduzierten Öffnungszeiten und starker ehrenamtlicher Unterstützung durchgeführt werden.
Die Kosten für die Sanierung beliefen sich auf insgesamt 580.000 Euro. Ein Waldkraiburger Unternehmen übernahm die Hälfte der Kosten als Hauptsponsor. Zudem sammelte der Verein innerhalb weniger Wochen weitere 100.000 Euro durch Spendenaufrufe und Events. Die Sanierung wurde durch die Stadtwerke übernommen, wohingegen der Verein für alle Sanierungskosten verantwortlich zeichnete.
Die Planung und die technischen Herausforderungen
Der Stadtrat hatte in der Sitzung vom 19.07.2022 beschlossen, das bestehende Waldbad abzureißen. Doch nachdem der Förderverein ein alternatives Konzept vorgestellt hatte, wurde diese Entscheidung nicht weiter verfolgt. Stattdessen wurde eine Projektgruppe gebildet, die unter Einbindung verschiedener Interessengruppen eine Sanierungsvariante erarbeitete.
Zwei Sanierungsvarianten wurden ausgearbeitet. Beide sahen unter anderem ein 50-Meter-Sportbecken mit acht Bahnen, ein Sprungturmbecken, einen Neubau eines Erlebnisbeckens, einen Kleinkinderbereich und einen Spraypark vor. Die Unterschiede zwischen den beiden Varianten lagen vor allem in der Nutzung der bestehenden Becken. Variante 1 sah die Sanierung des bestehenden Sport- und Sprungbeckens vor, während Variante 2 vorsah, diese Becken an anderer Stelle auf dem Waldbadareal neu zu errichten.
Der Stadtrat hatte zudem beschlossen, Finanzmittel in Höhe von 11 Millionen Euro für das Waldbad bereitzustellen. Allerdings blieb die Finanzierung des Ersatzneubaus ungeklärt, wodurch die Planungen nicht weiter vorangetrieben werden konnten.
Der erste Schritt: Der „Ramadama“ im Waldbad
Am 8. Februar 2024 startete der Förderverein Waldbad mit einer ersten Instandsetzungsmaßnahme. Unter dem Namen „Ramadama“ fand ein Reinigungs- und Vorbereitungsprojekt statt, an dem über 120 freiwillige Helfer teilnahmen. Ziel war es, das Gelände von Unkraut zu befreien, groben Schmutz zu entfernen und einen neuen Zugang zu den Becken zu schaffen.
Die Helfer packten tatkräftig an, insbesondere im großen Schwimmerbecken, wo sich viel Laub angesammelt hatte. Neben der Reinigung der Wege und der Freilegung von Beckenrandbereichen wurde auch ein neuer Zugang geschaffen. Etliche Wagenladungen Laub, Schnittgut und Abfall wurden im Wertstoffhof entsorgt.
Die Veranstaltung zeigte nicht nur, wie viel Engagement in dem Projekt steckt, sondern auch, dass die praktische Umsetzung in Gang gekommen ist. „Die Beteiligung am heutigen Tag zeigt, wie viel Herzblut in diesem Projekt steckt. Es ist klar: Wenn alle Helfer weiterhin mit diesem Engagement dabei sind, wird das Waldbad pünktlich zur Saisoneröffnung fertig sein“, so Bernd Wegmann, Leiter der Helfergruppen.
Sicherheit und langfristige Planung
Ein besonderes Augenmerk lag auf der Sicherheit. Der Sprungturm wurde gegen unbefugten Zutritt gesichert, um Unfälle zu vermeiden. Zudem wurden umfangreiche Fliesenarbeiten und Reparaturen in den Becken durchgeführt, um Verletzungsgefahren auszuschließen.
Neben den handwerklichen Maßnahmen war auch die finanzielle Seite des Projekts von großer Bedeutung. Der Förderverein hat einen detaillierten Finanzplan erstellt und setzt auf Spenden und Sponsoren, um das Vorhaben zu realisieren. „Jeder Beitrag zählt“, betont Martina Arnusch Haselwarter, zweite Vorsitzende des Vereins.
Das Konzept des Minimalbetriebs
Aufgrund der finanziellen Lage der Stadt, die einen Neubau der nächsten 10 bis 20 Jahre nicht finanzieren kann, hat der Förderverein ein Konzept für einen sogenannten „Minimalbetrieb“ entwickelt. Dieses Konzept sieht vor, das Waldbad in einem eingeschränkten Betreibermodell zu öffnen, um den Freizeitort für die Bürger von Waldkraiburg wieder zugänglich zu machen.
Im Juli 2024 beauftragten schließlich die Stadträte den Förderverein, ein detailliertes Konzept für die Wiedereröffnung vorzulegen. Ein Arbeitskreis mit Projektleitern für die verschiedenen Teilbereiche wurde gebildet. Der Förderverein arbeitete eng mit Experten wie Herrn Pickel, Geschäftsführer der L&P Beratende Ingenieure Bäderbau, dem Stadtwerksleiter und dem Bürgermeister zusammen, um eine Bestandsaufnahme vorzunehmen und ein detailliertes Sanierungsprogramm zu entwickeln.
Die Stadtwerke stellten zudem ausführliche Unterlagen der bisherigen Einnahmen und Ausgaben zur Verfügung. Der Förderverein holte bei Fachfirmen Angebote für die Instandsetzungsarbeiten ein und entwickelte Ideen, um die Betriebskosten zu senken.
Finanzierung und Spendenerfolge
Die Finanzierung der Sanierung war von Anfang an eine Herausforderung. Der Förderverein Waldbad setzte auf eine Kombination aus Spendengeldern, Sponsoring und ehrenamtlicher Unterstützung. Ein Waldkraiburger Unternehmen übernahm als Hauptsponsor die Hälfte der Sanierungskosten. Zudem konnten innerhalb kürzester Zeit weitere 100.000 Euro durch Spendenaufrufe und Events eingesammelt werden.
Die Sanierung wird durch die Stadtwerke übernommen, wohingegen der Verein für alle Sanierungskosten verantwortlich zeichnet. Der Förderverein hat zudem einen detaillierten Finanzplan erstellt, der auch langfristig die Betriebskosten abdecken soll. „Jeder Beitrag zählt“, betont Martina Arnusch Haselwarter, zweite Vorsitzende des Vereins.
Die Zukunft des Waldbades
Das langfristige Ziel des Fördervereins ist es, das Waldbad als Erholungsort für die Bürger von Waldkraiburg für etliche Jahre zurückzubringen. Die Instandsetzung erfolgt in mehreren Phasen, wobei in den nächsten Wochen die Sanierung des Schwimmerbeckens und der Umbau des Sprungbeckens zum Nichtschwimmerbecken anstehen. Auch die Badewassertechnik wird erneuert, um den Betrieb langfristig sicherzustellen.
Die Erfahrungen aus dem ersten „Ramadama“-Tag zeigen, dass das Engagement der Bürger groß ist und sich in der Gemeinschaft stark zeigt. „Es fühlt sich gut an, nach all der Planungsarbeit endlich praktisch tätig zu werden“, so Kai Röpke vom Förderverein Waldbad.
Fazit
Die Sanierung des Waldbades in Waldkraiburg ist ein beeindruckendes Projekt, das die Kraft von ehrenamtlicher Arbeit und Gemeinschaftsengagement eindrucksvoll unterstreicht. Obwohl der geplante Neubau aufgrund finanzieller Engpässe nicht realisiert werden konnte, hat der Förderverein Waldbad mit einem alternativen Konzept eine neue Perspektive für das Freibad erarbeitet.
Durch die Sanierung des Sportbeckens, den Umbau des Sprungbeckens und die engagierte Unterstützung durch Bürger, Unternehmen und Stadtbürokratie hat das Waldbad eine zweite Chance erhalten. Die Instandsetzung wird in mehreren Phasen durchgeführt, und die finanzielle Planung berücksichtigt auch langfristige Betriebskosten. Zudem setzt das Projekt auf Spendengelder und Sponsoring, um die Sanierung zu ermöglichen.
Die Wiedereröffnung des Waldbades in einem sogenannten „Minimalbetrieb“ ist ein realistisches Ziel, das durch die ehrenamtlichen Bemühungen und die finanzielle Unterstützung der Gemeinschaft erreicht werden kann. Das Waldbad wird nicht nur als Freizeit- und Sportort, sondern auch als generationsübergreifender Treffpunkt für die Bürger von Waldkraiburg eine zentrale Rolle spielen.